
Interview auf dem Katholikentag 2004 in Ulm mit KiP-Radio, dem ersten kirchlichen Internetradio Deutschlands, über Internet und Kirche.
Artikel aus dem Missionskalender 2005
Über die Jahre hinweg ist die Webseite der Erzabtei immer mehr gewachsen. Vom gregorianischen Choral bis Wagner, vom Hühnerhof bis zur Schule ist (beinahe) alles dort zu finden. Für Ordnung sorgt Bibliothekar und Webmaster P. Siegfried Wewers.
Redaktion: Warum ist das Kloster im Internet zu finden?
P. Siegfried: In erster Linie möchten wir einfach über unsere verschiedenen Tätigkeiten und Angebote und natürlich auch über unser Klosterleben in St. Ottilien und in der Mission informieren. Und das möglichst aktuell: Informationen über Exerzitienkurse, Ausstellungen, Konzerte und Jugendveranstaltungen, über unsere Gottesdienste und das Buchprogramm unseres Verlages oder Lesetipps (was lesen die Mönche?) sind für den Internet-Surfer jederzeit abrufbar. Wer will, kann über Email auch gleich einmal nachfragen und ganz unkompliziert Kontakt mit uns aufnehmen. Und wir können durch verschiedene Beiträge hier auch einige unerwartete Einblicke in das Mönchsleben geben, die man vielleicht nicht unbedingt erwartet hätte, wie z.B. unsere Klosterfeuerwehr oder die neueste »Rock-CD« des Abtprimas (mitsamt Hörproben). Klassische Gregorianische Gesänge (mitsamt den. Noten zum »interaktiven« Mitsingen) oder unsere Glocken kann man natürlich auch hören!
Redaktion: Wie bist du ans Webmastern gekommen?
P. Siegfried: Zu meiner Ausbildung in der Bayerischen Staatsbibliothek in München gehörten auch ein paar Stunden Informationstechnik, in denen uns u.a. auch die Grundlagen der Programmiersprache HTML 4 beigebracht wurden. Nach meiner Ausbildung habe ich mich dann noch weitergebildet und für unsere Klosterbibliothek eine eigene kleine Homepage gebastelt. Irgendwann hat mich der Erzabt gefragt, ob ich nicht alle Webseiten der Erzabtei betreuen könne. Da habe ich sofort OK gesagt, ohne zu wissen, wie schnell sich das ganze weiterentwickeln sollte. Heute würde ich wohl länger mit meiner Antwort abwarten, weil ich den Arbeitsaufwand jetzt besser einschätzen kann.
Redaktion: Seit einem Jahr ist das gesamte Stundengebet live im Internet zu hören. Wie kam es dazu? Wie sind die Reaktionen?
P. Siegfried: Damals waren bei uns Redakteure von KiP-Radio (www.kip-radio.de) zu Gast. Wir sind am Abend zusammen gesessen und dabei kam uns die Idee, die Stundengebete im Internet zu übertragen: 5 mal täglich live! Es ist ein Erfolg daraus geworden: Seit dem 3. September 2003, dem ersten Tag, an dem das Gebet übertragen wurde, bis zum 3. September 2004 gab es bereits rund 25.000 Seitenaufrufe von »Erzabtei live«. Und auch die vielen Rückmeldungen per Email sind sehr positiv. Angst, dass die Leute gar nicht mehr in die Kirche kommen, sondern lieber vom Bett aus beten, haben wir aber trotzdem nicht!
Redaktion: Auf der Website kann man auch Fürbitten formulieren. Wie geht das?
P. Siegfried: Einfach das Formular »Klosterfürbitte« auf unserer Homepage ausfüllen und abschicken. Die Fürbitten kommen als Email bei uns an, werden von mir ausgedruckt und auf eine »Tafel für Gebetsanliegen« ausgehängt. Diese befindet sich auf dem Gang, in dem sich die Mönche zum Gebet versammeln, bevor sie gemeinsam in die Kirche einziehen. Jeder Mönch kann diese Fürbitten lesen und mit ins Gebet nehmen. Wie diese Gebetstafel auf unserem Statiogang aussieht, kann man übrigens auch auf der Website sehen.
Redaktion: Eine Frage, die du sicher oft hörst: Wenn man über Internet mit der ganzen Welt verbunden ist - gibt es da nicht Reibungen mit dem Klosteralltag?
P. Siegfried: Solange keine mehrstündige Wagneroper im Internet live übertragen wird, besteht eigentlich keine Gefahr. Wenn das aber doch einmal aus Bayreuth, New York oder London geschieht, dann kann ich schon einmal in »Versuchung« kommen. Aber - Gott sei Dank - mögen nicht alle Mönche Wagner. Das ist meine Rettung!
P. Siegfried: Beten in Gemeinschaft mit anderen kann eine ganz große Hilfe sein. Unsere Kirche lebt seit über 2000 Jahren davon. Diese Erfahrung, mit seinen Sorgen und Nöten, aber natürlich auch mit seinem Lob und Dank nicht alleine vor Gott zu stehen, erleichtert das Beten wesentlich und ist existenziell. In »Erzabtei live« mit den Mönchen von St. Ottilien sehe ich eine Chance dieser gemeinsamen Gebets- und Gotteserfahrung, gerade auch für daheim. Denn schließlich kann ja nicht jeder nach St. Ottilien fahren.
Redaktion: Kann man das Gestalten einer Webseite mit Buch- oder Ikonenmalerei vergleichen?
P. Siegfried: Beim Entwurf einer Webseite orientiere ich mich gerne am Buch, da ich ja auch Bibliothekar bin. Beispielsweise habe ich den »Rundgang durch die Klosterbibliothek« als Buch gestaltet. Das Programmieren einer Webseite ist für mich normale Arbeit. Allerdings sollte man Gott auch bei der täglichen Arbeit nicht aus den Augen verlieren. Daher unterzeichne ich die meisten Webseiten mit U.I.O.G.D. Das ist die Abkürzung für einen lateinischen Satz aus der Benediktsregel: »Ut in omnibus glorificetur Deus«, übersetzt also: »Damit Gott in allem verherrlicht werde«.













