Aus diesem Grund habe ich in dem oben erwähnten Schreiben Verbum Domini I an unsere Notwendigkeit erinnert, den Wert der Stille zu erkennen: „Die zentrale Bedeutung des Wortes Gottes im Leben der Kirche wiederzuentdecken bedeutet auch, ein Gefühl der Besinnung und inneren Ruhe wiederzuentdecken. Die große patristische Tradition lehrt uns, dass die Geheimnisse Christi allesamt mit Stille verbunden sind. Nur in der Stille kann das Wort Gottes in uns Wohnung finden, wie es in Maria, der Frau des Wortes und untrennbar mit der Frau der Stille verbunden, Wohnung fand“ (Nr. 66). Dieser Grundsatz – dass man ohne Stille nicht hört, nicht zuhört, kein Wort empfängt – gilt insbesondere für das persönliche Gebet ebenso wie für unsere Liturgien: Um ein authentisches Zuhören zu ermöglichen, müssen auch sie reich an Momenten der Stille und der nonverbalen Aufnahme sein.
Die Beobachtung des heiligen Augustinus ist nach wie vor gültig: „Verbo crescente, verba deficiunt“ – „Wenn das Wort Gottes zunimmt, verstummen die Worte der Menschen“ (vgl. Sermo 288). Die Evangelien schildern Jesus oft, besonders in Zeiten entscheidender Weichenstellungen, wie er sich an einsame Orte zurückzieht, fernab der Menschenmengen und sogar der Jünger, um in Stille zu beten und seine kindliche Beziehung zu Gott zu leben. Stille kann in unserem Innersten einen Raum schaffen, in dem Gott wohnen kann, sodass sein Wort in uns bleibt und die Liebe zu ihm in unseren Herzen und Gedanken Wurzeln schlägt und unser Leben erfüllt.
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Papst Benedikt XVI., Generalaudienz, 7. März 2012

