Montag, 29. Juni 2009

The Short and Simple Story of the Credit Crisis

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Eigentlich ein Stück E-Learning “at its best”. Jonathan Jarvis hat als Abschlussarbeit seines Media Design-Studiums ein elf-minütiges Video gedreht, “The Short and Simple Story of the Credit Crisis”, in dem er Hintergrund und Auslöser der aktuellen Finanzkrise beschreibt.
Hier werden komplexe Zusammenhänge mit Tempo und einigen Fachbegriffen auf den Punkt gebracht: Die Kombination aus Bild, Text und Sprache ist wirklich gelungen!

Freitag, 26. Juni 2009

Über Barmherzigkeit, Realitätssinn und 'gschlamperte Verhältnisse'

In meiner Studienzeit in Münster und München hatte ich das ganz große Glück, dass ich noch Philosophie-Vorlesungen bei Josef Piper und Robert Spaemann hören konnte: Zwei m.E. ganz "große Denker und Lehrer" des 20. Jahrhunderts. - Letzterer verfasst in regelmäßigen Abständen auch im fortgeschrittenen Alter immer noch hochintelligente Beiträge und Artikel
(die ja gerne von mir zitiert werden).
Hier Spaemanns aktueller Beitrag zum Thema "Pius-Brüder", der gerade in der "Tagespost" veröffentlicht wurde:

„Wo der gute Wille fehlt, fehlt eigenartigerweise oft auch das logische Denken. Große Aufregung um die geplanten Priesterweihen der Piusbruderschaft. Sie seien unerlaubt, bestätigt nun der Pressesprecher des Vatikan (DT vom 18. Juni). Gottlob nur der Pressesprecher, denn es handelt sich hier ja um nichts Neues. Die Priester der Bruderschaft waren längst vor der Exkommunikation suspendiert.

Das heißt, sie durften keine Sakramente mehr spenden, nicht mehr die Messe feiern, nicht mehr Beichte hören und die Krankensalbung spenden. Natürlich gehört auch die Priesterweihe zu den unerlaubten Handlungen. Was allerdings seinerzeit zu den Exkommunikationen geführt hatte, waren nicht die Priesterweihen, sondern erst die Bischofsweihen.

Wollte Rom die Lehrgespräche mit der Bruderschaft an die Bedingung des einstweiligen völligen Verzichts auf Sakramentenspendung knüpfen, dann hieße das, sie müsste sich erst einmal auflösen, ehe die Gespräche überhaupt begonnen haben. Kein gutwilliger und vernünftiger Mensch wird das verlangen. Wer es verlangt, will eine Bedingung stellen, von der er weiß, dass sie unerfüllbar ist.
Da die Priesteramtskandidaten sich im guten Glauben, am Ende geweiht zu werden, in die Seminare der Bruderschaft begeben haben, würde die Bruderschaft gegen Treu und Glauben verstoßen, wenn sie ihnen die Weihe nun plötzlich verweigerte. Um den entstehenden Stau in den Priesterseminaren und Hochschulen zu beenden, würden die nun beginnenden Gespräche unter einen Druck gesetzt werden, der für die Erzielung eines tragfähigen Ergebnisses schädlich sein könnte.

Im Übrigen müssten dann alle Wiedervereinigungsgespräche mit den orthodoxen Kirchen suspendiert werden, weil ihre Weihen nicht vom Papst approbiert, also ‚unerlaubt‘ sind. Und ebenso hätte der Papst sich schuldig gemacht durch die Wiederaufnahme der chinesischen ‚patriotischen‘ Bischöfe, ohne dass von ihnen der Austritt aus der patriotischen Vereinigung verlangt worden wäre.

Dies obwohl der Papst in seinem Brief an die chinesischen Katholiken diese Vereinigung als unvereinbar mit der katholischen Lehre verurteilt hat. Im Übrigen: Warum hat sich in den Vereinigten Staaten niemand aufgeregt, als die Priesterbruderschaft dort unlängst ebenfalls Priester geweiht hat?

Die Barmherzigkeit, der Realitätssinn und die Zielstrebigkeit des Papstes, mit denen er ‚gschlamperte Verhältnisse‘ vorübergehend in Kauf nimmt, wird offenbar von seinen mehr an Prinzipien als an Menschen interessierten Landsleuten weniger verstanden als vom Rest der Christenheit in der Welt.“

Sonntag, 21. Juni 2009

„Habt ihr noch keinen Glauben?"


Bild: Der Sturm auf dem See. -

(Hitda-Codex, Köln, um 1000 n. Chr.)



In meiner Jugendzeit gab es in meiner Heimatgemeinde eine gute Tradition. Da bekam man in der Osterzeit von einem Messdiener nach der hl. Kommunion ein kleines Andachtsbildchen überreicht. Und an mein „Lieblingsbildchen“ kann ich mich noch sehr genau erinnern:
Auf einem riesigen Kissen schläft Jesus im Boot, während um ihn herum die Jünger in Panik ausbrechen. – Mittlerweile weiß ich als Bibliothekar, dass es sich dabei um eine mittelalterliche Buchmalerei (natürlich eine Kopie) von einem Mönch aus Köln handelte, die etwa um das Jahr 1000 entstanden ist.

Der Mönch hat das Boot als ein Seeungeheuer dargestellt und das zerrissene Segel des Bootes sieht aus wie eine riesige Schwanzflosse. Ganz besonders interessant ist die Form, der Rumpf des Schiffes. Das Boot sieht aus wie eine gewaltiger Maul, der alle Insassen – samt Jesus mit seinem Kissen - zu verschlingen droht.

Im Boot sieht man die ratlosen, angsterfüllten Gesichter der Jünger. Mit einer hektischen Handbewegung versucht wohl der weißhaarige Petrus noch das Segel einzuholen oder das Wasser aus dem Boot zu schöpfen. So ganz genau kann man das nicht erkennen. Alle anderen scheinen bereits resigniert zu haben. Sie kauern in der Ecke und warten auf ihren Untergang.

Und das war mir damals schon aufgefallen: Das Aufregende an diesem Bild ist, dass dort nicht die aufgewühlte See als Bedrohung dargestellt wird, sondern das Boot, in dem sich die Jünger mit Jesus befinden. Vom Sturm und von hohen Wellen ist auf dem Bild gar nichts zu sehen! - Das unheimliche geht allein vom Boot aus.

Das Bild legt uns nahe, dass es gerade diese Haltung der Jünger ist, die das Boot zu einem Dämon werden lässt: Hektischer Aktionismus, gepaart mit Resignation und Orientierungslosigkeit. Das alles führt dazu, dass das Boot dem Abgrund näher ist als der Rettung. –
Von den Jüngern also geht also die eigentliche Gefahr aus, nicht von dem Seesturm! - Eine wirklich sehr interessante Sichtweise!

Moderner - so denke ich - könnte dieses tausend Jahre alte Bild nicht sein, wenn wir es einmal auf heute übertragen: Der Sturm, die Anfeindung von Außen ist nicht das Schlimmste, was das Boot zum Kentern bringen kann. - Was mir persönlich oft wirklich Sorgen und Angst macht ist es, wie es im Schiff Petri selber aussieht. Die Zerstrittenheit und Uneinigkeit im Innern, der innere Glaubensabfall, die Selbstzerstörung der Kirche: das ist die größte Not!

Da gibt es Theologen, die die Jungfrauengeburt, die Wunder Jesu und seine Auferstehung zu frommen Märchen erklären; oder die wortgewandt darlegen, das Priestertum und die Sakramente der Kirche seien unbiblische Irrtümer der Geschichte. Da gibt es allwissende Kirchenfunktionäre, die zu jeder Äußerung des Papstes postwendend das Gegenteil verkünden; Pfarrer und Laien, die ihren Gemeinden "selbstgestrickte" Gottesdienste zumuten und um die universale Liturgie der Kirche betrügen: Sie alle tragen – bewusst oder unbewusst – zum Werk der Selbstzerstörung des Glaubens bei.

"Wenn die Kirche untergeht, dann nicht wegen ihren Feinden, sondern wegen ihren Theologen..." hat Nietzsche einmal gesagt. – Ich glaube, da ist einiges Wahres dran. Aber - Gott sei Dank - sind wir ja nicht alle Theologen!

Liebe Brüder und Schwestern,
"Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr noch keinen Glauben?" – Diese Frage gilt natürlich uns allen. Denn es wird kaum einen unter uns geben, der nicht die Angst kennt, der nicht manchmal vom Dämon der Angst geplagt und in die Mangel genommen wird, so dass es „eng“ wird. - Das Wort "Angst" kommt übrigens von "Enge".

Bei den Ängsten, die uns befallen, geht es um unterschiedliche Dinge: Angst vor der Zukunft, die Angst vor Niederlagen und Misserfolgen; die Angst vor Krankheit, vor Einsamkeit, vor feindseligen Zeitgenossen oder Mitbrüdern; oder die Angst in Form eines unbestimmten Gefühls der Bedrohung. Im Kern sind alle Ängste in einer Ur-Angst verwurzelt: In der Todesangst, so wie sie die Jünger im Seesturm erleben.

Jesus bringt die Ursache all dieser Ängste in seiner kurzen Diagnose genau auf den Punkt: „Habt ihr noch keinen Glauben?“

Diese Frage macht aber vor allem auch deutlich, dass die Jünger noch gar nicht realisiert haben, wer da mit ihnen im Boot sitzt. Und auch nach dem Naturwunder der Seestillung scheint immer noch Unklarheit darüber zu herrschen, wer Jesus eigentlich ist: „Was ist das für ein Mensch, dass ihm sogar der Wind und der See gehorchen?“

Und genau hier liegt meines Erachtens die Ursache aller Ängste und Probleme nicht nur für die Jünger damals, sondern auch für die Glaubenskrise in der heutigen Gesellschaft: Die Gottheit Jesu wird nicht erkannt bzw. heute nicht mehr geglaubt.
Selbst einige kirchliche Gemeinschaften glauben nicht mehr an die Gottheit Jesu. So glauben z.B. die „Zeugen Jehovas“ dass Jesus der „beste Mensch aller Zeiten“ war. – Mehr nicht!

Und wieviele Katholiken werden das mittlerweile leider auch glauben? - Wieviele werfen Jesus heute in einen Topf mit Buddha, Mohammed, mit anderen Propheten oder Religionsstiftern? - Wieviele glauben heute noch, dass Jesus wirklich auch „wahrer Gott“ ist? – Und genau das ist die Kernbotschaft des Christentums, um die sich alles dreht, von der unser Heil abhängt.

In den letzten Jahrzehnten wurde Jesus oftmals so „vermenschlicht“ und "verdunkelt", dass von seiner Gottheit kaum noch etwas übrig geblieben ist (1). Und wenn geglaubt wird, dass Jesus nur ein „guter Mensch“ war, so wie hoffentlich Sie und ich es auch sind, dann ist das zwar sehr erfreulich, aber „ewiges Leben“ wird er dann wohl kaum schenken können?

Wer die Gottheit Jesu in Frage stellt, der wird dann auch zwangsläufig vieles andere als „faulen Zauber“ erleben: die Kirche, das Priestertum, die Sakramente.

Liebe Brüder und Schwestern,
am Ende deshalb nur ein Beispiel, weil es in wenigen Minuten aktuell werden wird: Wenn Jesus nur „wahrer Mensch“ war, wie wird er sich dann wohl gleich in Brot und Wein verwandeln können? –

Der Unglaube an die Gottheit Jesu ist m. E. die Ursache für die Glaubenskrise in der heutigen Gesellschaft. - Aber vom Glauben an die Gottheit Jesu hängt letztendlich alles ab.

Und genau hier sind wir nun wieder im kleinen Boot angelangt, das der Kölner Mönch als einen Dämon dargestellt hat: Der Dämon, das sind nicht die Launen der Natur, das ist nicht der Sturm. – Der Dämon, das ist unser Unglaube, unsere Orientierungslosigkeit, unsere Resignation. - Der Dämon, das ist unsere Angst, dass Gott nicht existiert, dass Gott nicht mit uns im Boot sitzt und wir alleine auf uns angewiesen sind. - Aber eines ist ganz sicher:

„Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde geschaffen hat.
Er, der mich behütet, schläft nicht.
Nein, der Hüter Israels schläft und schlummert nicht.
Er steht mir zur Seite!“ (aus Ps 121)

Amen.


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(1) Auch hier nur ein kleines "liturgisches" Beispiel für eine solche "Verdunkelung": Wenn die abschließende Formel eines Gebets "Darum bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn und GOTT ..." ständig vom Zelebranten eigenmächtig in "Darum bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn und BRUDER ..." abgeändert wird, dann wird das auf Dauer sicherlich (fatale) Folgen zeigen.


Predigt, 12. Sonntag im Jahreskreis (B) am 21. VI. 2009
(Choralamt um 9.15 Uhr, Abteikirche St. Ottilien)
Evangelium: Mk 4, 35-41


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Seesturm (eine Betrachtung)
Hitda-Codex

HERR RETTE UNS

Ein Sturm reißt das Boot in die Tiefe.
Das Meer wird zum drohenden Abgrund.
Todesangst steht im Gesicht der Jünger.
Das sichere Segel ist gerissen.
Die Ruder starren sinnlos ins Leere.
Alle Hilfe kommt hier wohl zu spät.
Ist der Mensch also letztlich -
so wie diese Jünger im Sturm -
dem Schicksal hilflos preisgegeben?
Wenn selbst Gott, mitten im Sturm,
schweigt und schläft?
Wenn die Jünger Jesu verzweifelt rufen:
"Herr, kümmert es Dich nicht,
daß wir zugrunde gehen?
Rette uns doch!"
Der Maler zeigt auffallend -
genau in der Mitte des Bildes -
einen Jünger, der sich umwendet,
ganz hinwendet zu Jesus.
Vermutlich ist es Johannes,
der wie kein anderer den Herrn liebte.
Er legt seine Hand auf die Schulter Jesu.
Er hält sich an diesem Jesus fest.

Er erwartet sonst nirgendwo Hoffnung.
Seine Hoffnung ist allein - der Herr.
In Wirklichkeit natürlich
schläft dieser Jesus nicht.
Er ist mitten in unserem Boot drin.
Er steigt auch niemals aus.
In allen unseren Nöten und Ängsten
ist er der ruhende Pol,
ist er das sichere Gegengewicht
zum hoffnungslosen Untergang.
Er ist ganz einfach - da,
da für uns und mit uns.
Und keine Macht dieser Welt
ist stärker als der Arm
und die sieghafte Rechte unseres Gottes.
Das eigentliche Zeichen der Hoffnung
aber auf unserem Bild
ist der Schiffsmast mit der Querstange.
Die Römer nannten sie - die Antenne.
Beide bilden zusammen - ein Kreuz.
Wer immer sich an diesem Kreuz festhält,
wird mit Jesus und durch Jesus
alle Stürme überleben,
am Ende sogar - den Tod.
Darum beteten die ersten Christen:
"Wir grüßen dich heiliges Kreuz.
Du bist unsere einzige Hoffnung."

Ich bitte Dich,
Christus,
steuere die Menschen
durch die Fluten
und Stürme
mit dem Baum
und der Antenne des Kreuzes.
An ihm hängt das Segel,
ein Zeichen für das Wehen
und die Kraft Deines Geistes.
Deine Rechte führe uns,
damit wir nach dieser Zeit,
voll von Wogen und Abgründen,
sicher das Ziel erreichen -
das Leben -
die ewige Geborgenheit
bei Dir.
(Venantius Fortunatus)

Text: Theo Schmidkonz SJ



Samstag, 20. Juni 2009

Vorbildlich: Westminster Cathedral's free-standing altar has gone for good!

Unlamented: the “accessible” modern altar

The big free-standing altar that cluttered up the sanctuary of Westminster Cathedral has gone for good, it seems - with the full approval of Archbishop Vincent Nichols, who is happy to celebrate Mass at the proper altar at the back of the sanctuary, under the baldacchino

Not only has the new altar (above) gone, but the hideous wooden platform on which it stood is now firmly locked away in a warehouse, never to return. And its location is being kept a secret, lest Tabletistas steal it back and try to restore what they imagine is “Vatican II worship”.

The metal-framed altar was temporarily removed (as it always is) for Holy Week services, and then someone suggested to Archbishop Vincent Nichols that it should not return for his installation. I gather that he went up to Bentley’s original stone altar - where Mass can be celebrated west or east - and decided that, yes, this was the right place for him.

The wooden floor of the sanctuary has now been restored to remove the marks left by the platform, installed for the visit of John Paul II in 1982. I wish I could say that Archbishop Nichols celebrated eastwards, as the Pope would no doubt like him too - but, hey, one brick at a time.

One great blessing: the new Archbishop has presumably put paid to any mad re-ordering schemes for the cathedral. Cardinal Cormac Murphy-O’Connor, for example, apparently toyed with a plan to move Bentley’s altar forward and install his own throne under the baldacchino. (Such modest chaps, these “Vatican II” prelates - they like their seating arrangements centre-stage.)

Anyway, I’m hearing a lot of other good things about the new regime at Westminster Cathedral. But this is enough to be getting on with.

By Damian Thompson (Telegraph)

Montag, 15. Juni 2009

Das Alter ist nur das Ende der Ouvertüre

In einer sehr persönlichen und viele Anwesende anrührenden Predigt hat Viktor Josef Dammertz OSB, emeritierter Bischof von Augsburg, Rückblick auf 80 Lebensjahre gehalten. In einem Dankgottesdienst im Augsburger Dom erinnerte er daran, dass man als Christ den Tod nicht ängstlich erwarten müsse. "Das Alter ist nur das Ende der Ouvertüre", so Bischof em. Viktor Josef, der u.a. von 1975 bis 1977 Erzabt von St. Ottilien war (1977 Abtprimas, 1992 Diözesanbischof). Meinem lieben Mitbruder Bischof em. Viktor Josef bin ich auch persönlich sehr dankbar, denn er war es, von dem ich am 6. Jan. 2004 (Foto oben) die Priesterweihe empfing. - Ad multos annos!

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Dienstag, 9. Juni 2009

Taufe und Firmung heute

Frage: Wie beurteilen Sie die seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil auch unter getauften Eltern zunehmend verbreitete Auffassung, Kinder sollten sich selbst für oder gegen die Taufe entscheiden, sobald sie zur Vernunft gelangt sind?

Hier liegen ein paar tiefsitzende Irrtümer zugrunde. Jesus sagt zu seinen Jüngern: „Nicht ihr habt mich erwählt, sondern Ich habe euch erwählt.“ Das heißt: Gott hat mich gefunden, nicht ich habe Gott gefunden. Die Kindertaufe drückt das sehr gut aus: Zunächst empfangen wir. Dass das Kind in Freiheit den Glauben annehmen muss ist klar; aber um den Glauben überhaupt annehmen zu können, muss man ihn von innen kennengelernt haben. Wer glaubt, dass Jesus Christus sein Erlöser ist, der wird doch seinen Kindern das nicht vorenthalten. Alfred Grosser, der selbst ungläubig war, schickte seine Kinder in ein katholisches Internat damit sie, wie er es ausdrückte, sich einmal frei entscheiden können.

Um sich frei entscheiden zu können, sollten sie erst einmal die gelebte Praxis des Glaubens kennenlernen. „Verlieren“, sagte er mir einmal „kann man den Glauben sehr schnell. Viel schwerer ist es, ihn zu erwerben.“. Im Übrigen ist die Firmung das Sakrament, im Zusammenhang mit dem die eigenständige Übernahme des Glaubens erfolgt. Die Orthodoxen firmen die Kinder zusammen mit der Taufe. Das kann man auch machen - im Vertrauen auf die Kraft des Sakramentes. Wenn man es aber nicht mit der Taufe zusammenlegt, dann sollte man nicht zu früh firmen.

Ich persönlich würde dafür plädieren, dass die Kinder überhaupt nicht gruppenweise oder klassenweise zur Firmung geführt werden, sondern dass sie sich erst firmen lassen, wenn sie in das Alter der Selbstbestimmung eintreten, also vielleicht mit 17 oder 18. Dann werden vielleicht sehr viel weniger Jugendliche gefirmt werden, aber das Firmsakrament wird heute vielfach missbraucht: Es werden Kinder gefirmt, die weder vorher noch nachher in die Kirche gehen. Das ist ein unmöglicher Zustand. Das gilt übrigens auch für die Taufe. Nur solche Eltern sollten ihre Kinder taufen lassen, die selber willens sind, die Kinder in einem Leben aus dem Glauben zu erziehen. Wenn sie das gar nicht wollen oder nicht können, dann spricht das auch gegen die Kindertaufe. Das ist ein Sakramentalismus, der meiner Ansicht nach nicht gerechtfertigt ist.

(Danke, Robert Spaemann, für diese vernünftigen Worte! - Das ganze Interview über das Thema "Mission" können Sie >> hier lesen.)

Donnerstag, 4. Juni 2009

Ja, wo laufen sie denn?

Ja, sie laufen zu einer Vesper in die Kirche und anschließend wieder zurück ins Kloster, - die Mönche von St. Ottilien. – So ein „feierlicher liturgischer Ein- und Auszug“ (wie hier bei der Pontifikalvesper am 1. Weihnachtstag) kann anscheinend schon ganz beeindruckend sein. Deshalb wird dies wahrscheinlich auch so oft und gerne gefilmt, wie hier von unserem chinesischen Novizen P. Alfons Zhou mit seiner Handkamera. Bei diesem Ein- und Ausmarsch (die 4-minütige "Mini-Trilogie" läuft automatisch hintereinander ab) dürften besonders alle „Klero-Faschisten“ und Freunde „liturgische Geländespiele“ unter uns auf ihre Kosten kommen. – Na, dann wollen wir sie ´mal laufen lassen!