Mittwoch, 28. Oktober 2026

Predigt zur Diamantenen Hochzeit meiner Eltern

Liebes Jubelpaar, liebe Mama, lieber Papa,

liebe Familie und Verwandte, Freunde und Wegbegleiter,

liebe Gemeinde im Herrn,

sechzig Jahre! Wenn man diese Zahl in den Raum stellt, breitet sich fast automatisch eine feierliche Stille aus. Sechzig gemeinsame Ehejahre. Das sind sage und schreibe 21.915 Tage. Es sind weit mehr als eine halbe Million Stunden, die ihr beide, liebes Jubelpaar, Seite an Seite verbracht habt. Ein solches Fest ist in unserer heutigen, schnelllebigen Zeit selten geworden. Es ist ein rares Gut, ein echtes Geschenk Gottes und ein tiefes Geheimnis. Deshalb nennen wir diesen Tag heute voller Ehrfurcht die Diamantene Hochzeit.

Ein Diamant entsteht nicht über Nacht. Er ist ursprünglich nichts anderes als   schlichte Kohle. Doch wenn diese über Jahrtausende hinweg unvorstellbarem Druck und enormer Hitze im Inneren der Erde ausgesetzt ist, verwandelt sie sich. Sie verdichtet sich und am Ende dieses langen, verborgenen Prozesses entsteht das härteste, beständigste und am schönsten funkelnde Juwel, das unsere Erde kennt: Ein Diamant.

Auch eure Ehe, liebe Mama und lieber Papa, hat diesen Reifungsprozess durchlaufen. Vor genau sechzig Jahren standet ihr schon einmal vor diesen Altar. Ihr wart jung, voller Träume, vielleicht auch ein wenig nervös vor dem, was das Leben bringen mag. Euer gemeinsamer Stein war damals noch rau. Erst durch die Jahrzehnte, durch das tägliche Miteinander, durch das gemeinsame Schleifen an den Ecken und Kanten des anderen, ist aus diesem rohen Stein der funkelnde Diamant geworden, den wir heute am Altar Gottes feiern.

Wenn wir nach dem Geheimnis einer so langen, gelingenden Gemeinschaft suchen, lohnt es sich, zuerst einen Blick auf das heutige Evangelium zu werfen.  

Das Fundament der Dankbarkeit

Im heutigen Evangelium nach Lukas hören wir:

„Einer von ihnen aber kehrte um, als er sah, dass er geheilt war; er lobte Gott mit lauter Stimme, warf sich vor den Füßen Jesu auf das Angesicht und dankte ihm.“ (Lk 17, 15–16)

Zehn wurden geheilt, aber nur einer hielt inne. Nur einer begriff, dass Gesundheit, Rettung und das Gelingen des Lebens keine Selbstverständlichkeit sind. Nur einer kehrte um, um danke zu sagen.

Liebe Mama, lieber Papa, euer heutiges Fest ist genau das: Es ist euer „Umkehren“, euer bewusstes Innehalten auf dem Lebensweg, um vor Gott niederzuknien und von ganzem Herzen Danke zu sagen. Sechzig Jahre Ehe fallen einem nicht einfach so in den Schoß. Sie sind ein Geschenk des Himmels. Ihr steht heute hier wie dieser, eine Geheilte, voller Demut und Dankbarkeit für die gemeinsamen Jahrzehnte, für die Familie und für jeden gesunden Tag.

Wenn wir weiter nach dem Geheimnis einer so langen Ehe suchen, lohnt sich auch der Blick auf einen Mann, der vor über 1.500 Jahren eine Regel für das Klosterleben geschrieben hat: den heiligen Benedikt von Nursia. Seine Ordensregel ist kein theoretisches Buch, sondern eine lebensnahe Anleitung für das Herz. 

Sowohl im Kloster als auch in der Ehe geht es um das bleibende, verbindliche Zusammenleben von Menschen auf engem Raum vor den Augen Gottes. Die Weisheit Benedikts lässt sich daher wunderbar auf das christliche Eheleben übertragen. 

Zwei Gedanken aus dieser Regel möchte ich euch heute mit auf den Weg geben.

1. Das Fundament der Beständigkeit (Stabilitas)

Diese Haltung des Dankes verbindet uns mit dem heiligen Benedikt. Das wichtigste Versprechen, das ein Mensch abgibt, wenn er in seine Gemeinschaft eintritt, ist die Stabilitas. Das bedeutet Beständigkeit, Treue. Es bedeutet das Versprechen, an einem Ort und mit den einmal gewählten Menschen auszuharren – in guten wie in schlechten Zeiten. Benedikt wusste ganz genau, dass der Mensch dazu neigt, wegzulaufen, wenn es anstrengend wird. Deshalb schreibt er ganz zu Beginn seiner Regel im Prolog ein paar sehr ehrliche Worte:

„Man laufe nicht gleich erschrocken weg, denn der Weg des Heils kann am Anfang nicht anders als eng sein.“ (RB Prolog, 48)

„Man laufe nicht gleich erschrocken weg.“ Was für ein wunderbarer Satz für eine Ehe! Ihr beide seid in diesen sechzig Jahren nicht weggelaufen. Auch dann nicht, wenn der Weg einmal eng wurde, wenn Sorgen das Haus bedrückten oder das Schicksal Prüfungen bereithielt. Ihr habt ausgeharrt. Ihr habt verstanden, dass man die tiefste Dimension der Liebe nicht erfährt, wenn man beim ersten Konflikt die Segel streicht. Eure Stabilitas, eure Treue, hat euch durch sechs Jahrzehnte getragen und zeigt uns allen heute: Es lohnt sich, dranzubleiben.

2. Das gegenseitige Tragen in unendlicher Geduld

Der heilige Benedikt gibt den Mönchen in Kapitel 72 seiner Regel folgenden Rat mit auf den Weg:

„Sie sollen die Schwachheiten des Leibes und des Charakters in unendlicher Geduld einander ertragen.“ (RB 72, 5)

„In unendlicher Geduld einander ertragen.“ Wenn das jemand versteht, dann ein Ehepaar am Tag seiner Diamantenen Hochzeit! Ihr habt im Laufe der Jahrzehnte gelernt, die Schwächen des anderen mit dem Mantel der Liebe zuzudecken. Ihr habt einander den Raum gegeben, zu wachsen, alt zu werden und sich zu verändern. Ihr habt euch gegenseitig in Geduld ertragen – in den Zeiten der Jugend, als die Kraft groß war, und ihr tragt euch noch heute im Alter, wo der Schritt vielleicht etwas langsamer geworden ist. Und diese Frucht der Geduld ist die Liebe, von der auch der Apostel Paulus schreibt: Sie eifert nicht, sie bläht sich nicht auf, sie erträgt alles. - So haben wir es gerade in der Lesung gehört.

Liebe Mama, lieber Papa, es war euer Glaube – euer Glaube an Gott und eure unerschütterliche Liebe zueinander –, der eure Ehe gerettet, bewahrt und durchgetragen hat. Dieser Glaube hat euch die Kraft gegeben, sechzig Jahre lang ein Fleisch, ein Herz und eine Seele zu sein.

Die Regel des heiligen Benedikt schließt im Prolog mit einer Verheißung, die wir euch als Segen für eure Zukunft mitgeben möchten:

„...damit wir unter seiner Führung die Wege des Herrn gehen.“ (RB Prolog, 21)

Geht euren Weg weiter unter dieser treuen, göttlichen Führung. Blickt am heutigen Tag mit großem Stolz auf das zurück, was ihr gemeinsam aufgebaut habt, und kehrt immer wieder um, um zu danken.

Möge der Herrgott eure Gesundheit bewahren, eure Tage mit Freude und Frieden erfüllen und eure Herzen weiterhin in jener Liebe erstrahlen lassen, die alle Zeit überdauert. Möge euer gemeinsamer Diamant noch sehr lange und hell für uns alle leuchten.

Amen.

Schrifttexte: Evangelium: Lk 17, 11-19 ; Lesung: 1 Kor 12, 31-13, 8a

Predigt gehalten am 28. Okt. 2026 in der Christus König Kirche in Oer-Erkenschwick


Dienstag, 27. Oktober 2026

Dies war der Lieblingstee von Königin Elizabeth II.

Die Lieblingstees der königlichen Familie enthüllt 

Tee ist seit Langem eng mit dem britischen Königshaus verbunden. Bereits im 19. Jahrhundert lud Königin Victoria Freunde und Familie regelmäßig zum Nachmittagstee ein – und ließ sogar eine spezielle Teemischung eigens für sich kreieren. Im 20. Jahrhundert wurde Tee zu einem formelleren Ritual, und Königin Elizabeth II. veranstaltete häufig Teepartys im Buckingham Palace. Doch welcher Tee war ihr Favorit? Teeexperte Arthur Gautier von Nio Teas hat die Lieblingsmischungen der königlichen Familie verraten. 

Welche Teesorten bevorzugt die königliche Familie? 

Königin Elizabeth II. trank am liebsten Earl Grey mit einem Schuss Milch und ohne Zucker – zubereitet mit losem Tee. Laut dem ehemaligen königlichen Koch Darren McGrady bevorzugte sie ihn besonders heiß. „Heißer Tee muss richtig heiß sein“, erklärte er gegenüber Coffee Friend . „Man muss ihn mit kochendem Wasser übergießen und fünf Minuten ziehen lassen – das ist das Wichtigste. Es ist wirklich entscheidend, dass man Tee in einer Teekanne zubereitet – das ist eine richtige Tasse Tee.“ 

Die verstorbene Monarchin war ebenfalls eine große Liebhaberin des Nachmittagstees. „Die Königin trank jeden Tag Nachmittagstee, wo immer sie sich gerade auf der Welt befand“, erinnerte sich McGrady. „Ob im Buckingham Palace, wo sie allein ihren Tee genoss, ob Prinz William sie begleitete, ob sie eine Gartenparty für 6.000 Gäste gab oder sich gar an Bord der Royal Britannia in Australien befand – die Königin liebte den Nachmittagstee. Ich würde sogar sagen, es war eine ihrer Lieblingsmahlzeiten. Als ich dort war, nahm sie sich jedenfalls jeden Tag Zeit für ihren Tee.“ 

Auch Kate Middleton ist ein Fan, bevorzugt ihren Earl Grey aber mit einer leichten Süße und gibt daher Honig hinzu.
König Charles III. hingegen bevorzugt Darjeeling. Darjeeling, auch als Champagner unter den Tees bekannt, ist eine Schwarzteesorte, die in der gleichnamigen Region in Westbengalen, Indien, angebaut wird. „Ich kann ihn mir richtig vorstellen, wie er an diesem blumigen Genuss nippt und dabei über den Klimawandel nachdenkt oder die Gärten von Highgrove bewundert“, sagt Arthur. 


Prinz William hingegen hält es einfach und trinkt English Breakfast . „Ich stelle mir vor, wie er den Tag mit einer kräftigen Tasse English Breakfast beginnt, während er sich auf seine königlichen Pflichten vorbereitet (oder den Kindern hinterherjagt)“, bemerkt Arthur. 

Er fügt hinzu: „Man kann nicht wirklich über das britische Leben sprechen, ohne Tee zu erwähnen – und die Royals haben dafür gesorgt. Tees von königlich anerkannten Marken wie Twinings und Fortnum & Mason halten diese Traditionen am Leben und ermöglichen es uns allen, einen Hauch von Königshaus bequem von zu Hause aus zu genießen.“ Die Frage ist: Milch zuerst oder zuletzt? Laut Grant Harold, dem ehemaligen Butler der Königin, gibt die königliche Familie die Milch immer zuletzt hinzu – so kann man die Stärke anhand der Farbe und des Aromas der Tasse beurteilen.

Von Ellie Smith

Montag, 26. Oktober 2026

Was passiert, wenn eine Fliege in eine Kaffeetasse fällt

“Was passiert, wenn eine Fliege in eine Kaffeetasse fällt? Der Italiener schmeißt die Tasse zu Boden, zerbricht sie und läuft wutentbrannt davon. Der Deutsche wäscht die Tasse sorgfältig aus, sterilisiert sie und kocht sich einen neuen Kaffee. Der Franzose nimmt die Fliege heraus und trinkt den Kaffee. Der Chinese isst die Fliege und schüttet den Kaffee weg. Der Russe trinkt den Kaffee mit der Fliege, wenn es schon mal was gratis gibt.

Der Israeli verkauft den Kaffee dem Franzosen, die Fliege dem Chinesen und die Tasse dem Italiener, trinkt eine Tasse Tee und erfindet mit dem verdienten Geld einen Schutz, der Fliegen davon abhält, in Tassen zu fallen.

Der Palästinenser gibt dem Israeli die Schuld an der Fliege in seinem Kaffee, protestiert bei den Vereinten Nationen gegen diesen Akt der Aggression, nimmt von der Europäischen Union eine Spende für den Kauf eines neuen Kaffees entgegen, kauft für das Geld jedoch Sprengstoff und jagt damit das Kaffeehaus in die Luft, in dem der Italiener, der Franzose, der Chinese, der Deutsche und der Russe gerade versuchen, dem Israeli zu erklären, dass dieser seine Tasse Tee dem Palästinenser überlassen sollte.”

Sonntag, 25. Oktober 2026

Predigt zum heutigen Weltmissionssonntag: Kann man denn heute noch Missionar sein?

Franziskanerkloster in Reutte (Tirol)

Liebe Brüder und Schwestern im Glauben,

am heutigen „Weltmissionssonntag“ möchte ich aus der benediktinischen Tradition ein paar Gedanken herausarbeiten, die auch für Menschen außerhalb der Klostermauern interessant - und vielleicht sogar hilfreich sein können.

Unserer Kloster St. Ottilien ist eines von 20 Klöstern der Missionsbenediktiner auf der ganzen Welt. Das Thema „Mission“ bestimmt das Leben in unserer Gemeinschaft ganz tiefgreifend mit.

„Geht das heute noch? Kann man denn heute noch Missionar sein?

Die Leute fragen das manchmal, wenn sie uns in St. Ottilien besuchen oder von unserer Arbeit hören. Den Glauben haben und pflegen sei ja recht, aber ihn auch noch verbreiten? Dazu kommt eine zweitausendjährige Missionsgeschichte, deren Fehler uns zur Last gelegt werden, die tatsächlichen ebenso wie die vielen vermeintlichen.

Unser Glaube ist nicht nur häuslich und auf ein paar Landstriche beschränkt: Unser Glaube meint den ganzen Menschen, und er meint alle Menschen. „Geht hin in alle Welt, und macht alle Menschen zu meinen Jüngern“ sagt der auferstandene Heiland seinen Jüngern.

Dabei ist mit der Mission der Kirche nicht ein imperialistischer Angriff auf die ganze Welt gemeint. Dahinter steckt etwas ganz anderes: die Erkenntnis, dass Jesus und seine Botschaft, nicht nur für die Juden - und vielleicht noch ein paar interessierte Griechen gedacht war, sondern dass diese Botschaft für alle Menschen gilt. – Hier in Österreich genau so wie für die Menschen in Papua-Neuguinea.

Dass Gott Mensch wird ist eine Nachricht, die alle angeht. Dass Gottes Liebe greifbar auf Erden wandelt und sich für uns selber darbringt, - das sollte jeder wenigstens einmal in seinem Leben gehört haben.

Die Missionare von St. Ottilien reihen sich in eine lange ehrenvolle Reihe großer Frauen und Männer ein, die als Glaubensboten ihre Heimat verlassen haben und – oft unter großer Gefahr und vielen Opfern – diese Botschaft von der Liebe Gottes weitergegeben haben.

Auch unsere Heimat wurde davon erreicht: Der hl. Magnus, der hl. Bonifatius, die heilige Lioba - und zahllose andere haben den Glauben in den Herzen unserer Vorfahren eingepflanzt und vertieft.

Die meisten dieser Missionare waren Klosterleute. Das ist leicht verständlich, denn die haben weniger Bindungen, auf die sie Rücksicht nehmen müssen; sie können losziehen und werden dann von einer Gemeinschaft bei ihrer Unternehmung unterstützt.

Aber diese Spezialisierung hat auch eine unglückliche Folge gehabt: Mission wurde damit zur Sonderaufgabe der Missionsorden, - so wie viele andere Orden für das Schulwesen oder die Krankenpflege zuständig waren.

Das letzte Konzil hat hier einen deutlichen Warnruf ausgestoßen: Mission ist Aufgabe der ganzen Kirche, also nicht nur etwas für eine Spezialistengruppe. - Und noch wichtiger: Mission – Sendung – ist eine Wesenseigenschaft der Kirche.

Wenn eine Pfarrei, oder eine Klostergemeinschaft oder eine Diözese nur mehr nach innen schaut, keine Ausstrahlung mehr nach außen hat, dann ist in ihr ein wichtiger Wesensteil des Kircheseins verlorengegangen: Sie ist krank, – wahrscheinlich sogar sterbenskrank.

Das Konzil war – wie meistens – nicht wirklich originell. Es hat nur versucht, eine etwas vergessene Wahrheit wieder ans Licht zu bringen. Es hat damit aber auch deutlich gemacht, dass alle Christen mitverantwortlich sind für diese Ausstrahlung, für die Erfüllung des Auftrags in aller Welt.

Was heißt das nun für uns Katholiken hier in Reutte? Es heißt, dass wir eigentlich alle Missionare sind. Jeder getaufte Christ hat diesen Auftrag.

Natürlich können nicht alle die Koffer packen und in fremde Länder aufbrechen, aber sie haben doch Möglichkeiten, mitzuwirken: durch materielle Unterstützung, durch Gebet, vor allem aber durch ein missionarisches Christsein, das sich vor der Herausforderung - mutig in Familie und Gesellschaft seinen Glauben zu bekennen - nicht verschließt.

„Wird jedoch der Menschensohn, wenn er kommt, auf der Erde noch Glauben vorfinden?“, haben wir heute im Evangelium gehört. – Diese Frage bleibt immer aktuell.

Es liegt an uns allen, - nicht nur an den Priestern, Ordensleuten und Missionaren. - Jeder hat in seinem Leben Möglichkeiten, seinen Glauben an andere weiterzugeben: Es ist die Aufgabe und Pflicht eines jeden Christen. Der Glaube ist keine Privatangelegenheit! Wer sich nicht zu Christus bekennt, zu dem wird sich auch Christus nicht bekennen, wenn er einmal vor Gottes Angesicht stehen wird.

Leider fehlt es heute vielen Christen an Selbstbewusstsein. Manchmal hat man sogar den Eindruck, dass die Christen in der Öffentlichkeit Angst haben, für ihren Glauben und ihre Kirche mutig einzustehen und ihn auch weiterzugeben: „Entschuldigung, ich bin katholisch.“

 Andere Weltreligionen sind da viel selbstbewusster: Die Stärke des Islam ist eine Auswirkung der Glaubensschwäche und Lauheit vieler Christen.

Die Mission und die Verkündigung der Botschaft Jesu ist der Lackmus-Test für unseren alltäglichen Glauben. Missionarisches Christsein bewährt sich so nicht nur, er macht vor allem auch unseren Glauben immer wieder neu lebendig.

Und so hat es auch Papst Benedikt sehr schön auf den Punkt, was Mission eigentlich bedeutet. In einem Interview über das Thema „Weltmission“ hat er vor einigen Jahren in St. Ottilien folgendes gesagt:

„Wenn man sich nur aufs Eigene zurückzieht, gewinnt man nichts. Sondern nur indem man gibt und über sich hinausschreitet, empfängt man auch wieder.“

Amen.

Predigt gehalten in Reutte (Tirol), Okt. 2007


Mittwoch, 21. Oktober 2026

Wie viel Ökumene geht von katholischer Seite wirklich? | Fragen an Bischof Stefan Oster | Adoratio

 

„Solange die Christen uneinig sind, bringt euer Glaube nichts!“ – Mit dieser provokanten Aussage eines Passanten wird Bischof Stefan Oster im Q&A beim Adoratio Kongress in Altötting konfrontiert. Wie viel Ökumene und Annäherung ist aus katholischer Perspektive überhaupt möglich? 

Bischof Oster gibt eine ehrliche Antwort: Er betont das Gebet Jesu um die Einheit (Joh 17) und nennt die Spaltung ein „verheerendes Zeugnis“. Gleichzeitig zeigt er klar auf, wo aus katholischer Sicht unverhandelbare Grenzen liegen – etwa beim Verständnis der Eucharistie als reale Gegenwart Christi – und warum eine bloße „Rückkehrökumene“ dennoch nicht die Lösung ist. 

Die Kernaussagen von Bischof Oster: 
1. Wie viel Ökumene ist möglich? Das Spannungsfeld zwischen Einheit und Wahrheit 
2. Das Abschiedsgebet Jesu (Joh 17): Warum Zersplitterung der Glaubwürdigkeit schadet 
3. Unverhandelbare Grenzen: Die Eucharistie als Knackpunkt katholischer Identität 
4. Warum eine einfache „Rückkehrökumene“ nicht ausreicht

Heimatgschichtn - Das Missionsmuseum im Kloster St. Ottilien

Im Kloster St. Ottilien gibt es ein ganz besonderes Museum: Früher sammelten die Mönche auf Mission Gegenstände, um ihre Brüder zu Hause auf die Kulturen der anderen Kontinente vorzubereiten. Heute werden diese im Museum ausgestellt.

Auf den Punkt gebracht

Das Sakrament der Buße ist wichtig. Es lehrt mich, mich selbst so zu sehen, wie Gott mich sieht, und es zwingt mich zur Ehrlichkeit mir selbst gegenüber. Es führt mich zur Demut. Der Pfarrer von Ars sagte einmal: „Du denkst, es macht keinen Sinn, heute die Absolution zu empfangen, weil du weißt, dass du morgen dieselben Sünden wieder begehen wirst.“ Doch, fährt er fort, „Gott vergisst augenblicklich die Sünden von morgen, um dir heute seine Gnade zu schenken.“ Selbst wenn wir immer wieder mit denselben Fehlern kämpfen müssen, ist es wichtig, der Verrohung unserer Seele und der Gleichgültigkeit zu widerstehen, die uns einfach mit unserem Wesen abfinden würde. Es ist wichtig, ohne Skrupel voranzuschreiten, im dankbaren Bewusstsein, dass Gott uns immer wieder aufs Neue vergibt – aber auch ohne die Gleichgültigkeit, die uns dazu verleiten könnte, das Streben nach Heiligkeit und Selbstverbesserung ganz aufzugeben. Indem ich mir selbst Vergebung erlaube, lerne ich außerdem, anderen zu vergeben. Indem ich meine eigene Schwäche erkenne, werde ich toleranter und verständnisvoller gegenüber den Fehlern meiner Mitmenschen. 

Papst Benedikt XVI., Brief an die Seminaristen, 18. Oktober 2010.

Freitag, 16. Oktober 2026

Eine neue Blütezeit

Der Heilige Rosenkranz ist keine fromme Übung, die in die Vergangenheit verbannt wurde, wie Gebete vergangener Zeiten, an die man sich nostalgisch erinnert. Vielmehr erlebt der Rosenkranz eine neue Blütezeit. Zweifellos ist er eines der beredtesten Zeichen der Liebe, die die junge Generation zu Jesus und seiner Mutter Maria hegt. In der heutigen, so zersplitterten Welt hilft dieses Gebet, Christus in den Mittelpunkt zu rücken, so wie es die Jungfrau Maria tat, die über alles nachdachte, was über ihren Sohn gesagt wurde, und auch über sein Tun und Reden. Beim Rosenkranzgebet werden die wichtigen und bedeutsamen Momente der Heilsgeschichte neu erlebt. Die verschiedenen Stationen von Christi Wirken werden nachgezeichnet. Mit Maria richtet sich das Herz auf das Geheimnis Jesu. Christus rückt in den Mittelpunkt unseres Lebens, unserer Zeit, unserer Stadt durch die Betrachtung und Meditation seiner heiligen Geheimnisse der Freude, des Lichts, des Leids und der Herrlichkeit. Möge Maria uns helfen, die Gnade dieser Geheimnisse in uns aufzunehmen, damit wir durch sie die Gesellschaft durchdringen können, angefangen bei unseren täglichen Beziehungen, und sie von so vielen negativen Einflüssen reinigen und sie so für die Neuheit Gottes öffnen. Der Rosenkranz, wenn er aufrichtig gebetet wird, nicht mechanisch und oberflächlich, sondern tiefgründig, bringt tatsächlich Frieden und Versöhnung. Er birgt die heilende Kraft des Allerheiligsten Namens Jesu in sich, der mit Glauben und Liebe im Zentrum jedes „Gegrüßet seist du, Maria“ angerufen wird. 

Papst Benedikt XVI., Basilika Santa Maria Maggiore, 3. Mai 2008

Samstag, 10. Oktober 2026

Von der Faszination historischer Aufnahmen (11): Mozarts Don Giovanni unter Bruno Walter (MET, 1942)

Was für eine großartige Aufführung! Bruno Walter interpretiert diese Oper auf grandiose Weise, und bei solch stimmgewaltigen und charismatischen Sängern – wer könnte es ihm verdenken? Von den düsteren Anfangsakkorden bis zur ungewöhnlich langsamen Apotheose lässt Walter uns spüren, dass wir Zeugen einer überlebensgroßen Interpretation einer der wohl größten Opern der Welt werden. 

Es gibt ja immer wieder solche "magischen" Augenblicke, solche optimalen Himmelskonstellationen, in denen selbst routinierte Größen über sich hinauszuwachsen vermögen, und sich in einem kollektiven schöpferischen Taumel gegenseitig zu Höchstleistungen beflügeln. Und einen solchen Augenblick der Verzauberung, der vollkommenen Illusion, entfachte Bruno Walter an jenem denkwürdigen Märzabend in der New Yorker Metropolitan Oper, und er ließ das gebannte Publikum das erotische Prinzip und die geradezu heidnischen Urkräfte von Mozarts Musik spüren. Natürlich konnte Walter diese magische Beschwörung nur mit jenem herausragenden Ensemble verwirklichen, das ihm damals in New York zur Verfügung stand, und das noch ein wirkliches "Ensemble" war. 

Ezio Pinza ist ein Don für die Ewigkeit – erstaunlich selbstsicher, geschmeidig wie Seide, elegant und verführerisch, unwiderstehlich und gefährlich. Und rein klanglich ist seine dunkle, samtige Stimme unvergleichlich. 

Nicht nur die Titelpartie war mit dem wahrlich "erotisch" timbrierten basso cantante Ezio Pinza optimal besetzt, sondern neben ihm agierte die Crème des Mozart-Gesangs: der kernige Russe Alexander Kipnis als Leporello, die Tschechin Jarmila Novotna als überaus resolute Donna Elvira, der großartige Belcanto-Tenor Charles Kullmann als Don Ottavio und der brasilianische Publikumsliebling Bidu Sayao als püppchenhaft-kecke Zerlina. 

Die akustischen Mängel der mittlerweile 84 Jahre alten Mono-Aufzeichnung sind freilich ein Manko:  Sie bewegen sich aber, nach der jetzt vorgenommenen digitalen Kosmetik , am Rand des noch gut Zumutbaren. Wenn man nur eine Weile hineingehört hat in das ziemlich antike Klangbild, dann beginnt man allmählich zu begreifen, warum diese Mozart-Sternstunde musikalisch allen späteren Studioversionen bis heute standhalten konnte.

Diese berühmte Aufführung gehört in jede Sammlung. 

 

Mittwoch, 7. Oktober 2026

Was ein Mönch so liest (10): Die Entdeckung der Ewigkeit von Peter Seewald

Peter Seewald, Bestsellerautor und renommierter Publizist, stellt in „Die Entdeckung der Ewigkeit“ die provokante Frage: Was, wenn der Tod nicht das Ende ist – sondern der Anfang? In einer Zeit, die vom Verlust des Jenseitsglaubens geprägt ist, lädt Seewald zu einer tiefgründigen Erkundung ein. Er entlarvt die Illusionen der Anti-Aging-Kultur und zeigt, warum es klug ist, das irdische Leben vom Ende her zu denken. 

Unsere Gegenwart ist geprägt von der Angst vor dem Altern und dem Wunsch nach ewiger Jugend. Doch wer den Tod verdrängt, verliert den Blick für das Wesentliche. Statt sich in Oberflächlichkeiten zu verlieren, lohnt es sich, das Leben in seiner Tiefe zu betrachten – mit dem Wissen um seine Endlichkeit und der Hoffnung auf etwas Größeres. Die christliche Vorstellung von Ewigkeit wird dabei nicht als dogmatisches Konzept präsentiert, sondern als geistige Ressource, die Halt und Orientierung geben kann. 

Dieses Werk ist ein Denkanstoß für alle, die mehr vom Leben erwarten als Konsum und Selbstoptimierung. Es richtet sich an Leserinnen und Leser, die sich mit existenziellen Fragen beschäftigen und nach Antworten jenseits des Zeitgeists suchen. Ein bewegendes und zugleich tröstliches Buch.

Montag, 5. Oktober 2026

Schenke uns heilige Diener deines Altars

Gebet von Papst Benedikt XVI.
für geistliche Berufungen zum Priesteramt und für das gottgeweihte Leben anlässlich des Weltgebetstages für geistliche Berufungen am 7. Mai 2006

O Vater, lass unter den Christen viele
und heilige Berufungen zum Priestertum entstehen,
die den Glauben lebendig halten
und die dankbare Erinnerung an deinen Sohn Jesus bewahren,
durch die Verkündigung seines Wortes
und die Verwaltung der Sakramente,
durch die du deine Gläubigen ständig erneuerst.

Schenke uns heilige Diener deines Altars,
die aufmerksame und eifrige Hüter der Eucharistie sind,
des Sakraments der äußersten Hingabe Christi
für die Erlösung der Welt.

Rufe Diener deiner Barmherzigkeit,
die durch das Sakrament der Versöhnung
die Freude deiner Vergebung verbreiten.

O Vater, lass die Kirche mit Freuden
die zahlreichen Inspirationen des Geistes deines Sohnes aufnehmen
und lass sie - deiner Lehre fügsam -
Sorge tragen für die Berufungen zum priesterlichen Dienst
und zum geweihten Leben.

Unterstütze die Bischöfe, die Priester, die Diakone,
die Menschen des geweihten Lebens und alle in Christus Getauften,
damit sie treu ihre Sendung erfüllen
im Dienst des Evangeliums.

Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. Amen.

Sonntag, 4. Oktober 2026

Was ein Mönch so hört (25): Wagners Tannhäuser unter J. Keilberth (Bayreuth, 1954)

Joseph Keilberths Live-Aufnahme von Tannhäuser aus den Bayreuther Festspielen von 1954 (Hybridfassung) ist präzise, ​​prägnant und stets auf die theatralischen Aspekte der Partitur bedacht. Sie zählt damit zu den besten dirigierten Einspielungen des Werkes überhaupt. Ramón Vinay, ein fantastischer Heldentenor , brilliert als Tannhäuser. Sein schöner, fast baritonaler Klang mag in den höheren Lagen der Partie eine leichte Anstrengung aufweisen, doch seine dramatische Darstellung der Figur und ihrer Entwicklung ist exzellent. Der notwendige Kontrast zwischen Elisabeth und Venus wird nahezu perfekt herausgearbeitet: Gré Brouwenstijns Elisabeth ist lieblich, zart und fein, während Hertha Wilferts Venus mit verführerischer Andeutung glänzt. Der Star der Aufführung ist vielleicht Dietrich Fischer-Dieskau als Wolfram, eine Rolle, die ihm wie auf den Leib geschrieben scheint und sowohl die Schönheit des Klangs eines Liedsängers als auch die Fähigkeit eines Opernsängers erfordert, sich in dramatischen Situationen auszudrücken. Josef Greindl gibt die Rolle des Landgrafen Hermann sehr gut, während die Nebenrollen von Künstlern höchster Qualität gesungen werden, darunter Josef Traxel (Walther), Theo Adam (Reinmar) und Gerhard Stolze (Heinrich der Schreiber).

 

Sonntag, 27. September 2026

Predigt: Geh und arbeite heute im Weinberg!

Liebe Schwestern und Brüder im Glauben,

nicht Worte, sondern Taten verändern die Welt. Das ist die Kernbotschaft, mit der uns Jesus heute im Evangelium konfrontiert. Er erzählt ein kurzes, aber messerscharfes Gleichnis von einem Vater und seinen zwei Söhnen.

Dieses Gleichnis ist kein harmloses moralisches Lehrstück über den Gehorsam im Familienkreis. Es ist eine radikale Anfrage an uns alle, an unsere Frömmigkeit, an unsere Lebensführung und an unser Verständnis von Gottes grenzenloser Gnade.


1. Das „Ja“, das auf dem Weg verloren geht

Betrachten wir zuerst den zweiten Sohn. Er ist ein Typ Mensch, den wir alle nur zu gut kennen – vielleicht auch aus dem Blick in den eigenen Spiegel. Er ist höflich, wohlerzogen und weiß genau, was sich gehört. Als der Vater ihn bittet, im Weinberg zu arbeiten, zögert er keine Sekunde. Er sagt: „Ja, Herr!“ Er schenkt dem Vater ein Lippenbekenntnis, das Respekt und Gehorsam signalisiert. Das klingt gut, das beruhigt die Situation, und es bringt im ersten Moment Anerkennung und Harmonie.

Aber dieses „Ja“ bleibt an der Oberfläche. Es dringt nicht bis in sein Herz vor und bewegt seine Füße nicht. Auf unsere Beziehung zu Gott übertragen, warnt uns Jesus hier vor einer vordergründigen Frömmigkeit. Er warnt vor einem Glauben, der nur aus Worten, Fassaden und schönen Traditionen besteht.

Wie oft sagen wir im übertragenen Sinne „Ja“, wenn wir Gottes Gebote der Nächstenliebe hören? Doch im Alltag geht dieses „Ja“ oft verloren. Wenn es darauf ankommt, für den Schwachen einzustehen, Zeit für den Einsamen zu opfern oder dem zu vergeben, der uns verletzt hat, dann bleiben wir oft untätig. Doch Gott sucht keine „Ja-Sager“, die im entscheidenden Moment den Dienst verweigern. Er sucht keine perfekten religiösen Kulissen, sondern ein lebendiges Handeln. Er möchte, dass unser Glaube Hand und Fuß bekommt.

2. Das mutige „Nein“, das zur Umkehr wird

Und dann ist da der erste Sohn. Seine Antwort auf die Bitte des Vaters ist eine Provokation: „Ich will nicht!“ Das ist schroff, das ist unhöflich, das bricht mit allen gesellschaftlichen Konventionen. Dieser Sohn steht für die Menschen, die Fehler machen. 

Doch in dieser Geschichte passiert das eigentliche, leise Wunder im Verborgenen. Der Text sagt ganz schlicht: „Später reute es ihn, und er ging doch." Was für ein mächtiger Satz! Dieser Sohn geht in sich. Er hält inne. Er schaut in den Spiegel seiner eigenen Seele und erkennt seinen Trotz, seine Ungerechtigkeit gegenüber dem Vater. Er schämt sich vielleicht sogar für sein schnelles „Nein“.

Und dann das Entscheidende ist: Er bleibt nicht in der Scham oder im Trotz stecken. Er korrigiert seinen Kurs. Er dreht um, nimmt das Werkzeug in die Hand und geht doch noch in den Weinberg. Am Ende zählt vor Gott nicht, wie holprig der Start war. Es zählt nicht, wie laut unser erstes Aufbegehren war. Was zählt, ist die Richtung, in die sich unsere Füße am Ende bewegen. Dieser Sohn zeigt uns, dass ein ehrlicher Fehlschlag, gefolgt von einer Richtungsänderung, unendlich viel wertvoller ist als eine glatte, aber hohle Zusage.

3. Umkehr ist immer möglich

An diesem ersten Sohn entfaltet sich eine der wohl kraftvollsten Wahrheiten unseres christlichen Glaubens: Umkehr ist immer möglich.

Jesus hält den religiösen Führern seiner Zeit den Spiegel vor, weil sie dachten, sie hätten das Monopol auf Gottes Wohlwollen. Sie glaubten, weil sie die Gesetze formal einhielten, stünden sie automatisch auf der richtigen Seite. Die Ausgestoßenen hingegen galten als verloren. Doch Jesus bricht dieses starre System radikal auf. Er zeigt: Bei Gott gibt es keine hoffnungslosen Fälle. Niemand ist zu weit weggelaufen, als dass er nicht wieder zurückkehren könnte.

Egal, wie oft wir in unserem eigenen Leben schon „Nein“ zu Gott gesagt haben – sei es durch Gleichgültigkeit, durch Egoismus, durch bewusste Schuld oder durch das Ignorieren unserer Mitmenschen: Der himmlische Vater schreibt uns niemals ab. Bei Gott gibt es keine Sackgassen, aus denen es keinen Ausweg mehr gibt. Er hält die Tür bis zum allerletzten Augenblick weit offen.

Umkehr bedeutet im biblischen Sinne nicht, dass wir uns selbst geißeln oder in ständigen Schuldgefühlen versinken müssen. Das griechische Wort für Umkehr heißt Metanoia – das bedeutet schlicht „Umdenken“, den Sinn verändern, eine neue Perspektive einnehmen. Es bedeutet, den Mut zu haben, sich einzugestehen: „Ich bin auf dem falschen Weg. Ich habe mich verrannt.“ Und dann das Angebot Gottes anzunehmen, neu anzufangen.

Die Zöllner und Dirnen im Evangelium erkannten ihre Bedürftigkeit und ließen sich durch die Botschaft der Gnade verwandeln. Sie verstanden, dass Gottes Liebe kein Verdienst ist, sondern ein Geschenk, das nach einer Antwort im Leben verlangt.


Wenn wir ehrlich zu uns selbst sind, entdecken wir beide Söhne in unserer eigenen Brust. Wir alle haben Tage und Lebensphasen, in denen wir wie der erste Sohn rebellieren. Und wir alle haben Zeiten, in denen wir wie der zweite Sohn nur so tun, als ob – in denen wir nach außen hin die fromme Fassade wahren, während unser Herz kalt und unbewegt bleibt.

Doch gerade weil Umkehr immer möglich ist, verdammt uns dieses Gleichnis nicht. Es will uns nicht beschämen, sondern es hat eine zutiefst befreiende, erlösende Kraft: Vor Gott müssen wir nicht so tun, als hätten wir alles im Griff. Wir dürfen mit unseren Fehlern, mit unserem Versagen und mit unserem Zögern zu ihm kommen. Es ist niemals zu spät, ein anfängliches, trotziges „Nein“ in ein tatkräftiges, liebevolles Handeln zu verwandeln.

Gott wartet nicht auf unsere fehlerfreie, makellose Leistung. Er wartet auf unsere Ehrlichkeit und auf unsere Bereitschaft, uns verändern zu lassen. Gehen wir also los – nicht mit leeren Worten, sondern mit guten Taten. Es ist nie zu spät, doch noch in den Weinberg zu gehen.

Amen.

Predigt zum 26. Sonntag im Jahreskreis (A)
Evangelium: Mt 21, 28 - 32
(gehalten für die Tutzinger Schwestern im Haus St. Benedikt am 27.9.2026 um 10.45 Uhr)

Hörpredigt: Von schwarzen Schafen

Aus dem Heiligen Evangelium nach Matthäus - Mt 21,28-32. 

In jener Zeit sprach Jesus zu den Hohepriestern und den Ältesten des Volkes: Was meint ihr? Ein Mann hatte zwei Söhne. Er ging zum ersten und sagte: Mein Kind, geh und arbeite heute im Weinberg! Er antwortete: Ich will nicht. Später aber reute es ihn und er ging hinaus. Da wandte er sich an den zweiten und sagte zu ihm dasselbe. Dieser antwortete: Ja, Herr – und ging nicht hin. Wer von den beiden hat den Willen seines Vaters erfüllt? Sie antworteten: Der erste. Da sagte Jesus zu ihnen: Amen, ich sage euch: Die Zöllner und die Dirnen gelangen eher in das Reich Gottes als ihr. Denn Johannes ist zu euch gekommen auf dem Weg der Gerechtigkeit und ihr habt ihm nicht geglaubt; aber die Zöllner und die Dirnen haben ihm geglaubt. Ihr habt es gesehen und doch habt ihr nicht bereut und ihm nicht geglaubt.

   
Predigt von P. Cyrill Schäfer im Konventamt am 27.9.2026 in St. Ottilien

Dienstag, 22. September 2026

Zum Verlieben schön: Rossinis „La Cenerentola“ in der legendären Regie und Ausstattung von Jean-Pierre Ponnelle an der Bayerischen Staatsoper am 19. Sept. 2026

Jean-Pierre Ponnelles Inszenierung von Gioachino Rossinis „La Cenerentola“ aus dem Jahr 1980 ist an der Bayerischen Staatsoper nach wie vor ein Klassiker. Obwohl Rossinis Werk, einst eine Rarität, heute weltweit vergleichsweise häufig aufgeführt wird, fesselt diese Produktion das Publikum weiterhin und bietet einen erfrischenden und genussvollen Opernabend. „La Cenerentola“ verkörpert die perfekte Balance zwischen Opera buffa und ernstem Drama, zwischen heiterer Komödie und Farce. Während Don Magnifico und seine törichten Töchter die Züge einer reinen Farce aufweisen, bietet Alidoro als Deus ex machina einen moralischen Kompass, der ihn fest als ernsthafte Figur verankert.  

Im Zentrum steht Rossinis Musik: elegant und unendlich vielfältig, erhebt sie selbst die absurdesten Situationen und vereint Komik und ergreifende Gefühle zu einer einzigartigen künstlerischen Vision. Ponnelle fängt die kontrastierenden Stimmungen der Oper – Komik und Melancholie – meisterhaft ein und rahmt sie mit Bühnenbildern ein, die an Pappfiguren erinnern und in Schwarz-Weiß wie Tuschezeichnungen gemalt sind. Sein komödiantischer Ansatz respektiert Tradition und Raffinesse und vermeidet Übertreibung und Vulgarität. Das Ergebnis ist eine Inszenierung von erlesener Schönheit und bezauberndem Charme.
Die Aufführung unter der hervorragenden musikalischen Leitung von Gianluca Capuano konnte auf ein harmonisches Sängerensemble zählen, dessen Stimmen perfekt mit der Partitur harmonierten. Die erst 24 jährige georgische Mezzosopranistin Ekaterine Buachidze verkörperte eine zauberhafte, mädchenhafte Angelina/Cenerentola und meisterte die anspruchsvolle Tessitur mit scheinbarer Leichtigkeit. Ihre agile Stimme blieb auch in den höchsten Lagen rein und wurde von ihrem Atem perfekt unterstützt. Die Protagonistin zeigte eine herausragende Koloraturbeherrschung, dabei war ihr Mezzosopran in der hohen Lage fokussiert, mit einem kräftigen oberen Register und strahlenden Spitzentönen. Ekaterine Buachidze war der absolute Star des Abends und ich wage zu behaupten, dass diese junge und dazu auch noch zum Verlieben bildhübsche Sängerin eine Weltkarriere machen wird: Dies war der Startschuss! 

Ihre Interpretation des abschließenden Rondos „Non più mesta“ war elektrisierend, voller Koloraturvielfalt und echter Begeisterung. Aber hören Sie Ekaterine Buachidze mit diesem finalen Rondo selbst, dann werden Sie meine Prophezeiung verstehen:

   

 Auch der Tenor Maxim Liam Bonthrone gilt als aufstrebender Stern unter den Rossini-Interpreten: Er gab einen sehr stilvollen Don Ramiro, der, obwohl verkleidet, stets die nötige Distanz zu seinem Diener Dandini wahrte. Letzterer wurde vom Bariton Konstantin Krimmel verkörpert, der stimmlich makellos und in der Buffo-Rolle sehr überzeugend war, ebenso wie der Bassbariton Misha Kiria als ein entzückender Don Magnifico. Die beiden Sängerinnen Narea Son und und Meg Brilleslyper überzeugten ebenfalls in den Rollen der zänkischen Clorinda und Tisbe, Angelinas Stiefschwestern. Bassbariton Luca Pisaroni verkörperte mit seiner markanten Stimme und seiner imposanten Bühnenpräsenz einen autoritären Alidoro. 

Letztendlich muss ich sagen, dass diese Aufführung einer der schönsten und unterhaltsamsten Opernabende war, die ich bisher erleben durfte. Und da Ponelles berühmte Inszenierung nicht nur an der Bayerischen Staatsoper, sondern auch weltweit in vielen bedeutenden Opernhäuser (wie hier 2014 in San Francisco) aufgeführt wurde, möchte ich Ihnen diese herzlich empfehlen. „La Cenerentola“ vereint Humor, mitreißenden Gesang und ein bewegendes Plädoyer für Vergebung. - Viel Vergnügen beim Zuschauen!

 
Wichtiger Hinweis für den optimalen Operngenuß: Stellen Sie, nach dem Starten, in den Einstellungen (Zahnrad rechts oben) die Bildqualität auf 1080p und aktivieren Sie anschließend den Vollbild-Modus (schräger Doppelpfeil rechts unten).

Montag, 21. September 2026

Das Ewige Leben: Was wissen wir darüber? | Prof. DDr. Ralph Weimann

 

Der Glaube daran, dass unser Leben nicht mit dem Tod endet, ist vielleicht die größte Gemeinsamkeit zwischen allen Religionen. Und selbst nicht religiöse Menschen glauben bisweilen daran, dass nach dem Tod noch etwas kommt. Was aber ist die christliche Vorstellung vom „Ewigen Leben“ und was können wir darüber überhaupt mit Sicherheit sagen? Diese und weitere Fragen bespricht Volker Niggewöhner mit dem Dogmatiker und Bioethiker Ralph Weimann.

Dienstag, 8. September 2026

Was ein Mönch so hört (24): Die h-Moll-Messe von J.S. Bach mit dem Ensemble Pygmalion unter Raphaël Pichon

 

Eine Messe als packendes Drama: Das ist hier zu erleben. Raphaël Pichon stellt mit seinem Ensemble Pygmalion das Credo von Bachs h-Moll-Messe ins Zentrum: ein oft martialischer Ohren-Thriller, der mit einer schwerelosen Auferstehung endet. Das Kyrie firmiert als kontemplative Einstimmung, durch das Gloria fegt der Heilige Geist, und das Sanctus ist wahre Herzensmusik. Musiziert wird in raschen Tempi, extrem lebendig und durchsichtig, oft mit tänzerischer Leichtigkeit und mit zahlreichen individuellen Farben. Pichons Interpretation ist raffiniert, leicht und luftig, tänzerisch und fließend, eigentlich sehr französisch. Der Chorgesang ist von großer Schönheit, und auch das Orchester ist hervorragend. Die Solisten fügen sich wunderbar in das Ensemble ein, das durch seine musikalischen Qualitäten beeindruckt. Diese Deutung der h-Moll-Messe ist einladend und aufbauend. Man wird nicht eingeschüchtert oder unterworfen, sondern aufgerichtet. Was für ein Gewinn! So kann uns selbst ein Repertoire-Stück noch das Staunen lehren.