Samstag, 28. März 2026

Was ein Mönch so hört (18): Parsifal von R. Wagner unter Hans Knappertsbusch (Bayreuth 1954)

Hans Knappertsbusch dominierte nach der Wiedereröffnung des Festspielhauses in Bayreuth das Dirigentenpult des Parsifal. Es ist schwer, unter den vielen Parsifal-Aufführungen, die Hans Knappertsbusch zwischen den Jahren 1951 und 1964 in Bayreuth dirigierte, einen Favoriten zu finden. Ich habe alle gehört und möchte nun meine persönliche Lieblingsaufnahme vorstellen: Es ist für mich die Aufnahme aus dem Jahr 1954.

Die Aufführung ist erstklassig und zeugt von Knappertsbuschs Detailgenauigkeit in jedem Takt sowie seinem profunden Verständnis für Wagners ausgedehnte dramatische Passagen. Zwar wirkt das Tempo im Vergleich zu späteren Fassungen etwas langsamer, doch die strahlende Schönheit der Partitur kommt wunderbar zur Geltung. Knappertsbuschs berühmt langsame Tempi wirken nie statisch. Vielmehr lässt er die Musik in weiten Bögen atmen und schafft so eine fast rituelle Atmosphäre. 

Windgassen klingt etwas baritonaler, als man es von seinen bisherigen Siegfried-Interpretationen erwarten würde, beherrscht die Partie aber vollkommen und verleiht seiner Darstellung wahre Dramatik. Mödl ist eine starke und zugleich feminine Kundry – der hysterische Schmerz ihres „lachte“-Schreis im zweiten Akt ist herzzerreißend. Hans Hotters Amfortas ist spektakulär, wunderschön gesungen und mit Überzeugung gespielt. Im Vergleich zu seinen sonst so kraftvollen Bass-Darbietungen als Hagen und Hunding ist Greindl ein warmherziger und einfühlsamer Gurnemanz, der in der Karfreitag-Szene sehr lyrisch wirkt. Er bietet eine der besten Gurnemanz-Interpretationen auf Tonträger, mit einem dunklen, voluminösen Bass und einer Interpretation voller Weisheit und Autorität. Seine Interpretation ist schlichtweg großartig. Neidlinger vermittelt wie immer eindrücklich Klingsors Boshaftigkeit und Selbstverachtung. Wie alle beteiligten, ist auch er in Höchstform. 

Die Aufnahmequalität ist hervorragend: Die Mikrofonierung war äußerst glücklich und hat sowohl Sänger als auch Orchester in vorzüglichem Mono-Klang des Jahres 1954 eingefangen, und das CD-Mastering ist exzellent. Selbst wenn Sie bereits andere Parsifal-Aufnahmen besitzen, lohnt es sich, diese Veröffentlichung unbedingt zu entdecken.
    

Freitag, 27. März 2026

VALHALLA: der Pfeifentabak für alle Wagnerianer

In der 2026er Valhalla Edition ehrt W.Ø. Larsen das Erbe der Wikinger und die Weisheit des Göttervaters Odin. Diese seltene Komposition verbindet nordische Stärke mit dänischer Handwerkskunst – eine Hommage an Mut, Tiefe und Genuss. 

Reife Virginia-Tabake treffen auf Louisiana Perique, Black Cavendish und Dark Fired Perique. Nach alter dänischer Tradition werden die Tabake gepresst, ruhen gelassen und anschließend wieder aufgelockert, wodurch eine harmonische Melange entsteht, in der sich Süße, Würze und Fülle zu einem vielschichtigen Gesamterlebnis verweben. Die Mischung wird zum Flake gepresst, um einen Kern aus Black Cavendish gewickelt, in Dark Fired Perique gehüllt und zu Medaillons geschnitten. Diese werden anschließend aufgerieben – so entfaltet sich der Geschmack Schicht für Schicht, wie die Weisheit Odins selbst. 

Im Rauch präsentiert sich Odin’s Blend würzig, erdig und zugleich fein aromatisch, getragen von natürlicher Süße und tiefer Komplexität. Eine mittelstarke Mischung, die sich sowohl erfahrenen Pfeifenliebhabern als auch Sammlern offenbart.

Typ: Virginia-Perique / Dänisch Aromatisch 
Schnittart: Ready Rubbed 
Aroma: Aromatisch-würziger Geschmack 
Aromatisierung: 1 von 5 
Stärke: Mittelstark 
Raumnote: Dezent 
Geschmacksintensität: 4 von 5

Mittwoch, 25. März 2026

Tristan und Isolde in einer Neuinszenierung an der MET

 

Regisseur Yuval Sharon lässt sich einiges einfallen für seine Inszenierung von "Tristan und Isolde" an der Metropolitan Opera – allerdings macht nicht alles davon unbedingt Sinn (wer, wie, was, warum wird Isolde noch Mutter vor ihrem Ableben?), und das geschäftige Bühnentreiben wirkt manches Mal ablenkend. Gesungen, immerhin, wird sehr schön, zumal von Michael Spyres als Top-Tristan und Lise Davidsen, die (nach Barcelona) auch in New York mit souveräner Stimme und strahlenden Höhen (nicht ganz so starken Tiefen) eine herausragende Isolde gibt. Eher fragwürdig die Besetzung von König Marke, der mit einem Bass, statt des Bassbaritons Ryan Speedo Green, besser bedient gewesen wäre. Unten im Orchestergraben hält Nézet-Séguin mit dem Met Orchestra ein gesundes Tempo. Es gibt zwar einige Passagen mit fragwürdiger Dynamik, aber das waren höchstens ein paar Minuten in vier Stunden ansonsten exzellenter Musik. Als Simon Rattle 2016 Tristan und Isolde an der Met dirigierte, führte er jedoch eine erhebliche Kürzung im Liebesduett des zweiten Akts ein, die Nézet-Séguin jetzt wieder übernahm: Ein purer, unverzeihlicher Vandalismus für jeden echten Wagnerianer!

Dienstag, 24. März 2026

Was ein Mönch so hört (17): Mirella Freni singt Verdi und Puccini unter Giuseppe Sinopoli

 

Die Stimme, der zum Zeitpunkt der Aufnahme 55-jährigen Freni, präsentiert sich in exzellenter, wenn nicht gar atemberaubender Form. Das Spinto- und dramatische Repertoire, das sie in den letzten Jahren ihrer Karriere übernommen hat, hat ihrem Klang nicht geschadet, abgesehen von einigen Momenten der Unsicherheit in hohen Fortissimo-Passagen, etwa in der Arie „Ritorna vincitor“, die ihr etwas zu schwer ist. Ansonsten zeichnet sie individuelle und berührende Porträts jeder Figur mit einer Farbigkeit und Detailgenauigkeit, die heutzutage immer seltener werden. Am besten gelingen ihr die Arien aus „Ballo“, „Don Carlo“ und „Manon Lescaut“. „Mi chiamano Mimi“ klingt kaum anders als vor dreißig Jahren. Besonders beeindruckend ist ihre Atemkontrolle, die angesichts der weiten, ausladenden Tempi von Sinopoli, auch dringend nötig ist. Typisch für die Deutsche Grammophon: ein opulenter Klang.

Sonntag, 22. März 2026

Der Jüngste unter 70 Mönchen: Freiwilliges Ordensjahr

 

Gap Year mal ganz anders. Carl Vorwig nimmt sich sechs Monate Auszeit im Kloster St. Ottilien am Ammersee. Nach dem Benediktiner-Motto „Ora et Labora“ verbringt er seine Tage mit Arbeit und Gebet. Obwohl er mit Abstand der Jüngste unter siebzig Mönchen ist, fühlt er sich doch gut aufgehoben. Denn gerade in der Stille und der Routine seines neuen Alltags findet er nicht nur zu Gott, sondern auch zu sich selbst. Die Journalistik-Studierenden der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt haben ihn dabei einen Tag lang mit der Kamera begleitet.

Donnerstag, 19. März 2026

Liebe: Das Geheimnis hinter dem Genie von Mozart

Im Herzen des Genies, Mozart, pulsiert nicht nur die Melodie der Intelligenz und Fantasie, sondern die Rhythmik der Liebe - der Schlüssel, den er selbst als Quelle seiner Genialität definierte. 

Wolfgang Amadeus Mozart, eine der bemerkenswertesten Persönlichkeiten der Musikgeschichte, hat die Welt mit seinem erstaunlichen Talent verblüfft. Sein Zitat wirft jedoch einen tieferen Einblick in das, was sein Genie wirklich ausmacht. Nach Mozarts Ansicht war es nicht allein seine bemerkenswerte Intelligenz oder Fantasie, die ihn zu einem Genie machte. Es war Liebe. 

Die Liebe, wie Mozart sie sah, war nicht nur eine Emotion, sondern ein kreativer Motor. Sie war der Funke, der seine Melodien zum Leben erweckte und seine Kompositionen mit einer Tiefe und Emotion füllte, die seinesgleichen sucht. Diese Leidenschaft, diese Liebe, war das, was ihn zu einem Genie machte. Es war die Seele seiner Kunst, die sein Publikum berührte und seine Werke unsterblich machte.

Es ist wichtig, dieses Prinzip in unserer eigenen Suche nach Exzellenz zu berücksichtigen. Egal, ob wir Musiker, Künstler, Wissenschaftler oder Unternehmer sind, die Fähigkeit, mit Leidenschaft und Liebe in unser Handwerk zu investieren, kann die Qualität unserer Arbeit steigern und zu unvergleichlichen Ergebnissen führen. Liebe kann der Schlüssel sein, der die Tür zur Genialität öffnet. Lassen Sie uns die Lektion, die Mozart uns gegeben hat, annehmen und die Liebe in allem, was wir tun, fördern.

Sonntag, 15. März 2026

Was ein Mönch so hört (16): Symphonie Nr. 9 "Aus der Neuen Welt" von A. Dvořák

Die Aufnahme von Dvořáks „Aus der Neuen Welt“ aus dem Jahr 1972 mit den Berliner Philharmonikern unter dem tschechischen Dirigenten Rafael Kubelik , erschienen bei Deutsche Grammophon, ist seit Jahrzehnten legendär und ein wahrer Genuss. Es ist eine kraftvolle und souveräne Interpretation in der warmen Akustik der Berliner Jesus Christus Kirche. Damals dirigierte Herbert von Karajan das Orchester, und es galt als das beste der Welt. Die Blechbläser klingen strahlend, die Streicher spielen punktgenau, und Kubelik war in Höchstform. Gelegentlich ist in den Höhepunkten eine leichte Klangverdichtung zu erkennen, doch dies ist nur ein kleiner Makel. Das Tempo ist nahezu perfekt, und wir werden immer wieder an die Kraft und Lyrik der Berliner Philharmoniker in ihrer besten Form erinnert. Das Largo ist von Nostalgie und Erhabenheit durchdrungen, das Orchester spielt grandios, und wir spüren die Sehnsucht nach der Heimat, die Dvořák zu vermitteln suchte. Das Scherzo besticht durch mitreißende Pauken und einen wunderbar transparenten Klang, sodass wir alle Instrumente heraushören können. Das Finale wird mit Bravour und Schwung dargeboten. Ein würdiger Abschluss für eine der wohl großartigsten Dvorak-Aufnahmen aller Zeiten.

 

Montag, 9. März 2026

Mein Lieblings-Ring: Knappertsbusch (Bayreuth, 1957)

Welch ein Staraufgebot an Dirigenten und Sängern gab es in den 50er-Jahren in Bayreuth! Zu den Stammgästen zählten Astrid Varnay, Josef Greindl und natürlich Hans Hotter, der in den diesen Jahren in Höchstform war. Ich persönlich bevorzuge Knappertsbuschs gewaltige, eindringliche Autorität gegenüber Keilberths flinkem und temperamentvollem Stil, doch beide sind Meister des Wagner’schen Idioms. 

Hans Knappertsbusch war ein Dirigent, der im Theaterkontext seine ganze Pracht entfaltete. Seine Studioaufnahmen geben zwar nur einen kleinen Einblick in seine Herangehensweise, können aber das intensive Erlebnis, das er im Opernhaus schuf, nicht wiedergeben. In dieser Aufführung wird er von einem der größten Orchester der Operngeschichte begleitet – jede Nuance der Streicher wird mit solcher Klarheit wiedergegeben, dass man beinahe die Melodie von ihnen diktieren könnte. Knappertsbusch war kein strenger Dirigent und bekannt dafür, es mit der Präzision des Ensembles oder gar der Proben nicht so genau zu nehmen. Dennoch scheint er sein Orchester stets dazu anzuspornen, den Geist der Musik zu erfassen und eine mitreißende, schwungvolle und fließende Aufführung zu schaffen, ohne dabei gehetzt oder kraftlos zu wirken. Wer ihn kritisiert, hat kein Herz und stellt offensichtlich technische Präzision über Musikalität.  

Astrid Varnay übernimmt alle drei Brünnhilden und meistert die jeweils unterschiedlichen stimmlichen Anforderungen mit Präzision und beeindruckender Präsenz. Die Rolle des Siegfried teilen sich Bernd Aldenhoff und Wolfgang Windgassen . Obwohl die Aufteilung der Rolle mitunter den Fluss stören kann, tragen beide Tenöre mit ihrer gemeinsamen lyrischen Sensibilität zum Geschlossenheitsgefühl bei. Ludwig Suthaus , selbst ein gefeierter Siegfried, verleiht der Rolle des Loge mit viel Feingefühl und stimmlicher Kraft Ausdruck. 

Hans Hotter hat zwar gelegentlich stimmliche Ungenauigkeiten, doch diese werden von seinem tiefen Verständnis für Wotans Komplexität und moralische Ambivalenz überstrahlt. Seine Interpretation von Schlüsseltexten wie „Der freier als ich, der Gott“, „So küsst er die Gottheit von dir!“ und „Der Augen, leuchtendes Paar“ ist von Noblesse und dem zarten Pathos seiner väterlichen Qual durchdrungen und geht direkt ins Herz. 

Diese Unmittelbarkeit wird nicht unerheblich durch die souveräne Kontrolle Knappertsbuschs über die sich steigernde Spannung verstärkt; dies ist die Apotheose des Wagner’schen Dramas. Die junge Birgit Nilsson glänzt als Sieglinde – ihre Darbietung ist so fesselnd, dass es schade ist, dass sie nach ihrer engen Verbindung mit Brünnhilde nur noch selten in diese Rolle zurückkehrte. Ramón Vinay verstärkt das Ensemble als Siegmund zusätzlich; sein baritonaler Heldentenor ist ideal für die Rolle. Elisabeth Grümmer stiehlt in ihren Auftritten als Freia und Gutrune beinahe allen die Show. 

Die Mono-Klangqualität ist für 1957 hervorragend, mit minimalen Verzerrungen und klaren Stimmen, wobei auch das Orchester – und das gelegentliche Husten aus dem Publikum – deutlich und detailreich zu hören ist: Mein absoluter Lieblings-Ring!

 

Hans Hotter (Wotan, Wanderer), Toni Blankenheim (Donner), Josef Traxel (Froh), Ludwig Suthaus (Loge), Gustav Neidlinger (Alberich), Paul Kuen (Mime), Arnold van Mill (Fasolt), Josef Greindl (Fafner, Hunding, Hagen), Georgine von Milinkovic (Fricka, Grimgerde), Elisabeth Grümmer (Freia, Gutrune), Maria von Ilosvay (Erda, Schwertleite, Waltraute, 1. Norne), Dorothea Siebert (Woglinde), Paula Lenchner (Wellgunde, Gerhilde), Elisabeth Schärtel (Floßhilde, Waltraute, 2. Norne), Ramón Vinay (Siegmund), Birgit Nilsson (Sieglinde, 3. Norne), Astrid Varnay (Brünnhilde), Gerda Lammers (Ortlinde), Hilde Scheppan (Helmwige), Helena Bader (Siegrune), Hetty Plümacher (Roßweiße), Bernd Aldenhoff (Siegfried), Ilse Hollweg (Waldvogel), Wolfgang Windgassen (Siegfried), Hermann Uhde (Gunther) 

Chor und Orchester der Bayreuther Festspiele (1957) 
Hans Knappertsbusch

Mittwoch, 18. Februar 2026

Impuls zum Aschermittwoch : Die »Waffen« des Gebets, des Fastens und der Buße

Die Fastenzeit erinnert uns daran, daß das Leben des Christen ein ununterbrochener Kampf ist, in dem die »Waffen« des Gebets, des Fastens und der Buße eingesetzt werden. Das Böse, jede Form von Egoismus und Haß bekämpfen und sich selbst entsagen, um in Gott zu leben, das ist der aszetische Weg, den jeder Jünger Jesu zu gehen berufen ist – mit Demut und Geduld, mit Großmut und Beharrlichkeit. 

Die gehorsame Nachfolge des göttlichen Meisters macht die Christen zu Zeugen und Aposteln des Friedens. Wir könnten sagen, daß diese innere Haltung uns hilft, auch besser deutlich zu machen, was die christliche Antwort auf die Gewalt sein muß, die den Frieden in der Welt bedroht. Sicher nicht Rache, Haß, ebensowenig Flucht in einen falschen Spiritualismus. 

Die Antwort dessen, der Christus nachfolgt, ist vielmehr, den Weg zu gehen, den er gewählt hat, als er angesichts der Übel seiner Zeit und aller Zeiten entschlossen das Kreuz auf sich nahm und den längsten, aber wirksamsten Weg der Liebe ging. Auf seinen Spuren und mit ihm vereint müssen wir alle uns bemühen, dem Bösen mit dem Guten, der Lüge mit der Wahrheit, dem Haß mit der Liebe zu begegnen.

Aus: Benedikt XVI. - Predigt, 01. März 2006

Dienstag, 17. Februar 2026

Da geht´s ja zu, wie im Kloster!

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Ja, manchmal denke ich mir, geht´s im Kloster zu wie zur Zeit Ludwigs XVI. Und das sieht dann so aus:

Versailles 1780, am prunkvollen und dekadenten Hof Ludwigs XVI. Hier spinnen die Inhaber der Macht ihre Intrigen. Wer nicht mit Witz und Schlagfertigkeit beeindrucken kann, hat schon verloren. Ein für alle Mal ist er der Lächerlichkeit preisgegeben.

Das gesellschaftliche Parkett ist glatt, geschliffene Sprache und scharfer Wortwitz stellen alltägliche Waffen dar. Ein gutes Bonmot kann bis zum Erzabt König führen. Ernsthafte Konversation, Themen von "draußen" sind zu meiden und bedeuten den gesellschaftlichen Tod.



Das gesellschaftliche Parkett ist überaus glatt, ein Wort am falschen Platz oder zur falschen Zeit gesagt, falsch gesetzt, zu sarkastisch oder zu brav formuliert, kann das Genick brechen.

Das sehen wir hier am Schicksal des perfiden Abbé de Vilecourt. Als der König ihn nach einem seiner Vorträge lobt, er habe Gottes Existenz vortrefflich bewiesen, glaubt der Abbé, noch etwas daraufsetzen zu müssen... Ein "tödlicher" Fauxpas:



Diese sarkastische und geistreich funkelnde Komödie, eine mehrfach prämierte Rokkoko-Satire von Patrice Leconte aus dem Jahre 1996, zeigt bravourös inmitten einer Entourage aus Lakaien, Höflingen und Schranzen einen Aspekt scheinheiligen Bösartigkeiten adliger Widersacher und Neider in der dekadenten und frivol raffinierten Etikette von Bel Esprit & Bonmot mit dem Ziel eines letztendlichen, skrupellosen gesellschaftlichen Todesurteils, des "Ridicule".

Es ist eine Welt des schönen Scheins, in der sich die gelangweilten Zukurzgekommenen mit gesitteter Schlagfertigkeit an einem grausamen Spiel ergötzen: Je bösartiger die Wirkung, desto besser das Bonmot. Die distinguierte Wortwahl täuscht nur über den despektierlichen und defätistischen Tonfall hinweg – die Sprache ist eine Waffe, und ihre Sottisen können, ja sollen gar menschliche Existenzen vernichten.

Als bitterböse und zugleich amüsante Satire inszeniert Patrice Leconte dieses Versailler Fegefeuer der Eitel- und Begehrlichkeiten. Unverstaubt, frech und intelligent. Ein schillerndes Kostümspektakel, hinter dessen Pudermaske und Prunkfassade jedoch stets die Fratze zeitloser Lächerlichkeiten hindurchschimmert (die hervorragende deutsche Fassung besorgte Hans Magnus Enzensberger).


HINWEIS (zu meiner eigenen Sicherheit): Es handelt sich hier um einen Faschingsbeitrag. - Im Kloster geht es - außer an Fasching (und in einigen "Rekreationsrunden") - natürlich nicht so zu! Alle Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen, Mitbrüdern, (Erz-)Äbten, Orten oder Handlungen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt. 

Montag, 16. Februar 2026

Was ein Mönch so hört (15): The Greatest Recordings EVER! Wagner: The Ring (Keilberth, Bayreuth 1955)


Die sensationelle Aufnahme von Wagners ‚Ring’ aus Bayreuth von 1955 schreibt die mediale Rezeptionsgeschichte neu. Es gibt künstlerisch weder auf der Bühne noch im Orchestergraben kaum vergleichbares.

Der Bayreuther ‚Ring’ von 1955 ist ein großes Hörabenteuer. Eines, das Augen und Ohren öffnet, für das, was in Bayreuth einmal möglich war. Eines, das künstlerisch herausragt aus allen erhältlichen Wagner-Aufnahmen. Eines, das ein junges Wagner-Ensemble festgehalten hat, dessen Namen noch heute gewicht haben. Der Bayreuther ‚Ring’ von 1955 ist nichts weniger als ein sensationelles Dokument, das einmal mehr heutige Bayreuth-Größen am Pult und auf der Bühne vehement in Frage stellt, unabhängig davon wie sich die Bedingungen geändert haben.

>> Ganze Kritik lesen auf klassik.com


Das Rheingold Hans Hotter (Wotan), Gustav Neidlinger (Alberich), Georgine von Milinkovič (Fricka), Rudolf Lustig (Loge), Paul Kuen (Mime), Ludwig Weber (Fasolt), Josef Greindl (Fafner), Josef Traxel (Froh), Hertha Wilfert (Freia), Jutta Vulpius (Woglinde), Elisabeth Schärtel (Wellgunde), Maria Graf (Flosshilde)

Die Walküre Astrid Varnay (Brünnhilde), Hans Hotter (Wotan), Gré Brouwenstijn (Sieglinde), Ramón Vinay (Siegmund), Josef Greindl (Hunding), Georgine von Milinkovič (Fricka/Grimgerde), Hilde Scheppan (Helmwige), Gerda Lammers (Ortlinde), Hertha Wilfert (Gerhilde), Elisabeth Scheppan (Waltraute), Jean Watson (Siegrune), Maria von Ilosvay (Schwertleite)

Siegfried Wolfgang Windgassen (Siegfried), Hans Hotter (Der Wanderer), Astrid Varnay (Brünnhilde), Maria von Ilosvay (Erda), Ilse Hollweg (Waldvogel)

Götterdämmerung Astrid Varnay (Brünnhilde), Wolfgang Windgassen (Siegfried), Josef Greindl (Hagen), Hermann Uhde (Gunther), Gré Brouwenstijn (Gutrune), Maria von Ilosvay (Waltraute/1. Norn), Georgine von Milinkovič (2. Norn), Mina Bolotine (3. Norn)

Chor und Orchester der Bayreuth Festspiele, Joseph Keilberth


Freitag, 13. Februar 2026

Aktuelle Tischlesung: Die Mozarts - Geschichte einer Familie von Michael Lemster

Der Aufstieg der Familie Mozart 
Die Geschichte der Mozarts beginnt nicht in Salzburg, sondern in einem kleinen Dorf bei Augsburg. Hier liegen die Wurzeln einer Familie, die der Menschheit ein großes Geschenk gemacht hat: drei Generationen an Musikern von europäischem Ruhm und den Pianisten, Organisten, Violinisten, Musikunternehmer und Komponisten Wolfgang Amadeus Mozart. Michael Lemster erzählt in seinem Buch vom Aufstieg und Erlöschen der Mozarts, von ihren Anfängen im 15. Jahrhundert bis zum Tod der letzten Nachfahrin im Jahr 1965: 

 - Der Aufstieg der Familie Mozart: vom Bauern zum Handwerker zum Künstler und vom aufgeklärten Höfling zur bürgerlichen Existenz 

- Eine lebensprall erzählte Familiengeschichte, eingebunden in die Geschichte Europas 

- Der Stammbaum der Familie Mozart: Mozarts Vorfahren und seine Eltern Leopold und Anna Maria, Ehefrau Constanze Weber und Mozarts Söhne Franz Xaver und Carl Thomas Mozart 

 - Ein Leben für die Musik: die Compagnie Mozart, der Familienbetrieb des Leopold Mozart, und ihre Reisen durch Europa 

- Was Mozart inspirierte: von den ersten Kompositionen als Wunderkind, über künstlerische Krisen bis hin zur Veröffentlichung seiner Werke wider Willen durch Mozarts Ehefrau Constanze 

Die Mozarts – Familienbiografie und Panorama der europäischen Geschichte 
Die Mozarts, deren Aufstieg nach dem Dreißigjährigen Krieg begann, stehen für prägende Epochen der europäischen Geschichte. Kreativ und ehrgeizig meisterten sie die Herausforderungen ihrer Zeit. Die Biografien der Familienmitglieder sind reich an Höhepunkten und Krisen, Rätseln und Verwicklungen. War Leopold Mozart wirklich der unnachgiebige Zuchtmeister des kindlich-unbekümmerten Wolfgang? War das »Bäsle« die große, aber unmögliche Liebe des Komponisten? Und war Wolfgangs Frau Constanze der Ruin der Familie oder die Mutter ihres Nachruhms? 

Mit feinem Gespür für das Zeitkolorit wirft Michael Lemster in seinem Mozart-Buch ungewöhnliche Fragen auf und erzählt die außergewöhnliche Geschichte einer Familie, deren Geist vor allem in der klassischen Musik unsterblich wurde!

Samstag, 31. Januar 2026

„Liberale Theologie: aufgeklärt – oder geistlich leer?“

 

Wir schwanken beim Christentum häufig zwischen „alles erklären“ und „endlich wieder glauben können“. Die Lösung liegt nicht in plumper Naivität – und auch nicht im kalten Zerlegen. Wahrer Glaube entsteht aus Begegnung. Nicht ein „netter“ Moralkodex trägt uns, sondern Wahrheit, die ruft, heilt und aus der heraus ein neues Leben wächst. Glauben wirkt.

Donnerstag, 29. Januar 2026

Impuls: Das Licht der Welt sein (Mt 5,14)

Es kann vorkommen, dass ich, wenn ich arbeite, nicht in der Lage bin, meine Aufmerksamkeit ganz auf Gott zu richten – aber Gott verlangt das auch nicht von mir. Immerhin kann es jedoch mein Wunsch und Vorsatz sein, meine Arbeit mit Jesus und für Jesus zu tun. Das ist etwas Schönes, und das will Gott auch. Er möchte, dass unser Wollen und Wünschen sich auf ihn, auf unsere Familie, unsere Kinder, unsere Brüder und auf die Armen richten. 

Jeder von uns ist und bleibt nur ein kleines Werkzeug. Wenn du die Bestandteile eines Elektrogeräts anschaust, siehst du ein Gewirr von großen und kleinen, neuen und alten, teuren und billigen Drähten. Wenn kein Strom durch sie fließt, gibt es kein Licht. Diese Drähte sind du und ich. Der Strom ist Gott. Wir haben die Macht, den Strom durch uns fließen zu lassen, uns zur Verfügung zu stellen, dass er sich unser bedienen kann, ihn so das Licht der Welt erzeugen zu lassen – oder uns zu weigern, von ihm gebraucht zu werden und damit zuzulassen, dass die Finsternis sich ausbreitet. 

Hl. Mutter Teresa von Kalkutta (1910-1997)

Donnerstag, 22. Januar 2026

Spuren ins Nirgendwo – Der Dirigent Carlos Kleiber

Carlos Kleiber war einer der legendären Dirigenten seiner Zeit, berühmt für seine seltenen, aber meisterhaften Interpretationen. Sein Repertoire war für einen bedeutenden Dirigenten ungewöhnlich klein; er konzentrierte sich auf wenige Sinfonien, Klavierkonzerte und Opern und verlangte ungewöhnlich lange Proben. Dennoch gelang es ihm, seinen Musikern Höchstleistungen abzuverlangen, weil er sie genauso sehr von der Musik begeisterte wie er selbst. 

Am 11. Juli 2004 setzte sich Carlos Kleiber in sein Auto und fuhr von München über die Alpen zu seinem Ferienhaus im abgelegenen slowenischen Dorf Konjsica. Dort schrieb er einen letzten Brief an einen Freund, in dem er sich von der Welt verabschiedete. Kurze Zeit später wurde der Dirigent, zunehmend von Krankheit und Leiden geplagt, tot aufgefunden. 

Der Dokumentarfilm „Spuren ins Nirgendwo – Der Dirigent Carlos Kleiber“ ist der erste Film, der sich der rätselhaften Persönlichkeit des Dirigenten widmet. Der Film folgt den Spuren von Kleibers letzter Reise und porträtiert anhand der Erinnerungen von Freunden und Weggefährten – darunter das erste und einzige Interview mit seiner Schwester Veronika Kleiber – einen Dirigenten, der für seine schwierige Persönlichkeit ebenso bekannt war wie für sein brillantes Werk. 

Eric Schulz’ Film enthält nicht nur eindrucksvolle Aufnahmen von Kleiber selbst, sondern auch äußerst aufschlussreiche Aussagen der genannten Freunde und Weggefährten. Mit Veronika Kleiber, Michael Gielen, Plácido Domingo, Brigitte Fassbaender, Otto Schenk, Alexander Werner, Manfred Honeck, Otto Staindl, Klaus König, Karl Friedrich Mess, Anne Kirchbach, Martha Scherer u. a.


Montag, 12. Januar 2026

Das Rebus Preisrätsel 2026

Das Preis-Rebus ist eigentlich eine alte Ottilianer Tradition, die auf diese Weise wieder "reanimiert" werden soll. Das Rätsel stammt aus den Beständen unserer Klosterbibliothek und wurde von P. Cyrillus Wehrmeister OSB erstmals 1931 im Ottilianer "Heidenkind-Kalender" veröffentlicht. Es ist vielleicht nicht so ganz einfach zu lösen, aber dafür gibt es dann auch einen sehr lesenswerten Buch-Preis zu gewinnen. (>> LINK ZUM BUCH-PREIS)

 - DIE TEILNAHMEBEDINGUNGEN - 

Bitte senden Sie die Lösung (Betreff: PREISRÄTSEL 2026) an: 
siegfried@ottilien.de 

Die Lösung sollte bis zum 10. Dezember 2026 zusammen mit Ihrer Postanschrift eingesandt werden. Sollten mehrere richtige Lösungen eingehen, entscheidet das Los. Mönche sind von der Teilnahme ausgeschlossen! Der Gewinner bekommt den Preis pünktlich zum Weihnachtsfest zugeschickt. 

Viel Glück! 
Ihr P. Siegfried Wewers OSB

Donnerstag, 8. Januar 2026

New York Times empfiehlt Bayreuth-Reise

Die renommierte "New York Times" empfiehlt jedes Jahr Reiseziele in aller Welt. Dieses Mal ist auch eine Stadt in Deutschland dabei: Bayreuth. Warum die Wagner-Stadt und nicht Berlin, München oder Hamburg? Das hat folgenden Grund. 

Bayreuth ist eine Reise wert, so das Urteil und die Empfehlung der renommierten US-Zeitung "New York Times". Gerade in diesem Jahr. Und das hat einen Grund: Die Stadt in Bayern zieht jedes Jahr im Sommer Wagner-Liebhaber aus aller Welt an. In diesem Jahr steht dazu ein besonderes Ereignis auf dem Plan: Die Bayreuther Festspiele zu Ehren Richard Wagners (1813 bis 1883) und seiner Musik feiern Jubiläum zum 150-jährigen Bestehen. 

Und so schaffte es das 75.000-Einwohner-Städtchen in Oberfranken auf die Liste der "New York Times" – es ist die einzige deutsche Stadt unter den 52 Reise-Empfehlungen. Die Zeitung preist die Festspiele als "beispiellos" und weist darauf hin, dass Tickets weltweit unter Wagner- und Opern-Fans heiß begehrt sind. Andere Städte auf der Liste für 2026 sind etwa Warschau, Bangkok und die Karibik-Insel Saba.

Mittwoch, 24. Dezember 2025

Der kleine Engel

Von Br. Andreas Lehmann OSB 

Und plötzlich war bei dem Engel ein großes himmlisches Heer, das Gott lobte und sprach: Verherrlicht ist Gott in der Höhe, und auf Erden ist Friede bei den Menschen seiner Gnade. (Lk 2:13f)

Es war einmal ein ganz junger Engel. Der durfte zum ersten Mal als Botschafter Gottes auf die Erde.

Mit der unendlich großen Zahl der anderen Engel verkündete er den Hirten die Ankunft des Kindes.

Das war sooo herrlich.
Dann zogen sie zur Krippe, um den Neugeborenen zu lobpreisen. Das war noch vieeel wunderbarer.

Aber dieser Tag war sehr anstrengend für den kleinen Engel – soviel Neues und so viele tolle Erlebnisse.

So fielen ihm immer mehr die Augen zu und plötzlich schlief er, während des schönsten Halleluja, ein.
Wie erschrak er, als er erwachte?

Es war ganz still. Die Hirten waren heimgekehrt und ebenso die Engel.

Der kleine Engel fühlte sich ganz einsam, denn unter den vielen Engeln hatte er nicht auf den Weg geachtet und wusste jetzt nicht, wie er zurückkehren könnte.

 

Aber als Engel hatte er gelernt, nie den Mut zu verlieren und immer zu vertrauen.


Also überlegte er sich:

„Ich werde immer in der Nähe des Herrn bleiben.

"Da werden sicherlich wieder mal Engel kommen, die Ihn besuchen und dann kann ich mit ihnen zurückkehren.“

Trotzdem war unser Engel sehr traurig, denn es könnte sehr lange dauern, bis das einmal geschehen würde.

Aber dann dachte er sich:

„Das arme Kind muss noch viel länger auf der Erde verweilen.“

Und das schenkte ihm ein wenig Trost.
Also ging er in den Stall. Josef und Maria schliefen glücklich und zufrieden.

Endlich war er dem Kind ganz nahe und konnte es nicht nur aus der hintersten Reihe aus weiter Entfernung ansehen.

Das Kind war ganz unruhig, denn ihm war das alles noch so fremd.

„Dem geht es wie mir.“

dachte sich der Engel und musste etwas lächeln.
Dann tat er das einzige was er tun konnte:

Er erzählte dem Kind vom Himmel, von der himmlischen Herrlichkeit, vom himmlischen Vater, vom Vater, der immer bei uns ist, auch wenn wir uns noch so weit von ihm entfernen.
Da erinnerte sich das Kind und strahlte vor Freude, denn es fühlte sich nun auf der Erde wie zu Hause.

Dann erklärte es dem kleinen Engel den Weg zurück und schlief friedlich und glücklich ein.


Sonntag, 21. Dezember 2025

Was ein Mönch so hört (14): Bond 25

"Bond 25" ist ein Album mit allen 25 Bond-Themen der letzten 6 Jahrzehnte, die zum ersten Mal vom Royal Philharmonic Orchestra neu interpretiert wurden. Es zelebriert alle 25 ikonischen Filme der Bond-Reihe. Das Orchester verleiht den Kompositionen eine beeindruckende Tiefe und Dynamik, die Fans und Liebhaber orchestraler Musik gleichermaßen begeistert. Ein Muss für alle, die die kraftvolle Verbindung von Film und Musik schätzen.

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