Donnerstag, 10. Juli 2025

"Denn du hast meine Nieren gebildet; du hast mich gewoben im Schoß meiner Mutter"

Seit dem 1. Januar 2022 ist es in Deutschland verboten, Küken im Ei zu töten, wenn sie älter als sieben Tage sind. Die Begründung lautet, dass die Embryonen ab diesem Zeitpunkt vermutlich Schmerzen empfinden können. Wer dagegen verstößt, muss mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder mit einer erheblichen Geldstrafe rechnen.

Gleichzeitig wird gerade in der Politik darüber diskutiert, ob ungeborene Menschen den Schutz der Menschenwürde verlieren sollen. Die Juristin Frauke Brosius-Gersdorf, die als Richterin an das Bundesverfassungsgericht berufen werden soll, vertritt die Ansicht, dass die Menschenwürde erst mit der Geburt gilt. Der Bundeskanzler Friedrich Merz hat der Nominierung dieser Kandidatin mit Überzeugung und ohne schlechtes Gewissen zugestimmt. Wenn sich diese Auffassung durchsetzt, könnten Abtreibungen in Zukunft bis kurz vor der Geburt möglich sein, ohne dass das Leben dieser durch das Grundgesetz geschützt ist.
Während also ein Küken im Ei gesetzlichen Schutz erhält, weil es möglicherweise Schmerzen empfinden kann, wird bei einem ungeborenen Kind mit schlagendem Herzen und erkennbarem Leben überlegt, ob da der Schutz aufgehoben werden soll. Hier zeigt sich deutlich, wie das rechtliche und moralische Verständnis vom Wert des Lebens in einer zunehmend gottlosen Gesellschaft ins Wanken gerät.
Doch Gott sieht das anders. In der Bibel lesen wir:
"Denn du hast meine Nieren gebildet; du hast mich gewoben im Schoß meiner Mutter. Ich danke dir dafür, dass ich erstaunlich und wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke, und meine Seele erkennt das wohl!" (Psalm 139, 13-14.)

DAS LEBEN FÄNGT NICHT ERST AB DER GEBURT AN, SONDERN SCHON IM MUTTERLEIB.
Und dieses Geschenk verdient SCHUTZ, vom ersten Augenblick an.

Mittwoch, 9. Juli 2025

Was ein Mönch so liest (3) - Helmut Dietl: A bissel was geht immer: Unvollendete Erinnerungen

Bis zu seinem Tod im Jahr 2015 hat der große Filmregisseur Helmut Dietl an seiner Autobiografie gearbeitet. Das Ergebnis ist ein Buch, mit dem Helmut Dietl uns noch einmal überrascht – als exzellenter Schriftsteller. 

Brillant und auf genau die hintergründig-komische Art, die wir von ihm als Regisseur von »Kir Royal« oder »Rossini« kennen, erzählt Helmut Dietl hier über seine bayerisch-münchnerische Kindheit und seine Aufbrüche ins Leben. Da sind die Großväter, der eine Kommunist und KZ-Häftling, der andere Stummfilmstar. Da sind die sich ewig bekämpfenden Großmütter. Ein undurchsichtiger Vater und eine tapfere Mutter, die sich für ihren Sohn aufopfert. Wir erleben ein Feuerwerk von Liebes-, Trennungs- und Reisegeschichten, seine turbulente Zeit bei den Feldjägern und die ersten Schritte in die Welt des Films an der Seite schillernder Figuren wie Elfie Pertramer oder Walter Sedlmayr. 

Vor allem aber ist dies eine Hommage an all die Frauen, die Helmut Dietl bereits als junger Mann verzaubert haben. Schon früh wird hier sichtbar, was Helmut Dietl sein ganzes Leben war: ein Mann, der die Frauen liebte. Selten sind die spießigen Fünfziger- und Sechzigerjahre und die frühen Gegenwelten der Schwabinger Boheme so komisch und unterhaltsam geschildert worden wie in diesem Buch, das von seiner Frau Tamara Dietl herausgegeben wurde.

Der Kanzler kündigt den Konsens. Ist Menschenwürde teilbar?

Die Frage, egal von wem sie kam, war berechtigt: Könne der Kanzler es mit seinem Gewissen vereinbaren, eine Richterin zu bestellen, für die die Menschenwürde erst mit der Geburt beginnt? Der Kanzler antwortete mit einem glatten „Ja“. Damit hat Friedrich Merz den menschenrechtlichen Grundkonsens hinter dem Grundgesetz verlassen. 

Von Martin Brüske.

Der emeritierte Tübinger Moraltheologe Dietmar Mieth hat es einmal auf den Punkt gebracht: Hinter der Idee der Menschenrechte in ihrem klassischen Verständnis, wie sie auch hinter Menschenwürdegarantie und Grundrechtskatalog des Grundgesetzes stehen, steht ein antinominalistisches Pathos. Dieses klassische Verständnis der Menschenrechte wehrt sich dagegen, dass dem Menschen Würde und Rechte nur aufgrund staatlicher Entscheidungen und gesellschaftlicher Konstruktion zu eigen sind. Sie sind kein bloßes Wort, kein „Nomen“, das dem Menschen nur als Etikett angeheftet wird. Denn das macht den ursprünglich Rechts- und Würdestatus eines Menschen zur Verfügungsmasse anderer Menschen. Was erst zugesprochen werden muss, kann auch wieder abgespochen werden. Das öffnet der Willkür Tür und Tor: Plötzlich ist der jüdische Mensch oder der Kulacke, der ungeborene Mensch (und bald auch das Kleinkind? Wie bei den Römern?) und der Schwerstbehinderte, der komatöse Mensch, kein Mensch, keine Person mit Würde und Rechten mehr.

Menschenwürde und Menschenrechte in ihrem klassischen Verständnis wehren sich genau gegen so eine Teilung des Menschlichen und sie halten dagegen: Wer Mensch ist im Sinne der schlichten biologischen Zugehörigkeit zur Art Mensch, ist Träger von Würde und Rechten. Und zwar vom ersten Augenblick bis zum letzten seiner irdischen Existenz. Sie werden von der Rechtsgemeinschaft nicht konstituiert, sondern sind ihr absolut bindend vorgegeben. Würde ist eine innere, objektive Bestimmung jeden Menschseins. Die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts, besonders auch zum § 218 des Strafgesetzbuches, beruht auf dieser Sicht. Diese Sicht bestimmte den antitotalitären, menschenrechtlichen Grundkonsens hinter dem Grundgesetz, erwachsen aus den schrecklichen, grauenhaften Erfahrungen mit der verbrecherischen Unmenschlichkeit der totalitären Regime des 20. Jahrhunderts.

Seit ungefähr 20 Jahren wird dieser humanitätssichernde Konsens von einer jüngeren Generation von Juristen aufgekündigt. Matthias Herdegen, Horst Dreier und Reinhard Merkel seien hier genannt. Und jetzt auch – ganz offensichtlich – Frauke Brosius-Gersdorf. Durch ihre Einlassung, die Rechtsprechung des Verfassungsgerichts zu § 218 beruhe auf einem naturalistisch-biologistischen Fehlschluss, ist sie hier eindeutig zuzuordnen. Dahinter steht die fatale Trennung von biologischem Menschsein und allein Würde und Rechte tragendem Personsein. Wer Mensch ist in dieser Sicht, der ist noch lange nicht Person. Und mit „bloßen“ Menschen kann ich – bis hin zur Tötung – alles Mögliche anstellen. Da ist sie wieder, die Teilung des Menschseins, die Teilung, die Arier mit Rechten von Juden ohne Rechte und Parteigenossen mit Rechten von Klassenfeinden ohne Rechte trennt. Wollen wir das?

Natürlich, hier steht weder nationalsozialistisches noch bolschewistisches Gedankengut dahinter, nein es ist ein bürgerlich daherkommender, aber philosophisch platter und zugleich raffiniert sophistischer Utilitarismus, der dahinter steht und der durch einen sophistischen Scharlatan wie Reinhard Merkel im deutschsprachigen Raum verbreitet wurde. Letztlich steht dahinter eine schlechte, ungeklärte Ontologie des Personseins. (Das ist Stoff für weitere Artikel.) Aber was ist der Unterschied zu den Gedankengängen der totalitären Ideologien, wenn als Folge der Beseitigung des angeblichen „biologistisch-naturalistischen Fehlschlusses“ von Frau Prof. Brosius-Gersdorf schwerstkomatöse Menschen in der utilitaristischen, angelsächsischen Bioethik, der sie sich offensichtlich verpflichtet weiß, als „human vegetable“ („menschliches Gemüse“) bezeichnet werden. Noch einmal: Wollen wir das?

Ich jedenfalls nicht! Ich bin schockiert, traurig und ratlos – und aufs höchste alarmiert: Mit seinem emphatischen „Ja“ zur Wählbarkeit von Frauke Brosius-Gersdorf hat Friedrich Merz den antitotalitären, menschenrechtlichen Grundkonsens, der am Anfang unseres Gemeinwesens stand, schlicht und ergreifend aufgekündigt.

Dankbar bin ich dafür umso mehr zwei deutschen Bischöfen: Stefan Oster und Rudolf Voderholzer haben das eiserne schändliche Schweigen der offiziellen deutschen Kirche, die in einer den ethischen Grundcharakter unseres Staates betreffenden Frage nicht mehr zustande brachte als eine vage Randbemerkung des Prälaten Jüsten, kraftvoll und präzise durchbrochen. Sie bringen auf den Punkt, worum es geht: Es darf in Deutschland nie wieder Menschen zweiter Klasse geben.”

Dr. theol. Martin Brüske
Martin Brüske, Dr. theol., geb. 1964 im Rheinland, Studium der Theologie und Philosophie in Bonn, Jerusalem und München. Lange Lehrtätigkeit in Dogmatik und theologischer Propädeutik in Freiburg / Schweiz. Unterrichtet jetzt Ethik am TDS Aarau. Martin Brüske ist Mitherausgeber des Buches “Urworte des Evangeliums”.

Quelle: https://neueranfang.online/der-kanzler-kuendigt-den-konsens-ist-menschenwuerde-teilbar/

Donnerstag, 26. Juni 2025

Der Dackel

Sie sind klein, klug und äußerst willensstark. Ihr Blick erobert die Herzen der Menschen und verhilft den Dackeln immer wieder zu neuer Beliebtheit. Von Haus aus Jagdhunde und einstige Lieblinge der Königshäuser, gehen sie heute vielfältigen Aufgaben nach – wie Zwergdackel Strolchi, der zum Erspüren von Holzwurmbefall in Klöstern, Kirchen und Bibliotheken eingesetzt wird. 

Die gemeinsame Geschichte von Mensch und Dackel reicht zurück bis zu den Kelten, die bereits mit dackelähnlichen Hunden zusammenlebten und jagten. Bioarchäologin Zita Laffranchi und ihr Kollege Marco Milella von der Universität Bern haben in Norditalien gemeinsame Grabstätten von Menschen und Dackelvorfahren entdeckt. Sie sind sich sicher: Die Beliebtheit des Dackels kommt auch von seiner Vielseitigkeit. Er ist als Stadthund und Jagdbegleiter einsetzbar – und ja, auch als Rennhund! Das Dackelrennen in Kirchheimbolanden, das „Wiener Race“, hat großen Zulauf aus nah und fern. Die Jägerinnen Silke Steinbring und Anna Kleber organisieren es alljährlich gemeinsam mit dem örtlichen Dackelclub. Und selbstverständlich sind ihre Dackel auch bei der Jagd immer mit dabei. 

Doch wer glaubt, der Dackel sei nur in Deutschland zu Hause, der irrt! Schon Napoleon wusste die kurzbeinigen Begleiter zu schätzen und ließ sich der Legende nach sogar mit ihnen begraben. Und auch heute noch gibt es in Frankreich eine enge Verbindung zu den Hunden: Der „Sausage Walk“ in Paris zugunsten von Dackeln in Not beweist: Der Dackel ist genauso in Frankreich zu Hause! Im Laufe des Films wachsen die Dackelwelpen von Hündin Wanda heran. Quinn, Quax und Queenie öffnen die Augen, lernen den Garten kennen und ziehen schließlich aus in ihr neues Zuhause.

Link zum Film (Arte TV, 40 min.): 

Dienstag, 24. Juni 2025

Wagner zum Johannistag (24. Juni)

 Auch das ist Wagner: Zu Ehren des hl. Johannes der Eingangschoral aus "Die Meistersinger von Nürnberg". Wer hätte das gedacht?

Da zu dir der Heiland kam,
willig deine Taufe nahm,
weihte sich dem Opfertod,
gab er uns des Heils Gebot,
dass wir durch sein' Tauf' uns weih'n,
seines Opfers wert zu sein.
Edler Täufer, Christ's Vorläufer!
Nimm uns gnädig an, dort am Fluss Jordan!

Samstag, 21. Juni 2025

Warum junge Menschen wieder in die Kirche gehen | Hartls Senf #30

Während in Deutschland Kirchen schrumpfen, erlebt der christliche Glaube in Ländern wie Frankreich, Großbritannien und den USA ein überraschendes Comeback – besonders unter jungen Menschen. Taufen, Kirchenbesuche und spirituelle Offenheit nehmen zu. Eine mögliche Renaissance des Glaubens bahnt sich an.

 

Mittwoch, 11. Juni 2025

"KIRI TE KANAWA!" = "GRÜSS GOTT?" (Erinnerungen aus meinem Kloster-Tagebuch vom 12. Mai 2008)

Der Schock traf mich heute gegen 09.30 Uhr: Ob "Kiri Te Kanawa" irgendeine Übersetzung für "Grüß Gott!" sei, fragte mich heute Bruder U., als er zur Tür hineinkam. 

Nein! - Mit "Kiri Te Kanawa" hatte ich den Mitbruder nicht begrüßt, wie er fälschlicherweise meinte, als er mein Büro betrat, sondern es war eine Anspielung auf meine Lieblings-CD (siehe oben) gewesen, die ich gerade wieder einmal hörte. - Wenn ich nicht bereits gesessen hätte, hätte ich jetzt wahrscheinlich einen Stuhl gebraucht ... - Mitbrüder können so grausam sein ... 

Mit einem Satz: Kiri Te Kanawa ist einfach "die Größte und Beste!" - 
Auf jeden Fall hatte ich immer gedacht, dass alle das wüssten. - 
Aber so kann man sich eben irren. 

Trotzdem:"There are plenty of sopranos who will perform with admirable efficiency in a comparable repertoire, but there is not one in a thousand who can provide such beauty of tone.“ (J.B. Steane, "Stimmpapst"). - 

So einfach kann die Wahrheit sein!


Donnerstag, 29. Mai 2025

Ein Tag im Kloster (Video)

Vor zwei Wochen hatten wir in St. Ottilien richtig netten Besuch von Felix Michels (alias Tomatolix) und seinem Team, der in seinen Videos die unterschiedlichsten Lebenswelten erkundet. Dieses Mal wollte er wissen, wie das Leben eines Mönches so ist. Das Ergebnis können Sie hier sehen:

 

Donnerstag, 22. Mai 2025

HAPPY BIRTHDAY, MAESTRO!

„Ich glaube an Gott, Mozart und Beethoven, und ebenso an ihre Jünger und Apostel; – ich glaube an den Heiligen Geist und die Wahrheit der einen, unteilbaren Kunst; – ich glaube, dass diese Kunst von Gott ausgeht und in den Herzen aller erleuchteten Menschen lebt; – ich glaube, dass der, der einmal in den erhabenen Freuden dieser hohen Kunst gebadet hat, ihr für immer geweiht ist und sie niemals verleugnen kann; – ich glaube, dass durch die Kunst alle Menschen gerettet werden.“ 

Richard Wagner 

(Dieses Zitat stammt aus seiner Novelle "Eine Pilgerfahrt zu Beethoven" aus dem Jahr 1840)

Samstag, 10. Mai 2025

Was ein Mönch so hört (3): Der Freischütz (Böhm, 1972)

Weber: Der Freischütz 
Gundula Janowitz (Agathe), Renate Holm (Aennchen), James King (Max), Eberhard Waechter (Ottokar), Manfred Jungwirth (Kuno), Karl Ridderbusch (Kaspar), Gustav Elger (Samiel), Franz Crass (Eremit) , Heinz Zednik (Kilian) 
Chor und Orchester der Wiener Staatsoper, Karl Böhm

Richard Wagner bezeichnete ihn als den deutschesten aller Musiker. Carl Maria von Webers „Freischütz“ durchbrach die damalige Vorherrschaft der italienischen Oper und galt als die deutsche Volksoper. Aber auch im Ausland wurde Weber bewundert und als Vater der romantischen Schule in der Musik anerkannt.

Karl Böhms „Freischütz“ (1972) strahlt die natürliche Leichtigkeit geborener Seelenverwandtschaft aus. Sein Spiel der Ouvertüre gibt mit Klängen, die sonnenbeschienene Wälder atmen, den Ton an; die Szene in der Wolfsschlucht kippt diese in den lauernden Schrecken, der die dunkle Seite der Oper darstellt. 

Auch die Darsteller verkörpern ihre Rollen, als wären sie hineingeboren. Gundula Janowitz lässt ihren Ton mit hinreißender Wirkung in Agathes „Leise, leise“ und im späteren Gebet „Und ob die Wolke“ schweben. Renate Holm glänzt neben ihr und persifliert köstlich das Lied vom „gespenstischen“ Hund.

Karl Ridderbusch ist der schwärzeste aller Kaspars, unheimlich, aber nicht ohne einen Hauch von Pathos in dieser selbstzerstörerischen Seele. Ebenso besitzt James King, dessen Karriere größtenteils im deutschsprachigen Raum stattfand, den heroischen Klang der Max-Rolle, aber auch die Angst, die seinen Charakter geschwächt hat. Er verdient sich die klangvolle Vergebung von Franz Crass’ Einsiedler. 

Die kleineren Rollen fügen sich nicht weniger harmonisch in diese Dorfgemeinschaft ein, wobei Manfred Jungwirths Kuno mehr als sonst in Szene setzt. Es gibt eine fröhliche Schar von Brautjungfern und Jägern, die sich ansteckend über die Jagd freuen, obwohl das Vorspiel im dritten Akt, das ihren Chor vorwegnimmt, gestrichen wurde (und damit verständlicherweise auch ein Großteil der Dialoge). 

In der Wolfsschlucht selbst gibt es zu viele kreischende Winde und klappernde Hufe, wo doch die Musik eigentlich alles übernimmt; aber es handelte sich ja um eine Bühnenaufführung, und die Szene erntet etwas verblüfften Applaus. Sie ist ein echter Grusel. Böhm meistert alles wunderbar und unaufdringlich, als könne das Werk für sich selbst sprechen, was ja die Kunst echten Opernerlebnisses ist. Es ist eine äußerst attraktive Aufführung.

Donnerstag, 8. Mai 2025

PAX VOBISCUM! - LEO XIV.


BENEDICTUS QUI VENIT IN NOMINI DOMINI

Habemus Papam! Ein echter Brückenbauer, verbindet in seiner Person Nord und Süd, das Charisma des Ordensmanns und die Strukturiertheit des Kirchenrechtlers, die Erfahrung des Missionars und des Behördenleiters, Nachkomme von Einwanderern. Der Heilige Geist hat in nur vier Wahlgängen ganze Arbeit geleistet.


 
Giovanni Pierluigi da Palestrina (1525 - 1594): Motet "Tu Es Petrus"

(The motet is based on the latin text of Matthew 16:18-19)

Latin: Tu es Petrus, Et super hanc petram aedificabo ecclesiam meam Et portae inferi non praevalebunt adversus eam. Et tibi dabo claves regni caelorum. Quodcumque ligaveris super terram, erit ligatum et in caelis, Et quodcumque solveris super terram, erit solutum et in caelis. Et tibi dabo claves regni caelorum. English: You are Peter, And upon this rock I will build my church. And the gates of the netherworld shall not prevail against it. I will give you the keys to the kingdom of heaven. Whatever you bind on earth shall be bound in heaven; And whatever you loose on earth shall be loosed in heaven.

Du bist Petrus [der Fels],
und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen.
Und die Pforten des Totenreiches sollen sie nicht überwältigen;
und ich will dir die Schlüssel des Reiches der Himmel geben.
Was immer du auf Erden binden wirst, das wird im Himmel gebunden sein;
und was immer du auf Erden lösen wirst, das wird im Himmel gelöst sein.

Dienstag, 22. April 2025

Aktuelle Tischlesung: Angela Merkel - Freiheit: Erinnerungen 1954 – 2021

16 Jahre trug Angela Merkel die Regierungsverantwortung für Deutschland, führte das Land durch zahlreiche Krisen und prägte mit ihrem Handeln und ihrer Haltung die deutsche und internationale Politik und Gesellschaft. Doch natürlich wurde Angela Merkel nicht als Kanzlerin geboren. In ihren gemeinsam mit ihrer langjährigen politischen Beraterin Beate Baumann verfassten Erinnerungen schaut sie zurück auf ihr Leben in zwei deutschen Staaten – 35 Jahre in der DDR, 35 Jahre im wiedervereinigten Deutschland. Persönlich wie nie zuvor erzählt sie von ihrer Kindheit, Jugend und ihrem Studium in der DDR und dem dramatischen Jahr 1989, in dem die Mauer fiel und ihr politisches Leben begann. Sie lässt uns teilhaben an ihren Treffen und Gesprächen mit den Mächtigsten der Welt und erhellt anhand bedeutender nationaler, europäischer und internationaler Wendepunkte anschaulich und präzise, wie Entscheidungen getroffen wurden, die unsere Zeit prägen. Ihr Buch bietet einen einzigartigen Einblick in das Innere der Macht – und ist ein entschiedenes Plädoyer für die Freiheit.

Freitag, 18. April 2025

"Gebt mir meinen Jesum wieder"

Passend zum heutigen Karfreitag, eine Arie aus Bachs berühmter Matthäus-Passion. Gesungen von meinem guten Freund Martin Cooke (Bariton), der "normalerweise" im Chor der Bayerischen Staatsoper singt: Eine ganz tolle Stimme, eine wunderschöne Kirche (die Klosterkirche in Fürstenfeldbruck gehört zu den edelsten Barockjuwelen in der näheren Umgebung von St. Ottilien), ein ganz junges (australisches) Orchester, ein sympatischer Dirigent und ein perfekt sitzender Frack! - Was will man noch mehr? Viel Freude beim Zuhören und "innerlichen Mitbeten":



Nr. 51. Aria - Bass (aus der Matthäuspassion, BWV 244)

"Gebt mir meinen Jesum wieder!
Seht, das Geld, den Mörderlohn,
Wirft euch der verlorne Sohn
Zu den Füßen nieder!"


Give me back my Jesus!
See, the money, the wages of murder,
The lost son throws at you,
Down at your feet.

Dienstag, 8. April 2025

Was ein Mönch so hört (2) - Joseph Haydn: "Nelson-Messe", Te Deum

Franz Joseph Haydn (1732-1809) 
Missa in angustiis (Nelson-Messe), Hob. XXII:11 (1798) 
Te Deum, Hob. XXIIIc:2 (1798-1800) 
The English Concert Choir and Orchestra/Trevor Pinnock 
ARCHIV PRODUKTION 4230972 

Der Titel von Haydns "Missa in angustiis" wurde im Laufe der Jahre auf verschiedene Weise übersetzt; ich bevorzuge die Übersetzung „Messe in sorgenvollen Zeiten“. Wie die Missa mit Vizeadmiral Horatio Nelson in Verbindung gebracht wurde, ist unter Musikwissenschaftlern bisher nicht eindeutig geklärt. Sie entstand 1798, während Haydns zweiter Anstellung als Hofkomponist der Esterházys, nachdem er zuvor drei Jahre lang (ungefähr von 1791 bis 1794) von ihnen in den Ruhestand versetzt worden war. Den Anmerkungen im Booklet zufolge könnte die Verbindung mit Nelson daher rühren, dass Napoleon im August 1798 in der Nilschlacht gegen Nelson besiegt wurde. Möglicherweise wurde die Musik auch mit Nelson in Verbindung gebracht, nachdem er und Lady Hamilton im September 1800 die Esterházys im Schloss Eisenstadt besuchten, wo die beiden Männer in engen Kontakt kamen. Wie dem auch sei, diese Messe wird seit über 200 Jahren unweigerlich als „Nelson-Messe“ bezeichnet. Man sollte meinen, die Musik dieser Messe trage eine triumphale Ader. Zwar gibt es Momente, in denen die Musik auf einen Sieg anspielt, doch am deutlichsten ist ein Eindruck von Spannung und Beklemmung, der fast jeden Abschnitt der Partitur durchdringt. 

Von der dunklen Bedrohung des Kyrie bis zur ekstatischen Erlösung des „Dona nobis pacem“ ist die Nelson-Messe die dramatischste von Haydns späten Messen. Sie hat auch die markanteste Instrumentierung. Da weder Bläser noch Hörner zur Verfügung standen, schrieb Haydn das Werk für drei Trompeten, Pauken, eine obligate Orgel und Streicher, und seine Wirkung im „Benedictus“ ist bekannt: Marschierende Fanfaren, die die Schrecken des Krieges heraufbeschwören, drohen den Chor zu überwältigen, bevor dieser schließlich mit einem dankbaren „Osanna“ triumphiert. 

Trevor Pinnocks großartige, richtungsweisende Aufnahme ist einer jener seltenen Momente, in denen alles genau richtig klingt – das Spiel straff, der Gesang scharf fokussiert, das Tempo absolut fesselnd. Die Solisten sind beeindruckend, trotz der Tatsache, dass nur Sopran und Bass die Chance bekommen, in der Messe zu glänzen.


Aktuelle Tischlesung: Benedikt XVI. - Laßt euch mit Gott versöhnen: Mit dem Heiligen Vater durch die Fastenzeit

Die Zeit zwischen Aschermittwoch und Ostern ist für die Kirche eine Zeit des Fastens. Papst Benedikt XVI. zeigt die Tiefendimension dieser vierzig Tage der Vorbereitung auf das höchste Fest der Christenheit, das Fest der Auferstehung Jesu Christi. Der Heilige Vater bietet den Gläubigen die Begleitung der Kirche durch die Fastenzeit an, eine Formung des Gewissens und eine Wiederentdeckung der Symbolik und der Sinnlichkeit des sakramentalen Lebens. 

„Zu Beginn der Fastenzeit, die ja ein Weg vertieften geistlichen Tuns ist, empfiehlt uns die Liturgie drei Bußpraktiken, die der biblischen und christlichen Tradition sehr wichtig sind – das Gebet, das Almosengeben und das Fasten. Sie dienen der inneren Vorbereitung, damit das Osterfest besser begangen und so die Macht Gottes erfahren werden kann.“
BENEDIKT XVI.

Montag, 7. April 2025

Was ein Mönch so hört (1) - James Rutherford sings Wagner

Viele Sänger meiden Wagner bis ins hohe Alter; andere - wie James Rutherford - scheinen für diese Herausforderung geboren zu sein. Rutherford absolvierte eine gute Ausbildung, doch der Sieg beim Internationalen Wagner-Wettbewerb in Seattle führte ihn mit nur 37 Jahren dazu, seine reifste Rolle, den Hans Sachs, ab 2010 in Bayreuth zu singen. Seitdem hat er viele weitere Rollen international gesungen.

Die Stimme des in Norfolk geborenen Bassbaritons ist bei diesem Auftritt nahezu ideal – schokoladenbraun und voll im Ton, mit einer natürlichen Mühelosigkeit und Sicherheit, die viele berühmtere Vertreter in den Schatten stellt. Er nähert sich Hans Hotters „Belcanto- Wagner“-Ideal, aber mit schneidend klarer Diktion. Seine Ausdrucksstärke ist nicht übertrieben oder protzig, ohne auf übertriebene Pianissimi zurückzugreifen, aber sie ist vorhanden – besonders bei Sachs und dem Holländer. Sogar Wotans schwierige Lage verrät wenig Anstrengung; er klingt in der Rolle natürlicher als beispielsweise Bryn Terfel, aber nicht weniger berührend. 

Andrew Litton und das Bergen Philharmonic Orchestra begleiten perfekt und die Klangqualität der Aufnahme ist phänomenal. Diese CD ist wirklich eine Empfehlung wert.

 

Freitag, 4. April 2025

Gutes kann so preiswert sein: Der "5 Euro Lohengrin" mit Rudolf Schock unter Wilhelm Schüchter (1953)

In meiner CD-Sammlung befinden sich 18 Lohengrin-Aufnahmen. Und ich muss feststellen, dass die preiswerteste zu den allerbesten gehört. Wilhelm Schüchter dirigierte sie 1953 in Hamburg. 

Sein straffes, theatralisches Dirigat schafft es, die komplexe Partitur ständig in Bewegung zu halten, ohne unnötig zu verweilen, aber auch ohne seine Besetzung übermäßig zu drängen. Schüchter und das NDR-Sinfonieorchester zeigen in vorbildlicher Weise, dass große Oper auch ein echter Krimi sein kann. Kein musikalischer Effekt wird ausgelassen: Fabelhaft, wunderbar! 

Und die Sänger erfüllen durchgehend alle an sie gestellten hohen Anforderungen mit Bravur. Schock singt mit einem Heldentenor der alten Schule eine leidenschaftliche, lyrische und doch paradoxerweise heroische Interpretation der Titelrolle, die keine Wünsche offen lässt und in einer spontanen Erzählung und einem von Herzen kommenden Abschied gipfelt. Rudolf Schocks goldener, attraktiver Tenor, der dem von Franz Völker, dem führenden Lohengrin der 1930er Jahre so ähnlich ist, bietet wahre Verzückung, ist jedoch im Vergleich einen Hauch extrovertierter. 

Kloses Ortrud ist einfach in jeder Hinsicht großartig. Sie bildet einen schönen Kontrast zwischen ihrem lächelnden, falsch loyalen Ton, als sie Elsa unterwürfig anspricht, und ihren furchterregenden Verwünschungen, als sie ihr wenige Takte später vor der Kathedrale gegenübersteht. Gleichzeitig macht sie ihrem Gatten Telramund durch ihre stark artikulierte Ermutigung wieder neuen Mut. Dies ist eine Interpretation, die einem Vergleich mit den allerbesten Ortruds auf CD standhält, etwa Varnay und Ludwig. Ihr passender Partner ist Metternichs schneidend gesungener Telramund, ein Bariton, der seine Argumente ohne Gebell oder Sprechgesang vertritt. Nur Uhde in der Bayreuth/Teldec-Version von 1953 unter Keilberth ist Metternich ebenbürtig. 

Cunitz hat als mädchenhafte Elsa (gemeinsam mit Schock) wunderbare Momente. Sie versteht ihre Rolle und singt viele relevante Phrasen, nicht zuletzt in ihren Soli, sehr beherzt. 

Frick ist als König Heinrich ein Fels in der Brandung, besser als jeder andere in dieser Rolle. Er singt mit seinem festen, dunklen Bass und mit viel Autorität, gemildert durch tiefes Gefühl. Frick ist, wie praktisch alle Sänger in dieser Aufnahme, von der Sprache der Musik durchdrungen und vermittelt dem Text echte Bedeutung. Das gilt in gleichem Maße für Josef Metternich, einen zutiefst bösen Telramund, der Uhde an lebendiger Aussprache in nichts nachsteht. 
 
Die großartigen norddeutschen Chor-Truppen singen mit voller Überzeugung. Der sehr gute Mono-Sound stellt die Solisten in den Vordergrund, wo sie auch sein sollten. 

Dieser "Lohengrin" gehört zu den besten Aufnahmen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und kann durchaus konkurrieren mit denjenigen aller anderer großer Dirigenten jener Zeit. 

Schön ist letztendlich auch, dass jeder der drei Akte auf jeweils eine CD passt.

Fazit: Die beste 5 Euro-Investition, die ich je gemacht habe. - Sie werden es nicht bereuen, es mir nachzutun!

 

Donnerstag, 3. April 2025

Buchtipp: "Unter Heiden - Warum ich trotzdem Christ bleibe" von Tobias Haberl

TOBIAS HABERL: 
UNTER HEIDEN 
WARUM ICH TROTZDEM CHRIST BLEIBE - 
WAS KANN DAS 21. JAHRHUNDERT EIGENTLICH VON GLÄUBIGEN MENSCHEN LERNEN? 

Über sein Buch schreibt der Autor folgendes: Ich bin katholisch. In meiner Kindheit war das eine Selbstverständlichkeit. Heute muss ich mich dafür rechtfertigen, ja manchmal komme ich mir vor wie ein Tier, das im Zoo angegafft wird: Wie kann man im 21. Jahrhundert an Gott glauben? Und wie kann man immer noch in der Kirche sein – nach allem, was ans Licht gekommen ist? Es ist tatsächlich so, dass ich in meinem Viertel (gentrifiziert), meiner Branche (Medien) und meinem Job (linksliberale Zeitung) von Menschen umringt bin, die, wenn es um den Glauben geht, oft nur noch an Missbrauch und Vertuschung denken. 

Leider haben viele von ihnen keine Ahnung davon, was das bedeutet: Christ sein. Sie kritisieren etwas, das sie nie kennen gelernt haben, und vergessen, worauf es ankommt: den Halt, den Trost, die Hoffnung. Glaube ist mehr als Schlagwörter (Zölibat, Missbrauch, Frauenpriestertum), mehr als eine Kirche, mit der ich auch hadere, auch mehr als eine Auszeit vom stressigen Alltag. Gläubige Menschen suchen keine Befriedigung, sondern Erlösung, nicht zuletzt von einer Welt, die aus den Fugen geraten scheint, zerrissen zwischen Zukunftsängsten und (gespenstischen) technologischen Visionen. 

Ständig wird gefordert, dass sich die Kirche verändern muss, um im 21. Jahrhundert anzukommen. Ich drehe die Frage um: Was kann das 21. Jahrhundert eigentlich von gläubigen Menschen lernen? Welche vermeintlich aus der Zeit gefallenen Rituale können die spätmoderne Gesellschaft von ihrer Atemlosigkeit erlösen? Denn eines ist offensichtlich: Der Mensch, der sich von Gott verabschiedet hat, findet nicht, was er sucht. Die große Freiheit stellt sich nicht ein. Stattdessen: neue Zwänge, neue Ängste, Ablenkung statt Trost, weil Google jede Frage beantworten kann, nur nicht die, wozu wir leben und was uns Halt gibt. Im Moment sind viele verunsichert, suchen Orientierung, etwas, woran sie sich festhalten können, aber: da ist nichts. 

Ich bin ein mittelmäßiger Christ, ganz sicher sind viele, die nicht an Gott glauben, bessere Menschen als ich. Aber ich versuche jeden Tag mit großer Ernsthaftigkeit, Gott zu gefallen – es gelingt halt nicht immer. Und deshalb erzählt dieses Buch davon, wie der Glaube mein Leben nicht nur verschönert, sondern vertieft, wie ich ein „zeitgemäßes Leben“ mit einem vermeintlich „unzeitgemäßen Glauben“ verbinde, weil Freiheit eine grandiose Sache ist, man aber schon eine Idee haben sollte, was man mit ihr anstellen will. Ich glaube, dass der moderne Mensch darunter leidet, dass er seinen Glauben verloren hat, ohne dass er es merkt. Ich glaube, dass sein Glück in falschen Dingen und an falschen Orten sucht. Ich glaube, dass er Sehnsucht nach etwas hat, das er sich nicht erklären kann. Was das sein könnte, steht in diesem Buch.

"Die Tagespost" über "Unter Heiden": 
"Tobias Haberl, Bestseller-Autor und Redakteur beim „Süddeutsche Zeitung Magazin“ hat ein neues Buch geschrieben. In „Unter Heiden – Warum ich trotzdem Christ bleibe“ – erzählt Haberl, wie es ist, als Katholik in einem Umfeld zu arbeiten und zu leben, in dem Gott keine Rolle mehr spielt. Das meisterhaft geschriebene Buch, das schon rein sprachlich betrachtet, einen Leckerbissen für literarische Feinschmecker darstellen dürfte, basiert auf einem gleichnamigen Essay, für den Haberl im vergangenen Jahr mit dem „Reporterpreis“ ausgezeichnet wurde."