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Mittwoch, 21. Oktober 2026

Auf den Punkt gebracht

Das Sakrament der Buße ist wichtig. Es lehrt mich, mich selbst so zu sehen, wie Gott mich sieht, und es zwingt mich zur Ehrlichkeit mir selbst gegenüber. Es führt mich zur Demut. Der Pfarrer von Ars sagte einmal: „Du denkst, es macht keinen Sinn, heute die Absolution zu empfangen, weil du weißt, dass du morgen dieselben Sünden wieder begehen wirst.“ Doch, fährt er fort, „Gott vergisst augenblicklich die Sünden von morgen, um dir heute seine Gnade zu schenken.“ Selbst wenn wir immer wieder mit denselben Fehlern kämpfen müssen, ist es wichtig, der Verrohung unserer Seele und der Gleichgültigkeit zu widerstehen, die uns einfach mit unserem Wesen abfinden würde. Es ist wichtig, ohne Skrupel voranzuschreiten, im dankbaren Bewusstsein, dass Gott uns immer wieder aufs Neue vergibt – aber auch ohne die Gleichgültigkeit, die uns dazu verleiten könnte, das Streben nach Heiligkeit und Selbstverbesserung ganz aufzugeben. Indem ich mir selbst Vergebung erlaube, lerne ich außerdem, anderen zu vergeben. Indem ich meine eigene Schwäche erkenne, werde ich toleranter und verständnisvoller gegenüber den Fehlern meiner Mitmenschen. 

Papst Benedikt XVI., Brief an die Seminaristen, 18. Oktober 2010.

Sonntag, 23. August 2026

Impuls: „Wenn das Wort Gottes zunimmt, verstummen die Worte der Menschen“

„Innere und äußere Stille sind notwendig, um Gottes Wort hören zu können. Und in unserer Zeit fällt uns dies besonders schwer. Wir leben in einer Zeit, die Besinnung nicht gerade fördert; man gewinnt sogar manchmal den Eindruck, die Menschen fürchteten sich davor, auch nur für einen Augenblick von der Flut an Worten und Bildern abgeschnitten zu sein, die den Tag prägen und erfüllen.“ 

Aus diesem Grund habe ich in dem oben erwähnten Schreiben Verbum Domini an die Notwendigkeit erinnert, den Wert der Stille zu erkennen: „Die zentrale Bedeutung des Wortes Gottes im Leben der Kirche wiederzuentdecken bedeutet auch, ein Gefühl der Besinnung und inneren Ruhe wiederzuentdecken. Die große patristische Tradition lehrt uns, dass die Geheimnisse Christi allesamt mit Stille verbunden sind. Nur in der Stille kann das Wort Gottes in uns Wohnung finden, wie es in Maria, der Frau des Wortes und untrennbar mit der Frau der Stille verbunden, Wohnung fand“ (Nr. 66). Dieser Grundsatz – dass man ohne Stille nicht hört, nicht zuhört, kein Wort empfängt – gilt insbesondere für das persönliche Gebet ebenso wie für unsere Liturgien: Um ein authentisches Zuhören zu ermöglichen, müssen auch sie reich an Momenten der Stille und der nonverbalen Aufnahme sein. 

Die Beobachtung des heiligen Augustinus ist nach wie vor gültig: „Verbo crescente, verba deficiunt“ – „Wenn das Wort Gottes zunimmt, verstummen die Worte der Menschen“ (vgl. Sermo 288). Die Evangelien schildern Jesus oft, besonders in Zeiten entscheidender Weichenstellungen, wie er sich an einsame Orte zurückzieht, fernab der Menschenmengen und sogar der Jünger, um in Stille zu beten und seine kindliche Beziehung zu Gott zu leben. Stille kann in unserem Innersten einen Raum schaffen, in dem Gott wohnen kann, sodass sein Wort in uns bleibt und die Liebe zu ihm in unseren Herzen und Gedanken Wurzeln schlägt und unser Leben erfüllt. - 

Papst Benedikt XVI., Generalaudienz, 7. März 2012

Dienstag, 5. Mai 2026

Impuls: „Nie ist der Mensch größer, als wenn er kniet.“ (hl. Johannes XXIII.)

“Es mag wohl sein, daß moderner Kultur das Knien fremd ist - insofern sie nämlich eine Kultur ist, die sich vom Glauben entfernt hat und den nicht mehr kennt, vor dem zu knien die rechte, ja von innen her nötige Gebärde ist. Wer glauben lernt, lernt auch knien, und ein Glaube oder eine Liturgie, die das Knien nicht mehr kennt, wäre an zentraler Stelle krank. Wo es verlorengegangen ist, müssen wir das Knien wieder erlernen, damit wir betend in der Gemeinschaft der Apostel und Martyrer, in der Gemeinschaft des ganzen Kosmos, in der Einheit mit Jesus Christus selbst verbleiben.” 

 (Benedikt XVI., “Der Geist der Liturgie”, S.166f)

Mittwoch, 18. Februar 2026

Impuls zum Aschermittwoch : Die »Waffen« des Gebets, des Fastens und der Buße

Die Fastenzeit erinnert uns daran, daß das Leben des Christen ein ununterbrochener Kampf ist, in dem die »Waffen« des Gebets, des Fastens und der Buße eingesetzt werden. Das Böse, jede Form von Egoismus und Haß bekämpfen und sich selbst entsagen, um in Gott zu leben, das ist der aszetische Weg, den jeder Jünger Jesu zu gehen berufen ist – mit Demut und Geduld, mit Großmut und Beharrlichkeit. 

Die gehorsame Nachfolge des göttlichen Meisters macht die Christen zu Zeugen und Aposteln des Friedens. Wir könnten sagen, daß diese innere Haltung uns hilft, auch besser deutlich zu machen, was die christliche Antwort auf die Gewalt sein muß, die den Frieden in der Welt bedroht. Sicher nicht Rache, Haß, ebensowenig Flucht in einen falschen Spiritualismus. 

Die Antwort dessen, der Christus nachfolgt, ist vielmehr, den Weg zu gehen, den er gewählt hat, als er angesichts der Übel seiner Zeit und aller Zeiten entschlossen das Kreuz auf sich nahm und den längsten, aber wirksamsten Weg der Liebe ging. Auf seinen Spuren und mit ihm vereint müssen wir alle uns bemühen, dem Bösen mit dem Guten, der Lüge mit der Wahrheit, dem Haß mit der Liebe zu begegnen.

Aus: Benedikt XVI. - Predigt, 01. März 2006

Donnerstag, 29. Januar 2026

Impuls: Das Licht der Welt sein (Mt 5,14)

Es kann vorkommen, dass ich, wenn ich arbeite, nicht in der Lage bin, meine Aufmerksamkeit ganz auf Gott zu richten – aber Gott verlangt das auch nicht von mir. Immerhin kann es jedoch mein Wunsch und Vorsatz sein, meine Arbeit mit Jesus und für Jesus zu tun. Das ist etwas Schönes, und das will Gott auch. Er möchte, dass unser Wollen und Wünschen sich auf ihn, auf unsere Familie, unsere Kinder, unsere Brüder und auf die Armen richten. 

Jeder von uns ist und bleibt nur ein kleines Werkzeug. Wenn du die Bestandteile eines Elektrogeräts anschaust, siehst du ein Gewirr von großen und kleinen, neuen und alten, teuren und billigen Drähten. Wenn kein Strom durch sie fließt, gibt es kein Licht. Diese Drähte sind du und ich. Der Strom ist Gott. Wir haben die Macht, den Strom durch uns fließen zu lassen, uns zur Verfügung zu stellen, dass er sich unser bedienen kann, ihn so das Licht der Welt erzeugen zu lassen – oder uns zu weigern, von ihm gebraucht zu werden und damit zuzulassen, dass die Finsternis sich ausbreitet. 

Hl. Mutter Teresa von Kalkutta (1910-1997)

Sonntag, 7. Dezember 2025

Impuls zum 2. Adventssonntag

Manchmal führt uns Gott nicht zuerst in einen festlichen Raum, sondern in eine innere Wüste.
Dorthin, wo es still wird. Wo wir nicht mehr weglaufen können vor dem, was uns bewegt.
Genau dort stellt sich Johannes der Täufer hin und ruft:
Bereitet dem Herrn den Weg.
Dieser Ruf ist kein Donner, sondern ein Weckruf für das Herz.
Er erinnert uns daran, dass Gott nicht fragt, ob unser Leben perfekt ist.
Er fragt, ob wir bereit sind, Ihn ankommen zu lassen - mitten in unser Unfertiges, Ungeordnetes, Unruhiges.
Advent ist nicht das Warten auf ein Gefühl.
Advent ist das Öffnen einer inneren Tür.
Vielleicht spürst du in diesen Tagen eine Sehnsucht.
Nach Frieden.
Nach Klarheit.
Nach einem Neuanfang, der nicht wieder im Alltag verpufft.
Vielleicht ist genau diese Sehnsucht schon Gottes Stimme in dir.
Johannes lädt uns ein, Ballast abzugeben.
Nicht aus Pflicht, sondern damit unser Herz wieder frei atmen kann.
Ein kleiner Schritt reicht. Ein kurzes Gebet. Ein Akt der Versöhnung. Ein Moment der Stille, in dem du sagst: Herr, ich möchte neu werden.
Christus kommt.
Nicht erst am Ende der Adventszeit - er kommt jetzt.
Er kommt dorthin, wo wir Ihn brauchen.
Er kommt, um Licht zu entzünden, das uns durch den Winter trägt.
Wir Benediktiner beten heute für dich:
Dass dieser Advent ein Weg nach innen wird.
Und dass du spürst, wie nah Gott dir schon ist.

Samstag, 6. Dezember 2025

Die Adventsstraße

Von Br. Andreas Lehmann OSB

Eine Schar von Kindern marschierte, mit kräftigen Schritten, auf der Adventsstraße dahin. Schließlich wurden sie müde.

Da sahen sie eine Hütte und klopften an. Nach einem freundlichen: „Herein!“ öffneten sie die Tür.

Sie sahen einen alten weißhaarigen Mann vor dem Herd stehen, auf dem ein riesiger Kessel mit Kakao stand.

Er lud die Kinder ein, Platz zu nehmen und jeder bekam davon eine große Tasse voll. Der alte Mann stellte ihnen viele Fragen:
„Wohin des Weges?“ „Nach Weihnachten, natürlich.“
„Weshalb wollt ihr nach Weihnachten?“ „Weil es da so tolle Geschenke gibt.“
„Was bekommt ihr den alles geschenkt.“ Da folgte eine lange Aufzählung, von Teddybär bis zum modernsten Computer.

Der Alte schien enttäuscht.
„Was feiert ihr denn an Weihnachten?“ „Den Geburtstag von Jesus.“
„Aber müsste nicht Er dann die Geschenke bekommen?“ „So einem kleinen Kind kann man doch nichts schenken.“

„Seine Eltern haben ihm ALLES geschenkt, sonst könnte es ja nicht einmal leben.“ „Wir sind doch nicht seine Eltern.“
„Aber er hat 33 Jahre für euch gelebt. Da hatte er doch sicherlich Geburtstagswünsche.“

„Kann ja sein. Aber das ist doch schon so lange her. Woher sollen wir wissen, was er sich gewünscht hat?“
„Seinen größten Wunsch hat er aufgeschrieben und er ist uns bis heute überliefert.“

Neugierig starrten ihn die Kinder an. Er nahm eine Bibel, schlug sie auf und las ihnen vor:


Vor allem aber liebt einander, denn die Liebe ist das Band,

das alles zusammenhält und vollkommen macht. (Kol 3,14)

 

Nachdenklich saßen die Kinder da.

Nach einer Weile verkündete ein mutiger Junge:

„Lieber Jesus, ich schenke Dir, dass ich bis Weihnachten, meine kleine Schwester nicht mehr ärgere.“
Daraufhin meldete sich ein Mädchen:

„Lieber Jesus, ich schenke Dir, dass ich bis Weihnachten, wenn mein Bruder wieder mal traurig ist und weint, ihn umarme und tröste.
Noch jemand:

„Lieber Jesus, ich schenke Dir, dass ich bis Weihnachten, meiner Mutter immer wieder mal helfe, wenn sie überarbeitet ist.“
Und dann noch:

„Lieber Jesus, ich schenke Dir, dass ich bis Weihnachten, meinem traurigen Nachbarn immer ein aufmunterndes Lächeln schenke,

wenn ich ihm begegne. “

Mit der Zeit fiel allen Kindern ein, was sie Jesus zu seinem Geburtstag schenken wollten.

Da war der alte Herr ganz glücklich und meinte:

„Ihr seid auf einem guten Weg.“

Samstag, 29. November 2025

Impuls: Licht ins Dunkel bringen

Der November wirkt auf mich deprimierend. Draußen wird es früh dunkel. Das Wetter ist meist kalt, trüb, regnerisch. Die Bäume haben die Blätter abgeworfen. Das Jahr geht zu Ende. All das schlägt sich aufs Gemüt. Man nennt das die Novemberdepression. Deshalb freue ich mich schon auf die erste Kerze am Adventkranz, die an diesem Wochenende angezündet wird. Die kleine Kerze strahlt Licht und Wärme aus. Sie vertreibt ein wenig die Dunkelheit, auch die des Herzens. Bis zum vierten Advent, wenn die vierte Kerze brennt, wird das Licht immer stärker. Die Advent- und Weihnachtsmärkte ziehen wohl auch deshalb so viele Menschen an, weil die tausenden Lichter eine eigene Atmosphäre schaffen. Sie wecken eine tiefe Sehnsucht in uns. 

Licht ins Dunkel bringen – das ist die Botschaft von Weihnachten. Jesus, das kleine Kind in der Krippe, ist das Licht, das die Nacht unserer Welt erhellt. Weihnachten wird deshalb zur Wintersonnenwende gefeiert. Die Tage werden wieder länger und heller. Jedes Jahr freue ich mich darauf. Die Natur zeigt, was Weihnachten bedeutet: Das Licht kommt in unser Leben! Die erste Kerze am Adventkranz ist der Anfang.

Freitag, 21. November 2025

IMPULS: „Damit sie ihm sogleich öffnen, wenn er kommt und anklopft“



„Damit sie ihm sogleich öffnen, wenn er kommt und anklopft“ 
 
Aus dem Heiligen Evangelium nach Lukas - Lk 12,35-38. 

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Eure Hüften sollen gegürtet sein und eure Lampen brennen! 

Seid wie Menschen, die auf ihren Herrn warten, der von einer Hochzeit zurückkehrt, damit sie ihm sogleich öffnen, wenn er kommt und anklopft! 

Selig die Knechte, die der Herr wach findet, wenn er kommt! Amen, ich sage euch: Er wird sich gürten, sie am Tisch Platz nehmen lassen und sie der Reihe nach bedienen. 

Und kommt er erst in der zweiten oder dritten Nachtwache und findet sie wach – selig sind sie. 

Das Wort Gottes scheucht den Faulen auf und weckt den Schläfer. Wer an die Tür klopft, möchte doch immer auch eintreten. Es liegt an uns, wenn er nicht immer hereinkommt oder nicht immer bei uns bleibt. Halte deine Tür also offen für den, der da kommt! Öffne deine Seele, erweitere die Fassungskraft deines Geistes, um den Reichtum der Einfachheit, die Schätze des Friedens und die Süße der Gnade zu erkunden! Mach weit dein Herz, lauf der Sonne des ewigen Lichts entgegen, das „jeden Menschen erleuchtet“ (Joh 1,9)! 

Dieses wahre Licht leuchtet gewiss für alle. Verschließt jedoch einer seine Fenster, so bringt er sich selbst um das ewige Licht. Selbst Christus bleibt draußen, wenn du die Tür deiner Seele verschließt. Er könnte zwar eintreten, aber er will sich nicht mit Gewalt Zugang verschaffen; er möchte denen, die ihn ablehnen, keinen Zwang antun. Hervorgegangen aus dem Schoß der Jungfrau, sendet er seine Strahlen in das ganze Universum, um für alle zu leuchten. 

Jene, die das in immerwährendem Glanz strahlende Licht in sich aufnehmen wollen, öffnen ihm, und keine Nacht wird den Glanz dieses Lichtes je unterbrechen. Die Sonne, die wir jeden Tag sehen, weicht der Dunkelheit der Nacht; doch die Sonne der Gerechtigkeit (vgl. Mal 3,20) kennt keinen Untergang, denn die ewige Weisheit wird vom Bösen nicht besiegt.

Hl. Ambrosius (um 340-397) 
Bischof von Mailand und Kirchenlehrer 
12. Predigt zum Psalm 118 ( 119) 

Donnerstag, 13. November 2025

Impuls: „Das Reich Gottes ist mitten unter euch“

Ausblick von St. Ottilien auf die Alpenkette bei Föhn
(Foto: Br. Wunibald Wörle OSB) 

Aus dem Heiligen Evangelium nach Lukas - Lk 17,20-25. 


In jener Zeit, als Jesus von den Pharisäern gefragt wurde, wann das Reich Gottes komme, antwortete er: Das Reich Gottes kommt nicht so, dass man es beobachten könnte. 

Man kann auch nicht sagen: Seht, hier ist es! oder: Dort ist es! Denn siehe, das Reich Gottes ist mitten unter euch. Er sagte zu den Jüngern: Es werden Tage kommen, in denen ihr euch danach sehnt, auch nur einen von den Tagen des Menschensohnes zu sehen; doch ihr werdet ihn nicht sehen. 

Und man wird zu euch sagen: Siehe, dort ist er! Siehe, hier ist er! Geht nicht hin und lauft nicht hinterher! Denn wie der Blitz von einem Ende des Himmels bis zum andern leuchtet, so wird der Menschensohn an seinem Tag erscheinen. 

Vorher aber muss er vieles erleiden und von dieser Generation verworfen werden. 

(Donnerstag der 32. Woche im Jahreskreis) 

Kommentar:

Die Dämonen fürchten den Mann, der Tag und Nacht mit glühendem Herzen Gott sucht und die Angriffe des Feindes weit zurückweist. Gott und seine Engel aber sehnen sich nach einem solchen Menschen. Er ist reinen Herzens und trägt seine geistliche Heimat in sich selbst: Die Sonne, die ihm scheint, ist das Licht der heiligsten Dreieinheit; die Luft, die seine Gedanken atmen, ist der Tröster, der Heilige Geist. Und die heiligen Engel nehmen Wohnung bei ihm. Christus, das Licht vom Licht des Vaters, ist ihr Leben, ihre Freude, ihr Jubel. Ein solcher Mensch erfreut sich jederzeit an der Betrachtung seiner Seele und staunt über die Schönheit, die er darin wahrnimmt, und die hundertmal leuchtender ist als der Glanz der Sonne.

Das ist Jerusalem. Und es ist „das Reich Gottes, das in uns verborgen ist”, wie der Herr sagt. Dieses Land ist die Wolke der Herrlichkeit Gottes, zu der nur jene, die reinen Herzens sind, Zutritt haben, um das Antlitz ihres Herrn zu schauen (vgl. Mt 5,8). Ihr Verstand wird erleuchtet von den Strahlen seines Lichts.

Isaak der Syrer (7. Jh.) Mönch in Ninive bei Mossul im heutigen Irak, Heiliger der orthodoxen Kirchen Asketische Reden, 1. Reihe (ins Dt. übers. © evangelizo)

Sonntag, 19. Oktober 2025

Sonntagsimpuls: Die Gabe der Beharrlichkeit im Gebet

Das Gebet ist absolut notwendig, um glücklich in der Gnade Gottes zu verharren, nachdem man sie im Bußsakrament empfangen hat. Mit dem Gebet könnt ihr alles vollbringen, seid ihr gleichsam Herren über den Willen Gottes – wenn ich so sagen darf –, und ohne das Gebet seid ihr zu nichts fähig: Das allein genügt schon, um euch die Notwendigkeit des Gebetes zu zeigen. Alle Heiligen haben ihre Bekehrung mit dem Gebet begonnen und sind durch das Gebet beharrlich geblieben; und alle Verdammten sind verloren gegangen, weil sie das Gebet vernachlässigt haben. Ich sage also, dass das Gebet für uns absolut notwendig ist, um bis ans Ende treu zu bleiben. […] 

Dieses Gebet aber, von dem ich spreche, das bei Gott solche Macht hat, das uns so viele Gnaden erwirkt, ja, das sogar den Willen Gottes zu binden scheint, das ihn sozusagen zwingt, uns zu gewähren, worum wir bitten, ist ein Gebet, das in einer Art Verzweiflung und Hoffnung zugleich gesprochen wird: Ich sage Verzweiflung, wenn wir unsere Unwürdigkeit bedenken und die Missachtung, die wir Gott und seinen Gnaden entgegengebracht haben; wenn wir erkennen, wie unwürdig wir sind, vor ihm zu erscheinen und es wagen, ihn um Gnade zu bitten: Wir haben sie ja schon so oft von ihm empfangen und ihm immer durch Undank gelohnt; das muss uns jeden Augenblick unseres Lebens das Gefühl geben, die Erde müsse sich vor unseren Füßen auftut. […] Ich sage Hoffnung, wenn wir uns die Größe der Barmherzigkeit Gottes vor Augen halten, seinen Wunsch, uns glücklich zu machen, und was er alles getan hat, um uns den Himmel zu erwerben. Von einem so tröstlichen Gedanken beseelt, werden wir uns mit großem Vertrauen an ihn wenden. […] 

Das, meine Brüder, ist das Gebet, von dem ich sprechen möchte, und das für uns absolut notwendig ist, wenn wir Vergebung und die kostbare Gabe der Beharrlichkeit erlangen wollen.

Hl. Jean-Baptiste Marie Vianney (1786-1859) Priester, Pfarrer von Ars Predigt für den 2. Sonntag nach Ostern (Sermons de Saint Jean Baptiste Marie Vianney, Curé d'Ars, t. 2 ; Éd. Ste Jeanne d'Arc, 1982 ; p. 32-34; ins Dt. übers. © evangelizo)

Sonntagsimpuls der Prämonstratenser - 29. Sonntag im Jahreskreis (Lk 18, 1–8)

Thema: Gott hört dich - auch wenn es still bleibt
Liebe Freunde,
manchmal scheint es, als bliebe unser Gebet unbeantwortet.
Wir bitten - und hören nichts.
Wir hoffen - und spüren Schweigen.
Dann fragen wir uns: „Lohnt sich das Beten überhaupt?“
Im heutigen Evangelium erzählt Jesus von einer Frau,
die einfach nicht aufgibt.
Sie kommt immer wieder, bittet, hofft, vertraut -
und am Ende wird sie gehört.
Diese Frau ist ein Bild des Glaubens,
der nicht glänzt, sondern durchhält.
Sie zeigt uns:
Beten ist kein Wunschautomat,
sondern ein Weg des Vertrauens.
Gott ist kein Richter, der sich bitten lässt,
sondern ein Vater, der dein Herz kennt -
und dich trägt, auch wenn du seine Stimme gerade nicht hörst.
Bleib dran,
auch wenn dein Gebet leise geworden ist.
Denn jedes ehrliche Wort,
jede stille Hoffnung,
jedes „Herr, hilf mir“
wird von Gott gehört.
Vielleicht verändert sich nicht das, was du siehst -
aber Gott verändert dich.
Und das ist das größte Geschenk.
In diesem Sinn wünschen wir euch einen gesegneten Sonntag,
viel Vertrauen, Ausdauer und die stille Freude,
zu wissen: Gott hört dich - auch im Schweigen.

Eure Prämonstratenser aus der Abtei Hamborn

(Quelle: Facebook)

Freitag, 17. Oktober 2025

Bewahre uns vor dem Feuer der Hölle

Fatima: Gebete auf Empfehlung Marias 

Fatima ‐ "Betet viel!", lautete der Auftrag des Engels, den die Hirtenkinder in Fatima sahen. Die Muttergottes offenbarte ihnen nicht nur die bekannten drei Geheimnisse. Die Seher lernten außerdem fünf Gebete. 

Noch bevor die Marienerscheinungen in Fatima am 13. Mai 1917 begannen, soll den drei Sehern im Jahr 1916 ein Engel erschienen sein. Dieser habe sich selbst als "Engel des Friedens" und als Schutzengel Portugals bezeichnet, so berichteten die Hirtenkinder Lucia dos Santos, Jacinta und Francisco Marto später. "Betet viel!", lautete der Auftrag des Engels. Dreimal erschien er ihnen – gewissermaßen als Vorbereitung auf das Kommen der Muttergottes ein Jahr später – und lehrte sie dabei auch zwei neue Gebete. Als Maria sich den Seherkindern selbst offenbarte, empfahl sie ihnen nicht nur, eifrig den Rosenkranz zu beten, sondern vertraute ihnen drei weitere Gebete an. Katholisch.de stellt diese Gebete vor. 

Die Gebete Marias 

Am bekanntesten dürfte das sogenannte "Fatima-Gebet" sein. Während ihrer dritten Erscheinung am 13. Juli 1917 trug die Gottesmutter den Kindern auf, es nach jedem Gesätz des Rosenkranzes zu beten. Vielerorts ist das in die Praxis übergegangen; das Buß- und Bittgebet ist allerdings kein verbindlicher Bestandteil des Rosenkranzes: 

"O mein Jesus, verzeih' uns unsere Sünden. Bewahre uns vor dem Feuer der Hölle. Führe alle Seelen in den Himmel, besonders jene, die Deiner Barmherzigkeit am meisten bedürfen. Amen." 

Ebenfalls bei der dritten Erscheinung lehrte Maria die Hirtenkinder das "Opfergebet". "Opfert euch auf für die Sünder", forderte die Gottesmutter und gab ihnen dafür folgende Worte an die Hand: 

"O Jesus, ich bete aus Liebe zu Dir, für die Bekehrung der Sünder und zur Sühne der Sünden gegen das Unbefleckte Herz Mariens." 

Bereits bei ihrer ersten Erscheinung hatte Maria den Seherkindern prophezeit: "Ihr werdet viel zu leiden haben, aber die Gnade Gottes wird euer Trost sein." Plötzlich strahlte überall um sie herum ein helles Licht auf, wie Lucia dos Santos später berichtete. Die drei Kinder hätten sich auf die Knie geworfen und wie von selbst gemeinsam das sogenannte "Eucharistische Gebet" gesprochen: 

"Allerheiligste Dreifaltigkeit, ich bete Dich an! Mein Gott, mein Gott, ich liebe Dich im Allerheiligsten Sakrament."


Sonntag, 21. September 2025

Sonntagsimpuls

Herbstlicher Ausblick aus meinem Zimmer

Liebe Brüder und Schwestern, 
der Herbst zieht leise ein. Morgendunst liegt über den Feldern, Blätter beginnen zu leuchten. Die Natur zeigt uns, wie Loslassen zum Leben gehört. Auch wir dürfen abgeben, was uns beschwert, und darauf vertrauen, dass Gott Neues wachsen lässt. Jesus spricht: „Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“ (Mt 11,28) 

Diese Worte sind ein sanftes Versprechen. Wir müssen nicht alles selbst tragen. Gott lädt uns ein, unsere Sorgen in seine Hände zu legen – im stillen Gebet, in der Eucharistie, in einem aufrichtigen Gespräch. Vielleicht kann dieser Sonntag ein Übungstag des Vertrauens sein: einen Streit beenden, einen Anruf wagen, der lange aufgeschoben wurde, oder einfach dankbar den goldenen Glanz der Natur wahrnehmen.

Wer so den Blick hebt, spürt, dass Gottes Nähe Frieden schenkt. Bitten wir heute besonders für Menschen, die an Grenzen stoßen: Kranke, Überlastete, Trauernde. Möge der Herr ihnen neue Kraft geben und Herzen öffnen, die trösten.

Freitag, 8. Mai 2009

Leben und Leben lassen - auch die Raucher!

Gerade fällt mir beim Aufräumen meines Schreibtischs ein interessanter Artikel von Abtprimas Notker Wolf zum Thema "Rauchen" in die Hände. -
Danke Abtprimas Notker, für diese wahrhaft weisen Worte!


Die Italiener sind alles andere als vollkommen, das wissen sie auch. Aber sie überraschen uns Deutsche immer wieder durch ihre praktische Menschlichkeit. So hielten sie sich zum Beispiel vom ersten Tag an, an das Rauchverbot in Bars und Restaurants. Niemand hätte damit gerechnet - wo die Italiener doch dafür bekannt sind, Lücken im Gesetz zu entdecken, noch bevor es in Kraft getreten ist. Als Erklärung bekam ich oft zu hören: Rauch könnte andere stören, und wir wollen niemanden belästigen. Nicht die Sorge um die Gesundheit gab also den Ausschlag, sondern die Rücksichtnahme auf andere.

Seither findet man abends vor jeder Trattoria, vor jeder Bar eine Gruppe von Rauchern. Und siehe da - keiner beschimpft sie. Keiner wirft ihnen böse Blicke zu. Nicht nur die Raucher sind in Italien tolerant, auch die Nichtraucher sind es! Jeder macht einfach für sich das Beste aus der neuen Situation. Für die Raucher heißt das: Man nutzt die Zeit vor der Tür zu einem Schwätzchen. Man kommt ins Gespräch, aber nicht, um sich über Familie und Politik, über Schule und Arbeit zu unterhalten. So lernen sich wildfremde Leute kennen. Ich finde das schön. Leben und leben lassen - diese Formel für gelassene Menschlichkeit ist den Italienern in Fleisch und Blut übergegangen.

Bei uns sieht es leider anders aus. Da lernen Raucher neuerdings den moralischen Eifer ihrer nicht rauchenden Mitmenschen kennen. Da wird geschimpft, wenn einer auch nur die Zigarettenschachtel zückt. Da kennen die Kämpf er für eine bessere, rauchfreie Welt keine Gnade, kein Pardon. Bei uns gilt: Wer für die Gesundheit eintritt, der hat auf jeden Fall recht. Und wer recht hat, braucht keine Rücksicht mehr zu nehmen. Deshalb regiert hierzulande der erhobene Zeigefinger, die gerunzelte Stirn, der strafende Blick. Ich befürchte: Es fehlt nicht mehr viel, und Raucher werden zu Schädlingen erklärt. Das ist intolerant, und es ist unchristlich. Jesus warnt davor, andere moralisch zu verurteilen, wenn er sagt: „Richtet nicht, auf dass ihr nicht gerichtet werdet" (Matthäus 7, 1). - Für mich ist das die Sprache der Menschlichkeit.

Gott segne Sie!
+ Notker Wolf+++++++++++++++++++++++