Samstag, 20. Juli 2024

"KIRI TE KANAWA!" = "GRÜSS GOTT?" (Erinnerungen aus meinem Kloster-Tagebuch vom 12. Mai 2008)

Der Schock traf mich heute gegen 09.30 Uhr: Ob "Kiri Te Kanawa" irgendeine Übersetzung für "Grüß Gott!" sei, fragte mich heute Bruder U., als er zur Tür hineinkam. 

Nein! - Mit "Kiri Te Kanawa" hatte ich den Mitbruder nicht begrüßt, wie er fälschlicherweise meinte, als er mein Büro betrat, sondern es war eine Anspielung auf meine Lieblings-CD (siehe oben) gewesen, die ich gerade wieder einmal hörte. - Wenn ich nicht bereits gesessen hätte, hätte ich jetzt wahrscheinlich einen Stuhl gebraucht ... - Mitbrüder können so grausam sein ... 

Mit einem Satz: Kiri Te Kanawa ist einfach "die Größte und Beste!" - 
Auf jeden Fall hatte ich immer gedacht, dass alle das wüssten. - 
Aber so kann man sich eben irren. 

Trotzdem:"There are plenty of sopranos who will perform with admirable efficiency in a comparable repertoire, but there is not one in a thousand who can provide such beauty of tone.“ (J.B. Steane, "Stimmpapst"). - 

So einfach kann die Wahrheit sein!


Samstag, 13. Juli 2024

Das finde ich klasse: Freude am Kunstgenuss

Freude am Kunstgenuss 

Viele von uns Mönchen sind auch begeisterte Kunst- und Kulturfreunde. Wenn es die Zeit zulässt, gehen einige von uns gerne ins Theater, ins Konzert oder in die Oper. Das sind besondere Momente der Inspiration und der geistigen Anregung. Immer wieder sind also Zisterzienser auch bei kulturellen Ereignissen anzutreffen, so wie hier in der Wiener Staatsoper.

(gefunden auf der Homepage des Stifts Heiligenkreuz)


Montag, 3. Juni 2024

Von der Faszination historischer Aufnahmen (5) - Der Rosenkavalier mit Lotte Lehmann und Richard Mayr (1933)

Richard Strauss

DER ROSENKAVALIER
Lotte Lehmann, Elisabeth Schumann, Maria Olszewska, Richard Mayr

Wiener Philharmoniker, 
Robert Heger

Naxos Historical
8.110191-92 (2 CDs)

Die akustische Reise durch die »Rosenkavalier«-Gesamtaufnahmen beginnt mit einer ›halben Portion‹, die künstlerisch allerdings alles andere als eine solche ist. Robert Heger hat im September 1933 in Wien einen erweiterten Querschnitt mit den wichtigsten Szenen eingespielt. Die Aufnahme ist eine gekürzte Fassung – sie enthält etwa die Hälfte der Partitur – oder, wie sie damals mit zeitgenössischer Eleganz bezeichnet wurde, „Ausgewählte Passagen“. 

Mit Lotte Lehmann stand gleich bei dieser Studiopremiere eine der herausragendsten Marschallinnen überhaupt vor dem Mikrophon. Ihre klangreiche, warme und seelenvolle Stimme in Verbindung mit ihrer breiten Ausdruckspalette ist in der Tat eine Idealbesetzung. Maria Olszewska singt einen äußerst überzeugenden Octavian. Elisabeth Schumanns leicht dunkel timbrierter Sopran hebt als Sophie entzückend leicht nach oben ab, behält aber immer eine Art Erdverbundenheit. 

Strauss hatte angeblich Richard Mayr vor Augen und Ohren, als er den Ochs ausarbeitete. Man kann es verstehen, wenn man erlebt, wie der Bassist alles quasi en passant serviert, mit unaufdringlicher Nonchalance ein sehr faszinierendes, pointiertes Porträt liefert. Robert Hegers zügige Tempi dürften genau Strauss’ Intentionen entsprechen. Erstmals sind hier auch die Wiener Philharmoniker mit dem Werk zu hören, das sie mit Fug und Recht als ihres betrachten dürfen – mehr Aufnahmen davon gibt es mit keinem anderen Orchester.

Montag, 13. Mai 2024

Notker Wolf - Mönch, Erzabt, Abtprimas, Mensch

Er zählte zu den bekanntesten Ordensleuten Deutschlands: Notker Wolf, Benediktinermönch und 16 Jahre lang Abtprimas des weltweiten Zusammenschlusses der Benediktinerklöster, ist am 2. April, im Alter von 83 Jahren überraschend in Frankfurt gestorben. 

Wenn er sich selbst mit 30 Jahren begegnen würde, was würde er sich raten, wurde Abt Notker anlässlich seines 80. Geburtstages gefragt. Seine Antwort: „Nimm dein Leben ernst, aber nicht zu ernst. Freu dich auch des Lebens. Das ist die beste Medizin, um alt zu werden.“ Irgendwann sei auch sein Leben zu Ende, „aber so tragisch ist das nicht“. Humor war Abt Notker  immer wichtig. Auch, weil man manches eben nur mit Humor, der "kleinen Schwester des Glaubens", ertragen könne.


In den letzten Wochen sind viele Artikel und Nachrufe in der Presse erschienen. Den m.E. lesenswertesten möchte ich an dieser Stelle verlinken. Er stammt von P. Markus Muff von der "Foundation Benedict" und ist hier zu finden: LINK ZUM ARTIKEL


Sonntag, 12. Mai 2024

Robert Spaemann über den Tauf- und Firmzeitpunkt

Wie beurteilen Sie die seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil auch unter getauften Eltern zunehmend verbreitete Auffassung, Kinder sollten sich selbst für oder gegen die Taufe entscheiden, sobald sie zur Vernunft gelangt sind?

Robert Spaemann: Hier liegen ein paar tiefsitzende Irrtümer zugrunde. Jesus sagt zu seinen Jüngern: „Nicht ihr habt mich erwählt, sondern Ich habe euch erwählt.“ Das heißt: Gott hat mich gefunden, nicht ich habe Gott gefunden. Die Kindertaufe drückt das sehr gut aus: Zunächst empfangen wir. Dass das Kind in Freiheit den Glauben annehmen muss ist klar; aber um den Glauben überhaupt annehmen zu können, muss man ihn von innen kennengelernt haben. Wer glaubt, dass Jesus Christus sein Erlöser ist, der wird doch seinen Kindern das nicht vorenthalten. Alfred Grosser, der selbst ungläubig war, schickte seine Kinder in ein katholisches Internat damit sie, wie er es ausdrückte, sich einmal frei entscheiden können. 

Um sich frei entscheiden zu können, sollten sie erst einmal die gelebte Praxis des Glaubens kennenlernen. „Verlieren“, sagte er mir einmal „kann man den Glauben sehr schnell. Viel schwerer ist es, ihn zu erwerben.“. Im Übrigen ist die Firmung das Sakrament, im Zusammenhang mit dem die eigenständige Übernahme des Glaubens erfolgt. Die Orthodoxen firmen die Kinder zusammen mit der Taufe. Das kann man auch machen - im Vertrauen auf die Kraft des Sakramentes. Wenn man es aber nicht mit der Taufe zusammenlegt, dann sollte man nicht zu früh firmen.

Ich persönlich würde dafür plädieren, dass die Kinder überhaupt nicht gruppenweise oder klassenweise zur Firmung geführt werden, sondern dass sie sich erst firmen lassen, wenn sie in das Alter der Selbstbestimmung eintreten, also vielleicht mit 17 oder 18. Dann werden vielleicht sehr viel weniger Jugendliche gefirmt werden, aber das Firmsakrament wird heute vielfach missbraucht: Es werden Kinder gefirmt, die weder vorher noch nachher in die Kirche gehen. Das ist ein unmöglicher Zustand. Das gilt übrigens auch für die Taufe. Nur solche Eltern sollten ihre Kinder taufen lassen, die selber willens sind, die Kinder in einem Leben aus dem Glauben zu erziehen. Wenn sie das gar nicht wollen oder nicht können, dann spricht das auch gegen die Kindertaufe. Das ist ein Sakramentalismus, der meiner Ansicht nach nicht gerechtfertigt ist.

Donnerstag, 2. Mai 2024

Bücher, die man gelesen haben muss! Was sind „Klassiker der spirituellen Literatur“?

Es gibt Bücher, die zum Grundbestand des geistlichen Lebens gehören. Sie sind Spiegel der Erfahrungen, die Menschen mit Gott gemacht haben, und wurden daher zu Inspirationsquellen und Wegbegleitern für die religiöse Bildung. Seit den Zeiten der Urkirche hat man immer wieder solche Werke verfasst: Autobiographien und Tagebucheinträge, Gedichte und Lieder, Gebete und Meditationen, Regeln und Anleitungen, Visionsberichte, Briefe und Spruchsammlungen – ihre literarischen Gattungen und Formen sind sehr verschieden, doch betreffen sie über die Zeiten hinweg offenbar einen Kern des „Menschlichen“: das Leben mit Gott. So sind diese Werke zu Büchern geworden, die man gelesen haben muss! P. Prof. Dr. Michael Plattig OCarm von der PTH Münster möchte uns mit ausgewählten Klassikern der spirituellen Literatur bekannt machen und sie vorstellen – und lädt dazu ein, diese Werke zu lesen.

   

Mittwoch, 1. Mai 2024

Von Schlümpfen und Heldentenören - Mein Wagner Erstkontakt

“Wer zu Richard Wagner geht, kommt bei ihm um. Auf rätselhafte Weise macht seine Kunst viele Konsumenten bereits beim Erstkontakt süchtig. Danach gibt es kaum Möglichkeiten des Schutzes oder der Immunisierung.” - So sieht es Wolfram Goertz in einem 2013 erschienenen Artikel in der “Zeit” zum 200. Geburtstag des Meisters. Und er hat recht. So weit ich mich erinnern kann, fand mein Erstkontakt mit 13 oder 14 Jahren statt. Meine Mutter sagte mir einmal, dass ich ungefähr zu dieser Zeit anfing, mir anstatt Schlümpfe für meinen Setzkasten, lieber Langspielplatten mit klassischer Musik zu wünschen. Unter diesen ersten Schallplatten war ein Doppelalbum des spanischen Startenors Placido Domingos, den ich zuvor nur aus dem Radio kannte und dessen Stimme mich begeisterte. Ich muss ehrlicherweise zugeben, dass noch bevor ich Wagnerianer wurde, ich ein großer Domingo-Fan war (und es bis heute noch bin): Domingo ist - zusammen mit Fritz Wunderlich - einfach “der Größte”. 

Auf diesem Doppelalbum war nun auch ein Ausschnitt aus Wagners “Meistersinger von Nürnberg”, Walter von Stolzings Preislied “Morgenlich leuchtend” aus dem 3. Akt. Hier können Sie es anhören:

   

Dieses Preislied war also mein “Wagner Erstkontakt”. Und ich war begeistert und hörte mir diese Stelle wieder und wieder an. Ich war “infiziert” und begann mich in unserer Stadtbücherei ausführlicher über das Leben und Werk Richard Wagners zu informieren. Und natürlich wollte ich nun unbedingt mehr hören, eine ganze Wagner Oper oder besser noch, gleich Wagners monumentalen Vierteiler, den “Ring des Nibelungen”. So sammelte ich mein Taschengeld für dieses LP-Grossprojekt und schlug dann zu: Karl Böhms legendärer Bayreuther “Ring” aus dem Jahr 1966. 15 Stunden Wagner nonstop! Denn bei Wagner wird nichts im Kleinformat vorgeführt, seine Opern sind ganz großes Kino.

Wagner war kein Nostalgiker, sondern leidenschaftlicher Revolutionär, der sich mit den bestehenden Verhältnissen überhaupt nicht abfinden wollte. Bei genauerer Betrachtung ist der "Ring" auch keine verklärende Germanen-Sage. Vielmehr ging es um Gesellschaftskritik in archaischem Gewand. Text, Bild und Musik sollten zu einem Gesamtkunstwerk verschmelzen und die Handlung zum Menschheitsgleichnis werden. Es geht um den Gegensatz von Geld und Liebe und die zerstörerische Kraft des Machtstrebens. - 

Aber in diesem Beitrag soll es darum gehen, wie Wagners Musik mir zum unverzichtbaren Alltagsbegleiter wurde. Und nichts eignet sich besser als "Einstiegsdroge", als das Vorspiel zu "Das Rheingold", dem ersten Teil des Opernvierteilers. Hören wir also die ersten 4 Minuten (bei gefallen auch länger) des "Rings" in der bereits angesprochenen Bayreuther Einspielung unter Karl Böhm, meiner ersten Wagner-Gesamtaufnahme auf LP:

   

Im Wasser beginnt alles Leben und endet auch dort am Ende der "Götterdämmerung". Im berühmten 136 Takte dauernden Vorspiel, in dem sich die Keimzelle allen Werdens, als „Es“ in den Kontrabässen allmählich aus dem Urschlamm herauslöst, lässt Wagner den Klang wie aus dem Nichts entstehen. Zum „Es“ intonieren die Fagotte in völliger Ruhe, es regt sich „Leben und Weben“, dann kommen die Hörner dazu, die in weichen Piano-Linien, übergangslos in aufsteigenden Hornquinten das „Werde-Motiv“ bilden. So entsteht nach und nach der vollständige Es-Dur Akkord, die Streicher gehen in eine immer bewegtere Wellenbewegung über, die im jubelnden lautmalerischen Gesang der Rheintöchter gipfelt.

Das ist pure Klangmagie: Musik aus dem Nichts. 

Etwas vergleichbares hatte ich zuvor noch nie gehört. Und auch heute bekomme ich - wie damals - noch immer eine "Gänsehaut", wenn ich das Rheingold-Vorspiel live im Opernhaus (besonders in Bayreuth) oder auf Tonträgern höre. 

So begann "Wagners einzigartiges Werk, in dem sich Mythos und Modernität, Klangmagie und Seelenzauber, Verführungskraft und Menschlichkeit zu einem Netz verknüpfen, das unsere ganze Seele gefangen nimmt" (Dieter Borchmeyer), mein Leben für immer zu verändern.

Freitag, 19. April 2024

Wagner für Fortgeschrittene: Tristan und Isolde (Eugen Jochum, Bayreuth 1953)

Diese Aufnahme von Tristan und Isolde ist besonders wertvoll, da es sich um die einzige verfügbare Aufnahme mit der Isolde der großen Astrid Varnay handelt. Die Aufführung wird von einem der kompetentesten, wenn nicht sogar leidenschaftlichsten Dirigenten des deutschen Repertoires geleitet: Eugen Jochum. Jochum ist in seinem Dirigierstil keineswegs trocken, und dieser Tristan strahlt mehr Wärme und Engagement aus als viele andere, aber wir sprechen hier nicht von einer Aufführung auf dem gleichen Niveau wie die berühmte Aufnahme von Windgassen/Nilsson/Böhm, die viele als die beste verfügbare Version dieser Oper betrachten. Die Schlüsselwörter dieser Bayreuther Aufnahme von 1953 sind von Anfang an Konzentration, Genauigkeit und Engagement, wodurch das Drama sehr überzeugend in Bewegung bleibt. 

Astrid Varnays Isolde ist intelligent und stolz, und wo es darauf ankommt, leidenschaftlich. Sie spielt die Rolle mit ebenso viel Entschlossenheit und Klarheit wie ihre Brünnhilde und verleiht dem Text Schattierungen, die man selten findet. Ihr „Wie lachend sie mir Lieder singen“ zum Beispiel ist nicht so übertrieben wie die Darstellungen vieler anderer Sängerinnen, aber am Ende hat man das Gefühl, dass es sich hier um eine Frau von selbstbewusster Majestät handelt. Varnays Stimme hatte ein enormes Volumen und ein schweres, dunkles Timbre; sie zeigt auch große stimmliche Fähigkeiten mit unglaublicher Musikalität. Ihre Beteiligung an der gesamten Nachtszene, die mit dem großen Liebesduett im zweiten Akt endet, ist sowohl musikalisch als auch dramaturgisch außerordentlich. Ihr „Liebestod“ muss als eines der schönsten jemals aufgenommenen Werke angesehen werden. Es steht auf Augenhöhe mit jeder ihrer großartigen Aufnahmen, und obwohl sie in der Rolle der Brünnhilde absolut ideal war – eine Leistung, die in keiner anderen großartigen Rolle zu erreichen wäre –, verfügt Varnays Isolde über viel mehr Können und echtes Gefühl als fast jeder andere Sängerin in dieser Rolle. Der Liebestod ist dafür ein ebenso gutes Beispiel wie jeder andere Teil der vorliegenden Aufnahme. Wenn es zunächst zum Unsubtilen tendiert, hebt es den Zuhörer schließlich langsam und überraschend auf eine Höhe, die man nur von den größten Wagner-Interpreten erwarten kann. 

Der beliebte und wenig bekannte Ramón Vinay singt den Tristan, und er ist eine gute Wahl für die Rolle. Vinays Tenor zeichnet sich durch ein baritonales, robustes und durchdringendes Timbre aus. Seine Herangehensweise an die Rolle ist vollblütig und kriegerisch, ohne dabei aufdringlich zu wirken. Ob er mit der glühenden Entschlossenheit und Interpretationstiefe von Astrid Varnay mithalten kann, ist schwer zu sagen. Er macht in vielerlei Hinsicht viel aus dem Text und überzeugt uns in den meisten Fällen von seinem Charakter. Seine letzten Worte sind ein rührender, aber gut kontrollierter Ausdruck gestörter Liebe. 

Gustav Neidlinger singt den Kurwenal. Sein Ansatz ist geradlinig und an den richtigen Stellen berührend. Er bringt einen hervorragenden prägnanten Ton mit, der in aufgezeichneten Darstellungen dieser wichtigen Figur so oft fehlt. Die Rolle der Brangäne wird gekonnt vom großen Bayreuther Mezzosopran Ira Malaniuk gesungen, König Marke von Ludwig Weber. Obwohl diese Aufnahme in Mono ist, ist die Klangqualität extrem gut und ausgewogen, vor allem für eine Live-Aufnahme. Dies ist eine Gelegenheit, um fantastische Künstler in der Blütezeit ihrer Karriere zu hören.

Montag, 15. April 2024

Von der Faszination historischer Aufnahmen (4) - Tosca 1938 mit Maria Caniglia und Benjamino Gigli

Giacomo Puccini

Tosca 

Maria Caniglia, Beniamino Gigli u.a., Chor und Orchester der Königlichen Oper Rom, Oliviero de Fabritiis 

Naxos historical 8.110096-97 
(1938) 2 CDs 

Dies ist mit Abstand die beste "Tosca", die ich kenne. Der Dirigent Oliviero de Fabritiis führt uns in ein Kolorit von unsagbarer Schönheit: Man riecht noch einmal ins 19. Jahrhundert, in die Belle Époque mit ihrer Grandeur und Endzeit-Fragilität. Den einzelnen Tönen verleiht er klare und kühne Farben. Die schnell wechselnden Stimmungsbilder sind wundervolle Miniaturen, unendlich interessante Teile eines Ganzen. 

Zudem sind Fabritiis Tempi denkbar richtig - eine Sache, die sich vielleicht am schwersten lernen lässt und die diese "Tosca" am meisten von allen anderen unterscheidet. Man hat den Eindruck von Gedrängtheit und Fülle - auch aufgrund der nicht abbrechenden Spannung, der großen Bögen, so dass sich die ganze entrückte Poesie Puccinis entfaltet und der Realismus der Handlung nur noch als artistische Folie erscheint. 

Die Fähigkeit zu großer dynamischer wie klanglicher Differenzierung zeichnet die beiden Hauptdarsteller aus. Benjamino Gigli und Maria Caniglia haben in den dreißiger und vierziger Jahren eine ganze Reihe von Opern zusammen aufgenommen: Caniglias Tosca ist herrlich hysterisch mit einer eher dunkel-schweren Stimme. Giglis Mario fasziniert durch die anmutige Leidenschaftlichkeit seines hellen und extrem beweglichen Tenors. Diese Gegensätzlichkeit produziert einen fast surrealistischen Effekt. Die Verbindung von so hochentwickelten Individualstilen ist heute kaum noch denkbar: Man zieht sich aus Ängstlichkeit auf einen korrekten Minimalismus zurück oder macht die Geschmacklosigkeit von vornherein zur Maxime. 

Hörenswert ist weiterhin das komödiantische Vermögen Giglis, Guilio Tomeis (Mesner) und Armando Borgiolis (Scarpia). Selbst die Hysterie Caniglias verdankt sich diesem alten Schauspielerbewusstsein der absoluten Künstlichkeit der Darstellung. Im Anhang befinden sich Auszüge einer weiteren Tosca-Aufnahme von 1931 in französischer Sprache. Der Klang dieser Neu-Restaurationen ist transparent, ausgewogen und rauscharm.

Montag, 29. Januar 2024

Von der Faszination historischer Aufnahmen (3) - Lohengrin 1943 an der MET


Richard Wagner
Lohengrin
Astrid VarnayKerstin ThorborgLauritz MelchiorAlexander SvedNorman CordonMetropolitan Opera OrchestraErich Leinsdorf

Naxos 8.110235-37
(200 Min., 1/1943) 3 CDs

Es rauscht. Ein bisschen nur. Gerade soviel, um uns in die alte Met zu versetzen, in diesen gewaltigen, dunkelgoldenen Prunkraum aus besseren Opernzeiten, der 1966 den Abrissbirnen zum Opfer fiel. Wir schreiben das Jahr 1943, auf der anderen Seite des Atlantiks tobt der Krieg, und in New York spielt man "Lohengrin". Astrid Varnay ist gerade 24 Jahre alt und singt die Elsa mit einer so dramatischen, reichen, vollen Stimme, dass die Figur wie eine Schwester Brünnhildes klingt. Die Titelpartie in der "Walküre" hatte sie bereits mit 22 an der Met verkörpert. Kerstin Thorborg fürchtet die Varnay'sche Klangwucht nicht und setzt ihr als Ortrud abgründige Dämonie entgegen. Nach "Entweihte Götter!" gibt es kein Halten mehr, und das Publikum bricht in wilde Ovationen, mitten in die Musik hinein, so geht das an der Met, auch heute noch. Lauritz Melchior ist der Schwanenritter vom Dienst, in diesen Jahren gehörte er an der Met gleichsam zur Grundausstattung von Wagner-Aufführungen. Einen besseren Heldentenor gibt es zu dieser Zeit wirklich nicht. Alexander Sved singt den Telramund, anstatt ihn wie viele andere Baritone verzweifelt zu brüllen. Erich Leinsdorf dirigiert in bester Kapellmeistertradition. Und hier und da mit einem Silberschimmer. Met-Alltag 1943. Schöne Zeiten für die Oper.

Montag, 8. Januar 2024

Musik vom Himmel: Bruckners Motetten


Anton Bruckner (1824-1896) gilt als einer der größten Symphoniker des 19. Jahrhunderts. Aber auch Chormusik war ein integraler Bestandteil des Schaffens des Komponisten. Dieses Album enthält eine Auswahl kleinerer Chorwerke, die zwischen 1848 und 1892 geschrieben wurden. Viele dieser Werke gerieten lange in Vergessenheit. Doch nach einer langen Zeit am Rande der Chorwelt sind Bruckners Motetten nun endlich in ein breiteres Bewusstsein zurückgekehrt. Der Lettische Radiochor (LRC) zählt zu den besten professionellen Kammerchören in Europa und sein ausgeprägter Geschmack für musikalisches Material, die Feinheit des Ausdrucks und sein unglaublich großer Stimmumfang haben ihn zu einer bekannten Marke auf der Weltkarte gemacht. Das Repertoire des LRC reicht von der Musik der Renaissance bis zu den anspruchsvollsten Partituren moderner Komponisten; Man könnte es als Klanglabor bezeichnen: Die Sänger erforschen ihre Fähigkeiten, indem sie sich den Geheimnissen des traditionellen Gesangs sowie der Kunst des Viertelton- und Obertongesangs und anderen Techniken der Klangerzeugung widmen. Der Chor hat ein neues Verständnis der Möglichkeiten einer menschlichen Stimme etabliert; Man könnte auch sagen, dass der Chor der Schöpfer eines neuen Chorparadigmas ist: Jeder Sänger ist ein eigenständiges Individuum mit seiner eigenen Stimmhandschrift und seinen eigenen Rollen bei Aufführungen.

Sonntag, 10. Dezember 2023

WEGE DURCH DIE WÜSTE

Eine Predigt zum zweiten Adventssonntag

Wir machen den Weg frei!" sagt eine bekannte Bank und zeigt uns in der Werbung ganz ungewöhnliche Wege, die sich in scheinbar unendliche Weiten öffnen, diese verheißen: mit Geld und guten Zinsen können sie einen guten Weg zu einem glücklichen Leben ermöglichen. Wir wissen: „Geld allein macht nicht glücklich", das sagt nicht nur ein Sprichwort. Und trotzdem beschäftigen wir uns mit den vielen Möglichkeiten des Geldes: Geld gewinnen, Geld anlegen, Geld vermehren und Geld ausgeben. Das Weihnachtsgeld ist längst in der Tasche – und vielleicht auch schon wieder heraus - , und viele sind wieder unterwegs, um für jung und alt Geschenke einzukaufen. Alle Jahre wieder! - Warum überhaupt?


Die heutige Botschaft, mitten im Advents, gibt uns den entscheidenden Hinweis, worauf es eigentlich ankommt: Der Evangelist Markus zeigt in der bilderreichen Sprache des Propheten Jesaja, wie wir uns auf das Kommen des Herrn vorbereiten, worauf es ankommt; sie haben es gerade noch gehört: „Bahnt für den Herrn einen Weg durch die Wüste! Baut in der Steppe eine ebene Straße für unseren Gott! Jedes Tal soll sich heben, jeder Berg und Hügel sich senken. Was krumm ist, soll gerade werden, und was hügelig ist, werde eben" (Jes 40, 3. 4). Es geht also um eine „Flur- und Wegbegradigung“. Es geht darum, all das aus dem Weg zu räumen, was Gott hindert, zu uns zu kommen. Schutt und Stolpersteine müssen weggeräumt, Krummes begradigt und Unebenes geglättet werden. Mit „Arbeit an sich selbst“ hat das zu tun, oder wie es der „Hardliner“ Johannes d. T. nennt: mit „Umkehr und Sünden bekennen".

Wie das heute gehen kann, zeigt uns die rasante und markante Persönlichkeit des Johannes selbst. Dazu möchte ich das Wort WEGE einfach nur durchbuchstabieren um auch vier konkrete WEGE nennen, die wir im Lebensweg des „Wegweisers“ Johannes wiederentdecken können:

W - Der erste Buchstabe des Wortes WEGE und ein erster Weg:
Wahr leben, - d. h. ich achte darauf, was jetzt ist - und nicht was sein sollte. Dabei lasse ich mich nicht so sehr von dem bestimmen, was andere erwarten, was man oder frau so tut, sondern ich bemühe mich darum, ich selber zu sein. Auf meine innere Stimme, mein Gewissen zu hören und danach zu leben, auch wenn das weh tut, wenn es schwierig wird, ich sozusagen gegen den Strom schwimmen muß. Wahr lebe ich, wenn ich meine Maske ablege, nicht irgendeine Rolle spiele, sondern ehrlich bin und keine Angst habe, meine Schwächen zu zeigen. In jedem von uns gibt es da viele Abgründe, die überwunden werden müssen, damit wir dem Herrn den Weg bereiten.

E - Der nächste Buchstabe des Wortes und ein weiterer Weg:
Einfach leben, d.h. mein Leben zu vereinfachen und es mit anderen zu teilen. Geben und Nehmen gehört dazu - und der Grundsatz: „weniger ist mehr". Ich habe es – wenn auch nicht unbedingt mit Heuschrecken - immer wieder auch probiert und erfahren: Verzichten können, sich einschränken, - das bringt ein mehr an Freiheit, das tut gut. Bei der Fülle der Angebote heute und der Vielfalt der Möglichkeiten mein Leben auf das Wesentliche zu konzentrieren ist heute schwer und ist eine bleibende Aufgabe in jeder Lebensphase. Fernsehen, Radio und Internet ermöglichen mir hunderte von Programmen. Da kann ich ständig hin und her klicken, rund um die Uhr. Ich selbst kann aber nur ein Programm leben. Vor dem riesigen Berg der Möglichkeiten nicht zu resignieren, sondern einfach mein Lebensprogramm zu entdecken und zu gehen.Mein Gebet ist dabei eine wichtige Möglichkeit. Nicht auf die Vielzahl der Worte kommt es an, sondern auf die Zeit, die ich mir nehme: - Für die Stille, einfach da zu sein, um Gott in den leisen Stimmen zu entdecken.

G - Gelassen leben, ist eine weitere Form der Wegbereitung. Aber oft steht, mein eigenes Lebenstempo im Gegensatz zu dieser Lebensweise: alles mitnehmen, ja nichts verpassen. – „Man lebt ja nur einmal!“ – Gelassen leben, das sagt sich so leicht. Aber das kann mir gelingen aus dem tiefen Vertrauen heraus, daß Gott mit mir auf dem Weg ist; es hängt nicht alles von mir ab. Ich brauche auch nicht perfekt zu sein und darf Fehler machen. „Da kommt einer, der stärker und größer ist als ich .“ Das kann dieser selbstbewusste Johannes sagen. Wenn ein Mensch so etwas sagen kann, ist er weit gekommen in seiner menschlichen Reife.

Wir alle werden wahrscheinlich Erinnerungen und bestimmte Erfahrungen haben, wo es uns mehr oder weniger gelungen ist, andere größer sein zu lassen. Für etliche Männer steigert sich dieses Problem noch einmal, wenn es sich dabei um eine Frau handelt, die sie überrundet. Da kommt jemand, der bzw. die, größer ist als ich: ein kleiner Schmerz für das Selbstwertgefühl, aber eine große Befreiung, wenn man sich loslassen und den anderen Menschen größer sein lassen kann. Wenn ich bereit bin mich – wie Johannes der Täufer - selbst loszulassen, d. h. mich von und für andere in Anspruch nehmen zu lassen, dann werden manche Schlucht und viele Hügel zum ebenen Weg. Wer gelassen leben, sich selbst nicht so wichtig nimmt und sich selbst auch einmal an den Rand stellen kann, ist großherzig. Ein weiterer Weg.

E - Entschieden leben heißt der vierte und letzte Begriff, der das Wort WEGE ausfüllt. Mann oder Frau will im Leben so vieles erreichen, miterleben, auskosten u. v. m. Hier heißt für mich Wegbereitung mich zu entscheiden und mir nicht alles offen zu halten. Ich kann nicht alle Wege gleichzeitig gehen. Woran orientiere ich mich? Wieviel Mut habe ich Neues zu wagen? Wie groß ist meine Sehnsucht nach Vertrautem, Bekanntem? Wo suche ich Sicherheit?

Bei der Beantwortung solcher Fragen muß ich mir bewußt sein, daß der Preis hoch sein kann, weil Entscheidungen auch Abschied und Trennung bedeuten können.– Welchen Preis bin ich bereit zu zahlen? – Johannes hat seine Entschiedenheit, sein klares „das ist falsch“ - in der Palastaffäre des Herodes „den Kopf“ gekostet. Er nahm keinerlei Rücksicht auf seine private Sicherheit. Aber gerade diese Entschiedenheit ist es wohl am Ende, die den Herrn selbst so beeindruckt haben mag, als er zu seinen Jüngern sprach: „Unter allen Menschen hat es keinen größeren gegeben als Johannes den Täufer“ (Mt 11, 11).

Liebe Brüder und Schwestern!
Wahr – einfach – gelassen – entschieden:
4 WEGE, die uns der Wegbereiter Johannes durch sein Leben und seine Botschaft beispielhaft vor Augen stellt. Es sind Wege, die heute oftmals im Widerspruch zum modernen Zeitgeist stehen.

„Wir machen den Weg frei" verspricht die Bank. Aber wenn wir ehrlich sind, wissen wir: Die Bank schenkt uns keinen Cent! – Arbeiten müssen wir selbst an uns, wenn wir wirklich im Leben weiter kommen wollen. Mit Gottes Hilfe: Schritt für Schritt - und manchmal in kleinen Schritten. Adventliche Menschen legen selbst Hand an, wenn es darum geht Wege zu bereiten. Und das bedeutet Hand anlegen an die Steine , an den Schutt, der unser Leben niederdrückt und unfrei macht. - Hand anlegen, damit die Wege unseres Lebens begehbar werden, - für uns und für den HERRN, den wir erwarten. Amen

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Predigt für den 2. Adventsonntag (B) am 8. XII. 2002 (Konventamt, St. Ottilien)
L 1: Jes 40,1-5.9-11; L 2: 2 Petr 3,8-14; Ev: Mk 1,1-8

Montag, 4. Dezember 2023

Banausenhaft

Ein lesenswerter Kommentar von Christian Geyer in der FAZ vom 20. Dez. 2021 zu "Responsa ad dubia".

Das Begründungsniveau ist dürftig, die Reglungsdichte total. So viel lässt sich über die jüngste Verlautbarung aus der vatikanischen Schreibwerkstatt sagen. Es geht um die am Samstag publizierten Ausführungsbestimmungen zu dem päpstlichen Schreiben “Traditionis custodes” (Wächter der Tradition), das im Sommer die überkommene, jahrhundertelang maßgebliche Liturgie zwar restriktiv reguliert hatte, aber doch den Bischöfen der Weltkirche einen gewissen Ermessensspielraum bot, je nach den Umständen von Ort und Zeit. Damit ist nun Schluss. Unter dem Titel “Responsa ad dubia” (Antworten auf Zweifel) sollen vorderhand Verständnisfragen geklärt werden. Tatsächlich aber lebt sich hier der römische Zentralismus aus, die Stigmatisierung der alten lateinischen Messe wird verschärft und jedes Mauseloch geschlossen, das “Traditionis custodes” offen gelassen hatte. Das neue Schreiben degradiert die Bischöfe zu Antragstellern bei den päpstlichen Funktionären der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung. 

Im Stil einer fixen Idee wird Tabula rasa gemacht. Und dies im Auftrag eines Papstes, der bei anderen Reformthemen alles in der Schwebe lässt und mit Andeutungen kokettiert. Hier geht der Pontifex aber aufs Ganze, als hinge sein eigenes Seelenheil davon ab. Die alte lateinische Messe soll auf mittlere und lange Sicht nicht etwa als eine außerordentliche Form neben der in den Siebzigern modernisierten Gestalt bestehen und damit ein Dasein im Zeichen der Vielfalt beanspruchen dürfen, wie es noch Joseph Ratzinger als Vorgängerpapst ermöglicht hatte. Nein, seit Samstag ist klar: Die alte Liturgie gehört ausgemustert aus der laufenden Kirchengeschichte, ohne Pardon, jede lebendige Tradierung ihrer Formulare und Feierlichkeiten in die Zukunft hinein soll unterbunden werden. Und zwar, darin liegt das Banausenhafte des Vorgangs, ganz unabhängig davon, welcher kulturelle Reichtum in diesen liturgischen Formen steckt, ob man ihnen persönlich nun gewogen ist oder nicht. Die Restgemeinde der alten Messe soll vor aller Augen ghettoisiert werden, auch wenn es gönnerhaft heißt, es sei nicht beabsichtigt, “die Gläubigen, die in der vorherigen Zelebrationsform verwurzelt sind, auszugrenzen”. Mit solchen Ironien hatte Rom schon die Albigenser auf die “vom heiligen Vater vorgegebene Linie” (Responsa ad dubia) bringen wollen. Damals wie heute wird an diese Linientreue appelliert zur Sicherung des “Geschenks der kirchlichen Gemeinschaft”, wie die Ausführungsbestimmungen gebetsmühlenartig wiederholen. Dass für solche Exklusionspropaganda auch noch “die Überzeugung des Verstandes und des Herzens” beansprucht wird, ist kurios.

Mittwoch, 5. Juli 2023

Nietzsche in Bayreuth


"Irgendwann sitzen wir alle in Bayreuth zusammen und begreifen gar nicht mehr, 
wie man es anderswo aushalten konnte."

 (Friedrich Nietzsche)



Donnerstag, 15. Juni 2023

Von der Faszination historischer Aufnahmen (2) - Fritz Busch at Glyndebourne - Mozart-Opernaufnahmen (1934 - 1936)

Man braucht nur den Namen »Glyndebourne« zu nennen, schon schlägt das Herz eines jeden Opernfans höher: Der idyllische Ort im englischen East Sussex steht für großartige Inszenierungen mit Pausen-Picknick auf den weitläufigen Wiesen. Opernerlebnis verbindet sich mit Kulinarik und dem Reiz einer ganz besonderen Landschaft, seit John Christie zusammen mit seiner Frau, der Opernsängerin Audrey Mildmay das Festival 1934 auf dem einstigen Herrensitz in privater Regie gründete. Jetzt erscheinen die legendären Mozart-Aufnahmen aus Glyndebourne in modernstem Remastering. Ein einzigartiger Schatz der Opernkultur tritt wieder ans Licht. John Christie hatte als ersten musikalischen Chef seines Opernhauses Fritz Busch gewonnen. Der einstige Dresdner Generalmusikdirektor war vor den Nazis nach England geflohen und fand nun in Sussex eine neue Heimat. Von Anfang an war er an dem Mozart-Schwerpunkt beteiligt, den das Festival bis heute prägt. Die Wiederentdeckung der damals noch wenig beachteten Cosi fan tutte ist ihm zu verdanken. Zusammen mit den beiden anderen Da Ponte-Opern ging Busch in die Operngeschichte ein: Sein Figaro von 1934 / 35 ist die erste Mozart-Operngesamtaufnahme überhaupt, seine Cosi von 1935 eine Welt-Ersteinspielung. Zusammen mit Don Giovanni sowie weiteren Cosi- und Idomeneo-Höhepunkten mit einem legendären Mozart-Ensemble rundet sich die Veröffentlichung auf 9 CDs zu einem einzigartigen Dokument.