Sonntag, 11. November 2007

"WER SICH AUF DEN HIMMEL FREUT, DER ..."


Die DDR gibt es schon lange nicht mehr. – Und langsam gerät in Vergessenheit, welche sonderbaren Experimente damals dort gemacht wurden. Ein Experiment war das, einer radikalen Diesseitskultur. Dabei sollten die Themen Tod und Bestattung möglichst umgegangen werden: Kreuze auf Friedhöfen waren unerwünscht. Der Staat förderte bewusst die Feuerbestattung und die Beisetzung in sog. anonymen „Urnengemeinschaftsanlagen“: Der tote Mensch sollte ganz unauffällig verschwinden.

Diese radikale Diesseitskultur der DDR war der stumme Protest gegen einen bestimmten Weltentwurf, - gegen den christlichen Weltentwurf. - Aber genau genommen war er dessen geheime Niederlage. Denn auch wenn es peinlich war: Im Paradies der Werktätigen, Arbeiter und Bauern wurde immer noch gestorben! - Und viele wurden betrogen, weil die versprochenen „herrlicher Zeiten“ in ihrem Leben nicht eintraten.

"Vertröstung auf das Jenseits" wurde dem Christentum immer schon vorgeworfen. - Und auch heute gibt es nicht wenige Menschen, die, wie die Sadduzäer, einen Glauben an den Himmel ablehnen: „Wer sich auf den Himmel freut, der wird sich wohl kaum noch auf dieser Erde engagieren“.

Aber die Sadduzäer und die modernen Hüter der Nächstenliebe irren: In einer Gesellschaft, die nicht mehr an einen Himmel glauben kann, werden viele auf der Strecke bleiben. - Denn, wer nicht mehr an einen gerechten Ausgleich im Jenseits glaubt, der muss sich den Ausgleich schon hier auf der Erde selbst schaffen. Und zum Leistungsdruck kommt dann auch noch der Vergnügungsdruck: Wenn nachher nichts mehr ist, dann muss man eben hier schon nehmen, was man kriegen kann: Ja, im „Himmel auf Erden“ wird es wohl ziemlich hart zugehen.

Wer allerdings an ein Jenseits glaubt, der ist gelassener. Der kann auch einmal verzichten - er ist nicht verpflichtet, nur an sich zu denken. - Menschen, die an ein Leben nach dem Tod glauben, wird manches Opfer leichter fallen. - Der Glaube an das ewige Leben bei Gott schenkt Gelassenheit und Ruhe.

Man kann es eigentlich auf einen einfachen Nenner bringen:
Wer nicht an Gott und das ewige Leben glaubt, der muss diese Welt und sich selbst retten!
Und das ist das Problem! – Bisher sind alle Versuche gescheitert.

Leider sind bisher auch alle Versuche gescheitet, sich vorzustellen, wie die Toten wohl auferstehen werden. Jahrhunderte lang hat man sich gefragt, in welcher Gestalt der Mensch wohl auferstehen werde. Wie die Sadduzäer - mit ihrer Fangfrage im heutigen Evangelium - wollte man mehr Details wissen.

Und selbstverständlich hat man auch eine Antwort gefunden, denn Theologen finden auf alles eine Antwort: Der Leib, den der Mensch am Ende aller Zeiten erhalten wird – so hat ein findiger Kopf des Mittelalters geschlossen – dieser Leib muss ja ein vollkommener Leib sein. Und die einzig vollkommene Form, die es in diesem Kosmos gäbe, das sei die Kugelform. Und damit war das Rätsel auch schon gelöst: Als Kugel, - in Kugelgestalt würden die Menschen am jüngsten Tag auch wieder auferstehen!

Ganz abgesehen von der unangenehmen Vorstellung - wie wir dann alle nach der Auferstehung durch den Himmel kugeln - zeigt diese Episode aus der Geschichte der Theologie eigentlich nur, was für ein Unsinn dabei herauskommen kann, wenn Menschen immer alles ganz genau wissen wollen, - so wie die Sadduzäer mit ihrer so schön konstruierten Scheinfrage.-

Aber auf solche Spekulationen lässt sich Jesus gar nicht erst ein. Solche Antworten verweigert er regelmäßig. Und er tut es auch im heutigen Evangelium. Er sagt eigentlich nur eines: Das was ihr euch vorstellt, das ist völlig falsch, so ist es ganz bestimmt nicht. – Mehr sagt er eigentlich nicht.

Es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde die sind nicht nur unvorstellbar, die sind sogar undenkbar. Und was sich nicht denken lässt, dass lässt sich nun einmal auch nicht sagen, nicht einmal von Jesus.

Und auch jede vernünftige Theologie muss deshalb solche Fragen offen lassen. – Da kapituliert selbst der Katechismus der katholischen Kirche, der ja in Glaubensfragen - auf so ziemlich alles - eine Antwort kennt:

Frage: „Was geschieht im Tod mit unserer Seele und unserem Leib?“
Antwort: „Durch den Tod wird die Seele vom Leib getrennt. Der Leib fällt der Verwesung anheim. Die Seele, die unsterblich ist, geht dem Gericht Gottes entgegen und wartet darauf, wieder mit dem Leib vereint zu werden, der bei der Wiederkunft des Herrn verwandelt auferstehen wird. - Das Wie dieser Auferstehung übersteigt unsere Vorstellung und unser Verstehen.“ (KKKK, 205)

Liebe Brüder und Schwestern,
eine gute und vernünftige Theologie kennt ihre Grenzen, sonst geht es in Richtung Esoterik und New-Age: Da bekommen Sie dann auf alles eine Antwort!

Jesus befriedigt nicht unsere Spekulationssucht und Neugier. - Aber die Bibel malt uns die Zukunft in Bildern aus, wohin wir im Tod gehen. Und die sind weit sprechender, als alle menschlichen Spekulationen und Traktate.

Am Ende möchte ich Ihnen noch mein persönliches Lieblingsbild vorstellen. Es ist das Bild einer „Wohnung“. - Jesus sagt vor seinen Tod: „Ich gehe, um für euch eine Wohnung vorzubereiten.“ (Joh 14,2) - Und ich stelle mir das so vor: Wir werden in die ewige Wohnung hinein sterben. Diese Wohnung hat Jesus für uns vorbereitet. Wir dürfen aber auch darauf vertrauen, dass die Lieben, die vor uns gestorben sind, uns diese Wohnung mitbereiten. Jeder, der stirbt, nimmt etwas von uns mit: Das, was wir mit ihm geteilt haben an Liebe und Freude. Und damit schmückt er gleichsam die Wohnung, in die wir hinein sterben werden: Wir werden also nicht in etwas völlig Unbekanntes eintreten, sondern in eine liebevoll vorbereitete Wohnung, in der wir für immer daheim sein werden.

Liebe Brüder und Schwestern,
mein Glaube sagt mir, dass ich mich in dieser Welt nicht einrichten muss - und es auch gar nicht kann!

Und wie gesagt, wer nicht – wie damals viele in der DDR - an die himmlischen Wohnungen glauben kann, der hat das große Problem, sich mühsam hier auf Erden ein eigenes - und doch recht kurzfristiges irdisches Paradies aufbauen zu müssen.

Seien wir dankbar und froh, dass wir nicht unter diesem Druck stehen: Unsere Wohnungen sind - Gott sei Dank - schon längst bereitet. Amen.

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Predigt für den 32. Sonntag im Jahreskreis (C) am 11. XI. 2007 (Konventamt, St. Ottilien)
Evangeliumstext (Luk 20, 27-38)

Sonntag, 22. Juli 2007

"MAN WIRD BELIEBT, INDEM MAN ..."


Vor einigen Tagen schaute ich - wie jeden Tag - in mein Postfach und fand dort zu meiner Überraschung ein Kalenderblatt mit einem Spruch: Wahrscheinlich ein – mehr oder weniger – gut gemeinter Ratschlag eines Mitbruders. Auf dem Kalenderblatt stand folgender Spruch: „Man wird beliebt, indem man sich bemüht, anderen nützlich zu sein“ (Pierre-Jean de Béranger).

„Man wird beliebt, indem man sich bemüht, anderen nützlich zu sein.“ – Ja, das wird sich vielleicht auch Marta gedacht haben. - Und der Dank und die Antwort Jesu: „Marta, Marta, du machst dir viele Sorgen und Mühen.“

Das Evangelium von Maria und Marta gehört zu den provozierenden Stellen in der Hl. Schrift. - Es gibt nicht wenige Menschen, die Schwierigkeiten mit diesem Evangelium haben. – Und der Autor des Kalenderspruches und sein „Verteiler“ werden wahrscheinlich auch dazu gehören.

Da sind die beiden Schwestern: Maria und Marta.
Marta macht sich viel zu schaffen. Sie ist "ganz in Anspruch genommen", für Jesus zu sorgen.

Und Jesus? Er scheint das gar nicht anzuerkennen. Statt dessen lobt er die untätige Maria, die anscheinend nichts anderes tut, als ihm genau zuzuhören. - Ist das nicht ungerecht?

Die meisten Menschen würden wahrscheinlich eher Marta loben. Denn wir sind es gewohnt nach den Gesetzen unserer Leistungsgesellschaft zu denken: Hast du was, dann bist du was. Schaffst du was, dann giltst du was. - Nur wer etwas leistet, sich nützlich macht, hat eine Daseinsberechtigung.

Um etwas vom Sinn dieses Evangeliums zu verstehen und zu begreifen, dass es sich hier um keine ärgerliche Botschaft handelt, sondern - im Gegenteil - um eine befreiende und heilsame, ist vielleicht ein Denkspiel hilfreich. Wäre unser Evangelium eigentlich sympathischer, wenn es so lautete:"Marta beschwerte sich bei Jesus: Herr, kümmert es dich nicht, dass meine Schwester die ganze Arbeit mir allein überlässt? Sag ihr doch, sie soll mir helfen! Da wandte sich der Herr an Maria und sprach: Maria, Maria: wenn du dir nicht genauso viel Mühe gibst wie deine Schwester, wirst du nur schwerlich den ewigen Lohn erhalten."

Liebe Gläubige, ich habe nicht das Gefühl, dass diese Version erfreulicher für uns wäre. Im Gegenteil: Sie würde uns einen ungeheuren Leistungsdruck aufbürden, einen Druck, der da hieße: "Nur wer unermüdlich arbeitet, sich sorgt und müht - und ohne Rast und Ruh Leistung bringt, der verdient sich Gottes Liebe und Gnade".

Gott sei Dank: So lautet die Botschaft des Evangeliums nicht.
Christsein heißt nicht in erster Linie: wir haben viel zu sorgen; sondern: Gott sorgt für uns.

Für den Glaubenden gilt: Er muss sich seine Anerkennung, seine Daseinsberechtigung, sein Ansehen nicht durch Leistungen verdienen. Das alles hat er dadurch, dass er Kind Gottes sein darf.

Allerdings muss man bei diesem Evangelium ganz genau hinhören. Es geht hier nicht um eine einfache Schwarz-Weiß-Malerei: Marta schlecht, Maria gut! Jesus sagt: „Maria hat das Bessere gewählt, das soll ihr nicht genommen werden.“ –
Und das Wort „Besser“ ist ja auch die Steigerung von „Gut“. – D.h. in Schulnoten ausgedrückt: Marta – „Gut“; Maria – „Sehr gut“. Aber „Gut“ ist ja auch keine schlechte Note. – Man kann das leicht übersehen.

Es geht also nicht darum, dass Marta etwas schlechtes macht, sondern etwas richtiges zum falschen Zeitpunkt. Es geht darum, dass in einer bestimmten Situation der eine Mensch – Maria – das Gebot der Stunde erkennt. Und der andere Mensch – Marta – erkennt das Gebot der Stunde nicht, wegen angeblicher Verpflichtungen. Worauf es also im Leben ankommt ist es, zur richtigen Stunde die richtige Entscheidung zu treffen.

Interessanterweise steht im Lukasevangelium direkt vor dieser Maria-Marta Geschichte die Geschichte vom Barmherzigen Samariter: Da fällt jemand unter die Räuber. Der Priester und der Levit gehen – weil sie andere Pflichten und Berufungen haben – vorbei, während sich der Samariter um den scheinbar Toten kümmert.

Diese beiden Geschichten gehören zusammen. In beiden Geschichten ruft Jesus uns zu: Erkenne den Augenblick: Was ist in diesem Augenblick not-wendig. - Was wendet die Not? - Für Dich kann es gerade jetzt gut sein, wie Maria sich Zeit zu nehmen, zu sprechen und zu fragen. - Aber wenn einer am Weg liegt, dann ist es richtig, den Gefallenen jetzt aufzuheben, egal, ob Du eigentlich für den Gottesdienst zuständig bist: Hier ist Handeln angesagt, - also genau das Gegenteil der Maria-Marta Geschichte. – Erkenne den Augenblick!

Beide Geschichten wollen uns folgendes sagen: Wir dürfen uns nicht durch Rollen, Pflichten oder Ordnungen alles eigene Denken abnehmen lassen. Wir müssen aufmerksam durch den Tag gehen, um Gottes Stimme im Alltag zu hören.

Hören und Handeln gehören also zusammen: eine Kirche voller Martas rennt genauso in die falsche Richtung - wie eine Kirche voller Marias gar nicht erst aufsteht. Man kann das eine nicht vom anderen Trennen: „Hört das Wort nicht nur an, sondern handelt danach; sonst betrügt ihr euch selbst“ (Jak 1,22). Aber die Reihenfolge ist klar: Bevor wir handeln müssen wir lernen auf das zu Hören, was Gott uns zu sagen hat. Nur dann können wir unsere Prioritäten im Leben auch richtig setzen.

Liebe Mitbruder, liebe Mitfeiernde,
in Bayern und in Österreich gibt es sogar ein treffendes Wort für Menschen, die diese sinnvolle Reihenfolge - erst hören und dann handeln – nicht beachten. Einen treffenden hochdeutschen Begriff gibt es nicht, weshalb ich auch im Internet nachschauen musste, als ich ihn zum ersten Mal vor einigen Jahren gehört habe.

Es ist das Wort „Gschaftlhuber“. – Und ich fand folgende Erklärung: „Ein „Gschaftlhuber“ ist ein unangenehm betriebsamer, wichtigtuerischer und geltungssüchtiger Mensch, deren permanenter Aktionismus als störend empfunden wird. - „Gschaftlhuberei“ ist eine Bezeichnung für Tätigkeiten, die verhältnismäßig viel Energie verbrauchen, obwohl sie nur wenig Wirkung haben oder Ergebnisse zeigen...“.

In der Offenbarung des Johannes finden wir folgende Stelle: „Ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wer meine Stimme hört und die Tür öffnet, bei dem werde ich eintreten, und wir werden Mahl halten, ich mit ihm und er mit mir“ (Offb 3,20). So hat es Maria gemacht. Sie hat Jesus nicht - wie Marta - nur die äußere Tür geöffnet, sondern ihre innere. Sie hat sich Zeit genommen für den Herrn.

Damit wir nicht auch zu „Gschaftelhubern“ werden, brauchen wir regelmäßig Zeit für Gott, wo wir unsere „inneren Türen“ öffnen. Erst diese mit Gott verbrachte Zeit gibt unserem täglichen Tun und Arbeiten einen tieferen Sinn und Bedeutung. Dem lieben Gott gelegentlich ein paar Gedanken aus der Sofakuhle zu funken oder in kniffeligen Situationen ein Stoßgebet aus den Staubwinkeln der Erinnerungen zu reaktivieren reicht nicht. – Wer Auto fahren will, der muss vorher erst einmal Tanken, damit er losfahren kann. Und überhaupt: Wer nicht regelmäßig tankt, der wird irgendwann stehen bleiben. – Niemand kann ewig auf Reserve fahren.

Wenn wir das übertragen auf unser geistliches Leben gilt: Evangelium, Kirche und die Hl. Messe sind sichere Quellen, Tankstellen der wahren Gottesbegegnung, wenn man es - wie Maria - versteht zuzuhören und aufzutanken.

Liebe Mitbrüder, liebe Mitfeiernde,
bitten wir Gott, das wir nicht zu verbitterten und geltungssüchtigen Geschaftlhubern werden, die schaffen, um sich bei anderen beliebt zu machen. - Beliebtheit ist oft ein schlechter Lehrer. – Auf das not-wendige kommt es an!

„Man wird beliebt, indem man sich bemüht, anderen nützlich zu sein.“
Ein gefährlicher Kalenderspruch. Amen.

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Predigt für den 16. Sonntag im Jahreskreis (C) am 22. VII. 2007 (Konventamt, St. Ottilien)
Evangeliumstext (Luk 10, 38-42)

Montag, 18. Juni 2007

"WIE WASSER ZU WEIN WIRD ..."


Liebes Brautpaar, liebe Gäste!

„Das Bier ist alle“. – Mit diesen Worten hat die Zeitung mit den vier großen Buchstaben vor einiger Zeit auf Plakaten für sich geworben. Und darunter stand: „Einer muss die Wahrheit sagen“. Geklaut, - aber gut geklaut.

Diese urpeinliche Wahrheit steht schon im Johannesevangelium, das wir gerade gehört haben. Und natürlich geht es da nicht um Bier, sondern um Wein.

In der Kirche ist diese berühmt berüchtigte „Hochzeit zu Kanaan“ eine der offiziellen Schrifttexte bei einer der Trauung.
Offenbar steckt darin eine besondere Botschaft über die Ehe. Welche könnte das sein? - Könnte nicht ein Hinweis auf die Ehe darin liegen, dass "der Wein ausging"?

Der Wein gibt einem Mahl die festliche Note, lässt die Herzen höher schlagen und bringt die Gäste in Stimmung.

So gibt es auch in der Ehe etwas, das das Zusammenleben zum Fest macht, was erst eigentlich und zutiefst glücklich macht: die Liebe. Und auch im Alten Testament finden wir ja schon das Sprichwort: "Köstlicher als Wein ist die Liebe."

Aber kommt nicht in jeder Ehe einmal die Stunde, da man feststellen muss: "Der Wein ist ausgegangen"?

Wenn die "HOCH-Zeit" versunken ist und der graue Alltag kommt,
wenn das Gespräch seltener wird oder ganz verstummt,
wenn gesundheitliche oder wirtschaftliche Schwierigkeiten auftreten,
wenn sich herausstellt, dass der Partner Untugenden hat,
die man noch gar nicht kannte,
oder wenn man entdeckt,
dass in Nachbars Garten auch schöne Rosen blühen:

"Der Wein ist ihnen ausgegangen."

Anders aber in der Ehe, zu der Jesus und seine Mutter geladen sind. - Hier geschieht etwas ganz Ähnliches wie auf der Hochzeit in Kanaan. Maria wird auch hier Fürsprache einlegen: "Sie haben keinen Wein mehr".

Die Antwort Jesu klingt ziemlich schroff: „Was willst du von mir, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen“. – Jesus scheint eben auch ohne mütterliche Ratschläge sehr genau zu wissen, wann und was er zu tun hat.

Und Maria beugt sich diesem Bescheid und geht zur Bedienung: "Was ER euch sagt, das tut!"
Dieses Wort seiner Mutter ist ein wichtiges Wort, vielleicht sogar das wichtigste Wort des ganzen Berichtes.
Es ist auch das letzte Wort, das die Evangelien überhaupt von Maria wiedergeben.
Es ist wie ein Testament: „Was ER euch sagt, das tut!“

Auf die Ehe angewandt heißt das: Nicht auf die Stimme des Blutes horchen, nicht auf den Rat von Freunden oder Angehörigen,
sondern allein auf den Herr: "Was ER euch sagt, das tut!"

Und was sagt der Herr? - "Füllet die Krüge mit Wasser!"

Wenn der Wein eine tiefere Bedeutung hat als Zeichen des Festes und der Liebe, dann hat auch das Wasser einen tieferen Sinn. Sechs Krüge werden damit gefüllt - bis zum Rand - wie es im Text heißt. Vielleicht hat das etwas mit dem Alltag zu tun! Wasser schmeckt auch nicht besonders gut, es ist ein ziemlich fades und langweiliges Getränk. Und auch ist die Beschaffung war zu biblischer Zeit mit einiger Mühe verbunden. - Wofür könnte das Wasser also stehen?

Es deutet auf die Treue! - Auf die Treue, die es im Alltag durchzuhalten gilt.

Für die Ehe scheint das Gleiche zu gelten wie für uns Mönche: „Aushalten, Durchhalten, Maulhalten“
oder „heiliges Stillschweigen“ – in der Benediktusregel klingt das doch etwas eleganter – das alles gehört irgendwie zur Treue.

Wenn der "Wein der Liebe“ ausgegangen ist, dann schmeckt dieses gewöhnliche Wasser nicht immer besonders gut. Es erscheint es als ein fader Ersatz. - Aber es ist absolut lebenswichtig!

Inzwischen hat der Wirt den geheimnisvollen Inhalt der Krüge gekostet, lässt den Bräutigam rufen und erklärt. "Jeder setzt zuerst den guten Wein vor und erst, wenn die Gäste schon zuviel getrunken haben, den weniger guten. Du jedoch hast den guten Wein bis jetzt zurückgehalten."

Liebes Brautpaar, liebe Gäste!

Passt das nicht auch für die Ehe? Am Anfang ist man verliebt.
Aber es ist mehr eine Liebe, die haben will.
Eine Liebe, die den anderen begehrt.

Jesus aber will eine schenkende Liebe bewirken,
eine Liebe, die gelernt hat, das DU etwas größer zu schreiben als das ICH.
Diese Liebe ist gewissermaßen durch eine "Leidensgeschichte" hindurch gegangen.

Weil die Liebe vom Opfer lebt, verliert eine Liebe, die nicht bereit ist zum Verzicht, sehr schnell ihren Glanz und erlischt. - Aber ohne Opfer und Prüfungen geht es im Leben nicht ab, weder in der Ehe, noch im Kloster, noch in der Oper. – Wie in der Oper geht es auch in der Ehe durch „Feuer und Flammen“. - Pamina und Tamino überwinden Hand in Hand diese Prüfungen, bevor sie „eingeweiht“ werden.

Und auch Papst Benedikt sagt ganz realistisch: „Die menschliche Liebe muss gereinigt werden, muss reifen ... um Ursprung wahrer, dauerhafter Freude zu sein.“ Und so ist es auch in der Ehe: Das „Wasser der Treue“ ist der Trank in mühevoller Zeit, der die Liebe der Ehepartner wachsen und reifen lässt.

Wir können dieses Wunder der Verwandlung immer wieder bei älteren Ehepaaren erleben: Liebe verbraucht sich nicht, sie wandelt sich im Laufe der Jahre und nimmt eine neue Gestalt an. Und diese Liebe muss am Ende nicht schlechter sein als die junge Liebe, sondern vielleicht sogar reifer, tiefer voller, - so wie der „gute“ Wein in Kanaan. - Dieses Wunder der Verwandlung wirkt Jesus bei denen, die ihn in die Mitte nehmen und in ihrer Ehe nicht nur auf die eigenen Kräfte vertrauen.

Liebe Susanne, lieber Peter,
am Ende möchte ich Euch deshalb folgenden Ratschlag geben:
Ladet Jesus und seine Mutter zu Eurer Hochzeit ein, in Eure Familie,
in euer neues gemeinsames Leben ein:

Er will auch bei Euch das Wunder der Verwandlung bewirken.
Dann bekommt Euer Leben Geschmack, Sinn und Tiefe. –
Dann wird Wasser zu Wein.

Und vertraut dabei auf die Worte seiner Mutter:
„Was ER euch sagt, das tut.“ – Dann seid ihr wirklich gut beraten. Amen.

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Predigt für die Trauung von Susanne und Peter am 18. VI. 2007 (Ottilienkapelle, St. Ottilien)
Evangeliumstext (Joh 2, 1-11)

Mittwoch, 7. Februar 2007

Offener Brief an alle, die gerne nachdenken möchten...


Offener Brief an alle, die gerne nachdenken möchten... – Der französische Erzbischof Hippolyte Simon verteidigt Benedikt XVI. gegen seine Kritiker

Der stellvertretende Vorsitzende der Französischen Bischofskonferenz. Erzbischof Hippolyte Simon hat am Freitag einen offenen Brief an die Medien gerichtet. Darin kritisiert er den unfairen Umgang mit Papst Benedikt XVI. im Zusammenhang mit der Aufhebung der Exkommunikation von vier Bischöfen der Priesterbruderschaft Pius X.

"Ich weiß nicht, ob ich wütend oder unglücklich bin: in Wahrheit wahrscheinlich beides. Doch was zuviel ist, ist zuviel, also sage ich: es reicht! Der mediale Aufruhr gegen Papst Benedikt XVI., der vier fundamentalistische Bischöfe und unter ihnen einen erwiesenen Holocaust-Leugner angeblich wieder in die Kirche eingegliedert hätte, stellt keine Kritik dar, sondern Verleumdung und Desinformation. Denn was auch immer man über die Entscheidungen des Papstes denken mag, so muss gesagt, wiederholt und betont werden, dass diese vier Bischöfe nicht wieder eingegliedert worden sind. Bischof Williamson, dessen Äußerungen im schwedischen Fernsehen in der Tat untragbar sind, ist also noch nicht in den Schoß der katholischen Kirche zurückgekehrt, und er untersteht immer noch nicht der Autorität des Papstes. Die Nachrichten, die von Wiedereingliederung sprechen, beruhen auf einer schweren Verwechslung zwischen Aufhebung der Exkommunikation und vollständiger Wiedereingliederung.

Ich zeige mich gerne allen Journalisten und Kommentatoren gegenüber nachsichtig, die guten Glaubens die Aufhebung der Exkommunikation mit der einfachen Wiedereingliederung durcheinander bringen konnten. Die von der Kirche benutzten Kategorien können für die breite Öffentlichkeit missverständlich sein. Doch die Wahrheit verpflichtet zu sagen, dass dies nach dem Kirchenrecht absolut nicht dasselbe ist. Wenn man die Ebenen verwechselt, wird man ein Opfer von Simplifizierungen, die nur denen nutzen, die provozieren wollen. Und man macht sich unfreiwillig zu deren Komplizen. Normalerweise ist die Öffentlichkeit im Recht, wenn sie von einem Sportjournalisten verlangt, dass er etwa zwischen einem Eckball und einem Versuch [Begriff aus dem Rugby A.d.Ü.] unterscheiden kann. Warum sollte die Kirche nicht ebenfalls das Recht auf ein „technisches“ Vokabular haben, und warum sollte man solche schweren Ungenauigkeiten nur unter dem Vorwand, dass es sich um Religion handelt, dulden?

Sehen wir uns einfach noch einmal genau an, was passiert ist. Nach der Wahl von Papst Benedikt XVI. im April 2005 haben die Bischöfe der Priesterbruderschaft St. Pius X., die vor mehr als dreißig Jahren von Erzbischof Lefebvre gegründet worden ist, darum gebeten, den Dialog mit Rom wieder aufzunehmen, doch sie haben zwei Vorbedingungen gestellt: erstens, die Liberalisierung des Missales von 1962, was durch ein Motu proprio im Juli 2007 geschehen ist, und zweitens die Aufhebung der Exkommunikation.

Was bedeutet die Aufhebung der Exkommunikation? Um einen geläufigen Vergleich zu gebrauchen würde ich sagen: als Erzbischof Lefebvre ausgetreten ist, das heißt als er ungehorsam war, weil er trotz der ausdrücklichen Mahnung des Papstes vier Bischöfe geweiht hat, wurde sozusagen automatisch eine Schranke heruntergelassen und eine Ampel auf Rot gestellt, um auszudrücken, dass er ausgetreten war. Das bedeutete, dass er, wenn er eines Tages wieder eintreten wollte, vorher Abbitte leisten müsse. Erzbischof Lefebvre ist tot. Friede seiner Seele! Heute, nach zwanzig Jahren, sagen seine Nachfolger dem Papst: „Wir sind bereit, den Dialog wieder aufzunehmen, aber von Ihrer Seite ist eine symbolische Geste erforderlich. Heben Sie die Schranke hoch und stellen Sie das gelbe Blinklicht an!“

Der Papst hat also, um dem Dialog nichts in den Weg zu legen, die Schranken hochgehoben und das gelbe Blinklicht angestellt. Die Frage ist nun, ob diejenigen, die um Wiedereintritt bitten, dies auch tun werden. Werden sie alle wiedereintreten? Wann? Unter welchen Bedingungen? Man weiß es nicht. Wie Kardinal Giovanni Battista Re (der Präfekt der Kongregation für die Bischöfe) in seinem offiziellen Dekret sagt: „Es handelt sich darum, die Bedingungen des Dialogs festzulegen.“ Es ist möglich, dass der Papst ihnen nach einer Frist, die wir nicht kennen, ein kanonisches Statut verleihen wird. Doch das ist derzeit noch nicht geschehen. Die Vorbedingung für den Dialog ist erfüllt, doch der Dialog hat noch nicht begonnen. Wir können also nicht die Ergebnisse des Dialogs beurteilen, bevor dieser überhaupt stattgefunden hat.

Nun veröffentlicht also ein schwedischer Fernsehsender am Vorabend des Tages, an dem das Dekret von Kardinal Re publiziert werden soll, die klar den Holocaust leugnenden Äußerungen eines der vier betroffenen Bischöfe, Bischof Williamson. Konnte der Papst, als er grünes Licht für die Unterzeichnung des Dekrets durch den Kardinal gegeben hatte, die Aussagen von Bischof Williamson kennen? Ich glaube, ganz ehrlich gesagt, das verneinen zu können. Und das ist in einem Sinne eher beruhigend: es ist ein Zeichen dafür, dass der Vatikan wirklich nicht die Mittel hat, alle Bischöfe und alle Fernsehkanäle der Welt überwachen zu lassen! Hier also darf man keine falsche Interpretation vornehmen: was bedeutet dieses Zusammenfallen der Unterzeichnung eines Dekrets, das für den 21. Januar vorgesehen war und Bischof Williamson folglich bekannt war, und der Ausstrahlung seiner Äußerungen im Fernsehen?

Jeder sollte sich fragen: wem nützt das Verbrechen? Wem nützt der Skandal, der durch die Äußerung einer solchen Obszönität hervorgerufen wird? Die Antwort scheint mir klar: dem- oder denjenigen, die den durch die Unterzeichnung des Dekrets begonnenen Prozess torpedieren wollen! Nun, wenn man nur ein wenig diese Fragen und die verschiedenen Aussagen von Msgr. Williamson während der letzten Jahre verfolgt, ist es eindeutig, dass er die Versöhnung mit Rom um keinen Preis will! Dieser Bischof – und ich wiederhole nochmals, dass er Rom heute noch in keiner Weise rechtlich unterstellt ist – hat sich schlicht der Methode der Terroristen bedient: er lässt eine (geistige) Bombe explodieren und hofft, dass der gesamte Prozess der Versöhnung entgleist. Er hält es, wie alle Ultras zu allen Zeiten: er lässt lieber ein Ruinenfeld zurück als sich mit denen zu versöhnen, die er als seine Feinde betrachtet.

Ich sage also von Traurigkeit erfüllt all denen, die – ob mit Genugtuung oder mit Schmerzen – Benedikt XVI. und Bischof Williamson miteinander vermischt haben: Sie haben unbewusst das Spiel eines zynischen Provokateurs gespielt! Und – so wage ich zu sagen – als Prämie haben Sie ihm ein zweites Ziel angeboten, das ihn nur entzücken konnte: auf die schlimmste Weise den Ruf des Papstes zu beschmutzen. Eines Papstes, dem er mehr misstraut als allem anderen, denn er sieht genau, dass dieser Papst die gesamte Argumentation entkräftet, die Erzbischof Lefebvre einstmals aufgestellt hatte. Ich kann auf diesen Punkt hier nicht genauer eingehen. Ich möchte nur auf einen Artikel verweisen, den ich letztes Jahr zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Motu proprio in der Zeitung „Le Monde“ geschrieben habe: „Wenn ich ein wenig überall lese, dass der Papst den Fundamentalisten alles bewilligt und nichts im Gegenzug verlangt, so kann ich dem nicht zustimmen: er bewilligt ihnen alles, was die Form der Riten anbelangt, doch er entkräftet ihre Argumentation von Grund auf. Die gesamte Argumentation von Erzbischof Lefebvre beruhte auf einer angeblich substanziellen Differenz zwischen dem Ritus des heiligen Pius V. und dem Ritus Pauls VI.. Nun erklärt Benedikt XVI., dass es keinen Sinn hat, von zwei Riten zu sprechen. Man könnte allenfalls einen Widerstand gegen das Konzil legitimieren, wenn man ganz ehrlich denken würde, dass ein substanzieller Unterschied zwischen den Riten bestehe. Kann man diesen Widerstand und schließlich sogar ein Schisma aber legitimieren, wenn man lediglich von einem Unterschied in den Formen ausgeht?

Für einen Fundamentalisten und zumal für einen Leugner des Holocaust wie Bischof Williamson ist Benedikt XVI. unendlich viel schlimmer, als alle diejenigen, die einen „Bruch“, der durch das Zweite Vatikanische Konzil herbeigeführt wurde, verherrlichen. Denn wenn es einen Bruch gibt, dann wird er durch seinen Gegensatz zum „Neuen“ gestärkt. Doch derjenige, der friedlich aufzeigt, dass das Missale von Paul VI., die Religionsfreiheit und die Ökumene integrierender Bestandteil der authentischen katholischen Tradition sind, der entzieht ihnen jede Rechtfertigung.

Ich bin mir wohl bewusst, dass ich meine Argumentation weiter entwickeln müsste. Möge mir jeder verzeihen, wenn ich auf die Internetseiten verweise, wo all das ersichtlich wird. Doch ich wünsche mir vor allem, dass jeder sich vor allzu gut aufgezogenen Provokationen hüten möge. Was diejenigen betrifft, die meinen, ständig wiederholen zu müssen, dass Joseph Ratzinger in der Hitlerjugend gedient hat, so mögen sie bitte das Zeugnis lesen, dass er am 6. Juni 2006 in Caen aus Anlass des sechzigsten Jahrestags der Landung der Alliierten in der Normandie abgegeben hat, und sich dann fragen, was sie an seiner Stelle getan hätten... Wenn man ein wenig zu laut mit den heutigen Wölfen heult, dann bringt man nicht unbedingt den Beweis dafür, dass man in der Lage gewesen wäre, sich von der Wölfen der damaligen Zeit abzugrenzen....

Es bleibt noch ein Punkt, der zweitrangig, aber trotzdem äußerst schwerwiegend ist: man muss sich jedenfalls Fragen zur Kommunikation der römischen Instanzen stellen, wenn es sich um so heikle Themen handelt. Nach der Polemik von Regensburg (die es ebenfalls verdiente, aufmerksam demontiert zu werden... ) hoffe ich – aber ich behalte mir vor, darüber eher intern zu reden –, dass die Verantwortlichen der Kurie ihrer missglückten Kommunikation eine ernsthafte Besprechung widmen. Um es kurz zu sagen, habe ich die Dinge folgendermaßen erlebt: Am Mittwoch, dem 21. Januar, wird von den italienischen Fundamentalisten, die zu triumphieren glauben, in der italienischen Zeitung „Il Giornale“ „eine Flucht organisiert“. Sofort wird das Tamtam in den Medien ausgelöst. Doch wir, die Mitglieder der Bischofskonferenzen, wir wissen absolut nichts! Drei Tage lang verbreiten sich ständig mehr Nachrichten – irrige, die die ganze Zeit von Wiedereingliederung reden – wie ein Buschfeuer. Und dann kommt die „Bombe“ von Bischof Williamson... Und erst am Samstagmorgen – drei Tage zu spät! – erhalten wir das offizielle Kommuniqué von Kardinal Re. Wie stellen Sie sich vor, dass wir da die Diskussion wieder auf eine richtige Grundlage stellen können? Kardinal Ricard hat sich redlich darum bemüht, doch das Feuer war schon ausgebrochen und niemand konnte noch ein vernünftiges Wort hören.

Jetzt, wo sich der Wirbel allmählich legt, müssen wir versuchen, uns wieder in Ruhe zu besinnen. Wie meine Großmutter sagte: Gott kann aus etwas Schlechtem etwas Gutes hervorgehen lassen. Das Schlechte ist, dass Papst Benedikt XVI. wieder einmal von einer Mehrheit der überregionalen Medien durch den Dreck gezogen wurde, ausgenommen – Gott sei Dank – „La Croix“ und einige andere. Viele Katholiken und viele Menschen guten Willens begegnen dem mit Verständnislosigkeit und Leid. Doch das Gute ist, dass die Masken gefallen sind! Wenn der Dialog mit den Bischöfen der Priesterbruderschaft St. Pius X. trotz allem weitergeht – unter dem Vorbehalt natürlich, dass sie durch die nunmehr hoch gehobene Schranke gehen – dann wird man eine Unterscheidung treffen können, denn jetzt wissen alle ein bisschen besser, was die einen und was die anderen denken.

Zum Abschluss möchte ich mich an die gläubigen Katholiken wenden, die – nicht ohne Grund – das Gefühl haben können, in dieser Geschichte ein wenig verraten, um nicht zu sagen verachtet worden zu sein: denkt über das Gleichnis vom verlorenen Sohn nach und führt es weiter. Wenn der ältere Sohn, der sich zunächst weigert, am Fest teilzunehmen, sagt, dass er doch daran teilnehmen möchte, werdet Ihr ihn dann zurückweisen? Vertraut genug auf Euch selbst und auf den Geist, der die Kirche führt und der auch das Zweite Vatikanische Konzil geführt hat, um zu glauben, dass die reine Anwesenheit dieses älteren Sohns nicht ausreichen wird, um das Fest zu ersticken. Gebt demjenigen, der zuletzt gekommen ist, ein wenig Zeit, um sich an das Licht der Festversammlung zu gewöhnen, bei der Ihr Euch aufhalten...

Hippolyte Simon,
Erzbischof von Clermont
Stellvertretender Vorsitzender
der Französischen Bischofskonferenz


Quelle:
http://www.die-tagespost.de/2008/index.php?option=com_content&task=view&id=100045801&Itemid=1

Sonntag, 4. Februar 2007

"HERR, GEH WEG VON MIR, ICH BIN EIN SÜNDER"


Liebe Mitbrüder, liebe Mitfeiernde!

wie oft haben wir das heutige Evangelium von der Berufung des Petrus schon gehört oder gelesen. Die Geschichte vom „Menschenfischer“ ist bekannt. – Und überhaupt scheinen sich die Berufungsgeschichten der Jünger, die alles zurücklassen und Jesus sofort nachfolgen, irgendwie zu gleichen. – Und doch gibt es gerade bei der Berufung des Petrus doch eine Besonderheit, die mich immer wieder beeindruckt.

Es sind die Worte: „Herr, geh weg von mir, ich bin ein Sünder“. –
Zu dieser Selbsterkenntnis kommt Petrus. Nicht durch Nachgrübeln erfährt der Mensch wer er ist. Er weiß es durch die Begegnung mit Gott: Wen Gott anspricht, der erfährt erst einmal seine eigene menschliche Kleinheit. Und Petrus sieht der Wirklichkeit ins Auge: Mein Leben hat Fehler, Knoten und Löcher.

Das Wort Sünde ist zwar in unserer Sprache noch nicht ausgestorben, wird aber oft verharmlost: Das gibt es im Straßenverkehr die „Parksünder“, die für ihre Sünden „Knöllchen“ bekommen. – Wir kennen die „Baussünder“, die da einfach einen hässlichen Betonklotz in unsere idyllische bayerische Landschaft hingestellt haben. Und immer häufiger hören wir von „Umwelt-„ und „Dopingsündern“. – Und besonders viel gesündigt wird es heute anscheinend, wenn es ums Essen und die Gesundheit geht: „Gestern hab ich wieder reingehauen. Da hab ich wirklich gesündigt. – Und dann noch der Nachtisch: Der war echt eine Sünde wert!“.

Sünde beschreibt im heutigen Sprachgebrauch also oft etwas relativ harmloses und banales. Mit Schuld und Sünde bringen nur wenige Menschen noch Gott und den Mitmenschen in Verbindung: „Jeden Abend mache ich das mit mir selbst aus.“

„Ich bin ein Sünder“. - Was ist damit gemeint?
Das altgriechische Wort für Sünder heißt „hamartolos“ und meint, dass ich mich verfehlt habe: - Ich habe mein eigentliches Ziel verfehlt und danebengeschossen. Ich habe meine Netze an der falschen Stelle ausgeworfen und brauche Gottes Hilfe.

Sich - wie Petrus - vor Gott zu bekennen, dass man das Ziel im Leben oft verfehlt hat, ist unangenehm und macht Schwierigkeiten. - Die Sünde im eigenen Inneren zu erkennen ist schwer. Bei anderen lässt sie sich leicht unterscheiden: „Die meisten Menschen beichten am liebsten die Sünden anderer Leute“ - hat Graham Greene einmal ganz richtig beobachtet. - Es ist nicht einfach, immer nur die Lichtseiten des Lebens herauszukehren, sondern auch eigene Schuld und Versagen einzugestehen und zu bearbeiten: Aber die Wahrheit ist sehr hartnäckig.

„Ein Katholik hat die Beichte... - Ich habe bloß meinen Hund“ (Max Frisch) - habe ich neulich einmal gelesen. - Die Beichte ist wahrscheinlich die einzige wirksame Möglichkeit seinen „inneren Dreck“ endgültig loszuwerden. – Nutzen wir diese Chance! Schuld sind nicht immer die anderen, - oder eine bestimmte familiäre und gesellschaftliche Struktur in meiner Umgebung. Die Einsicht: „Ich bin ein Sünder“ und die Aufgabe einer falschen Selbstsicherheit ist ein erster Schritt auf dem Weg zur Veränderung. – "Herr, geh weg von mir; ich bin ein Sünder" sagt Petrus: Es gibt keine Gotteserkenntnis ohne Selbsterkenntnis.

„Herr, geh weg von mir; ich bin ein Sünder“ hat hier aber auch noch eine andere wichtige Bedeutung, die über ein konkretes Sündenbewusstsein hinausgeht: In Jesus begegnet Petrus dem großen, allmächtigen Gott, vor dem er sich klein und unwürdig fühlt.
Petrus erlebt die Macht Jesu im überreichen Fischfang. Und diese Größe und Macht Gottes lässt ihn aber auch den Abstand zwischen Mensch und Gott erahnen. Er fürchtet sich ganz ähnlich, wie wir es vorher vom Propheten Jesaja gehört haben. Vielleicht haben wir ja noch die Worte aus der ersten Lesung in den Ohren:

„Weh mir, ich bin verloren. Denn ich bin ein Mann mit unreinen Lippen und lebe mitten in einem Volk mit unreinen Lippen. – Und meine Augen haben den König, den Herrn der Heere, gesehen.“ (Jes 6, 5) – Petrus und der Prophet Jesaja bringen in ihren Worten zum Ausdruck, was die Bibel auch „Gottesfurcht“ nennt: es ist die „Ehrfurcht vor Gott“. – „Angesichts der geheimnisvollen Gegenwart Gottes wird der Mensch sich seiner Kleinheit inne“ (KKK 208), so bringt es der Katechismus der Katholischen Kirche genau mit der „Gottesfurcht“ auf den Punkt, - und genannt werden genau diese beiden Bibelstellen.

Liebe Brüder und Schwestern,
nun gibt es da am Ende aber ein Problem: Petrus und Jesaja erkennen, dass sie unfähig sind, diesen unendlichen Abstand zwischen Gott und Mensch aus eigener Kraft zu überwinden. Von sich aus können sie diese „Angst vor Gott“ nicht überwinden. – Beide erkennen sich als Sünder, die von sich aus keinen Zugang zu Gott haben. Was können wir also tun?

Die Antwort ist eigentlich ziemlich einfach. Und wieder sagt es der Römische Katechismus ganz präzise in nur einem Satz: „Da Gott heilig ist, kann er dem Menschen verzeihen, der sich vor ihm als Sünder erkennt.“ (KKK 208) – Den Abstand zwischen Gott und Mensch kann nur Gott selbst überbrücken! – Gott ist es, der uns in Jesus selbst entgegenkommt. Gott steigt ein in mein kleines, wackeliges Boot. - Und meine Aufgabe besteht eigentlich nur darin in hineinzulassen, in mein wackeliges Boot, - damit er mir sagen kann, wo es lang geht in meinem Leben und wo ich meine Netze auswerfen soll.

Paulus schreibt an die Römer: „Gott sandte seinen Sohn in der Gestalt des Fleisches, das unter der Macht der Sünde steht, zur Sühne für die Sünde.“ (Röm 8, 3). – Genau deshalb steigt Jesus in unser Boot, - deshalb hat Gott ihn gesandt, deshalb ist er erschienen! – Er ist „erschienen, um durch sein Opfer die Sünde zu tilgen“ (Hebr 9, 27), so steht es im Hebräerbrief.

Bis dieses Jahr Weihnachten habe ich das auch immer so geglaubt und auch so gesungen. – „Christ ist erschienen, uns zu versühnen“. Bei unserer romantischen Weihnachtsfeier im Kloster gab es dieses Jahr aber - zu meiner großen Überraschung - eine ganz neue Textvariante, warum Jesus erschienen ist: „Christ ist erschienen, um uns zu dienen“. – Das ist ja sicherlich auch nicht falsch, aber doch etwas ganz anderes. – Mich hat das auf jeden Fall nachdenklich gemacht, anderen ist es vielleicht gar nicht aufgefallen. – Wenn man den Begriff „Sühne“ unter den Tisch fallen lässt, nimmt man Jesus viel von seiner geheimnisvollen Gottheit: Er wird zum guten Menschen, der anderen dient, wie es ja viele andere gute Menschen auf dieser Erde auch tun - oder getan haben. – Aber Jesus geht weit darüber hinaus: Er ist vor allem auch erschienen, wegen meiner Sünden: Um den Abstand zwischen Gott und den Menschen zu überbrücken! Petrus hat das als erster erkannt:

„Herr, geh weg von mir; ich bin ein Sünder“.
Es gibt keine Gotteserkenntnis ohne diese Selbsterkenntnis. Amen.

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Predigt für den 5. Sonntag im Jahreskreis (C) am 4. II. 2007 (Konventamt, St. Ottilien)
Evangeliumstext (Luk 5, 1-11)

Donnerstag, 27. Juli 2006

"JEDE WAHRHEIT BRAUCHT EINEN MUTIGEN, DER SIE AUSSPRICHT"


Liebe Mitbrüder, liebe Mitfeiernde!
Vor einer Woche ist mir in München eine groß angelegte Werbekampagne in die Augen gefallen: An jeder Ecke riesige Plakate, mit großen Persönlichkeiten aus der Weltgeschichte: Albert Einstein, Mahatma Gandhi, Galilei mit Fernrohr. Und über jedem Portrait stand – unübersehbar – immer der gleiche Spruch: „Jede Wahrheit braucht einen Mutigen, der sie ausspricht“. -

„Ganz schön raffiniert!“ habe ich mir gedacht. Hier soll auf ein Produkt aufmerksam gemacht werden, das man mit „unbequemen Wahrheiten“ verkaufen will. – Und ich habe dann gleich an das heutige Evangelium gedacht und an Jesus: „Jede Wahrheit braucht einen Mutigen, der sie ausspricht“.

Genau das hat Jesus getan, - und er hat sich damit ziemlich unbeliebt gemacht. Das Ergebnis: Die Menschen sind ihm in Scharen davongelaufen, nur zwölf Jünger blieben am Ende übrig.

Aber was hat Jesus denn eigentlich Schlimmes getan? Was hat man ihm so übel genommen? - Erinnern wir uns: Vorausgegangen waren viele spektakuläre Wunderheilungen und zuletzt die wunderbare Speisung der 5000. – Das hätte man gerne jeden Tag. So einen Jesus ließe man sich gefallen: „Brot und Spiele“. Jesus sieht, dass die Menschen den wahren Hintergrund seiner Wunder nicht verstehen. Er klärt sie über seine Sendung und Herkunft auf und behauptet Jesus: „Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben.“ Und dann noch viel konkreter: „Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst und sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch!“

Und Jesus schwächt seine Worte nicht ab, er verweist nicht auf ein Bild oder Gleichnis: Ja, man muss „ihn essen und trinken“. Gleich mehrmals betont er das. - Das erscheint vielen dann doch als vollkommen unverständlich: Unglaublich, weil es unser Begreifen übersteigt. „Gedachter Kannibalismus“ lautete auch Jahrhunderte später noch der Vorwurf einiger Reformatoren (Calvin und Zwingli). Und so ist es in dieser Frage zu einer Glaubensspaltung gekommen.

Sobald Jesus konsequente Forderungen stellt, wird es unbequem. Für all diejenigen, die ihre ganz persönliche Vorstellung vom Heil verfolgen, wird es in der Nähe Jesu irgendwann zu abenteuerlich. - Jesus als der liebe Freund, der mir immer hilft, mich immer versteht und mir alles verzeiht: Ja.

Aber umgekehrt? : Auf Jesus „blind“ vertrauen, an seine Worte und Gebote glauben, auch wenn man sie gedanklich nicht so einfach nachvollziehen kann. – Das bereitet Schwierigkeiten, wird oft unbequem und will nicht so richtig schmecken.

Es gibt sie heute die Produkte die unser Leben angeblich noch schöner und leichter machen: Margarine mit 50% weniger Fettanteil und das „Light-Bier“ mit 50% weniger Alkoholgehalt. - Aber einen „Jesus light“, dem man nur die Hälfte glauben kann, den gibt es nicht! - Die Botschaft Jesu darf nicht verwässert werden. Einmal erkannte Glaubenswahrheiten lassen keine falschen Kompromisse zu.

Deshalb kann es in Glaubensfragen auch keine Halbwahrheiten geben. Jesus drängt sogar zur Entscheidung, auch wenn er dabei Gefahr läuft von allen verlassen zu werden. Er fordert von uns eine klare Entscheidung und Antwort auf die Frage, für wen wir ihn halten und ob wir an ihn glauben: Jesus möchte, dass der Mensch in aller Freiheit Ja sagt zur Liebe Gottes.

Interessant ist, was man heute oft so zu hören bekommt, auf die ganz konkreten Fragen, die das Evangelium uns stellt: Glaubst du an Gott? An welchen Gott glaubst du? – Oder: Für wen hältst du Jesus? - Vielleicht ahnen Sie schon die Antworten, die man heute oft hört: „Ich habe mich nie festgelegt, ich bin in Glaubens-Dingen nicht festgelegt und möchte mich auch nicht festlegen“, oder „ich bin weltoffen und nicht von gestern“.

Das Problem lässt sich ziemlich schnell auf den Punkt bringen: Es gibt oft überhaupt keinen eigenen Standpunkt mehr, - keine eigene Glaubensentscheidung. Und was man leider auch immer öfter beobachten kann: Wie viele Menschen uns heute ihre eigene Glaubensschwäche dann auch noch als Zeichen großer Toleranz verkaufen möchten. Es stimmt: „Die Wahrheit braucht einen Mutigen, der sie ausspricht.“ Aber hier würde ich die Sache dann doch eher umdrehen: „Die Lüge braucht immer einen Dummen, der auf sie hereinfällt.“

Glaubensschwäche hat mit echter Toleranz wenig zu tun. - Toleranz darf nicht mit eigener Profillosigkeit verwechselt werden. - In unserer Zeit sagen viele nur noch das, was alle hören wollen. Ein Politiker richtet sich so sehr nach Meinungsumfragen, dass er bei einer Demonstration gegen seine eigene Person mitmacht - wenn´s denn sein muss ( - so wie in Österreich Jörg Haider in vor einigen Jahren). - Aber Jesus ist weder Politiker noch Diplomat. Er bleibt seiner Berufung treu: lieber lässt er auch noch die 12 gehen, als dass er auf Stimmenfang geht. „Wollt auch ihr gehen“ fragt Jesus. Die Antwort des Petrus ist bekannt: “Zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens.“

Liebe Brüder und Schwestern,
vor einigen Jahren habe ich genau diese Worte als Primizspruch ausgewählt und auf die Einladungskarten und Andachtsbildchen für meine Priesterweihe drucken lassen. – Warum gerade diese Worte? –

Weil diese Worte mich immer wieder getröstet haben, wenn ich alles hinschmeißen wollte. Krisen gibt es vor der Priesterweihe, und natürlich auch danach noch, genügend, - in der Ehe und Familie natürlich auch. – Auf jeden Fall habe ich mir dann immer wieder genau diese ganz einfache und realistische Gegenfrage gestellt: „Zu wem soll ich dann eigentlich gehen?“ Was wäre die Alternative?
Und ich bin dann immer wieder genau zu dieser Petrus-Antwort gekommen: Es gibt eigentlich keine andere Alternative. Nur „du hast Worte des ewigen Lebens. Ich bin zum Glauben gekommen und haben erkannt: Du bist der Heilige Gottes.“

Aber für mich bedeuten diese Worte aber noch mehr: Es gibt eine Wahrheit. Und diese Wahrheit lässt sich in Christus finden und erkennen. Glauben und Erkennen gehören zusammen. Papst Benedikt hat das einmal sehr schön ausgedrückt: „Gott hat uns nicht seinen Sohn geschickt, damit wir weiter im Dunkeln herumtappen.“ Zum Glauben und Erkennen der Wahrheit führt Gott also selbst.

„Jede Wahrheit braucht einen mutigen, der sie ausspricht“, stand da auf den Werbeplakaten in München. – Aber welches Produkt steckt da eigentlich dahinter? - Am Ende der Predigt will ich es ihnen verraten: Es ist die bekannte Boulevardzeitung mit den vier großen Buchstaben: Weiß auf Rot. –
Überlassen wir das verkünden von Wahrheiten also doch besser nicht der Bild- oder Abendzeitung und tun es lieber selbst. - Singen wir gleich beim Credo lieber etwas lauter und aufmerksamer mit: „Jede Wahrheit braucht einen Mutigen, der sie ausspricht.“ –

AMEN.

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Predigt für den 21. Sonntag im Jahreskreis (B) am 27. VII. 2006 (Konventamt, St. Ottilien)


Evangeliumstext (Joh 6, 60-69)

In jener Zeit sagten viele der Jünger Jesu, die ihm zuhörten: Was er sagt, ist unerträglich. Wer kann das anhören?
Jesus erkannte, daß seine Jünger darüber murrten, und fragte sie: Daran nehmt ihr Anstoß?
Was werdet ihr sagen, wenn ihr den Menschensohn hinaufsteigen seht, dorthin, wo er vorher war?

Der Geist ist es, der lebendig macht; das Fleisch nützt nichts. Die Worte, die ich zu euch gesprochen habe, sind Geist und sind Leben. Aber es gibt unter euch einige, die nicht glauben. Jesus wußte nämlich von Anfang an, welche es waren, die nicht glaubten, und wer ihn verraten würde. Und er sagte: Deshalb habe ich zu euch gesagt: Niemand kann zu mir kommen, wenn es ihm nicht vom Vater gegeben ist.

Daraufhin zogen sich viele Jünger zurück und wanderten nicht mehr mit ihm umher.

Da fragte Jesus die Zwölf: Wollt auch ihr weggehen?
Simon Petrus antwortete ihm: Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens.
Wir sind zum Glauben gekommen und haben erkannt: Du bist der Heilige Gottes.

Donnerstag, 15. Juni 2006

UNSERE HEIMAT IST DER HIMMEL


Liebe Brüder und Schwestern!

Die Eucharistiefeier ist das Zentrum unserer Glaubens. Hier treffen wir uns - ob jung oder alt, ob modern oder eher altmodisch. Hier kommen wir zusammen, um gemeinsam Gottesdienst zu feiern. Wir sind geladen an den Tisch des Herrn. Nun ist es aber kein Geheimnis, dass das gemeinsame Essen nur ein sehr dürftiges Zeichen ist: Viel zu essen gibt es im Gottesdienst nicht, vom trinken ganz zu schweigen. Und gemeinsam tun wir es auch nicht: Alles geht hier schön nach der Reihe. Wir stehen eher in einer Schlange, wie in einem Supermarkt. Das stört vielleicht?! - Viele, die einen Gottesdienst vorbereiten, sind bemüht, den Gedanken des gemeinsamen Essens, des Mahl-Haltens, deutlicher herauszuheben. - Aber das stößt sehr schnell an seine Grenzen: Was wir hier im Gottesdienst feiern, kann nicht an ein wirklich gemütliches Essen herankommen. Und ein Schnitzel mit Pommes im Gasthaus macht allemal eher satt als ein kleines Stückchen Brot, dem sogar noch die Hefe fehlt.

Um dem abzuhelfen, werden hier und da Tischmessen angeboten; in kleineren Gruppen wird manchmal zur Eucharistiefeier richtiges, frisches, selbstgebackenes Brote genommen; der Tisch wird festlich gedeckt. - Man tut alles, um den Mahlcharakter in den Vordergrund zu stellen. - So gutgemeint, wie diese Versuche allerdings sind: Der Mahlcharakter steht absichtlich nicht im Vordergrund. Ganz bewusst hat die Eucharistiefeier nur nebenbei Ähnlichkeit mit einem Mahl.

Der Ursprung geht auf das Paschamahl zurück, kurz vor dem Auszug aus Ägypten. Da ist keine Rede von einem gemütlichem Beisammensein: Stehend soll gegessen werden, den Mantel und Gürtel bereits angelegt. Hastig soll gegessen werden, denn der Aufbruch ins gelobte Land steht kurz bevor. Man sitzt nicht im Kreis: Alle sollen zur Tür hin stehen, hintereinander, nebeneinander: Denn es ist der Vorübergang des Herrn. Was verzehrt wird, ist ungesäuertes Brot: Denn es war keine Zeit, die Hefe gehen zu lassen; man ist schon unterwegs. All dieses zerstört den Mahlcharakter, ist aber wesentliches Element jeder Eucharistiefeier: Wir sind unterwegs. Jede hl. Messe dient der Stärkung auf unserer Lebensreise. Das wirklich gemütliche Mahl mit reich gedecktem Tisch erwartet uns im Himmel - hier müssen wir uns mit dem dürftigen Brot zufrieden gegeben.

Wir sind kein in sich abgeschlossener Kreis, der sich um den Tisch versammelt; wir sind ein Pilgerzug auf dem Weg in das gelobte Land - wie die Israeliten. Wir sind eben noch nicht angekommen. Wir gehen zur Kommunion, - einer nach dem anderen. Das Essen dauert nur einen kurzen Augenblick; dabei kann von Gemütlichkeit gar nicht die Rede sein.

Und dass der Leib des Herrn, der uns gereicht wird, nur den Geist und die Seele stärkt, den Körper aber kaum satt macht - all das ist viel wichtiger als die Form des Festmahles mit reich gedecktem Tisch. Die Gemeinschaft, die wir erfahren, ist nicht in erster Linie Tischgemeinschaft, sondern WEGGEMEINSCHAFT. - Wir sind noch nicht am Ziel unseres Lebens. Wir müssen uns immer wieder daran erinnern - und auch erinnern lassen- , dass wir es uns hier auf der Erde nicht zu dauerhaft einrichten: Unsere Heimat ist im Himmel.

Und deswegen hat Jesus auch nicht die Agapefeier, das gemütlich Ritual der Tischgemeinschaft (mit den Sündern und Zöllnern) gewählt, sondern das hastige und ungemütliche Paschamahl: Als Form für sein Andenken. Und ganz besonders deutlich wird unser Auf-dem-Weg-sein mit dem Herrn gleich bei der heutigen Prozession. Der Herr begleitet uns auf unseren oft schwierigen Lebensweg.
Amen.

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Predigt für das Hochfest Fronleichnam (B) am 15. VI. 2006 (in Petzenhausen, Landkreis Landsberg a. Lech)

Samstag, 20. Mai 2006

Carl Lazzari




Im Kloster Sankt Ottilien malte Carl Lazzari das Leben Christi

"Die Bergpredigt" aus dem Bilder-Zyklus von Carl Lazzari für die Benediktinerabtei St. Ottilien 2006.

Sankt Ottilien (KNA) Wenn Jesus heute in Bayern leben würde, dann hätte er eine dunkelblaue Jeans und ein blutrotes T-Shirt an; der Sohn Gottes würde im Starnberger See getauft und als Terrorist verfolgt werden - so stellt sich zumindest Carl Lazzari die Ankunft Christi im 21. Jahrhundert vor. Entsprechend hat dies der englische Künstler in seinen Bildern auch umgesetzt. Drei Jahre lebte er im Kloster der Missionsbenediktiner im oberbayerischen Sankt Ottilien, aß gemeinsam mit den Mönchen, unterrichtete an deren Gymnasium Kunst und englische Poesie und schuf an den Nachmittagen zwölf mannshohe Gemälde in Öl.

In seinen Werken überträgt Lazzari die Geschichte Jesu von der Verkündigung bis zur Kreuzigung und Auferstehung in die heutige Zeit: Wie würden die Menschen in Sankt Ottilien Jesus empfangen? Was würde er hier sehen können? Für den 72- jährigen Maler zählt die Gegenwart: "Ich lebe im Jahr 2006, also bin ich ein Maler des Jahres 2006", sagt der Künstler und wehrt ab, wenn er sich selbst in eine bestimmte Kunsttradition einordnen soll. "Meine Gemälde sind modern, weil sie zeitgenössisch sind und nicht, weil sie einer bestimmten Mode folgen."

In dem Zyklus "Auferstehung: Ein Leben Jesu Christi" stehen Menschen im Vordergrund: Mehr als 130 Personen hat Lazzari für seine Bilder porträtiert, und jede Bildfigur findet ihr Gegenstück in der wirklichen Welt. Pater Rochus Wiedemann etwa hat für Jesus Modell gestanden, und Maria ist eine blonde Schülerin des Gymnasiums von Sankt Ottilien.

Das Kloster ist die Kulisse für Jesu Leben: Zur Geburt Christi kommen Mönche und Schüler vor dem großen Bauernhaus der Erzabtei zusammen, auf einem anderen Gemälde ist Jesus zu sehen, wie er im Portal der Abteikirche steht und voll Zorn die Geldverleiher aus dem Gotteshaus jagt. Für die Kreuzigungsszene hat Lazzari das große Steinkreuz verwendet, das sonst am Eingang zum Friedhof von Ottilien steht.

Lazzari bezeichnet sich selbst als einen Atheisten. Um den Zwiespalt zu überwinden, dass er den historischen Jesus zwar faszinierend findet, aber nicht an ihn glauben kann, hat er jedes Bild für einen befreundeten Gläubigen gemalt und diesen mit in das Bild aufgenommen.So ist am rechten Rand der Verkündigung Mutter Irene Dabalus, Generaloberin der Tutzinger Missions-Benediktinerinnen, zu sehen; Pastor Ephraim Satuko aus Simbabwe wiederum ist ein stiller Beobachter der Szene, wie Jesus die Händler aus dem Tempel vertreibt. Auf dem Gemälde der Kreuzigung ist als Hauptporträt ein muslimisches Mädchen abgebildet: Lazzari lernte Munelera 1995 in einem Flüchtlingslager in Bosnien kennen, wo er sich um vom Krieg traumatisierte Kinder kümmerte. Das Mädchen hatte kurz zuvor ihre gesamte Familie verloren: "Sie weiß, was es heißt, gekreuzigt zu sein."

Auf Einladung des Erzabtes von Sankt Ottilien, Jeremias Schröder, kam Lazzari in das Kloster. Bei einer Pilgerreise durch Italien hatten sich die beiden kennengelernt. Nun darf Erzabt Jeremias sich über das "Evangelium von Sankt Ottilien" freuen, wie er den Bilderzyklus nennt: "Hier in Sankt Ottilien sehen wir Jesus immer nur auf uralten Gemälden. Aber Carl hat Jesus bei uns und unter uns entdeckt."

>> DOWNLOAD: KATALOG ZUR AUSSTELLUNG (PDF)

>> DOWNLOAD: Das Handbuch: Resurrection - a life of Jesus Christ (PDF / 209 S.)

Samstag, 13. Mai 2006

KlosterZeit : in der Stille


KlosterZeit : in der Stille / hrsg. von Christian Leven. Mit Fotogr. von Werner Richner. - Stuttgart : Kreuz, 2005. - [124] S. : übrw. Ill. - ISBN 3-7831-2532-4

Bildbände über Klöster sind in. Nicht erst nach Philip Grönings Kinoereignis „Die große Stille“ versuchen zahllose Fotografen das „Geheimnis“ klösterlicher Kontemplation und Stille auch im Bild festzuhalten. So auch dieser Bildband mit den zahlreichen, oft doppelseitigen Fotografien von Werner Richner. Man sieht eine Vielzahl europäischer Klöster, Klostergärten, Kreuzgänge, Mönche, Refektorien, Bibliotheken oder die Landschaften im Umfeld. Teilweise werden die Bilder ergänzt durch von Christian Leven ausgewählte Zitate von christlichen Mystikern, Philosophen und Theologen wie Meister Eckhart, Johannes Tauler oder Pierre Teilhard de Chardin, die zu Meditation, Stille und Schweigen anregen sollen. Zwar wird eine Gliederung des Buches durch Überschriften, die sich am monastischen Stundengebet und Tagesablauf (Vigil, Laudes, Terz, Sext usw.) orientieren, vorgegeben, dem Rezensenten scheinen die Bilder und Texte aber trotzdem beliebig austauschbar zu sein.

Die Druckqualität der oft sehr stimmungsvollen Bildaufnahmen von Werner Richner ist in der Regel zufriedenstellend, manchmal leider jedoch etwas unscharf und „grobkörnig“. Die Motivauswahl ist durchaus ansprechend, wirkt jedoch vielleicht, gerade wenn Personen zu sehen sind, doch etwas gestellt und „gekünstelt“: Wann wird man schon in einer alten Klosterbibliothek einen Mönch, der einen alten, sehr schweren Folianten, den er stehend mit nur einer Hand hält, lesend antreffen? - In meiner bald zehnjährigen Zeit als Klosterbibliothekar habe ich ein so (zu) schönes Bild leider bisher noch nie gesehen.

Am Ende des Bandes findet man eine einseitige Bildlegende, die die zahlreichen Klöster auflistet, in denen die Fotografien gemacht wurden. Und hier liegt denn m.E. auch der eventuelle Nutzen eines solches Bildbandes: Vielleicht wird er den einen oder anderen Leser doch dazu anregen, in einer Zeit, die immer mehr von Rastlosigkeit und Hektik geprägt wird, das ein oder andere Kloster aufzusuchen, um dort Ruhe und Stille, Zeit für sich selbst und für Gott zu finden.

P. Siegfried Wewers OSB

(Rezension für die ORDENSKORRESPONDENZ)

Freitag, 12. Mai 2006

Buchtipp des Tages: Gottes Weber : das Leben des heiligen Antonio Maria Claret


Porath, Silke:
Gottes Weber : das Leben des heiligen Antonio Maria Claret ; Roman / Silke Porath. - Waldsolms: Gipfelbuch-Verl., 2006. - 425 S.
ISBN 3-937591-21-4

Passend zum 200. Geburtstag Clarets (1807-1870) schrieb die junge deutsche Journalisten Silke Porath (Jahrgang 1971) ihren ersten biografischen Roman „Gottes Weber“. Ein in unserer Zeit recht ungewöhnliches Unternehmen, da Heiligenbiografien in Romanform heute nicht mehr zeitgemäß zu sein scheinen: Es ist ein Wiederbelebungsversuch des Historienromans. Man fühlt sich etwas an die bekannten hagiografischen Romane wie beispielsweise „Der Pfarrer von Ars“ oder „Der Bettler von Granada“ von Wilhelm Hünermann erinnert, der es in den 50er und 60er Jahren bestens verstand, fesselnde „Lebensbilder“ großer Persönlichkeiten zu zeichnen.

Und auch in „Gottes Weber“ stehen somit nicht in erster Linie Zahlen, Daten und Fakten im Vordergrund, diese werden als Anhang in tabellarischer Form am Endes des Buches korrekt nachgeliefert, sondern die „Lebensgeschichte“ Clarets. So schreibt die Autorin: „Mein Anliegen war es, den Menschen Claret zu zeigen. Um dies möglich zu machen, habe ich zum Mittel der Fiktion gegriffen. So stimmen Zeitenfolge und die Begegnungen mit Menschen, die mir als Vorlage für die literarischen Figuren dienten, nicht immer mit der Realität überein. Einige Personen in meinem Buch haben wirklich gelebt. Manche sind meiner Phantasie entsprungen ... Dieses Buch ist der Versuch, eine Vision und einen Visionär zu zeigen, der bis heute Vorbild sein kann.“

Die Autorin erzählt die Geschichte des hl. Antonio Maria Claret, eines jungen spanischen Webers zur Zeit Napoleons, der gegen den Widerstand seines Vaters den Familienbetrieb in Sallent verlässt und die berufliche Ausbildung aufgibt um Priester und Ordensmann zu werden.

Auf „Ratschlag“ der Gottesmutter Maria, die ihm seit seiner Kindheit bis zu seinem Tode immer wieder regelmäßig erscheint, gibt er aber seinen Wunsch Kartäuser zu werden schließlich auf und möchte von den Menschen von nun an als Wanderprediger helfen: "Mehr Menschen erreichen, alle erreichen, die Armen überall, ihnen beistehen“, das ist sein sehnlichster Wunsch. Und das schreibt er 1839 nieder und sendet sein Gesuch schließlich an den Bischof. Sein Gesuch wird erhört. Claret wird zu einem begnadeten Volksmissionar in seiner Heimat Katalonien. Von dort aus beginnt er seine entbehrungsreiche Reise durch das zerrissene Land, später durch halb Europa.

1847 gründet er mit fünf Brüdern die „Kongregation vom Hl. Unbefleckten Herzen Mariens“ und 1849 die „Bruderschaft von der christlichen Lehre“ (Claretiner). Kurze Zeit darauf wird er zum Bischof von Kuba ernannt und muss seinen Konvent verlassen. Gleich nach seiner Ankunft begreift er, dass eine Erneuerung des christlichen Lebens unbedingt notwendig ist. Er organisiert eine Reihe Missionskampagnen, an denen er sich selbst beteiligt, um das Wort Gottes in alle Ortschaften zu tragen. Nach einem Attentat ist er lange Zeit mit schweren Verletzungen ans Bett gefesselt. Seine Genesung geschieht aber wundersamerweise mit Hilfe der Jungfrau Maria binnen einer einzigen Nacht. Obwohl Claret in seiner asketischen, nach innen gerichteten Lebenswelt nie nach Einfluss, Rang und Stellung strebt, führt sein Weg weiter nach oben. 1857 wird Antonio Claret an das spanische Königshaus als persönlicher Beichtvater der jungen Regentin Isabella II. gerufen, dessen Kinder er in der Theologie erzieht und auch für Isabella selbst bald zu einer Vaterfigur wird. Die Dienste am Hof füllen weder die Zeit noch den apostolischen Geist Clarets aus. Darum weitet er seine Aktivität auf die Stadt aus. Er predigt und hört Beichte, schreibt Bücher, besucht Gefängnisse und Krankenhäuser.

Infolge der Septemberrevolution von 1868 geht er mit der Königin ins Exil. Zur Feier des goldenen Priesterjubiläums von Papst Pius IX begibt er sich nach Rom und nimmt an der Vorbereitung des Ersten Vatikanischen Konzils teil. Nach dem Ende der Sitzungen ist Claret gesundheitlich so stark angeschlagen, dass er sich in die Gemeinschaft, die seine Missionare in Prades (Südfrankreich) hatten, zurückzieht. Selbst dort erreichen ihn seine Verfolger, die ihn gefangennehmen und nach Spanien bringen wollen, um ihn dort vor Gericht zu stellen und abzuurteilen. Claret muss wie ein Straftäter fliehen und sucht im Zisterzienserkloster Fontfroide Zuflucht, wo er, umgeben von der Zuneigung der Mönche und einiger seiner Missionare am 24. Oktober 1870 im Alter von 63 Jahren stirbt. - Am 25. Februar 1934 wurde er von Papst Pius XI. seliggesprochen. Pius XII. sprach ihn am 7. Mai 1950 heilig.

Silke Porath gelingt es, die „Lebensgeschichte“ Clarets mit einer flüssigen, intensiven und sehr bilderreichen Sprache umzusetzen und zu einem angenehm zu lesenden Gesamtwerk zusammenzufügen. – Allerdings ist ihr Sprachstil aber vielleicht manchmal doch etwas „zu bilderreich“, was besonders bei den Visionen, beispielsweise bei der Marienerscheinung nach dem Attentat an Clarets Krankenbett auffällt:

»Ich schlafe nicht«, will Claret sagen, doch der dicke Verband legt sich kühl auf sein Gesicht. »Ich fürchte mich«, denkt er und sieht hinter seinen geschlossenen Augen das lächelnde Gesicht seiner Schwester. Langsam schwebt die Mädchengestalt höher und höher, erhebt sich in die Luft. Nebel umgibt die Gestalt, Rosa verblasst, ihre warme Stimme wird leiser, verstummt und aus dem Nebel formt sich das lächelnde Antlitz der Heiligen Jungfrau.
»Fürchte dich nicht, Antonio Claret«, lächelt Maria den Kranken an. »Fühlst du denn nicht mehr das Feuer der Gnade, das Glück, dass dein Blut im Namen meines Sohnes vergossen wird?«
Die Erscheinung hebt die Hand, als wolle sie den schlafenden Claret streicheln. Heiß und wohlig durch­strömt eine Welle aus Liebe und Glück den Körper des Erzbischofs, wärmt seinen Magen, sein Herz und legt sich wie ein Schleier auf die pochende klaffende Wunde in seinem Gesicht. Sanft scheint die Heilige Jungfrau ihre Hand auf die Wange des Priesters zu legen. Wie tausend Stiche fährt die Berührung Claret ins Gesicht, er kann sich selbst sehen, wie er wund und schwach im Bett liegt, er sieht den weißen Kieferknochen, der durch das Fleisch seiner Wange schimmert, den Riss, der quer über sein Gesicht geht.
»Vertraue mir«, flüstert die Jungfrau. Dann wabert der Nebel hoch, sanft streicht die Erscheinung über den aufgeschnittenen rechten Arm des Bischofs, seine Hand zuckt, will nach der Gestalt greifen. Doch der Nebel wird dichter und es bleibt nur noch ein Gedanke für Antonio Claret — der Glaube an die Hilfe und Gnade der himmlischen Mutter. (S. 300)

Solche Textpassagen bleiben natürlich „Geschmackssache“. - Aber vielleicht fehlt es dem Rezensenten hier aber auch einfach etwas an Fantasie (und Erfahrung), weil er zu „verkopft“ denkt? - Biographische Romane sind für jeden Autoren eine schwierige Übung, gilt es doch möglichst genau bei den historischen Fakten zu bleiben und trotzdem noch Spannung zu erzeugen. Wenn dann die handelnden Personen dann auch noch fest im Glauben verwurzelt sind und dazu auch noch Visionen haben, erhöhen sich diese Probleme nochmals zusätzlich.

Letztendlich hat Silke Porath diese Probleme aber sehr gut zu bewältigen gewusst. „Gottes Weber“ bringt uns den hl. Antonio Claret als einen Menschen und eine faszinierende Persönlichkeit nahe, der seinem Glauben und seiner Berufung - trotz der vielfältigen Versuchungen und versuchten Einflussnahmen - treu bleibt und darin die Erfüllung seines Lebens findet. Darüber hinaus erfährt man, dank hervorragender Hintergrundrecherchen, viel über die Zeit und die Lebensumstände der Menschen im Umkreis des Heiligen: Ein sehr detailreicher, spannender und beeindruckender Historienroman, den man auch den jungen Menschen nicht vorenthalten sollte, die es heute noch wagen, einen Roman mit über 400 Seiten in die Hand zu nehmen.

P. Siegfried Wewers OSB

(Rezension für die ORDENSKORRESPONDENZ)




Donnerstag, 11. Mai 2006

Auch die Seele kennt Tag und Nacht


Martini, Carlo M.:
Auch die Seele kennt Tag und Nacht : Reflexionen für Zeiten innerer Prüfung / Carlo Maria Martini. [Aus dem Ital. von Wolfgang Bader] - München : Verl. Neue Stadt, 2005. - 78 S. - ISBN 3-87996-636-2

Carlo M. Kardinal Martini, einer der am meisten gelesenen geistlichen Autoren unserer Zeit, gibt dem Leser mit diesen Reflexionen „Auch die Seele kennt die Nacht“ eine nützliche Hilfe, die Zeiten innerer Prüfung zu deuten und zu bestehen. Dabei geht es dem langjährigen Erzbischof von Mailand darum, den Wechsel von hellen Tagen und von Zeiten der Finsternis in unserem Inneren, die Grunderfahrung eines wohl jeden Menschen, im Licht des Glaubens zu begreifen und anzunehmen: „Wir schauen auf die inneren Tiefen und Windungen des menschlichen Herzens. Wir versuchen zu unterscheiden, was Gott tut und was eine Auswirkung des Bösen ist“ (S. 8). Der Autor weist selbst darauf hin, dass seine Überlegungen und Betrachtungen in großer Nähe zu Regeln aus dem Exerzitienbüchlein des hl. Ignatius von Loyola stehen, die auch unter dem Begriff „Unterscheidung der Geister“ bekannt wurden: „Darin verbirgt sich ein großer Schatz von psychologischen Intuitionen“ (S. 9).

Im ersten Kapitel betrachtet Martini die „Nacht der Sinne“, Gefühle und Empfindungen die nicht unseren Werten und Überzeugungen entsprechen. Es sind dies die Zeiten der inneren Trostlosigkeit: „Dunkelheit der Seele, Verwirrung in ihr, Regung zu niederen und irdischen Dingen, Unruhe von verschiedenen Bewegungen und Versuchungen (Nervosität, Anspannung und negative Besetztheiten), Momente in denen die Seele träge, lau, traurig, ohne Liebe und Hoffnung ist.“ Nach einem Blick auf das Leben der Mutter Jesu, als vorbildhaftes Beispiel einer Begegnung und Überwindung der „Nacht des Herzens“, gibt Martini drei ganz konkrete Anregungen und Hilfen, um diese Zeiten der „dunklen Nächte“ und Trostlosigkeit auch zu überwinden: 1. Sich nicht wundern! – 2. Keine Entscheidungen fällen! – 3. Weiter beten!

Gerade in diesen kurzen, prägnanten und praktischen Hilfestellungen für die Zeiten der inneren Trockenheit im alltäglichen Leben liegt m.E. der ganz besondere Wert und praktische Nutzen dieses Büchleins. Abgeschlossen wird das Kapitel, wie auch alle folgenden, durch Denkanstösse und „Anregungen zum Nachdenken“ die jeweils danach fragen, was die Erfahrungen, die Maria und andere Personen gemacht haben, für uns heute bedeuten könnten.

Und auch im zweiten Kapitel „über die Nacht des Glaubens“ kommt Martini, wenn er den amerikanischen Geistlichen T. Green zitiert, gleich auf die praktische Ursache dieser „Glaubensnacht“ zu sprechen. „Wir gehen zu einem Gebetskreis, in eine Kirche, wir nehmen teil an einer liturgischen Feier, und wir erwarten, dass wir in uns etwas spüren. Spüren wir nichts, gewinnen wir den Eindruck, wir wären innerlich erkaltet. Das heißt, wir setzten das Beten gleich mit ,etwas spüren’ ... Viele von uns sind gewohnt, sofort das Ergebnis von dem zu sehen, wofür sie sich einsetzen. Und daran finden sie Gefallen. Daher blockiert es unseren Glaubensweg, wenn das Gebet nicht reich an guten Gedanken, an innerem Schwung, an tiefem Licht ist. Doch die Zeiten, in denen wir nichts spüren, sind nicht unfruchtbar, denn so wird das Gebet weniger ichbezogen und mehr ausgerichtet auf Gott. Wir lernen, wie Teresa von Avila es formulierte, den Gott des Trostes zu suchen und nicht die Tröstungen Gottes“ (S. 26). Hier fehlt es durchaus nicht an geistlicher und auch kirchlich-liturgischer Selbstkritik!

Die „Nacht des Glaubens“ sieht Martini aber auch in der Gottferne der heutigen Gesellschaft liegen, in der er am Ende dieses Kapitels zu sprechen kommt. Dennoch sieht er diese auch als eine Chance: „Sehe ich sie misstrauisch, pessimistisch oder als Ort, wo mein eigener Glaube geprüft wir und ich mit Jesus die Last dieser Welt tragen kann?“ (S. 38).

Nach der Betrachtung der „dunklen Zeiten des Herzens“ wendet sich Kardinal Martini in den nächsten drei Kapiteln dem Licht zu, „das nach der Finsternis“ aufstrahlt. Dabei unterscheidet er den „Trost des Geistes“, der sich im Nachsinnen über die Heilige Schrift und des göttlichen Heilsplans erkennen lässt und den Verstand erleuchtet, vom „Trost des Herzens“, der unser Gefühlsleben und unsere innere Befindlichkeit berührt und lenkt (S. 54). Der „Trost des Lebens“ schließlich ist in der Lage „im Tag die Nacht zu erkennen und in der Nacht das Licht zu sehen“ (S. 70). Den „Trost des Lebens“ erleben wir, „wenn uns in den dunklen Augenblicken eine Kraft begleitet, von der wir meinten, wir besäßen sie gar nicht. Wir fühlen uns von Gott und von den Menschen im Stich gelassen, doch in der Rückschau erkennen wir, dass der Herr uns begleitet hat auf unserem Weg ... Wenn wir auf unserem Weg und die Zeiten der Prüfungen zurückschauen, erfüllt uns manchmal Dankbarkeit, dass Gott gewirkt hat, dass er ‚wachsam’ war in jenen schwierigen Momenten ... Wenn wir in das Verborgene unseres Lebens schauen, begegnen wir dem Vater, hören wir seine Stimme. Und wir erkennen, dass ein solch schöner Weg die Mühe des Durchhaltens lohnt“ (S. 76ff).

In diesen letzten drei Kapiteln lenkt Martini einfühlsam den Blick auf die Sterne in der Nacht der Seele. Und auch hier findet man immer wieder präzise und klare Anregungen wie beispielsweise: „ - Zeiten und Räume des Schweigens suchen: Zu viel Lärm, zu viel Chaos, zu viele Worte können die Gabe [des Trostes des Geistes] ersticken ... Wir sollten alles fernhalten, was dieser Gabe entgegensteht. Dazu gehört zum Beispiel eine übermäßige Sorge um das Leben“ (S. 50). So findet man zahlreiche Orientierungshilfen beim Aushalten der Dunkelheit und Nacht-Situation, besonders auch in den konkreten Anregungen und den betrachtenden Gebeten, in denen die einzelnen Kapitel münden.

Martinis Buch ist ein wertvoller und sehr empfehlenswerter Wegweiser durch seelische Nacht- und Durststrecken, um durch sie im Glauben zu reifen.

P. Siegfried Wewers OSB

(Rezension für die ORDENSKORRESPONDENZ)

Sonntag, 7. Mai 2006

Schenke uns heilige Diener deines Altars

Gebet von Papst Benedikt XVI.
für geistliche Berufungen zum Priesteramt und für das gottgeweihte Leben anlässlich des Weltgebetstages für geistliche Berufungen am 7. Mai 2006

O Vater, lass unter den Christen viele
und heilige Berufungen zum Priestertum entstehen,
die den Glauben lebendig halten
und die dankbare Erinnerung an deinen Sohn Jesus bewahren,
durch die Verkündigung seines Wortes
und die Verwaltung der Sakramente,
durch die du deine Gläubigen ständig erneuerst.

Schenke uns heilige Diener deines Altars,
die aufmerksame und eifrige Hüter der Eucharistie sind,
des Sakraments der äußersten Hingabe Christi
für die Erlösung der Welt.

Rufe Diener deiner Barmherzigkeit,
die durch das Sakrament der Versöhnung
die Freude deiner Vergebung verbreiten.

O Vater, lass die Kirche mit Freuden
die zahlreichen Inspirationen des Geistes deines Sohnes aufnehmen
und lass sie - deiner Lehre fügsam -
Sorge tragen für die Berufungen zum priesterlichen Dienst
und zum geweihten Leben.

Unterstütze die Bischöfe, die Priester, die Diakone,
die Menschen des geweihten Lebens und alle in Christus Getauften,
damit sie treu ihre Sendung erfüllen
im Dienst des Evangeliums.

Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. Amen.

Montag, 1. Mai 2006

SCHATTEN IM KLOSTER

SCHATTEN IM KLOSTER
oder: Der Schatten vor meiner Tür

Wenn ich am späten Abend von meinem Bibliotheks-Büro zu meiner Cella gehe, komme ich - wenn das Licht stimmt - immer an diesem fantastischen Schatten direkt vor meiner Tür vorbei:

Einfach Beindruckend! - Das gibt es wohl nur im Kloster?

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Nach christlicher Auffassung stürzte Michael den Drachen (Satan) aus dem Himmel (Offenbarung des Johannes 12,7-9) und wurde nach dieser Tat zum Erzengel erhoben. In der katholischen Kirche wird er mit einem flammenden Schwert dargestellt. Er ist der einzige Engel, den die Bibel als Erzengel bezeichnet. Nach christlicher Auffassung ist seine Farbe rot in allen Schattierungen. Er erschafft Feuer und Wärme und gibt dem Blut seine Qualität. Nach katholischer Auffassung befindet er sich im Osten vor Gottes Thron.

(http://www.fotolog.com/spiritus_sanctus/14597395)

Sonntag, 26. März 2006

IM SUPERMARKT DER HEILSANGEBOTE?


Liebe Mitbrüder, liebe Mitfeiernde!

Vor einiger Zeit wurde ich nach Ulm eingeladen, zum Katholikentag. Dort sollte ich ein kurzes Interview geben. Thema: Kirche und Internet. – Da ich selbst kein Auto mehr fahre wurde ich abgeholt, und als Beifahrer hat man ja so die Zeit, die Verkehrsschilder noch genauer als der Fahrer selbst zu betrachten. - Und während wir so durch Ulm fuhren, da fiel mir eines besonders auf: Ulm ist anscheinend die Stadt der „Seniorenresidenzen“. Ein Schild nach dem anderen: Seniorenresidenz "BONA VITA", Seniorenresidenz "Friedrichsau", Seniorenresidenz "Curanum" u.s.w. –

Und dann denkt man sich so: Aber früher hieß das doch irgendwie anders?! : "Altenheim". - Altenheim stand doch früher immer auf den Schildern. – Und jetzt also Seniorenresidenz: Jetzt "residieren" sie also, die Senioren.

Ja, die Namen ändern sich: Die Müllhalde heißt jetzt „Entsorgungspark“, aus „dick“ ist „vollschlank“ geworden. Schulden werden nicht mehr gemacht, sondern es wird „fremd finanziert“. Auch für das Wort „Macht“ hat man ein schöneres, neues gefunden: „Verantwortung“. - Die Besatzungsmächte nennen sich heute „Friedenstruppen“. Aus der Krankenkasse ist die „Gesundheitskasse“ geworden. - Mitarbeiter werden nicht mehr gekündigt sondern „frei gestellt“. – Einsamer und trauriger Höhepunkt dieser Entwicklung: Der Begriff „Schwangerschaftsabbruch“. Hinter diesem recht harmlos klingenden Wort steckt leider etwas ganz anderes: Da wird nicht nur eine Schwangerschaft einfach abgebrochen.

Ja, die Namen haben sich geändert. –
Aber es geht eigentlich immer um das Gleiche: Man möchte Unangenehmes mit angenehmen Worten sagen. Schlechte Nachrichten werden hübsch verpackt: Das Schönreden ist eine der Krankheiten in der heutigen Gesellschaft. Vieles wird nicht mehr beim Namen genannt, es wird schön verpackt. - Auf die Verpackung kommt es an!

Ganz im Gegensatz zu jeder „Schönrederei“ steht das heutige Johannes-Evangelium. Hier wird Klartext gesprochen: Jesus Christus ist der von Gott gesandte Retter: „Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet". – Wer nicht an die Person des Gottessohnes glaubt, ist dem Gericht verfallen. Wem das mit dem „Gericht“ zu hart klingt, der sollte eines bedenken: Es geht hier um Menschen, die - wider besseres Wissen und Gewissen - nicht an den Gottessohn glauben. Für sie wird ihr eigener Unglaube zum Gericht, und dieses Gericht bereiten sie sich ganz persönlich selbst. Dies wird hier deutlich als Warnung ausgesprochen: Wer Christus und das Evangelium ablehnt, der schlägt sich selbst die Tür zu. Von Gott her ist die Tür natürlich nie zugeschlagen, solange der Mensch lebt. Er kann jederzeit umkehren und sich neu dem Licht zuwenden.

Liebe Brüder und Schwestern,
Gott nimmt den Menschen und sein Handeln ernst! – Das ist Klartext! –
Das ist eine sehr wichtige und schöne - aber auch eine sehr „gefährliche“ Botschaft: Wer das Evangelium gehört hat, der kann entweder alles gewinnen - oder alles verlieren! - Klarer geht es nicht!

Kommen wir jetzt zu der entscheidenden Frage: Was muss ich tun, um zu den Gewinnern zu gehören? – Die Antwort finden wir im ersten Teil des spannenden Nachtgespräches mit dem Pharisäer Nikodemus. Dort eröffnet Jesus das Gespräch mit einer ungewöhnlichen Feststellung: Um in das Reich Gottes zu kommen ist es notwendig, „von neuem“ geboren zu werden. Und als Nikodemus das nicht zu verstehen scheint, wird Jesus noch deutlicher: “Amen, amen, ich sage dir: Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, kann er nicht in das Reich Gottes kommen“ (Joh 3, 5).

Es geht hier also um eine neue Geburt von oben: Eine Geburt aus „Wasser und Geist“, die nur Gott selbst herbeiführen kann. Und diese neue Geburt ist von allergrößter Bedeutung für jeden Menschen, um in das Reich Gottes zu gelangen, um das ewige Leben zu gewinnen.
In einer Zeit, wo mittlerweile auch das Sakrament der Taufe immer mehr in Frage gestellt und „kleingeredet“ wird, ist es sehr wichtig, auf die Heilsnotwendigkeit der Taufe immer wieder neu hinzuweisen: „Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, kann er nicht in das Reich Gottes kommen“.

„Die Kirche kennt kein anderes Mittel als die Taufe, um den Eintritt in die ewige Seligkeit sicherzustellen. (...) Gott hat das Heil an das Sakrament der Taufe gebunden ...“ (KKK 1257) – so eindeutig steht es deshalb auch im Weltkatechismus der Katholischen Kirche.

Gerade heute, im „Supermarkt der Heilsangebote“, dürfen wir keiner Mogelpackung oder Halbwahrheiten auf den Leim gehen: Zum Christsein gehört deshalb unbedingt auch die Taufe! – Früher wurde das eher überbetont, heute spricht man leider viel zu wenig darüber.
Und heute stellen wir leider auch fest, dass viele Getaufte ihren Glauben nicht mehr leben, dass sie regelrecht vom Glauben abgefallen sind. – Wie steht es um sie?

Es ist sehr interessant, was das 2. Vatikanische Konzil dazu sagt: „Nicht gerettet wird aber, wer, obwohl der Kirche eingegliedert, in der Liebe nicht verharrt – und im Schoße der Kirche zwar dem Leibe, - aber nicht dem Herzen nach verbleibt“ (LG 14). Mit anderen Worten: Der Taufschein ist noch nicht automatisch ein Garantieschein für den Himmel. – Die Wahrheit HABEN reicht nicht! Oder wie es im heutigen Evangelium so schön gesagt wurde: „Nur wer die Wahrheit TUT, kommt zum Licht.“

Wir werden aufgefordert an Christus zu glauben und diesen Glauben dann auch sichtbar werden zu lassen, in guten, lichtvollen Werken. Die Fastenzeit lädt uns ein, unseren Glauben und unsere Taten zu überprüfen. Wir haben die Gelegenheit, unsere eigenen unnötigen Verpackungen und Sünden abzulegen, damit unser Leben immer lichtvoller und wahrhaftiger wird. Und das möglichst ohne jede Schönfärberei, die ja heute oft so fantasievoll gepflegt wird. „Dann tust du die Wahrheit, wenn du nichts schönredest, dir nichts vormachst“, schreibt der hl. Augustinus.

Jesus hat sich nicht gescheut, dem kritisch eingestellten Nikodemus die Wahrheit von Taufe und Gericht klar zu erläutern. Auch wir sollten ab und zu diese Realität bedenken, die uns immer wieder neu herausfordert: Wer an Christus glaubt und die Wahrheit tut, kommt zum Licht. Nur dann können wir vorstoßen aus unserer oftmals religiösen Lauheit und Oberflächlichkeit, hin zu den Höhen des göttlichen Lichtes, hin zu Gott. Amen.

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Predigt für den 4. Sonntag der Fastenzeit (B) am 26. III. 2006 (Konventamt, St. Ottilien)
Evangeliumstext (Joh 3, 14-21)