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Dienstag, 7. Juli 2026

"Ich konnte sehen, dass er Trauer im Herzen trug"

Am 7. Juli 2007 gab Benedikt XVI. mit der Veröffentlichung des Apostolischen Schreibens *Summorum Pontificum* die Feier der „Tridentinischen Messe“ frei. Diese Maßnahme wurde zu einem der prägenden Symbole eines Pontifikats, das die Suche nach dem Heiligen unter vielen Gläubigen, insbesondere jungen Menschen, die sich von der alten Liturgie angezogen fühlten, anerkannte.
Neunzehn Jahre später wurde *Summorum Pontificum* durch das Motu proprio *Traditionis Custodes* von 2021 faktisch aufgehoben, und zahlreiche Einschränkungen für Feiern gemäß dem *Vetus Ordo* bleiben weiterhin in Kraft. Dennoch hat das Lefebvrische Schisma – obwohl es eher auf Lehr- als auf liturgischen Fragen beruht – die interne Debatte innerhalb der Kirche erneut in den Vordergrund gerückt.
Anlässlich des Jahrestages der Liberalisierung des Ritus durch Benedikt XVI. sprachen wir mit Erzbischof Georg Gänswein, dem Apostolischen Nuntius in den baltischen Staaten und langjährigen persönlichen Sekretär Benedikts XVI.
1. Exzellenz, haben Sie die Appelle unseres Herausgebers zur Abschaffung der Beschränkungen der tridentinischen Messe verfolgt, insbesondere im Hinblick auf das Schisma der Priesterbruderschaft des heiligen Pius X.?
„Ich habe sie mit Interesse gelesen. Auch ich hoffe auf eine Entscheidung in diese Richtung.“
2. Was veranlasste Benedikt XVI. vor neunzehn Jahren zur Aufhebung des *Vetus Ordo*?
„Um einem Ritus, der nie abgeschafft worden war, volle Rechte zu verleihen. Sein Ziel war es, ihm seinen vollen Platz innerhalb der Kirche zurückzugeben und Frieden in die Liturgie zu bringen.“
3. Wie reagierte er auf den beträchtlichen Widerstand vieler Bischöfe?
„Er war Kritik gewohnt, aber sobald er von seiner Richtigkeit überzeugt war, verfolgte er unbeirrt sein Ziel und nahm die Einwände lediglich zur Kenntnis. Genau so verhielt es sich auch bei dieser Gelegenheit.“
4. Wurde *Summorum Pontificum* als Teil der Bemühungen um eine Versöhnung mit den Lefebvristen konzipiert?
„Für ihn, der die von Erzbischof Lefebvre 1988 verworfene Vereinbarung aus erster Hand miterlebt hatte, war das Schisma eine persönliche Quelle des Leidens. Er pflegte zu sagen, dass dessen Folgen nicht nur einige Tage andauern würden, sondern dass es lange Zeit eine Wunde für die Einheit der Kirche bleiben würde.“
*Summorum Pontificum* war jedoch nicht primär mit diesem Ziel verfasst worden. Vielmehr war es auf das Leben der Kirche selbst ausgerichtet. Schon während seiner Zeit als Präfekt hatte er Mängel bei der Umsetzung von *Ecclesia Dei* festgestellt und war der Ansicht, dass etwas unternommen werden musste.
5. Dank dieses Motu proprio erlebte die traditionelle liturgische Bewegung ein bedeutendes Wachstum. War er mit den Ergebnissen zufrieden?
„Er war sehr erfreut. Er war überzeugt, dass dieses Motu proprio einen Anfang darstellte – eine Brücke, die zur Integration führen konnte, indem sie die Spaltung innerhalb der Liturgie heilte.“
Vor allem hatte er großes Vertrauen in die Jugend. Er war überzeugt, dass ein seit so vielen Jahrhunderten gefeierter Ritus zwangsläufig neue Vitalität erfahren müsse.
Er zeigte sich auch erfreut über die Arbeit der ehemaligen *Ecclesia Dei*-Institute, die eine Alternative für diejenigen bieten, die andernfalls der Priesterbruderschaft des heiligen Pius X. beitreten oder in ihr verbleiben würden.
6. Kann man sagen, dass *Summorum Pontificum* erfolgreich war?
„Ja, es begann Früchte zu tragen. Besonders bei jungen Leuten war es erfolgreich, was sich vor allem in der stetig steigenden Zahl der Teilnehmer an der Pilgerfahrt von Paris nach Chartres zeigt.“
Diese jungen Menschen nähren sich von der Schönheit der Liturgie. Sie stehen dem Zweiten Vatikanischen Konzil keineswegs ablehnend gegenüber. Es ist schlichtweg falsch, dass diejenigen, die ein traditionelles liturgisches Empfinden haben und die Tridentinische Messe besuchen, konziliarfeindlich seien. Wer solche Behauptungen aufstellt, ist einzig und allein ideologisch motiviert.
7. Wie reagierte Benedikt, als er erfuhr, dass seine Entscheidung, den Ritus zu liberalisieren, widerrufen worden war?
„Als ich ihm *Traditionis Custodes* vorlas, konnte ich sehen, dass er Trauer im Herzen trug. Das war mein Eindruck.“
Ich glaube nun, dass dies der *Kairos* – der günstige Zeitpunkt – ist, um diese Verbote aufzuheben und die unglückliche Episode, die dieses Dokument darstellt, hinter sich zu lassen.“

Mittwoch, 30. April 2008

DAS FEHLENDE GLIED IN DER KETTE


Papst Benedikt XVI. wünscht eine Reform der Liturgie, welche auf dem alten Messbuch als Bezugspunkt basiert. In einem Brief an den Bonner Altphilologen Heinz-Lothar Barth (vom 23. 6. 2003) bringt er klar seinen Wunsch nach einer Wiedervereinigung der beiden Messbücher zum Ausdruck:

"Ich glaube, dass die römische Kirche in der Zukunft wieder einen einzigen Ritus haben sollte; das Bestehen zweier offizieller Riten ist für die Bischöfe und die Priester in der Praxis schwer zu handhaben. Der römische Ritus der Zukunft sollte ein einziger Ritus sein, der auf Latein oder in der Volkssprache zelebriert wird, aber ganz auf der Tradition des alten Ritus gründet; er könnte einige neue Elemente in sich aufnehmen, die sich als geeignet erwiesen haben, also etwa neue Festtage oder einige neue Einleitungsworte der Messe, ein erweitertes Lektionar - mit einer Auswahl, die größer als vorher, aber nicht zu groß ist - oder eine "Oratio fidelium", das heißt eine Litanei von Fürsprache-Gebeten nach dem "Oremus" des Offertoriums, wo sie einstmals ihren Platz hatte."

Mit dem Heiligen Vater bleibt zu wünschen, dass eine neue liturgische Bewegung entstehen möge.


M.E. wäre folgendes hilfreich:

1a) Eine "Neuausgabe" des "Alten Ritus" auch in der Volkssprache (wie oben zitiert und vom Heiligen Vater selbst angesprochen): Das fehlende Glied in der Kette! - Nur so (in einer möglichst wortgetreuen, volkssprachlichen und eventuell erweiterten Fassung) können "die Schätze und Wahrheiten der Tradition" wahrscheinlich wirklich gehoben werden. - Diese Form bildet zugleich eine wirkliche "Brücke" zum "Neuen Ritus" sowie zum "Alten Ritus" auf Latein. - Und warum sollen die "alten" Gebete dann nicht auch laut gebetet werden können (ad libitum, - das sollte der Zelebrant selbst entscheiden dürfen)? - Da könnten sehr viele Vorurteile abgebaut werden. - Diese überarbeitete, volkssprachliche "Brücke" wäre m. E. dann auch wirklich die Reform, wie sie von den Konzilsvätern des 2. Vaticanum gewünscht wurde und zugleich die "Reform der Reform".

1b) Das Vorurteil, der "Alte Ritus" sei nur etwas für "Latein-Experten" oder "Sondergrüppchen" (wie leider anscheinend auch einige Bischöfe, Priester, Seminaristen und Gläubige meinen), würde damit endgültig beseitigt werden : Das "Heil(ige)" hängt von keiner Sprache (bzw. irgendwelchen "Sprach-Experten") ab.

1c) Die "Weitsichtigkeit und Weitherzigkeit" des Heiligen Vaters in "Summorum Pontificum" ist vorbildlich und eindeutig: Niemand sollte diese "Weitherzigkeit" des Heiligen Vaters mit "Aufführungsbestimmungen" in irgendeiner Art und Weise "einschränken" oder "behindern" dürfen: Keine innerkirchlichen "Kleingeister", - niemand! Es wird ja schließlich keinem etwas weggenommen, sondern allen etwas gegeben.

2) Der Heilige Vater sollte vor allem auch den "Alten Ritus" selbst regelmäßig zelebrieren und als gutes Beispiel vorangehen. - Ich denke, dass viele Gläubige und Priester darauf warten: "Wenn der Hl. Vater die Hl. Messe auch im "Alten Ritus" feiert, warum sollten dann nicht auch... ?" - Auch das würde m. E. sehr vieles in der Praxis erleichtern und beschleunigen. - Carpe diem!

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Tagesgebet:

Herr, unser Gott,
du hast den heiligen Papst Pius berufen,
in deiner Kirche den Glauben zu schützen
und die Liturgie zu erneuern.
Auf seine Fürsprache gewähre uns,
dass wir die Mysterien des Heiles
in lebendigem Glauben feiern
und Frucht bringen in Werken der Liebe.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.

- Ich denke, dass unser Papst Benedikt eine ganz ähnliche Berufung hat. Möge ihm der Hl. Geist die Kraft und den Mut geben, alles, was er als "Mitarbeiter der Wahrheit" als wahr, richtig und gut erkannt hat, der Kirche Christi zu ihrem Wohle zukommen zu lassen.-

Beitrag vom: 30. April 2008 - Fest des hl. Papst Pius V.

 KOMMENTARE SIND ERWÜNSCHT!

Ihre Meinung zu diesem Beitrag:

Freitag, 22. August 2008 16:00

Seminarian: GENIAL!

Das wäre, wenn das stimmt, ein genialer Einfall um die Schönheit des Alten Ritus allgemein zugänglich zu machen, das Latein ist dabei leider ein gewisses Hindernis, das auch Vorurteile gegen diesen erhabenen Ritus schürt.

Die Reformidee des hl. Vaters ist nur zu begrüßen. Ein erneuerter Ritus, der in der Tradition zum Ritus aller Zeiten steht, aber die sinnvollen und bewährten Neuerungen des Novus Ordo enthält, wäre der erste Schritt zu einer Gesamterneuerung der heiligen Kirche im Sinne der Konzilsväter!


salent schrieb am 14.06.08 13:54 …

STAT CRUX DUM VOLVITUR ORBIS

Das gefällt mir!
Ich bete oft, dass Priester den Menschen das"Heilige" vermitteln können ohne die Barriere der Sprache und der Ausdrücke. Denn nicht nur die Sprache kann missverständlich sein, manchmal sogar nur das einzige Wort. Die Liturgie sollte wie gute Musik sein, die die Herzen der Menschen erreicht!

Ich fahre im Herbst nach Rom. Bin so gespannt! Ich war noch nie so weit weg :)