Donnerstag, 5. November 2026
Was ein Mönch so hört (26): Das Requiem von John Rutter in Memoriam Br. Clemens Maria (Johannes) Ziller OSB
Mittwoch, 4. November 2026
Die Kunsthalle Bremen zeigt Ausstellung für und über Dackel
Dienstag, 3. November 2026
OTTILIEN ONLINE – WIE WWW.ERZABTEI.DE ENTSTAND

Interview auf dem Katholikentag 2004 in Ulm mit KiP-Radio, dem ersten kirchlichen Internetradio Deutschlands, über Internet und Kirche.
Artikel aus dem Missionskalender 2005
Über die Jahre hinweg ist die Webseite der Erzabtei immer mehr gewachsen. Vom gregorianischen Choral bis Wagner, vom Hühnerhof bis zur Schule ist (beinahe) alles dort zu finden. Für Ordnung sorgt Bibliothekar und Webmaster P. Siegfried Wewers.
Redaktion: Warum ist das Kloster im Internet zu finden?
P. Siegfried: In erster Linie möchten wir einfach über unsere verschiedenen Tätigkeiten und Angebote und natürlich auch über unser Klosterleben in St. Ottilien und in der Mission informieren. Und das möglichst aktuell: Informationen über Exerzitienkurse, Ausstellungen, Konzerte und Jugendveranstaltungen, über unsere Gottesdienste und das Buchprogramm unseres Verlages oder Lesetipps (was lesen die Mönche?) sind für den Internet-Surfer jederzeit abrufbar. Wer will, kann über Email auch gleich einmal nachfragen und ganz unkompliziert Kontakt mit uns aufnehmen. Und wir können durch verschiedene Beiträge hier auch einige unerwartete Einblicke in das Mönchsleben geben, die man vielleicht nicht unbedingt erwartet hätte, wie z.B. unsere Klosterfeuerwehr oder die neueste »Rock-CD« des Abtprimas (mitsamt Hörproben). Klassische Gregorianische Gesänge (mitsamt den. Noten zum »interaktiven« Mitsingen) oder unsere Glocken kann man natürlich auch hören!
Redaktion: Wie bist du ans Webmastern gekommen?
P. Siegfried: Zu meiner Ausbildung in der Bayerischen Staatsbibliothek in München gehörten auch ein paar Stunden Informationstechnik, in denen uns u.a. auch die Grundlagen der Programmiersprache HTML 4 beigebracht wurden. Nach meiner Ausbildung habe ich mich dann noch weitergebildet und für unsere Klosterbibliothek eine eigene kleine Homepage gebastelt. Irgendwann hat mich der Erzabt gefragt, ob ich nicht alle Webseiten der Erzabtei betreuen könne. Da habe ich sofort OK gesagt, ohne zu wissen, wie schnell sich das ganze weiterentwickeln sollte. Heute würde ich wohl länger mit meiner Antwort abwarten, weil ich den Arbeitsaufwand jetzt besser einschätzen kann.
Redaktion: Seit einem Jahr ist das gesamte Stundengebet live im Internet zu hören. Wie kam es dazu? Wie sind die Reaktionen?
P. Siegfried: Damals waren bei uns Redakteure von KiP-Radio (www.kip-radio.de) zu Gast. Wir sind am Abend zusammen gesessen und dabei kam uns die Idee, die Stundengebete im Internet zu übertragen: 5 mal täglich live! Es ist ein Erfolg daraus geworden: Seit dem 3. September 2003, dem ersten Tag, an dem das Gebet übertragen wurde, bis zum 3. September 2004 gab es bereits rund 25.000 Seitenaufrufe von »Erzabtei live«. Und auch die vielen Rückmeldungen per Email sind sehr positiv. Angst, dass die Leute gar nicht mehr in die Kirche kommen, sondern lieber vom Bett aus beten, haben wir aber trotzdem nicht!
Redaktion: Auf der Website kann man auch Fürbitten formulieren. Wie geht das?
P. Siegfried: Einfach das Formular »Klosterfürbitte« auf unserer Homepage ausfüllen und abschicken. Die Fürbitten kommen als Email bei uns an, werden von mir ausgedruckt und auf eine »Tafel für Gebetsanliegen« ausgehängt. Diese befindet sich auf dem Gang, in dem sich die Mönche zum Gebet versammeln, bevor sie gemeinsam in die Kirche einziehen. Jeder Mönch kann diese Fürbitten lesen und mit ins Gebet nehmen. Wie diese Gebetstafel auf unserem Statiogang aussieht, kann man übrigens auch auf der Website sehen.
Redaktion: Eine Frage, die du sicher oft hörst: Wenn man über Internet mit der ganzen Welt verbunden ist - gibt es da nicht Reibungen mit dem Klosteralltag?
P. Siegfried: Solange keine mehrstündige Wagneroper im Internet live übertragen wird, besteht eigentlich keine Gefahr. Wenn das aber doch einmal aus Bayreuth, New York oder London geschieht, dann kann ich schon einmal in »Versuchung« kommen. Aber - Gott sei Dank - mögen nicht alle Mönche Wagner. Das ist meine Rettung!
P. Siegfried: Beten in Gemeinschaft mit anderen kann eine ganz große Hilfe sein. Unsere Kirche lebt seit über 2000 Jahren davon. Diese Erfahrung, mit seinen Sorgen und Nöten, aber natürlich auch mit seinem Lob und Dank nicht alleine vor Gott zu stehen, erleichtert das Beten wesentlich und ist existenziell. In »Erzabtei live« mit den Mönchen von St. Ottilien sehe ich eine Chance dieser gemeinsamen Gebets- und Gotteserfahrung, gerade auch für daheim. Denn schließlich kann ja nicht jeder nach St. Ottilien fahren.
Redaktion: Kann man das Gestalten einer Webseite mit Buch- oder Ikonenmalerei vergleichen?
P. Siegfried: Beim Entwurf einer Webseite orientiere ich mich gerne am Buch, da ich ja auch Bibliothekar bin. Beispielsweise habe ich den »Rundgang durch die Klosterbibliothek« als Buch gestaltet. Das Programmieren einer Webseite ist für mich normale Arbeit. Allerdings sollte man Gott auch bei der täglichen Arbeit nicht aus den Augen verlieren. Daher unterzeichne ich die meisten Webseiten mit U.I.O.G.D. Das ist die Abkürzung für einen lateinischen Satz aus der Benediktsregel: »Ut in omnibus glorificetur Deus«, übersetzt also: »Damit Gott in allem verherrlicht werde«.
Sonntag, 1. November 2026
Hörpredigt: Was feiern wir eigentlich an Allerheiligen? - von P. Immanuel Lupardi am 1. Nov. 2026
Mittwoch, 28. Oktober 2026
Predigt zur Diamantenen Hochzeit meiner Eltern
Liebe Mama, lieber Papa,
liebe Familie und Verwandte, Freunde und Wegbegleiter,
liebe Gemeinde im Herrn,
sechzig Jahre! Wenn man diese Zahl in den Raum stellt, breitet sich fast automatisch eine feierliche Stille aus. Sechzig gemeinsame Ehejahre. Das sind sage und schreibe 21.915 Tage. Es sind weit mehr als eine halbe Million Stunden, die ihr beide, liebes Jubelpaar, Seite an Seite verbracht habt. Ein solches Fest ist in unserer heutigen, schnelllebigen Zeit selten geworden. Es ist ein rares Gut, ein echtes Geschenk Gottes und ein tiefes Geheimnis. Deshalb nennen wir diesen Tag heute voller Ehrfurcht die Diamantene Hochzeit.
Ein Diamant entsteht nicht über Nacht. Er ist ursprünglich nichts anderes als schlichte Kohle. Doch wenn diese über Jahrtausende hinweg unvorstellbarem Druck und enormer Hitze im Inneren der Erde ausgesetzt ist, verwandelt sie sich. Sie verdichtet sich und am Ende dieses langen, verborgenen Prozesses entsteht das härteste, beständigste und am schönsten funkelnde Juwel, das unsere Erde kennt: Ein Diamant.
Auch eure Ehe, liebe Mama und lieber Papa, hat diesen Reifungsprozess durchlaufen. Auf den Tag genau vor sechzig Jahren standet ihr schon einmal vor diesen Altar. Ihr wart jung, voller Träume, vielleicht auch ein wenig nervös vor dem, was das Leben bringen mag. Euer gemeinsamer Stein war damals noch rau. Erst durch die Jahrzehnte, durch das tägliche Miteinander, durch das gemeinsame Schleifen an den Ecken und Kanten des anderen, ist aus diesem rohen Stein der funkelnde Diamant geworden, den wir heute am Altar Gottes feiern.
Wenn wir nach dem Geheimnis einer so langen, gelingenden Gemeinschaft suchen, lohnt es sich, zuerst einen Blick auf das heutige Evangelium zu werfen.
Das Fundament der Dankbarkeit
Im heutigen Evangelium hörten wir:
„Einer von ihnen aber kehrte um, als er sah, dass er geheilt war; er lobte Gott mit lauter Stimme, warf sich vor den Füßen Jesu auf das Angesicht und dankte ihm.“ (Lk 17, 15–16)
Zehn wurden geheilt, aber nur einer hielt inne. Nur einer begriff, dass Gesundheit, Rettung und das Gelingen des Lebens keine Selbstverständlichkeit sind. Nur einer kehrte um, um danke zu sagen.
Liebe Mama, lieber Papa, euer heutiges Fest ist genau das: Es ist euer „Umkehren“, euer bewusstes Innehalten auf dem Lebensweg, um vor Gott niederzuknien und von ganzem Herzen Danke zu sagen. Sechzig Jahre Ehe fallen einem nicht einfach so in den Schoß. Sie sind ein Geschenk des Himmels. Ihr steht heute hier wie dieser, eine Geheilte, voller Demut und Dankbarkeit für die gemeinsamen Jahrzehnte, für die Familie und für jeden gesunden Tag.
Wenn wir weiter nach dem Geheimnis einer so langen Ehe suchen, lohnt sich auch der Blick auf einen Mann, der vor über 1.500 Jahren eine Regel für das Klosterleben geschrieben hat: den heiligen Benedikt von Nursia. Seine Ordensregel ist kein theoretisches Buch, sondern eine lebensnahe Anleitung für das Herz.
Sowohl im Kloster als auch in der Ehe geht es um das bleibende, verbindliche Zusammenleben von Menschen auf engem Raum vor den Augen Gottes. Die Weisheit Benedikts lässt sich daher wunderbar auf das christliche Eheleben übertragen.
Zwei Gedanken aus dieser Regel möchte ich euch heute mit auf den Weg geben.
1. Das Fundament der Beständigkeit (Stabilitas)
Diese Haltung des Dankes verbindet uns mit dem heiligen Benedikt. Das wichtigste Versprechen, das ein Mensch abgibt, wenn er in seine Gemeinschaft eintritt, ist die Stabilitas. Das bedeutet Beständigkeit, Treue. Es bedeutet das Versprechen, an einem Ort und mit den einmal gewählten Menschen auszuharren – in guten wie in schlechten Zeiten. Benedikt wusste ganz genau, dass der Mensch dazu neigt, wegzulaufen, wenn es anstrengend wird. Deshalb schreibt er ganz zu Beginn seiner Regel im Prolog ein paar sehr ehrliche Worte:
„Man laufe nicht gleich erschrocken weg, denn der Weg des Heils kann am Anfang nicht anders als eng sein.“ (RB Prolog, 48)
„Man laufe nicht gleich erschrocken weg.“ Was für ein wunderbarer Satz für eine Ehe! Ihr beide seid in diesen sechzig Jahren nicht weggelaufen. Auch dann nicht, wenn der Weg einmal eng wurde, wenn Sorgen das Haus bedrückten oder das Schicksal Prüfungen bereithielt. Ihr habt ausgeharrt. Ihr habt verstanden, dass man die tiefste Dimension der Liebe nicht erfährt, wenn man beim ersten Konflikt die Segel streicht. Eure Stabilitas, eure Treue, hat euch durch sechs Jahrzehnte getragen und zeigt uns allen heute: Es lohnt sich, dranzubleiben.
2. Das gegenseitige Tragen in unendlicher Geduld
Der heilige Benedikt gibt den Mönchen in Kapitel 72 seiner Regel folgenden Rat mit auf den Weg:
„Sie sollen die Schwachheiten des Leibes und des Charakters in unendlicher Geduld einander ertragen.“ (RB 72, 5)
„In unendlicher Geduld einander ertragen.“ Wenn das jemand versteht, dann ein Ehepaar am Tag seiner Diamantenen Hochzeit! Ihr habt im Laufe der Jahrzehnte gelernt, die Schwächen des anderen mit dem Mantel der Liebe zuzudecken. Ihr habt einander den Raum gegeben, zu wachsen, alt zu werden und sich zu verändern. Ihr habt euch gegenseitig in Geduld ertragen – in den Zeiten der Jugend, als die Kraft groß war, und ihr tragt euch noch heute im Alter, wo der Schritt vielleicht etwas langsamer geworden ist. Und diese Frucht der Geduld ist die Liebe, von der auch der Apostel Paulus schreibt: Sie eifert nicht, sie bläht sich nicht auf, sie erträgt alles. - So haben wir es gerade in der Lesung gehört.
Liebe Mama, lieber Papa, es war euer Glaube – euer Glaube an Gott und eure unerschütterliche Liebe zueinander –, der eure Ehe gerettet, bewahrt und durchgetragen hat. Dieser Glaube hat euch die Kraft gegeben, sechzig Jahre lang ein Fleisch, ein Herz und eine Seele zu sein.
Die Regel des heiligen Benedikt schließt im Prolog mit einer Verheißung, die wir euch als Segen für eure Zukunft mitgeben möchten:
„...damit wir unter seiner Führung die Wege des Herrn gehen.“ (RB Prolog, 21)
Geht euren Weg weiter unter dieser treuen, göttlichen Führung. Blickt am heutigen Tag mit großem Stolz auf das zurück, was ihr gemeinsam aufgebaut habt, und kehrt immer wieder um, um zu danken.
Möge der Herrgott eure Gesundheit bewahren, eure Tage mit Freude und Frieden erfüllen und eure Herzen weiterhin in jener Liebe erstrahlen lassen, die alle Zeit überdauert. Möge euer gemeinsamer Diamant noch sehr lange und hell für uns alle leuchten.
Amen.
Schrifttexte: Evangelium: Lk 17, 11-19 ; Lesung: 1 Kor 12, 31-13, 8a
Predigt gehalten am 28. Okt. 2026 in der Christus König Kirche in Oer-Erkenschwick
Dienstag, 27. Oktober 2026
Dies war der Lieblingstee von Königin Elizabeth II.
Montag, 26. Oktober 2026
Was passiert, wenn eine Fliege in eine Kaffeetasse fällt
Der Israeli verkauft den Kaffee dem Franzosen, die Fliege dem Chinesen und die Tasse dem Italiener, trinkt eine Tasse Tee und erfindet mit dem verdienten Geld einen Schutz, der Fliegen davon abhält, in Tassen zu fallen.
Der Palästinenser gibt dem Israeli die Schuld an der Fliege in seinem Kaffee, protestiert bei den Vereinten Nationen gegen diesen Akt der Aggression, nimmt von der Europäischen Union eine Spende für den Kauf eines neuen Kaffees entgegen, kauft für das Geld jedoch Sprengstoff und jagt damit das Kaffeehaus in die Luft, in dem der Italiener, der Franzose, der Chinese, der Deutsche und der Russe gerade versuchen, dem Israeli zu erklären, dass dieser seine Tasse Tee dem Palästinenser überlassen sollte.”
Sonntag, 25. Oktober 2026
Predigt zum Weltmissionssonntag: Kann man denn heute noch Missionar sein?

Franziskanerkloster in Reutte (Tirol)
Liebe Brüder und Schwestern im Glauben,
am heutigen „Weltmissionssonntag“ möchte ich aus der benediktinischen Tradition ein paar Gedanken herausarbeiten, die auch für Menschen außerhalb der Klostermauern interessant - und vielleicht sogar hilfreich sein können.
Unserer Kloster St. Ottilien ist eines von 20 Klöstern der Missionsbenediktiner auf der ganzen Welt. Das Thema „Mission“ bestimmt das Leben in unserer Gemeinschaft ganz tiefgreifend mit.
„Geht das heute noch? Kann man denn heute noch Missionar sein?
Die Leute fragen das manchmal, wenn sie uns in St. Ottilien besuchen oder von unserer Arbeit hören. Den Glauben haben und pflegen sei ja recht, aber ihn auch noch verbreiten? Dazu kommt eine zweitausendjährige Missionsgeschichte, deren Fehler uns zur Last gelegt werden, die tatsächlichen ebenso wie die vielen vermeintlichen.
Unser Glaube ist nicht nur häuslich und auf ein paar Landstriche beschränkt: Unser Glaube meint den ganzen Menschen, und er meint alle Menschen. „Geht hin in alle Welt, und macht alle Menschen zu meinen Jüngern“ sagt der auferstandene Heiland seinen Jüngern.
Dabei ist mit der Mission der Kirche nicht ein imperialistischer Angriff auf die ganze Welt gemeint. Dahinter steckt etwas ganz anderes: die Erkenntnis, dass Jesus und seine Botschaft, nicht nur für die Juden - und vielleicht noch ein paar interessierte Griechen gedacht war, sondern dass diese Botschaft für alle Menschen gilt. – Hier in Österreich genau so wie für die Menschen in Papua-Neuguinea.
Dass Gott Mensch wird ist eine Nachricht, die alle angeht. Dass Gottes Liebe greifbar auf Erden wandelt und sich für uns selber darbringt, - das sollte jeder wenigstens einmal in seinem Leben gehört haben.
Die Missionare von St. Ottilien reihen sich in eine lange ehrenvolle Reihe großer Frauen und Männer ein, die als Glaubensboten ihre Heimat verlassen haben und – oft unter großer Gefahr und vielen Opfern – diese Botschaft von der Liebe Gottes weitergegeben haben.
Auch unsere Heimat wurde davon erreicht: Der hl. Magnus, der hl. Bonifatius, die heilige Lioba - und zahllose andere haben den Glauben in den Herzen unserer Vorfahren eingepflanzt und vertieft.
Die meisten dieser Missionare waren Klosterleute. Das ist leicht verständlich, denn die haben weniger Bindungen, auf die sie Rücksicht nehmen müssen; sie können losziehen und werden dann von einer Gemeinschaft bei ihrer Unternehmung unterstützt.
Aber diese Spezialisierung hat auch eine unglückliche Folge gehabt: Mission wurde damit zur Sonderaufgabe der Missionsorden, - so wie viele andere Orden für das Schulwesen oder die Krankenpflege zuständig waren.
Das letzte Konzil hat hier einen deutlichen Warnruf ausgestoßen: Mission ist Aufgabe der ganzen Kirche, also nicht nur etwas für eine Spezialistengruppe. - Und noch wichtiger: Mission – Sendung – ist eine Wesenseigenschaft der Kirche.
Wenn eine Pfarrei, oder eine Klostergemeinschaft oder eine Diözese nur mehr nach innen schaut, keine Ausstrahlung mehr nach außen hat, dann ist in ihr ein wichtiger Wesensteil des Kircheseins verlorengegangen: Sie ist krank, – wahrscheinlich sogar sterbenskrank.
Das Konzil war – wie meistens – nicht wirklich originell. Es hat nur versucht, eine etwas vergessene Wahrheit wieder ans Licht zu bringen. Es hat damit aber auch deutlich gemacht, dass alle Christen mitverantwortlich sind für diese Ausstrahlung, für die Erfüllung des Auftrags in aller Welt.
Was heißt das nun für uns Katholiken hier in Reutte? Es heißt, dass wir eigentlich alle Missionare sind. Jeder getaufte Christ hat diesen Auftrag.
Natürlich können nicht alle die Koffer packen und in fremde Länder aufbrechen, aber sie haben doch Möglichkeiten, mitzuwirken: durch materielle Unterstützung, durch Gebet, vor allem aber durch ein missionarisches Christsein, das sich vor der Herausforderung - mutig in Familie und Gesellschaft seinen Glauben zu bekennen - nicht verschließt.
„Wird jedoch der Menschensohn, wenn er kommt, auf der Erde noch Glauben vorfinden?“, haben wir heute im Evangelium gehört. – Diese Frage bleibt immer aktuell.
Es liegt an uns allen, - nicht nur an den Priestern, Ordensleuten und Missionaren. - Jeder hat in seinem Leben Möglichkeiten, seinen Glauben an andere weiterzugeben: Es ist die Aufgabe und Pflicht eines jeden Christen. Der Glaube ist keine Privatangelegenheit! Wer sich nicht zu Christus bekennt, zu dem wird sich auch Christus nicht bekennen, wenn er einmal vor Gottes Angesicht stehen wird.
Leider fehlt es heute vielen Christen an Selbstbewusstsein. Manchmal hat man sogar den Eindruck, dass die Christen in der Öffentlichkeit Angst haben, für ihren Glauben und ihre Kirche mutig einzustehen und ihn auch weiterzugeben: „Entschuldigung, ich bin katholisch.“
Andere Weltreligionen sind da viel selbstbewusster: Die Stärke des Islam ist eine Auswirkung der Glaubensschwäche und Lauheit vieler Christen.
Die Mission und die Verkündigung der Botschaft Jesu ist der Lackmus-Test für unseren alltäglichen Glauben. Missionarisches Christsein bewährt sich so nicht nur, er macht vor allem auch unseren Glauben immer wieder neu lebendig.
Und so hat es auch Papst Benedikt sehr schön auf den Punkt, was Mission eigentlich bedeutet. In einem Interview über das Thema „Weltmission“ hat er vor einigen Jahren in St. Ottilien folgendes gesagt:
„Wenn man sich nur aufs Eigene zurückzieht, gewinnt man nichts. Sondern nur indem man gibt und über sich hinausschreitet, empfängt man auch wieder.“
Amen.
Predigt gehalten in Reutte (Tirol), Okt. 2007












