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Montag, 4. Mai 2020

NIEMALS WAR DIE DONAU SCHÖNER UND BLAUER!




Der große Dirigent Erich Kleiber (1890 - 1956) war mir schon immer symphatisch. Wolfgang Schreiber charakterisiert ihn in seinem Werk "Große Dirigenten" folgendermaßen: "Er war ein Kobold mit der Lust an clownhaften Späßen... seine große Herzensgüte verbarg sich gern hinter spöttischem Sarkasmus...". - Mit anderen Worten: Erich Kleiber gehörte zu jenen ausgeprägt (selbst)ironischen Persönlichkeiten, wie wir Westfalen sie lieben, selbst wenn sie Österreicher sind! -

Youtube zeigt eine aufschlußreiche Filmaufnahme (in hervorragender Ton- und Bildqualität) mit dem brillianten E. Kleiber am Pult. Aufgenommen 1932 mit dem Berliner Staatsorchester dirigiert er den Donauwalzer von Johann Strauß: Mit dem funktionalen Schlag seines langen Taktstocks setzt er auf perfekte rhytmische und klangliche Koordination, auf absolute Klarheit des Musizierens. Ruhe, Konzentration und Sicherheit kennzeichnen sein Dirigat: Rhytmischer, wienerischer und vitaler kann man diesen Walzer nicht dirigieren: Niemals war die Donau schöner und blauer!

Donnerstag, 1. Januar 2009

Glücklich ist, wer vergißt, was doch nicht zu ändern ist


Die Fledermaus - Ouverture
Carlos Kleiber und das Orchester der Bayerischen Staatsoper


Carlos Kleiber war einfach genial! Niemand konnte ein Orchester so zum Tanzen bringen wie er. Mit seinem Dirigierstil - und mit seinen schier endlos langen Armen - zog er den Zuschauer nicht nur akustisch, sondern auch optisch in den Bann: In einen Rausch, der Orchester und Publikum immer von neuem dionysisch einte, so daß man das principium individuationis vergaß. (Wer an diesem Rausch noch intensiver teilhaben möchte, der sollte sich übrigens unbedingt >> Kleibers mitreißend feurige Fledermaus-Aufnahme auf CD zulegen.)  

Und überhaupt enthält "Die Fledermaus" viele augenzwinkernde Lebensweisheiten, aus denen man sehr viel lernen kann:



Die Zeile in Alfreds Trinklied "Glücklich ist, wer vergißt, was doch nicht zu ändern ist!", mag man als leichtfertig-ironisches Bekenntnis zum halbherzigen Kompromiß goutieren oder verachten: Tatsache ist, daß die hinter diesem Wortlaut verborgene Sentenz auf einen Aphorismus Senecas zurückgeht: "Heilmittel wider Ungerechtigkeiten ist das Vergessen."

Und hier der Text zum Mitsingen:

ALFRED
Trinke, Liebchen, trinke schnell, trinken macht die Augen hell.
Sind die schönen Auglein klar, siehst du alles licht und wahr.
Siehst, wie heisse Lieb' ein Traum, der uns äffet sehr,
siehst, wie ew'ge Treue Schaum, so was gibt's nicht mehr!
Flieht auch manche Illusion, die dir einst dein Herz erfreut,
gibt der Wein dir Tröstung schon durch Vergessenheit!
Glücklich ist, wer vergisst, was doch nicht zu ändern ist.
Kling, kling, sing, sing, sing,
trink mit mir, sing mit mir,
Lalala, lalala etc.

ROSALINDE
Ach, was tut man hier?

BEIDE
Glücklich ist, wer vergisst, was doch nicht zu ändern ist.

ROSALINDE
(für sich) 
Er geht nicht von hinnen, schläft hier wohl noch ein;
was soll ich beginnen?

ALFRED
Stoss an!

ROSALINDE
Nein, nein!

ALFRED
Ach!
Trinke, Liebchen, trinke schnell, trinken macht die Augen hell!
Mach doch nur kein bös' Gesicht sei hübsch lustig, grolle nicht!
Brachst du einmal auch die Treu', das sei dir verziehn;
schwöre wieder mir aufs neu', und ich glaub' dir kühn!
Glücklich macht uns Illusion. Ist auch kurz die ganze Freud'; 
sei getrost, ich glaub' dir schon und bin glücklich heut ...

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen:
PROSIT NEUJAHR!