Sonntag, 31. Mai 2009

Einfach himmlisch!

Joseph Haydn war ein frommer Mann. Unter seine Partituren schrieb er "S.D.G." ("Soli Deo Gloria" – Allein Gott sei Ehre). Und als er gegen Ende seiner Laufbahn die unvergleichliche "Schöpfung" komponierte, sah er sich als bescheidenes Werkzeug Gottes: "Nie war ich so fromm als bei der Komposition der 'Schöpfung'. Täglich fiel ich auf die Knie und bat Gott, daß er mich stärke für mein Werk." - Heute, am 31. Mai, jährt sich sein Todestag zum 200. Mal.

In seinen letzten Lebensjahren widmete Haydn seine ganze Kraft der geistlichen Musik. Seine späten sechs Messvertonungen – die Pauken-, Heilig-, Nelson-, Theresien-, Schöpfungs- und Harmoniemesse (1796-1802) – sind Inbegriff klassischer Messkompositionen und

neben Schuberts und Bruckners Messen ein Höhepunkt katholischer Kirchenmusik.
Haydn führt darin die klassische Polyphonie zu ungeahnter Höhe. "Auf meine Messen bin ich
etwas stolz." Dieser - wie immer bescheidener - Ausspruch Haydns über seine "sechs späten Messen" sagt einiges aus über die hohe Qualität und die kompositorische Finesse seiner kirchenmusikalischen Meisterstücke.
Meines Erachtens gehören diese 6 „späten“ Haydn-Messen zum absolut Besten, was je an katholischer Kirchenmusik geschrieben worden ist. Sie sind tiefsinnig, fromm, fröhlich, - einfach wunderschön:

Ein perfektes Zusammenspiel schier unbändiger Kraft und Frische. Wer ebenfalls an dieser unerschöpflichen „Kraftquelle“ teilhaben möchte und seiner (katholischen) Seele wirklich etwas Gutes gönnen möchte, dem kann ich nur dringend die beigeisternde 4-CD-Box mit dem Tölzer Knabenchor unter dem packenden Dirigat von Bruno Weil empfehlen (Link rechts), die gerade im Jubiläumsjahr äußerst preiswert (vier CDs zum Preis von nur einer) erschienen ist:
Einfach himmlisch!


Joseph Haydn, Harmoniemesse

In der "Harmoniemesse" kommt Haydns ehrfürchtiger, doch stets lebensbejahender katholischer Glauben m. E. besonders deutlich zum Ausdruck: "Nicht von düsterer, gequälter Art, sondern vielmehr heiter und versöhnt", wie sein Freund und Biograph Georg A. Griesinger festhielt.

Joseph Haydn, Te Deum n.2 in C-Dur 

Haydns herrliches, schwungvoll-mitreißendes "Te Deum" für Kaiserin Marie Therese ist quasie als "Zugabe" auch in der oben empfohlenen CD-Box enthalten!

Dienstag, 26. Mai 2009

Regenmäntel, Pferdedecken und andere Messgewänder

Bereits vor einiger Zeit hat "Don Johannes" einen Beitrag über die "Kultur der Hässlichkeit" geschrieben, die (leider) immer noch aktuell ist: Warum Priester in die Sakristei reingehen und aus dem Reitstall rauskommen, sie Geld zu Stroh machen und es Gläubige zum Wiehern finden. - Ein Plädoyer gegen Polyester, ein Plädoyer gegen die Hässlichkeit:

Während die Welt all die spinatgrünen Badezimmerfliesen und orange-farbigen Vorlegerteppiche weitgehend im Ausguss des Vergessens entsorgt hat; während fast alle ihre Plastikmöbel aus den 70ern zum beinahe ewigen Andenken den Müllbergen hinterlassen haben; während also all die Menschen langsam zur Vernunft kommen, dauert eine der bizarrsten kunstgeschichtlichen Epochen in den Sakristeischränken fast ungebrochen an.

Da tanzen nach wie vor schräge, verzerrte Quadrate mit Kreisen und Strichen auf den Kaseln um die Wette. „Dynamik“ nennt man das mit schönen Worten. Und mit diesen scheint der Fachhandel für Kirchenbedarf wahrhaft gesegnet: Die leere, linke Seite stellt die Ellipse auf der rechten Seite in ein „existenzielles und spannungsreiches“ Verhältnis, so die leider nicht ganz imaginäre „Erklärung“ für ein Stück im frommen Kleidungshandel. In diesem Sinn vermittelt auch Form, Farbe und Stoff des nächsten Objektes in der Verkaufsvitrine überzeugend die „inkarnatorische Wirklichkeitsebene und sich entäussernde Erdverbundenheit“ eines Kartoffelsacks. Das wäre auch ganz nett, wenn das Ding so viel kosten würde, wie ein solcher.

Als eindrucksvolle Litanei liest sich die Waschanleitung: Polyester, Polyacryl, Polyamid. Wem fällt da schon „Polytheismus“ auf, der unsichtbar und quer über dem Fetzen Stoff geschrieben steht. Genuin Christliches ist nämlich wenig zu finden – ein Vorteil, möchte man meinen, wenn man sich das Gotteshaus vielleicht mit Hindus teilen will – ach nein, das geht ja nicht, weil andere Religionen ihren Götzen, nicht das Billigste und Hässlichste vorsetzen.

Ja, aber kann man das so sagen? Es wird doch nicht alles hässlich sein? Vielleicht ist es das nicht. Was es braucht ist eine Expertenkommission. Liturgen sind damit nicht gemeint – um Gottes Willen! Experten mit Hausverstand braucht es – keine Liturgen. Man findet sie in Kindergärten und Grundschulklassen. Ihre eindeutige Wertungsskala geht von „Mund-zu“ bis „Mund-vor-Staunen-offen.“ Wer Kindern eine goldbestickte Kostbarkeit serviert und eine Pferdedecke mit Kopfloch, wird ein klares Urteil erhalten – es sei denn die Pferdedecke ist so rosa wie das Lieblingskleid der Barbie Puppe, denn das bringt selbst die unvoreingenommenste Jury ins Wanken.

Wer meint, Katechese sei ein langer Vortrag, irrt. Und wer meint, Katechese müsse nicht glaubwürdig sein, irrt auch. Wenn wir vom Heiligen reden, aber nichts um uns seine Heiligkeit, Schönheit, Größe, Herrlichkeit vermittelt, wie es selbst die Blume am Felde tut, dann haben wir nur zu Ohren geredet, nicht zu den Herzen. Menschen aller Kulturen und Zeiten haben dies begriffen. Menschen in armen Ländern leben, nach diesem Grundsatz. Was ist mit uns? Wir sitzen in kirchlichen Betonwaschküchen und warten auf Erleuchtung. Ob uns durch die Preisträger des deutschen liturgischen Instituts ein Licht aufgehen wird, ist zu bezweifeln. Die Gewissheit steigt: „Kultur des Todes“ hat Synonyme. Kultur der Hässlichkeit ist eines davon. – Kultur der Dummheit vielleicht ein anderes?

Kaplan Johannes Maria Schwarz (in:
Amici News,  April 2005)


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Anmerkung: Aktueller Anlass zur Wiederveröffentlichung dieses Artikels war wieder einmal ein morgendlicher "Schweißausbruch" in meinem hässlichen "Kartoffelsack" (aus Polyester-Plastik) - auch "Mantelalbe" genannt  (Foto oben links) - den wir Konzelebranten in St. Ottilien bei der Konzelebration in der Hl. Messe werktags über unserem Ordensgewand (natürlich auch aus einer Kunstfaser) tragen. 
Ich beneide jeden Dorfpfarrer, der bei jeder Hl. Messe eine richtige Albe (aus Leinen) und eine schöne, leichte, "luftige" Kasel (am besten eine ärmellose, barocke "Baßgeige") tragen darf. - 
Was hatte man früher doch für einen Verstand und guten Geschmack, wenn es um schöne und um gleichzeitig praktische Dinge ging! - Und wo sind wir heute oft gelandet? - "Kultur der Hässlichkeit" - "Kultur der Dummheit", - wirklich schön gesagt Herr Kaplan!

Sonntag, 24. Mai 2009

IN MEMORIAM ARNOLD

Als ich heute mit der Bahn nach einer Aushilfe von St. Alban (am Ammersee) nach St. Ottilien zurückfuhr, fand ich beim Lesen in einer liegengelassenen Sonntags-Zeitung diesen netten Comicstrip. - Und sofort musste ich an ARNOLD denken, den (3.) Rauhaardackel meiner Eltern: Der hatte auch oft, wie WURZEL, irgendwelchen "Unfug im Kopf". - Aber wer weiß, was sich so ein Dackel manchmal so denkt?
Wahrscheinlich denkt so ein Dackel viel weiter als man meint, und dann kann es eben im Zusammenleben schon einmal - so wie in diesem Comicstrip - zu "kleinen Missverständnissen" kommen. - Auf jeden Fall hatten meine Eltern (und ich) sehr viel Freude mit unserem ARNOLD.
Leider musste er nach 15 glücklichen und erfüllten Dackeljahren vor ein paar Tagen eingeschläfert werden, wie mir meine Mutter ganz traurig am Telefon mitgeteilt hat: Es ging einfach nicht mehr. -
Aber vielleicht können sich meine Eltern doch noch einmal dazu entschliessen einem vierten Dackel eine Chance zu geben und ihr Leben erneut mit diesen vielen "kleinen Missverständnissen", aus denen man so viel lernen kann, zu bereichern? - Ich hoffe es sehr!

Freitag, 22. Mai 2009

Im wunderschönen Monat Mai kroch Richard Wagner ...

(mit diesen humorvollen Worten an seine erste Frau Minna
gratulierte sich Wagner selbst zu seinem Geburtstag am 22. Mai 1813)

Wenn der Meister nicht gestorben wäre, dann wäre er heute 196 Jahre alt geworden! - Na ja, damals gab es noch keinen "Medizin-Fortschritt", so dass er "nur" 70 wurde. Trotzdem: HAPPY BIRTHDAY, MAESTRO! - Wir haben Dich nicht vergessen!

Mittwoch, 20. Mai 2009

Eine Schlappe für den Mann

Aus aktuellem Anlass - ich komme gerade aus München - muss dieser Beitrag noch einmal "wiederholt" werden. Er wurde vor etwa einem Jahr schon einmal an dieser Stelle veröffentlicht. Leider scheint er (zu) wenig Beachtung gefunden zu haben! - Deshalb leider dieser absolut "notwendige" Re-Post:

"Früher kam das Unheil auf leisen Sohlen. Jetzt kommt es auf Sohlen, die flipflop machen. Ein Schuh, der seinen Namen aussprechen kann. Getragen von Männern, die Stil nicht buchstabieren können. Ein Mann, der Flip-Flops trägt, hat sein Recht auf gesellschaftliche Partizipation verwirkt: Soll er sich doch mit seinen Latschen unterhalten!

In Badeschlappen und Shorts zur Arbeit: "Sind Sie im Freibad angestellt?", möchte ich solche Leute fragen. "Und wird Ihr zwölfjähriger Sohn seine Hosen nicht vermissen?" Diesen Kleidungsstil infantil zu nennen, ist noch viel zu wohlwollend. Kinder haben ein feines Gespür für das Angemessene ihrer Garderobe. 

Das mit Text bedruckte T-Shirt ist überhaupt der Gipfel. Was glauben diese Leute? Dass sie so langweilig sind, dass sie ihr Gegenüber vorsichtshalber mit Lektüre beschäftigen müssen? Oder fühlen sie sich hässlich und wollen von ihrem Gesicht ablenken? Neulich sah ich einen 50-Jährigen, auf dessen T-Shirt "Held der Arbeit" stand. - Wieso darf jemand sowas tragen, wenn er sich noch nicht einmal die Arbeit macht, ein richtiges Hemd zu bügeln?

Mit dem Kurzarm-Hemd wird die Sache auch nicht besser. Oft stehen die Ärmel wie kleine Flügel ab. Schwimmflügel denke ich dann immer, und der Impuls, den Betreffenden in ein öffentliches Gewässer zu stoßen, wird überwältigend. 

Das Pendant sind die bereits erwähnten Shorts, zur Zeit vorzugsweise im Army-Look, aus denen behaarte Beine wachsen. - Der Terror der Intimität kennt keine Grenzen: Noch bevor ich den Namen einer Person erfahre, habe ich dank Hüfthose, Hawaiihemd und Shorts bereits Hinterteil, Bauch und Oberschenkel kennengelernt.

Wer soweit geht, scheut sich auch nicht davor, ohne Socken im festen Schuh aufzutreten. Barfuß im Budapester: Bin ich degeneriert, wenn ich mir vorstelle, wie so ein Männerfuß sich schwitzend ans Lederinlay schmiegt und mit ihm eine quasi chemische Verbindung eingeht, die hier zurückhaltend als "olfaktorische Herausforderung" bezeichnet werden soll?" - Soweit Daniel Haas (manchmal - leider eher selten - steht ja auch im SPIEGEL etwas Vernünftiges) in seinem Kultur-Feuilleton.

Wirklich gruselig, das Ganze! 

Freitag, 8. Mai 2009

Leben und Leben lassen - auch die Raucher!

Gerade fällt mir beim Aufräumen meines Schreibtischs ein interessanter Artikel von Abtprimas Notker Wolf zum Thema "Rauchen" in die Hände. -
Danke Abtprimas Notker, für diese wahrhaft weisen Worte!


Die Italiener sind alles andere als vollkommen, das wissen sie auch. Aber sie überraschen uns Deutsche immer wieder durch ihre praktische Menschlichkeit. So hielten sie sich zum Beispiel vom ersten Tag an, an das Rauchverbot in Bars und Restaurants. Niemand hätte damit gerechnet - wo die Italiener doch dafür bekannt sind, Lücken im Gesetz zu entdecken, noch bevor es in Kraft getreten ist. Als Erklärung bekam ich oft zu hören: Rauch könnte andere stören, und wir wollen niemanden belästigen. Nicht die Sorge um die Gesundheit gab also den Ausschlag, sondern die Rücksichtnahme auf andere.

Seither findet man abends vor jeder Trattoria, vor jeder Bar eine Gruppe von Rauchern. Und siehe da - keiner beschimpft sie. Keiner wirft ihnen böse Blicke zu. Nicht nur die Raucher sind in Italien tolerant, auch die Nichtraucher sind es! Jeder macht einfach für sich das Beste aus der neuen Situation. Für die Raucher heißt das: Man nutzt die Zeit vor der Tür zu einem Schwätzchen. Man kommt ins Gespräch, aber nicht, um sich über Familie und Politik, über Schule und Arbeit zu unterhalten. So lernen sich wildfremde Leute kennen. Ich finde das schön. Leben und leben lassen - diese Formel für gelassene Menschlichkeit ist den Italienern in Fleisch und Blut übergegangen.

Bei uns sieht es leider anders aus. Da lernen Raucher neuerdings den moralischen Eifer ihrer nichtrauchenden Mitmenschen kennen. Da wird geschimpft, wenn einer auch nur die Zigarettenschachtel zückt. Da kennen die Kämpf er für eine bessere, rauchfreie Welt keine Gnade, kein Pardon. Bei uns gilt: Wer für die Gesundheit eintritt, der hat auf jeden Fall recht. Und wer recht hat, braucht keine Rücksicht mehr zu nehmen. Deshalb regiert hierzulande der erhobene Zeigefinger, die gerunzelte Stirn, der strafende Blick. Ich befürchte: Es fehlt nicht mehr viel, und Raucher werden zu Schädlingen erklärt. Das ist intolerant, und es ist unchristlich. Jesus warnt davor, andere moralisch zu verurteilen, wenn er sagt: „Richtet nicht, aufdass ihr nicht gerichtet werdet" (Matthäus 7, 1). - Für mich ist das die Sprache der Menschlichkeit.

Gott segne Sie!
+ Notker Wolf+++++++++++++++++++++++

Sonntag, 3. Mai 2009

Im Auftrag Seiner Göttlichen Majestät

Auch Kaplan Johannes Maria Schwarz aus Triesenberg (Liechtenstein) arbeitet "Im Auftrag Seiner Göttlichen Majestät". Mit seinen erfrischend anderen Werbevideos hat "Don Johannes" mittlerweile für Furore gesorgt. Viele zehntausendmal wurden seine Videos bereits angeklickt. Das liegt nicht nur an den äußerst originellen Plots, sondern auch an der professionellen Umsetzung derselben. 
Hier 10 Kurz-Clips, passend zum heutigen "Guten-Hirten-Sonntag", dem Weltgebetstag für Geistliche Berufe:



(von Papst Benedikt XVI.)