Samstag, 10. Oktober 2026

Von der Faszination historischer Aufnahmen (11): Mozarts Don Giovanni unter Bruno Walter (MET, 1942)

Was für eine großartige Aufführung! Bruno Walter interpretiert diese Oper auf grandiose Weise, und bei solch stimmgewaltigen und charismatischen Sängern – wer könnte es ihm verdenken? Von den düsteren Anfangsakkorden bis zur ungewöhnlich langsamen Apotheose lässt Walter uns spüren, dass wir Zeugen einer überlebensgroßen Interpretation einer der wohl größten Opern der Welt werden. 

Es gibt ja immer wieder solche "magischen" Augenblicke, solche optimalen Himmelskonstellationen, in denen selbst routinierte Größen über sich hinauszuwachsen vermögen, und sich in einem kollektiven schöpferischen Taumel gegenseitig zu Höchstleistungen beflügeln. Und einen solchen Augenblick der Verzauberung, der vollkommenen Illusion, entfachte Bruno Walter an jenem denkwürdigen Märzabend in der New Yorker Metropolitan Oper, und er ließ das gebannte Publikum das erotische Prinzip und die geradezu heidnischen Urkräfte von Mozarts Musik spüren. Natürlich konnte Walter diese magische Beschwörung nur mit jenem herausragenden Ensemble verwirklichen, das ihm damals in New York zur Verfügung stand, und das noch ein wirkliches "Ensemble" war. 

Ezio Pinza ist ein Don für die Ewigkeit – erstaunlich selbstsicher, geschmeidig wie Seide, elegant und verführerisch, unwiderstehlich und gefährlich. Und rein klanglich ist seine dunkle, samtige Stimme unvergleichlich. 

Nicht nur die Titelpartie war mit dem wahrlich "erotisch" timbrierten basso cantante Ezio Pinza optimal besetzt, sondern neben ihm agierte die Crème des Mozart-Gesangs: der kernige Russe Alexander Kipnis als Leporello, die Tschechin Jarmila Novotna als überaus resolute Donna Elvira, der großartige Belcanto-Tenor Charles Kullmann als Don Ottavio und der brasilianische Publikumsliebling Bidu Sayao als püppchenhaft-kecke Zerlina. - Dies ist eine berühmte Darbietung und gehört in jede Sammlung. 

Die schwerwiegenden akustischen Mängel der mittlerweile 84 Jahre alten Mono-Aufzeichnung sind freilich keine Spur besser geworden: Sie bewegen sich auch nach der jetzt vorgenommenen digitalen Kosmetik am unteren Rand des Zumutbaren. Aber wenn man nur eine Weile hineingehört hat in das ziemlich ruinöse Klangbild, dann beginnt man allmählich zu begreifen, warum diese Mozart-Sternstunde musikalisch allen späteren Studioversionen bis heute standhalten konnte.

 

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