Samstag, 14. April 2012
Etwas Nachhilfeunterricht : Pro multis!
Exzellenz!
Sehr geehrter, lieber Herr Erzbischof!
Bei Ihrem Besuch am 15. März 2012 haben Sie mich wissen lassen, dass bezüglich der Übersetzung der Worte „pro multis“ in den Kanongebeten der heiligen Messe nach wie vor keine Einigkeit unter den Bischöfen des deutschen Sprachraums besteht. Es droht anscheinend die Gefahr, dass bei der bald zu erwartenden Veröffentlichung der neuen Ausgabe des „Gotteslobs“ einige Teile des deutschen Sprachraums bei der Übersetzung „für alle“ bleiben wollen, auch wenn die Deutsche Bischofskonferenz sich einig wäre, „für viele“ zu schreiben, wie es vom Heiligen Stuhl gewünscht wird. Ich habe Ihnen versprochen, mich schriftlich zu dieser schwerwiegenden Frage zu äußern, um einer solchen Spaltung im innersten Raum unseres Betens zuvorzukommen. Den Brief, den ich hiermit durch Sie den Mitgliedern der Deutschen Bischofskonferenz schreibe, werde ich auch den übrigen Bischöfen des deutschen Sprachraums zusenden lassen.
Lassen Sie mich zunächst kurz ein Wort über die Entstehung des Problems sagen. In den 60er Jahren, als das Römische Missale unter der Verantwortung der Bischöfe in die deutsche Sprache zu übertragen war, bestand ein exegetischer Konsens darüber, dass das Wort „die vielen“, „viele“ in Jes 53,1l f. eine hebräische Ausdrucksform sei, um die Gesamtheit, „alle“ zu benennen.
Das Wort „viele“ in den Einsetzungsberichten von Matthäus und Markus sei demgemäß ein Semitismus und müsse mit „alle“ übersetzt werden. Dies bezog man auch auf den unmittelbar zu übersetzenden lateinischen Text, dessen „pro multis“ über die Evangelienberichte auf Jes 53 zurückverweise und daher mit „für alle“ zu übersetzen sei. Dieser exegetische Konsens ist inzwischen zerbröckelt; er besteht nicht mehr. In der deutschen Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift steht im Abendmahlsbericht: „Das ist mein Blut, das Blut des Bundes, das für viele vergossen wird“ (Mk 14, 24; vgl. Mt 26, 28). Damit wird etwas sehr Wichtiges sichtbar: Die Wiedergabe von „pro multis“ mit „für alle“ war keine reine Übersetzung, sondern eine Interpretation, die sehr wohl begründet war und bleibt, aber doch schon Auslegung und mehr als Übersetzung ist.
Diese Verschmelzung von Übersetzung und Auslegung gehört in gewisser Hinsicht zu den Prinzipien, die unmittelbar nach dem Konzil die Übersetzung der liturgischen Bücher in die modernen Sprachen leitete. Man war sich bewusst, wie weit die Bibel und die liturgischen Texte von der Sprach- und Denkwelt der heutigen Menschen entfernt sind, so dass sie auch übersetzt weithin den Teilnehmern des Gottesdienstes unverständlich bleiben mussten. Es war ein neues Unternehmen, dass die heiligen Texte in Übersetzungen offen vor den Teilnehmern am Gottesdienst dastanden und dabei doch in einer großen Entfernung von ihrer Welt bleiben würden, ja, jetzt erst recht in ihrer Entfernung sichtbar würden.
So fühlte man sich nicht nur berechtigt, sondern geradezu verpflichtet, in die Übersetzung schon Interpretation einzuschmelzen und damit den Weg zu den Menschen abzukürzen, deren Herz und Verstand ja von diesen Worten erreicht werden sollten.
Bis zu einem gewissen Grad bleibt das Prinzip einer inhaltlichen und nicht notwendig auch wörtlichen Übersetzung der Grundtexte weiterhin berechtigt. Da ich die liturgischen Gebete immer wieder in verschiedenen Sprachen beten muss, fällt mir auf, dass zwischen den verschiedenen Übersetzungen manchmal kaum eine Gemeinsamkeit zu finden ist und dass der zugrundeliegende gemeinsame Text oft nur noch von Weitem erkennbar bleibt.
Dabei sind dann Banalisierungen unterlaufen, die wirkliche Verluste bedeuten. So ist mir im Lauf der Jahre immer mehr auch persönlich deutlich geworden, dass das Prinzip der nicht wörtlichen, sondern strukturellen Entsprechung als Übersetzungsleitlinie seine Grenzen hat. Solchen Einsichten folgend hat die von der Gottesdienst-Kongregation am 28.03.2001 erlassene Übersetzer-Instruktion Liturgiam authenticam wieder das Prinzip der wörtlichen Entsprechung in den Vordergrund gerückt, ohne natürlich einen einseitigen Verbalismus vorzuschreiben.
Die wichtige Einsicht, die dieser Instruktion zugrunde liegt, besteht in der eingangs schon ausgesprochenen Unterscheidung von Übersetzung und Auslegung. Sie ist sowohl dem Wort der Schrift wie den liturgischen Texten gegenüber notwendig. Einerseits muss das heilige Wort möglichst als es selbst erscheinen, auch mit seiner Fremdheit und den Fragen, die es in sich trägt; andererseits ist der Kirche der Auftrag der Auslegung gegeben, damit – in den Grenzen unseres jeweiligen Verstehens – die Botschaft zu uns kommt, die der Herr uns zugedacht hat. Auch die einfühlsamste Übersetzung kann die Auslegung nicht ersetzen: Es gehört zur Struktur der Offenbarung, dass das Gotteswort in der Auslegungsgemeinschaft der Kirche gelesen wird, dass Treue und Vergegenwärtigung sich miteinander verbinden. Das Wort muss als es selbst, in seiner eigenen vielleicht uns fremden Gestalt da sein; die Auslegung muss an der Treue zum Wort selbst gemessen werden, aber zugleich es dem heutigen Hörer zugänglich machen.
In diesem Zusammenhang ist vom Heiligen Stuhl entschieden worden, dass bei der neuen Übersetzung des Missale das Wort „pro multis“ als solches übersetzt und nicht zugleich schon ausgelegt werden müsse. An die Stelle der interpretativen Auslegung „für alle“ muss die einfache Übertragung „für viele“ treten. Ich darf dabei darauf hinweisen, dass sowohl bei Matthäus wie bei Markus kein Artikel steht, also nicht „für die vielen“, sondern „für viele“. Wenn diese Entscheidung von der grundsätzlichen Zuordnung von Übersetzung und Auslegung her, wie ich hoffe, durchaus verständlich ist, so bin ich mir doch bewusst, dass sie eine ungeheure Herausforderung an alle bedeutet, denen die Auslegung des Gotteswortes in der Kirche aufgetragen ist.
Denn für den normalen Besucher des Gottesdienstes erscheint dies fast unvermeidlich als Bruch mitten im Zentrum des Heiligen. Sie werden fragen: Ist nun Christus nicht für alle gestorben? Hat die Kirche ihre Lehre verändert? Kann und darf sie das? Ist hier eine Reaktion am Werk, die das Erbe des Konzils zerstören will? Wir wissen alle durch die Erfahrung der letzten 50 Jahre, wie tief die Veränderung liturgischer Formen und Texte die Menschen in die Seele trifft; wie sehr muss da eine Veränderung des Textes an einem so zentralen Punkt die Menschen beunruhigen.
Weil es so ist, wurde damals, als gemäß der Differenz zwischen Übersetzung und Auslegung für die Übersetzung „viele“ entschieden wurde, zugleich festgelegt, dass dieser Übersetzung in den einzelnen Sprachräumen eine gründliche Katechese vorangehen müsse, in der die Bischöfe ihren Priestern wie durch sie ihren Gläubigen konkret verständlich machen müssten, worum es geht. Das Vorausgehen der Katechese ist die Grundbedingung für das Inkrafttreten der Neuübersetzung.
Soviel ich weiß, ist eine solche Katechese bisher im deutschen Sprachraum nicht erfolgt. Die Absicht meines Briefes ist es, Euch alle, liebe Mitbrüder, dringendst darum zu bitten, eine solche Katechese jetzt zu erarbeiten, um sie dann mit den Priestern zu besprechen und zugleich den Gläubigen zugänglich zu machen.
In einer solchen KATECHESE muss wohl zuerst ganz kurz geklärt werden, warum man bei der Übersetzung des Missale nach dem Konzil das Wort „viele“ mit „alle“ wiedergegeben hat: um in dem von Jesus gewollten Sinn die Universalität des von ihm kommenden Heils unmissverständlich auszudrücken. Dann ergibt sich freilich sofort die Frage: Wenn Jesus für alle gestorben ist, warum hat er dann in den Abendmahlsworten „für viele“ gesagt? Und warum bleiben wir dann bei diesen Einsetzungsworten Jesu?
Hier muss zunächst noch eingefügt werden, dass Jesus nach Matthäus und Markus „für viele“, nach Lukas und Paulus aber „für euch“ gesagt hat. Damit ist scheinbar der Kreis noch enger gezogen. Aber gerade von da aus kann man auch auf die Lösung zugehen. Die Jünger wissen, dass die Sendung Jesu über sie und ihren Kreis hinausreicht; dass er gekommen war, die verstreuten Kinder Gottes aus aller Welt zu sammeln (Joh 11, 52). Das „für euch“ macht die Sendung Jesu aber ganz konkret für die Anwesenden.
Sie sind nicht irgendwelche anonyme Elemente einer riesigen Ganzheit, sondern jeder einzelne weiß, dass der Herr gerade für mich, für uns gestorben ist. „Für euch“ reicht in die Vergangenheit und in die Zukunft hinein, ich bin ganz persönlich gemeint; wir, die hier Versammelten, sind als solche von Jesus gekannt und geliebt. So ist dieses „für euch“ nicht eine Verengung, sondern eine Konkretisierung, die für jede Eucharistie feiernde Gemeinde gilt, sie konkret mit der Liebe Jesu verbindet. Der Römische Kanon hat in den Wandlungsworten die beiden biblischen Lesarten miteinander verbunden und sagt demgemäß: „Für euch und für viele“. Diese Formel ist dann bei der Liturgie-Reform für alle Hochgebete übernommen worden.
Aber nun noch einmal: Warum „für viele“? Ist der Herr denn nicht für alle gestorben? Dass Jesus Christus als menschgewordener Sohn Gottes der Mensch für alle Menschen, der neue Adam ist, gehört zu den grundlegenden Gewissheiten unseres Glaubens. Ich möchte dafür nur an drei Schrifttexte erinnern: Gott hat seinen Sohn „für alle hingegeben“, formuliert Paulus im Römer-Brief (Röm 8, 32). „Einer ist für alle gestorben“, sagt er im zweiten Korinther-Brief über den Tod Jesu (2 Kor 5, 14). Jesus hat sich „als Lösegeld hingegeben für alle“, heißt es im ersten Timotheus-Brief (1 Tim 2, 6).
Aber dann ist erst recht noch einmal zu fragen: Wenn dies so klar ist, warum steht dann im Eucharistischen Hochgebet „für viele“? Nun, die Kirche hat diese Formulierung aus den Einsetzungsberichten des Neuen Testaments übernommen. Sie sagt so aus Respekt vor dem Wort Jesu, um ihm auch bis ins Wort hinein treu zu bleiben. Die Ehrfurcht vor dem Wort Jesu selbst ist der Grund für die Formulierung des Hochgebets.
Aber dann fragen wir: Warum hat wohl Jesus selbst es so gesagt? Der eigentliche Grund besteht darin, dass Jesus sich damit als den Gottesknecht von Jes 53 zu erkennen gab, sich als die Gestalt auswies, auf die das Prophetenwort wartete. Ehrfurcht der Kirche vor dem Wort Jesu, Treue Jesu zum Wort der „Schrift“, diese doppelte Treue ist der konkrete Grund für die Formulierung „für viele“. In diese Kette ehrfürchtiger Treue reihen wir uns mit der wörtlichen Übersetzung der Schriftworte ein.
So wie wir vorhin gesehen haben, dass das „für euch“ der lukanisch-paulinischen Tradition nicht verengt, sondern konkretisiert, so können wir jetzt erkennen, dass die Dialektik „viele“- „alle“ ihre eigene Bedeutung hat. „Alle“ bewegt sich auf der ontologischen Ebene – das Sein und Wirken Jesu umfasst die ganze Menschheit, Vergangenheit und Gegenwart und Zukunft. Aber faktisch, geschichtlich in der konkreten Gemeinschaft derer, die Eucharistie feiern, kommt er nur zu „vielen“. So kann man eine dreifache Bedeutung der Zuordnung von „viele“ und „alle“ sehen.
Zunächst sollte es für uns, die wir an seinem Tische sitzen dürfen, Überraschung, Freude und Dankbarkeit bedeuten, dass er mich gerufen hat, dass ich bei ihm sein und ihn kennen darf. „Dank sei dem Herrn, der mich aus Gnad' in seine Kirch' berufen hat ...“. Dann ist dies aber zweitens auch Verantwortung. Wie der Herr die anderen – „alle“ – auf seine Weise erreicht, bleibt letztlich sein Geheimnis. Aber ohne Zweifel ist es eine Verantwortung, von ihm direkt an seinen Tisch gerufen zu sein, so dass ich hören darf: Für euch, für mich hat er gelitten.
Die vielen tragen Verantwortung für alle. Die Gemeinschaft der vielen muss Licht auf dem Leuchter, Stadt auf dem Berg, Sauerteig für alle sein. Dies ist eine Berufung, die jeden einzelnen ganz persönlich trifft. Die vielen, die wir sind, müssen in der Verantwortung für das Ganze im Bewusstsein ihrer Sendung stehen. Schließlich mag ein dritter Aspekt dazukommen. In der heutigen Gesellschaft haben wir das Gefühl, keineswegs „viele“ zu sein, sondern ganz wenige – ein kleiner Haufen, der immer weiter abnimmt. Aber nein – wir sind „viele“: „Danach sah ich: eine große Schar aus allen Nationen und Stämmen, Völkern und Sprachen; niemand konnte sie zählen“, heißt es in der Offenbarung des Johannes (Offb 7, 9). Wir sind viele und stehen für alle. So gehören die beiden Worte „viele“ und „alle“ zusammen und beziehen sich in Verantwortung und Verheißung aufeinander.
Exzellenz, liebe Mitbrüder im Bischofsamt! Mit alledem wollte ich die inhaltlichen Grundlinien der Katechese andeuten, mit der nun so bald wie möglich Priester und Laien auf die neue Übersetzung vorbereitet werden sollen. Ich hoffe, dass dies alles zugleich einer tieferen Mitfeier der heiligen Eucharistie dienen kann und sich so in die große Aufgabe einreiht, die mit dem „Jahr des Glaubens“ vor uns liegt.
Ich darf hoffen, dass die Katechese bald vorgelegt und so Teil der gottesdienstlichen Erneuerung wird, um die sich das Konzil von seiner ersten Sitzungsperiode an gemüht hat.
Mit österlichen Segensgrüßen verbleibe ich im Herrn Ihr
Benedictus PP XVI.
Mittwoch, 30. November 2011
Heiliger Siegfried von Schweden
15. FEBRUAR
S. Sigfrid (Siegfried), Bischof.
Das Fest des heil. SIGFRID, Bischofs und Apostels der skandinavischen Länder. — Sigfrid, von den isländischen Sagas Sigurd genannt,1 war Mönch von Glastonbury 2 und wurde zum Missionsbischof für Norwegen geweiht. Er wurde der bedeutendste Mitarbeiter des hl. Olaf Haraldson bei der Bekehrung Norwegens. Der apostolische Eifer des Königs wie seines Bischofs beschränkte sich aber nicht auf dieses Land allein. Von Olaf gesandt, ging Sigfrid auch nach Schweden zu König Olaf Erikson (Skötkonung), der in Sigtuna seine Hauptstadt hatte. Es gelang ihm eine Anzahl Männer für das Christentum zu gewinnen und vor allem den König selbst zu taufen — die Überlieferung nennt als Taufort die Quelle Husaby 3 —, aber die überwiegende Mehrzahl der Bauern am Mälarsee wollte von Thor und seinem Hochsitz zu Uppsala nicht lassen. Vor ihrer Gegnerschaft zog sich der König samt dem hl. Sigfrid in das südlicher gelegene Gotland zurück. Hier waren die Erfolge größer; zu Skara konnte der erste schwedische Bischofsitz errichtet werden, für welchen Erzbischof Unwan von Hamburg einen gewissen Thurgot weihte. Einzelnes über die Wirksamkeit des hl. Sigfrid in Gotland ist nicht bekannt. Allein Anschein nach hat er auch in Norwegen wieder gearbeitet und überhaupt eine Art Oberleitung der skandinavischen Mission innegehabt.4 Die letzten Jahre seines Lebens, vielleicht seit dem Heldentod des hl. Olaf Haraldson (1030), wirkte er in der südschwedischen Provinz Värend, wo man später zu Växjö sein Grab verehrte. Das Jahr seines Hinscheidens ist nicht bekannt;5 als Tag gibt das Totenbuch von Malmesbury den 5. April, die nordische Überlieferung dagegen den 15. Februar, an dem auch sein Fest gefeiert wurde.
ANMERKUNGEN:
1 Die Hauptfrage ist, ob der von Bremen als erster norwegischer Bischof genannte Johannes identisch ist mit dem als dritter Bischof bezeichneten Sigfrid. E. Bishop bejaht es mit guten Gründen, ebenso schon G. Dehio, Gesch. des Erzbist. Hamburg (1877), I 154f, dann Willson und Beckman (s. u.). Sicher wissen der Mönch Theodorich und die Sagas nur von einem Bischof Jön Sigurd; andererseits unterscheidet Adam von Bremen ausdrücklich zwischen Johannes, dem Bischof Olaf Tryggvassons, und den BB Sigfrid und Sigward, und sein Zeugnis ist das gewichtigste.2 Daß der Hl. Mönch in Glastonbury gewesen, ergibt sich aus dem Eintrag im Obituariuin: "Nonas Aprilis obiit Sigefridus Norwegensis Episcopus monaclius Glastoniae ; hic misit iv cappas, ii cum leonibus, et ii croceas" (Willi. Malmesb. Antiquitates Glaston. MGScript XV 325).
Das Sterbedatum der Sagas (15. II.) kann dem gegenüber keine ausschlaggebende Schwierigkeit bilden. Schmid (lc, 19f), der übrigens die Identität mit dem hl. S. nicht bestreiten will, hat Wilh. Malm. dahin m i ß verstanden, daß S. in Glastonbury begruben sei.3 Später s. Sigfridsquelle genannt, in der Reformation verschüttet. In der Kyrkohist. Arsskrift uitgefven af H. Lundström XVII (1916), 84/7 wird der vom hl. Bruno 1008 für die Suigi geweihte Bischof (episcopus noster) mit dein Bekehrer des Königs kombiniert (cf H. S. Voigt, Brun von Querfurt, 121f; 278f). Nils Höger, der bereits in Histor. Tidsskrift XXXIII (1913), 224/9 die gleiche Möglichkeit untersucht hatte, kommt zum Schluß, daß man nichts sagen kann. Wie über den taufenden Bischof hat man auch über den Taufort gestritten. Nat. Beckman weist in Kyrkohist. Arsskrift XI (1910), 214/9 nach, daß die zwei Traditionen, daß K. Olaf zu Husaby, und die andere, daß er in Birgitta källa getauft worden sei, ein und dasselbe besagen. Die besondere Verehrung der
irischen Heiligen Brigida an der Husaby- bezw. Sigfridsquelle betrachtet Beckman übrigens mit Recht als Beweismoment für die englische Herkunft des taufenden Bischofs. Schmid, 54/67 meint, daß durch die Tradition die Zugehörigkeit Husabys zum Dom-Stift Skara erklärt und gestärkt werden soll.4 Nach Anathon Aall, St. Sunniva og Biskop Sigurd (Hist.Tidsskrift de Kristiania 1897, 315ff) ist B. Sigfrid der Urheber der Legende der hl. Sunniva (BHL 7930, Potthast 1587), deren Kult er begründete und in den Dienst seiner Mission stellte (?). —
Der Mönch Theodorich wie die Sagas schreiben dem hl. Sigurd den Bau des Benediktinerklosters auf Nidarholm zu; nach Matthaeus Paris, wäre das Kloster 1028 von König Knut gestiftet (vgl. C. A. Lange, De norske Klostres Historie i Micldelalderen, Christiania 21856, 199/201).5 Zum letztenmal ist S. bezeugt 1029, als er am Begräbnis des Skara-Bischofs Thurgot in Hamburg teilnahm.
QUELLEN:
a) Die einzige, zeitgenössische Quelle für die nordische Mission wäre Adam von Bremen, aber er hat nur Blick für die Bremer Jurisdiktionsansprüche. Auch schwächt er seine Berichte nicht selten durch „dicitur" etc ab. Von Sigfrid spricht er Gesta Pont. Hammaburg. II cc 55, 62; III c 14; IV c 33 (MGScript VII 326ff; ed Schmeidler, 117ff; 124f; 155; 264).b) Theodorich, Mönch von Nidarholm, verwertet in seiner Historia de antiquitate regum Norwagiensium (vollendet 1177/80) neben Adam von Bremen auch die isländischen Sagas, die bereits die von Adam unterschiedenen Bischöfe Sigfrid und Sigward (von Trondhjem) in einen verschmelzen und mit Olaf Tryggvasson verbinden. Die Edd von Theodorich s. Potthast II 1055.
c) Über die Olaf Tryggvassons Sagas der isländischen Benediktiner Oddr (um 1190) und Gunnlaugr (+ 1218/9) und die spätere Ausgestaltung der Sigfridlegende auf Island überhaupt vgl. Schmid, 23/53.
d) Gesta s. Sigfridi (BHL 7716), nach Angabe der Värend-Bischofslegende 1205/6 vf., offenbar in Växjö; ed Fant, Script. rer. Suec. II 344/64 (mit alter schwedischer Bearbeitung) ; eine bessere Ausgabe bereitet T. Schmid vor. Nach diesem Autor (lc, 53ff ; 89/98) liegt dieser Schrift u. a. auch eine nicht mehr erhaltene Aufzeichnung über die Bekehrungsgeschichte Schwedens zugrunde, die um Mitte des 12. Jhs in Uppland vf. sein muß.
e) Zur späteren Entwicklung der Legende in den einzelnen schwed. Hochstiften und dänischen Chroniken vgl. Schmid, 99ff. — Die Vita s. Sigfridi (BHL 7707), ed Fant lc, 365/70 ist eine kürzere Bearbeitung der Gesta (Historia) s. Sigfridi. — Lektionen aus dem Brevier von Skara (BHL 7708) ed Fant, 371f.
LITERATUR:
ActaSSBoll Febr II 847/51 — A. D. Joergensen, Den nordiske kirkes grundlaeggelse og foerste udvilking (Koebnhavn 1878), bes. Anhang, 52/5; 97f. — Edrn. Bishop, Dublin Review XCVI (1885), 142/8 — Abs. Taranger, Den angelsaksiske kirkes indflydelse paa dennorske (Kristiania 1890), 143/80 — H. Hildebrand, St. Sigfrid och hans mission (Historisk Tidsskrift XI [Stockholm 1891], 73/88); zeigt in manchen Punkten eine merkwürdige Unkenntnis — Thom. B. Willson, History of the church and state in Norway (Westminster 1903), 42ff — Toni Schmid, Den helige Sigfrid (Lund 1931); grundlegende Untersuchung, wenn auch m. E. gegen die ältere Überlieferung etwas zu kritisch; pp 129/40 Besprechung der übrigen nord. und deutschen Literatur.
KULT:
Beste Darstellung der Entwicklung des Kults bei Schmid lc, 68/ 121. In den nordischen Quellen wurde S. von Anfang an als heilig oder selig bezeichnet. Sein Fest ist zum erstenmal 1292 in Strengnäs urkundl. bezeugt; im 14. bzw. 15. Jh in allen schwedischen (cf G. Lindberg, Die schwedischen Missalien des MA I, Berlin 1924, Sllf) und norwegischen DD. In Schweden war S. neben dem hl. Olaf der große Landespatron. In Dänemark war Roskilde ein Mittelpunkt seines Kults, außerhalb Skandinaviens wurde er nur in Birgittinnenklöstern verehrt. Jetzt Fest noch in Schweden 15. II. (Proprium Patronorum Poloniae et Sueciae, Mecheln 1850, hat ein Off. pr. am 24. II.). Über sein Andenken in den Mrll s ActaSSBoll lc. — Über dem Grab in Växjö (Schmid läßt es dahingestellt, ob es wirklich sein Grab war) errichtete man einen Altar, die Rel. daselbst wurden von den Neuerern des 16. Jhs als „Monument des Aberglaubens" zerstört (cf Bishop lc, 148). Rel. außerhalb Växjö werden erst zu Ausgang des MA mehrfach erwähnt (Schmid, 121).
Montag, 5. April 2010
Regina caeli laetare
Regina, caeli, laetare, alleluia:
Quia quem meruisti portare, alleluia,
Resurrexit sicut dixit, alleluia.
Ora pro nobis Deum, alleluia.
Donnerstag, 25. März 2010
"Wolfgang, du bist mal wieder dein bester Gast!"

VON CHRISTOPH SCHLINGENSIEF
Wie man in Bayreuth an den Schnittchen ablesen konnte, ob man sich gerade im Gnadenstand befand
Das letzte Mal sah ich Wolfgang Wagner bei der Trauerfeier von Gudrun Wagner. Das war sehr traurig und sehr anrührend wie er da saß...
Das letzte Mal gesehen und auch gesprochen habe ich ihn im letzten Jahr von Parsifal kurz vor Eröffnung der Festspiele 2007. Es gab da damals diesen kleinen Konferenzsaal, in dem die Königsfamilie Wagner in den Pausen gerne einige Auserwählte zu einem kleinen Plausch einlud. Und in diesem Raum fanden auch die Sitzungen für neue, aber auch laufende Produktionen statt. Da müssen also alle mal gesessen haben. Jedenfalls in den letzten 20 Jahren.
Zu Beginn der Besprechungen zum Parsifal bekamen wir großartige Schnittchen mit Lachs, Leberwurst vom feinsten, hervorragende Fleischwaren, Getränke rund um den Globus und sogar zum Kaffee noch hervorragende Pralinen oder Kuchenstücke, die ihres gleichen suchten. Im Verlaufe der Produktion stürzten wir aber ab und saßen bereits im zweiten Jahr nur noch mit einer von jenen Keksdosen am Konferenztisch, die man normalerweise von schlecht sehenden Großtanten kennt. Irgendwelche zerbrochenen, ausgetrockneten Plätzchen mit leicht grauer Schokoladenfüllung oder merkwürdigem Käsegeschmack. Diese Reduzierung aufs Mindeste hatte nicht nur mit der finanziellen Situation zu tun, die auch bewirkte, dass mir jedes Jahr schriftlich mitgeteilt wurde, dass nur1000 Euro für Kostüm- oder Bühnenänderungen zur Verfügung stünden, sondern vor allem mit der dadurch sinnfällig werdenden Tatsache, dass man in der Gunst von Gudrun extrem abgestürzt war.
Aber auch das war egal, weil es ja um die Arbeit ging und nicht um irgendwelche Schnittchen. Und genau diese Arbeit war, egal wie groß der Stress und die Gehässigkeiten, die Verachtung und der Widerwille an diesem Ort geschürt wurden, für mich die größte Freude, die man mir jemals bereitet hat. Das möchte ich an dieser Stelle ausdrücklich noch einmal wiederholen, weil es noch immer irgendwelche Hofschranzen gibt, die behaupten, ich wäre undankbar und wolle Bayreuth nur noch schlecht reden, weil sie damit ihre Chance wittern, irgendwann zum inneren Zirkel des großen Wagnerkuchens zu gehören, überhaupt nicht verstanden haben, bzw. eben immer nur Informationen aus zweiter Hand haben. Die Momente, über die so viele Gerüchte kursieren, einmal live erlebt zu haben, ist eine Belohnung, die ich nicht missen möchte.
Was war das für eine helle Freude, wenn Wolfgang Wagner selbst gegen den Willen seiner Frau mit mir Kontakt aufnahm, um dann ganz großartige Geschichten über die Wollunterhose von Winnie zu berichten oder über Furtwängler, der fast vom Mähdrescher auf der Judenwiese bei dem Versuch, ein weiteres Blumenmädchen zu verführen, überrollt worden wäre. Da lachte Wolfgang, da blitzten seine Augen. Oder wenn er erzählte, wie er es schaffte Gelder vom Marshallplan so umzuleiten, dass sie in der Bayreuther Scheune landeten. Der Mann war ein Schlitzohr und das genoss er jede Stunde! Immer wieder tauchte er auf - nicht nur bei mir - und sagte: "Machen Sie doch was Sie wollen. Sie haben künstlerische Freiheit! Das interessiert mich nicht mehr!!" Ich weiß noch, wie er vor der ersten Probe im zweiten Jahr auf die Probebühne kam und schrie: "Was soll das? Ist jetzt schon schlechter als im letzten Jahr!" Da hörte man ihn in seinem tiefsten Inneren regelrecht grölen. Denn er liebte seine Kommentare, seine Geschichten, seine Auf- und Abtritte. Wenn er dann die große Bühne "endgültig" verließ und schrie, dass es auch der Letzte in der letzten Reihe hören konnte: "Machen Sie doch was Sie wollen. Das interessiert mich nicht mehr!", so saß er schon 2 Minuten später wieder auf seinem eigenen Inspizientenstuhl auf der linken Seite (vom Zuschauerraum aus gesehen) oder er marschierte gleich zu Gudrun, die in ihrem Zimmer sämtliche Überwachungskameras oder Abhörmikrophone bedienen konnte.
Es war wirklich viel los in diesem kleinen Königshaus, was nicht mit Geld zu bezahlen ist. Und wenn ich dann lese, ich würde die Hand meines Arbeitgebers schlagen oder so was... dann lache ich noch lauter als Wolfgang, denn zum einen lebe und arbeite ich mittlerweile woanders und zum anderen war die Zeit mit Wolfgang so ziemlich das Tollste, was ich überhaupt je auf einer Bühne erlebt habe. Alleine in den ersten zwei Jahren Pierre Boulez erleben und von ihm lernen zu dürfen, dann zu sehen was passiert, wenn der neue Parsifalsänger plötzlich anfängt zu leben, ein wirklicher Mensch zu sein, oder im dritten Jahr zu lernen, wie einige Sänger nicht mehr über eine Verlängerung informiert wurden, weil sie sich kritisch über das Haus geäußert hatten und deshalb plötzlich umbesetzt wurden... das waren Sternstunden der Musikausbildung! Und das Tollste war Wolfgang, der zwar im dritten Jahr stark vernachlässigt mit Löchern in der Hose durchs Haus stolperte bis sich dann Katharina für ihren Vater einsetzte und dafür sorgte, dass er nicht jeden zweiten Tag die Treppe runterfiel, wenn er immer wieder durch "sein Haus" und somit "sein Werk" schritt! Ja, so muss ich es sagen. Bei allen Alterserscheinungen fand er immer wieder Kraft in seiner Scheune, in seinen Probenräumen, den Konferenzen, den kleinen und großen Kriegen. Wolfgang war wirklich Bayreuth! Und über Gudrun muss ich ja nichts schreiben.
Aber Wolfgang hat mich sehr beeindruckt, und nach vier Jahren, als dann auch der eine Sänger nicht mehr mit am Tisch essen durfte und unser Parsifal mittlerweile mehr als positiv denn als negativ für die Entwicklung Bayreuths eingestuft wurde, (worüber nicht nur ich mich gefreut habe, sondern auch Wolfgang und Katharina), da war der Laden schon wieder ein bisschen weicher geworden. Da war es teilweise sogar richtig angenehm. Und da endet dann auch meine kleine Geschichte über die Parsifalzeit in Bayreuth.
Wir saßen wieder in diesem verwanzten Konferenzzimmer... und diesmal wurden wir mit Tramezzinis der allerbesten Art überschüttet. Wolfgang und ich saßen uns gegenüber. Gudrun links, mein Team rechts und links an meiner Seite. Und Wolfgang und ich haben vor lauter Glück, dass kein männlicher Intrigant mehr am Tisch saß, sondern plötzlich so ein kleiner Frieden eintrat, unzählige dieser Toastdinger in uns reingestopft. Es brach sozusagen ein großer gemeinsamer Hunger aus. Ein Hochgenuss sozusagen, bis Gudrun dann irgendwann sagte: "Wolfgang, du bist mal wieder dein bester Gast!", und da hörte Wolfgang Wagner auf zu essen, wischte sich den Mund ab, stand auf, deutete mir an, dass er mich vorne an der Türe sehen wollte,... ich folgte ihm und dort, bei geöffneter Türe wohlgemerkt, sagte er zu mir: "Gell, das war schon toll! Das war eine tolle Sache mit uns. Wir waren doch immer Freunde, nicht wahr?! ... und da habe ich "Ja, Herr Wagner" gemurmelt! und musste fast heulen. Wir haben uns sogar kurz in den Arm genommen. Kurz, aber herzlich, und ich bin dann wie benommen davongegangen.
Ob die anderen noch weiter gegessen haben, weiß ich nicht mehr... und ich rufe dem alten Herren zu: AUF WIEDERSEHEN! Das ist für alle Menschen die schönste Drohung, die man so aussprechen kann. Und in diesem Falle wäre es sogar eine sehr schöne Drohung, auch wenn die Hofschranzen daraus wieder etwas Böses lesen wollen... Ich mag Bayreuth und ich bin sehr gespannt, was daraus werden wird. Auch wenn die Zeichen momentan eher auf Keksdose stehen!
in: DIE WELT (23.3.2010)
Freitag, 12. März 2010
(M)ein Morgengebet

Höchster, lichtvoller Gott,
erleuchte die dunkle Nacht in meinem Herzen.
Gib mir
einen Glauben, der aufrichtet.
Eine Hoffnung, die Halt gibt.
Eine Liebe, die Maß nimmt an der Liebe Jesu Christi.
Gib mir Herr,
eine Erkenntnis, die weiterführt
und einen Sinn, der alles durchdringt.
Lass mich die Würde erfahren, die Du mir schenkst
Und den Auftrag tun, den Du mir zugedacht hast.
Ich brauche dich, Herr,
als meinen Lehrer,
tagtäglich brauche ich dich.
Führe du mich, du mildes Licht,
führe du mich den Weg.
Die Nacht ist dunkel, und ich bin fern der Heimat.
Führe du mich den Weg!
Leite du meinen Schritt.
Du hast bis jetzt mich geführt.
Du wirst mich sicher auch weiterhin führen:
durch Moor und Sumpf,
über Fluten und felsige Klippen
bis vorüber die Nacht
und die Engel mich am Morgen grüßen.
Ich habe sie immer geliebt.
Nur bisweilen vergessen ihr Licht.
Amen.
Sonntag, 24. Januar 2010
Benedikt XVI. : „Neue Epoche der Glaubensverkündigung“

Priester sollen auch in der digitalen Welt das Leben der Kirche bekannt machen. Dazu ruft Papst Benedikt XVI. die katholischen Geistlichen auf. Die modernen Kommunikationsmittel eröffnen eine „neue Epoche der Glaubensverkündigung“. Das schreibt der Papst in der Botschaft zum diesjährigen Mediensonntag. Der Text zum 44. Welttag der sozialen Kommunikationsmittel, wie der Mediensonntag offiziell heißt, wurde an diesem Samstag im Vatikan vorgestellt. Die neuen Medien böten „seelsorgerisch unbegrenzte Perspektiven“, schreibt der Papst. Die Verbreitung und der „beträchtliche Einfluss“ der neuen Kommunikationswege verpflichte die Kirche, diese Möglichkeiten engagierter zu nutzen. Priester müssten deshalb ihre Leitungsfunktion auch in den neuen Gemeinden der digitalen Welt ausüben. Sie werden aufgefordert, auch Blogs und Online-Videos zu Evangelisierung und Katechese zu nutzen. Praktische Medienkenntnis solle sich mit einer soliden theologischen Vorbereitung und Spiritualität verbinden, heißt es in der Botschaft.
„Der Priester und die Seelsorge in der digitalen Welt: die neuen Medien im Dienst des Wortes.“
16. Mai 2010
Liebe Brüder und Schwestern,
Das Thema des kommenden Welttags der Sozialen Kommunikationsmittel "Der Priester und die Seelsorge in der digitalen Welt - die neuen Medien im Dienst des Wortes" fügt sich gut in den Verlauf dieses Jahres der Priester ein und stellt die Reflexion über einen weiten und delikaten Bereich der Seelsorge wie den der Kommunikation und der digitalen Welt in den Vordergrund; hier bieten sich dem Priester neue Möglichkeiten, seinen Dienst für das Wort und des Wortes zu leisten. Die modernen Kommunikationsmittel sind schon seit geraumer Zeit Teil der üblichen Instrumente geworden, mittels derer die kirchlichen Gemeinschaften sich äußern, wenn sie in Kontakt mit ihrer Umgebung treten und sehr oft Formen eines weitreichenden Dialogs herstellen; aber ihre jüngste rasende umfassende Verbreitung sowie ihr beträchtlicher Einfluss machen ihren Gebrauch im priesterlichen Dienst immer wichtiger und nützlicher. Vorrangige Aufgabe des Priesters ist es, Christus zu verkündigen, das fleischgewordene Wort Gottes, und die vielgestaltige, heilbringende Gnade Gottes durch die Sakramente zu vermitteln. Von Christus, dem Wort, zusammengerufen, ist die Kirche Zeichen und Werkzeug der Gemeinschaft, die Gott mit dem Menschen schafft und die jeder Priester in Gott und mit ihm aufbauen soll.
Hierin besteht die so große Würde und Schönheit der priesterlichen Sendung, in der sich in bevorzugter Weise vollzieht, was der Apostel Paulus bekräftigt: "Denn die Schrift sagt: Wer an ihn glaubt, wird nicht zugrunde gehen. ... Denn jeder, der den Namen des Herrn anruft, wird gerettet werden. Wie sollen sie nun den anrufen, an den sie nicht glauben? Wie sollen sie an den glauben, von dem sie nichts gehört haben? Wie sollen sie hören, wenn niemand verkündigt? Wie aber soll jemand verkündigen, wenn er nicht gesandt ist?" (Röm 10,11.13-15).
Um angemessene Antworten auf diese Fragen innerhalb des - besonders in der Welt der jungen Menschen wahrgenommenen - großen kulturellen Wandels zu geben, sind die von den technologischen Errungenschaften eröffneten Kommunikationswege bereits unentbehrliche Instrumente. Die digitale Welt stellt Mittel zur Verfügung, die nahezu unbegrenzte Möglichkeiten der Kommunikation bieten, und eröffnet damit in der Tat bemerkenswerte Perspektiven der Aktualisierung in Bezug auf die Ermahnung des heiligen Paulus: "Weh mir, wenn ich das Evangelium nicht verkünde!" (1 Kor 9,16). Mit der Verbreitung dieser Mittel nimmt daher die Verantwortung für die Verkündigung nicht nur zu, sondern wird auch dringlicher und fordert einen stärker motivierten und wirksameren Einsatz. Diesbezüglich befindet sich der Priester in einer Lage wie am Beginn einer "neuen Epoche". Denn je mehr die modernen Technologien immer intensivere Verbindungen schaffen und die digitale Welt ihre Grenzen ausdehnt, desto mehr wird der Priester gefordert sein, sich seelsorgerisch damit zu befassen und das eigene Engagement zu steigern, um die Medien in den Dienst des Wortes zu stellen.
Die verbreitete Multimedialität und die vielfältigen "Menü-Optionen" eben dieser Kommunikation können jedoch die Gefahr mit sich bringen, dass der Gebrauch der Medien hauptsächlich von dem reinen Bedürfnis bestimmt wird, präsent zu sein, und das Web irrigerweise nur als einzunehmender Raum angesehen wird. Von den Priestern wird aber die Fähigkeit verlangt, in der digitalen Welt in beständiger Treue zur biblischen Botschaft präsent zu sein, um ihre Funktion als Leiter von Gemeinden auszuüben, die sich jetzt immer mehr in den vielen "Stimmen" der digitalen Welt ausdrücken, und um das Evangelium zu verkünden, indem sie neben den traditionellen Mitteln von den Möglichkeiten der neuen Generation audiovisueller Medien (Foto, Video, Blog, Website) Gebrauch machen, die bisher unbekannte Gelegenheiten zum Dialog sowie nützliche Hilfsmittel für die Evangelisierung und die Katechese darstellen.
Durch die modernen Kommunikationsmittel kann der Priester das Leben der Kirche bekannt machen und den Menschen von heute helfen, das Gesicht Christi zu entdecken. Dabei wird er den angemessenen und kompetenten Gebrauch dieser Instrumente, den er sich auch in der Zeit des Ausbildung angeeignet hat, mit einer soliden theologischen Vorbereitung und einer ausgeprägten priesterlichen Spiritualität verbinden, die sich aus dem fortwährenden Gespräch mit dem Herrn nährt. Mehr als die Hand des Medientechnikers muß der Priester bei dem Kontakt mit der digitalen Welt sein Herz als Mann Gottes durchscheinen lassen, um nicht nur dem eigenen seelsorgerischen Einsatz, sondern auch dem ununterbrochenen Kommunikationsstrom des Internet eine Seele zu geben.
Auch in der digitalen Welt soll bekannt werden, dass die Zuwendung Gottes zu uns in Christus nicht eine Sache der Vergangenheit ist und auch keine gelehrte Theorie, sondern eine ganz und gar konkrete und aktuelle Wirklichkeit. Die Seelsorge in der digitalen Welt muß in der Tat den Menschen unserer Zeit und der verirrten Menschheit von heute zeigen können, "dass Gott nahe ist; dass wir in Christus alle einander zugehören" (Benedikt XVI., Ansprache anlässlich des Weihnachtsempfangs für die Mitglieder der Römischen Kurie: L´Osservatore Romano, Wochenausgabe in deutscher Sprache, 8. Januar 2010, S. 4). Wer kann besser als ein Mann Gottes durch die eigene Kompetenz im Bereich der neuen digitalen Medien eine Seelsorge entwickeln und in die Praxis umsetzen, die Gott in der Wirklichkeit von heute lebendig und aktuell macht und die religiöse Weisheit der Vergangenheit als Reichtum darstellt, aus dem man schöpfen sollte, um das Heute würdig zu leben und die Zukunft angemessen zu gestalten? Wer als Gottgeweihter in den Medien arbeitet, hat die Aufgabe, den Weg für neue Begegnungen zu ebnen und zwar dadurch, dass er immer die Qualität des menschlichen Kontaktes und die Aufmerksamkeit gegenüber den Menschen und ihren wahren geistlichen Bedürfnissen sicherstellt, den Menschen in dieser unserer "digitalen" Zeit die Zeichen gibt, die notwendig sind, um den Herrn zu erkennen, und Gelegenheiten bietet, sich in der Aufmerksamkeit und in der Hoffnung zu schulen sowie sich dem Wort Gottes zu nähern, das heilt und die ganzheitliche Entwicklung des Menschen fördert. Dieses Wort wird sich so seinen Weg unter den unzähligen Schnittstellen im dichten Netz der "Highways", die den "Cyberspace" durchziehen, bahnen können und das Bürgerrecht Gottes zu jeder Zeit bekräftigen, damit Er durch die neuen Formen der Kommunikation auf den Straßen der Städte voranschreiten und an den Schwellen der Häuser und der Herzen Halt machen kann, um noch einmal zu sagen: "Ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wer meine Stimme hört und die Tür öffnet, bei dem werde ich eintreten und wir werden Mahl halten, ich mit ihm und er mit mir" (Offb 3,20).
In der Botschaft des Vorjahres habe ich die Verantwortlichen für die Kommunikationsprozesse ermutigt, eine Kultur des Respekts vor der Würde und dem Wert der menschlichen Person zu fördern. Dies ist einer der Wege, auf denen die Kirche die Funktion einer "Diakonie der Kultur" im "digitalen Kontinent" von heute ausüben soll. Mit dem Evangelium in den Händen und im Herzen ist darauf zu pochen, dass es an der Zeit ist, auch weiterhin Wege zu bereiten, die zum Wort Gottes hinführen, ohne es zu verabsäumen, besondere Aufmerksamkeit dem zu widmen, der auf der Suche ist - mehr noch, dafür Sorge zu tragen, diese Suche als einen ersten Schritt zur Evangelisierung wach zu halten. Eine Seelsorge in der digitalen Welt ist in der Tat aufgerufen, auch an diejenigen zu denken, die nicht glauben, die entmutigt sind und doch im Herzen Sehnsucht nach dem Absoluten haben und nach unvergänglichen Wahrheiten; denn die neuen Kommunikationsmittel machen es möglich, mit Gläubigen jeder Religion, mit Nicht-Gläubigen und Menschen jeder Kultur in Kontakt zu treten. Wie dem Propheten Jesaja sogar ein Haus des Gebetes für alle Völker vorschwebte (vgl. Jes 56,7), könnte man sich so vielleicht vorstellen, dass das Web - wie der "Vorhof der Heiden" im Jerusalemer Tempel - auch für diejenigen Raum schaffen kann, für die Gott noch ein Unbekannter ist? Die Entwicklung der neuen Technologien und - in ihrer Gesamtdimension - die ganze digitale Welt stellen für die Menschheit als Ganzes und für den Menschen in seinem persönlichen Leben eine große Möglichkeit dar sowie einen Anreiz für Begegnung und Dialog. Diese Instrumente sind aber ebenso eine große Gelegenheit für die Gläubigen. Denn keine Straße kann und darf für den verschlossen sein, der sich im Namen des auferstandenen Christus bemüht, dem Menschen immer mehr Nächster zu werden. Deshalb bieten die neuen Medien vor allem den Priestern immer neue und seelsorgerisch unbegrenzte Perspektiven, die sie anregen, die universale Dimension der Kirche für eine weite und konkrete Gemeinschaft zur Geltung zu bringen und in der heutigen Welt Zeugen des immer neuen Lebens zu sein, das aus dem Hören des Evangeliums Jesu entsteht, des Sohnes vor aller Zeit, der zu uns kam, um uns zu retten. Man darf aber nicht vergessen, dass die Fruchtbarkeit des priesterlichen Dienstes sich vor allem von Christus ableitet, von der Begegnung mit ihm und dem Hinhören auf ihn im Gebet; von Christus, der in der Predigt und mit dem Zeugnis des Lebens verkündet wird; von Christus, der in den Sakramenten - vornehmlich in denen der heiligen Eucharistie und der Versöhnung - erkannt, geliebt und gefeiert wird.
Euch, liebe Priester, lade ich erneut ein, mit Weisheit die außergewöhnlichen Gelegenheiten zu ergreifen, die sich durch die moderne Kommunikation bieten. Der Herr mache Euch zu leidenschaftlichen Verkündern der frohen Botschaft auch auf der neuen "Agora", die von den aktuellen Kommunikationsmitteln geschaffen wird. Mit diesem Wunsch erbitte ich euch den Schutz der Mutter Gottes sowie des heiligen Pfarrers von Ars und erteile euch allen von Herzen den Apostolischen Segen.
Aus dem Vatikan, am 24. Januar 2010, dem Gedenktag des heiligen Franz von Sales.
P.S. - Ja, das stimmt alles. Aber da würde ich erst selbst einmal mit www.vatican.va anfangen. Da gibt es viel (neues) zu tun. Hätte da einige gute Ideen. Ich helfe wirklich gerne ;)
Donnerstag, 14. Januar 2010
Folge dem Stern

Folge dem Stern
Folge dem Stern,
auch wenn dein Fuß noch strauchelt.
Folge dem Stern,
auch wenn dein Weg durch dunkle Schluchten führt.
Folge dem Stern,
auch wenn du gegen die Trägheit ankämpfen musst.
Folge dem Stern,
auch wenn du ihn manchmal aus den Augen verlierst.
Folge dem Stern,
auch wenn dir Widerstände schwer zusetzen.
Folge dem Stern,
auch wenn du dich fragst, wo liegt der Sinn.
Folge dem Stern,
auch wenn du nur mühsam und langsam vorankommst.
Folge dem Stern,
auch wenn andere Wege viel leichter erscheinen.
Folge dem Stern,
er führt dich zum Ziel, an dem das Christuskind auf dich wartet.
(Paul Weismantel)

Mittwoch, 6. Januar 2010
Ich folge dir gleichfalls mit freudigen Schritten
Mein Wunsch für 2010:
"Ich folge dir gleichfalls mit freudigen Schritten
und lasse dich nicht,
mein Leben mein Licht.
Befördre den Lauf
und höre nicht auf,
selbst an mir zu ziehen,
zu schieben, zu bitten."
Samstag, 19. Dezember 2009
Vorankündigung: "Früher war mehr Lametta" oder "Weihnachten im Kloster III"
Erst am 24. Dezember gibt es wieder einen neuen Beitrag in der Serie "Früher war mehr Lametta" oder "Weihnachten im Kloster". Dann wird hier erstmals geheim gefilmtes Videomaterial von der offiziellen Weihnachtsfeier der Mönche veröffentlicht. Quasi eine Weltpremiere. - Das äußerst seltene, "stimmungsvolle" Filmmaterial wurde mir übrigens aus China übermittelt.Dienstag, 15. Dezember 2009
Adventlicher Choral zum Mitsingen

Endlich haben Sie hier erstmals die Gelegenheit , Gregorianische Choräle zu üben, damit Sie dann bei den Liveübertragungen noch besser mitsingen können. Als erstes Übungsstück bietet sich der Introitus des ersten Adventsonntags "Ad te levavi" an.
Text (Übersetzung)
Zu dir erhebe ich meine Seele. Mein Gott, auf dich vertraue ich. Laß mich nicht scheitern, laß meine Feinde nicht triumphieren. Denn niemand, der auf dich hofft, wird zuschanden.
V. Zeige mir, Herr, deine Wege, lehre mich deine Pfade. Ant.
V. Führe mich in deiner Treue und lehre mich, denn du bist der Gott meines Heiles. Auf dich harre ich allezeit. Ant.
(Ps 25, 1-5)
Kommentar
Programmatisch stehen am Anfang des Introitus des ersten Adventsonntags und mit ihm am Anfang des gesamten liturgischen Jahres die Worte: »Ad te levavi animam meam« - »Zu dir erhebe ich meine Seele«. Der erlösungsbedürftige Mensch richtet seinen Blick auf Gott, den er in vertrauter Anrede »Deus meus« - »mein Gott« - nennen darf. Der nach oben gerichtete, nach Hilfe ausschauende Blick, die Geste der nach Gott sich ausstreckenden Hände finden in der Melodie, vorab in der melodisch weit ausgreifenden Intonation des Stückes, bildhaften Ausdruck. Eine mehrfache Wiederholung der Antiphon, im Anschluß an melodisch einfacher und formelhaft gehaltene Psalmverse, soll bewirken, daß der zentrale Gedanke des Introitus mehr und mehr in das Herz des Sängers bzw. Hörers einsickert.
Sonntag, 29. November 2009
"... die Sterne vom Himmel holen und ewige Lichter in der Welt anzünden"

“Ich bin erschüttert!“ – Manchmal sagen wir das. So hat uns beispielsweise der „11. September“ alle erschüttert . Und vorausgegangen ist dann jedes Mal ein Ereignis, das uns irgendwie ins Wanken gebracht hat, uns irgendwie verunsichert hat. Das kann aber auch die Enttäuschung über das schlechte Verhalten eines Mitmenschen sein oder aber auch der plötzliche und vielleicht auch qualvolle Tod eines Angehörigen oder Freundes. Was aber auch immer der Grund für eine Erschütterung sein mag, danach müssen wir unser Leben neu ordnen, müssen wir wieder neue Sicherheit gewinnen.
Ist so eine Erschütterung immer schlecht? Unangenehm ist sie allemal – aber zugleich auch schlecht? Manchmal kann sie sogar hilfreich sein. Erschütterungen zeigen uns, wo wir unser Leben auf Sand gebaut haben, auf Vorstellungen, die im letzten brüchig sind. Erschütterungen helfen uns, unser Leben zu hinterfragen, es neu auf einen wirklich tragenden Grund zu stellen und so tragen sie zum Gelingen des Lebens bei. Die Erschütterung eines brüchigen Fundaments für das Leben ist die Voraussetzung dafür, ein sicheres zu gewinnen.
Von einer gewaltigen Erschütterung ist in diesem Evangelium des ersten Adventssonntages die Rede. „Sonne und Mond werden nicht mehr scheinen. Die Menschen werden vor Angst vergehen in der Erwartung der Dinge, die über die Erde kommen: denn die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden.
Der Jesuitenpater Alfred Delp hat es unternommen, diese Erschütterung, von der das Evangelium spricht, in seiner Predigt positiv zu deuten. Seine Predigt entstand während des 2. Weltkriegs, einer Zeit wirklicher Erschütterung. Delp wies damals auf den „Wahn der falschen Sicherheiten“ hin, die sich der Mensch selbst gemacht habe, so dass er am Ende glaubte, er könne „mit seiner eigenen Hand die Sterne vom Himmel holen und ewige Lichter in der Welt anzünden“, - er könne von sich aus die Gefahren wenden und die Nacht bannen.
Delp wörtlich „Und jetzt lässt Gott die Erde einmal dröhnen und jetzt erschüttert er, nicht um eine falsche Angst hervor zu rufen, sondern um uns eines wieder zu lehren: das innere bewegt Werden des Geistes.“
- Mit anderen Worten: Wir brauchen Erschütterungen, die uns wachrütteln und den Geist in uns wach halten. Alfred Delp wollte mit diesen Worten natürlich nicht den Krieg als gottgewollt hinstellen, wohl aber als eine Zeit, die die gesamte Existenz auf den Prüfstand stellt.
Nun, die Zeit Alfred Delps ist nicht unsere Zeit. - Gott sei Dank sind wir weder dem Nationalsozialismus unterworfen, noch herrscht in unserem Land Krieg. Und doch sind die Worte Delps nicht so weit von uns weg, dass wir sie nicht verstehen und auf unser Leben anwenden könnten.
Gibt es nicht auch bei uns untergründig die Vorstellung, wir „könnten mit unserer Hand die Sterne vom Himmel holen“ – sprich: unser Leben selbst organisieren, selbst dafür sorgen, dass es mit ihm gut geht. – Ich denke: Die Selbsterlösung ist die Krankheit der heutigen Gesellschaft. Viele Menschen glauben heute: Ich brauchen keinen Retter und Heiland. – Das Motto lautet: Ich rette mich selbst! Ich brauche Gott nicht. – Selig ohne Gott.

Täte unserem Land nicht eine geistige Erschütterung gut, die uns wieder nach dem Wesentlichen Ausschau halten ließe, eben nach dem lebendigen Gott, der doch allein die Sterne vom Himmel holen kann? – Denn, um noch einmal Alfred Delp zu zitieren, nur da, „wo der Mensch nicht an falschen Sicherheiten hängt, da wird sein Auge fähig sein, den Letzten (also Gott) zu sehen und den Dingen auf den Grund zu kommen und sich selbst und sein Leben zu bewahren.“
Und das, liebe Schwestern und Brüder, ist nun unsere Aufgabe im Advent – und deshalb legt uns die Kirche heute das so gar nicht adventheimelige Evangelium von der Wiederkunft des Herrn und den vorausgehenden Schrecken vor: Damit wir uns erschüttern lassen und zur Tiefe finden, damit unsere Augen offen sind nicht nur für die Lichterketten in unseren Straßen, sondern vor allem für den Herrn.
“Es ist Zeit“, sagt Pater Delp in Anspielung auf ein Wort des Apostels Paulus, „vom Schlafe zu erwachen. Es ist Zeit, dass irgendwo ein Wecken beginnt, und es ist Zeit, dass man die Dinge wieder stellt, wie sie von Gott, dem Herrn, gestellt sind.“
– Wir haben vier Wochen Zeit dies einzuüben. Und wir gewinnen dadurch eine neue Sicherheit, einen neuen Halt, ein neues Selbstbewusstsein. Denn nicht, um uns unsicher zu machen, sind die Worte des Evangeliums geschrieben. Nicht, um uns den wenigen Halt, den wir haben, auch noch zu nehmen. Sie sind geschrieben, damit wir weiter sehen. Sie sind geschrieben, damit uns Hoffnung und Zuversicht erfüllt.
Liebe Brüder und Schwestern,
„die auf den Herrn schauen, werden in einem letzten Punkt nicht angerührt, und wenn man sie aus dem Erdkreis hinausjagt.“ Das konnte Pater Delp sagen – wenige Jahre bevor er selbst zum Tode verurteilt und buchstäblich aus diesem Erdkreis herausgejagt wurde.
„Die auf den Herrn schauen, werden in einem letzten Punkt nicht angerührt.“ Nur wenn wir auf den Herrn schauen, werden wir in unserem Leben, wenn es um´s Ganze geht, nicht erschüttert werden.
„Christ, der Retter ist da“ werden wir in wenigen Wochen singen. – Eine größere Sicherheit kann niemand bekommen. Um diese Sicherheit sollten wir uns bemühen und deshalb auch alle falschen Sicherheiten und Selbsterlösungs-Spielereien möglichst schnell vergessen. - Der Advent lädt uns zum Nach- und Umdenken über einen Neuanfang mit Gott als unseren einzigen Retter ein. Amen.
(Konventamt um 9.15 Uhr, Abteikirche St. Ottilien)
Evangelium: Lk 21, 25-28.34-36
Sonntag, 22. November 2009
Christus regnat, Christus vincit, Christus imperat


Donnerstag, 22. Oktober 2009
Dienstag, 13. Oktober 2009
Religion is knowledge too.
Bringing religion back to school.
Bemerkenswert, was man in gut einer Minute vermitteln kann, wenn man die Kunst versteht, einen wirklich guten Kurzfilm zu drehen.
Samstag, 3. Oktober 2009
... für all meine unzähligen Sünden, Fehler und Nachlässigkeiten ...

"Heiliger Vater, allmächtiger ewiger Gott, nimm diese makellose Opfergabe gnädig an. Dir, meinem lebendigen, wahren Gott, bringe ich, Dein unwürdiger Diener, sie dar für meine unzähligen Sünden, Fehler und Nachlässigkeiten. Ich opfere sie auf für alle Umstehenden und alle Christgläubigen, für die Lebenden und Verstorbenen. Gib, daß sie mir und ihnen zum Heile gereichen für das ewige Leben. Amen."
Leider ist dieses Gebet durch das ziemlich simple Gebet "Gepriesen bist du, Herr unser Gott, Schöpfer der Welt. Du schenkst uns das Brot, die Frucht der Erde..." ersetzt worden. - Eigentlich sehr schade, denn das "alte" Oblationsgebet gefiel mir wesentlich besser: "... für all meine unzähligen Sünden, Fehler und Nachlässigkeiten" wird die Opfergabe dargebracht. Da weiß man genau, worum es geht. -
Mittwoch, 23. September 2009
Der Padre im Schrank

Ich muss es gestehen: Seit etlichen Jahren bin ich ein Padre Pio-Fan (dessen Gedenktag wir ja heute feiern). In einer meiner Schranktüren habe ich deshalb bereits seit Jahren ein kleines Andachtsbildchen mit folgendem Spruch von Padre Pio befestigt: "Bete, hoffe, beunruhige dich nicht. Die Aufregung dient zu nichts. Gott ist barmherzig und wird deine Gebete erhören." - Ja, P. Pio hat - wie immer - Recht!
Dienstag, 22. September 2009
EXTRA BAVARIAM NULLA VITA ...

Seit Samstag bin ich (nur für eine Woche) "Aushilfs-Spiritual" bei den Tutzinger Schwestern. Bereits am Sonntag fand ich bei einem Spaziergang am herrlichen Starnberger See eine hochinteressante Hausinschrift, die ich natürlich als Westfale sofort fotografieren musste, zumal ja gerade die "Wiesn is": »Extra Bavariam nulla vita, et si est, non est ita.« ("Außerhalb von Bayern gibt's kein Leben. - Und falls doch, dann kein solches.") - Nach 13 Jahren hier unten muss ich einfach sagen: Stimmt!
Dienstag, 15. September 2009
Mönch der Woche
Freitag, 11. September 2009
Nachruf auf einen Vierbeiner
Vielen Besuchern von Kloster Sankt Ottilien war sie zu einem vertrauten Anblick geworden: Klosterhund Astra, die einzige Frau im Kloster, die unermüdlich ihre Runden durch die Anlagen zog und Anfang Juni 2009 ihr Leben beschloss.„Kommen Hunde eigentlich auch in den Himmel?" - diese Frage wird manchen Eltern oder Seelsorgern schon begegnet sein, vornehmlich aus Kindermund. Nun ließe sich darauf trefflich mit einem Hinweis auf Paulus und dessen Ausführungen im Römerbrief antworten: „Auch die Schöpfung soll von der Sklaverei und Verlorenheit befreit werden zur Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes." (Römer 8,20f) Die Erlösung, die in Tod und Auferstehung Jesu Christi für uns alle wirksam geworden ist, gilt also nicht nur für den Menschen - die ganze Schöpfung ist in das Heil einbezogen.
Freilich wird solch große Theologie ein Kind wenig interessieren. Und noch weniger wird es die Vierbeiner selbst kümmern, denn jeder, der schon einmal Hundebesitzer war (wie der Autor dieses kleinen Beitrags), weiß, dass Hunde vollauf zufrieden sind, wenn sie einfach Hund sein dürfen und die großen Fragen des Lebens ihren Herrchen / Frauchen überlassen können.
Dass aber Hunde durchaus für ihre Menschen weise Lehrmeister des Lebens und Glaubens sein können, sei an unserem Ottilianer Klosterhund Astra aufgezeigt. St. Ottilien hatte seit vielen Jahren einen Klosterhund, besser gesagt, eine Klosterhündin, die unserem Bruder Franz gehörte und der sich liebevoll um sie kümmerte. Bereits als Hundebaby bezog Astra ihren Hauptwohnsitz in unserer Werkstatt der Sanitärinstallation, die sie sich friedlich mit zwei Katzen teilt. Zwischen all den Rohren und Schläuchen ist es nicht verwunderlich, dass sie früh ihre Liebe zum Element Wasser entdeckte. Sobald beim Verlegen von Rohrleitungen das Fließgeräusch der ersten Wasserspülung zu hören war, lief sie zur Wasseraustrittsstelle, um das kühle Nass mit den Zähnen zu schnappen. Da Wasser keine festen Substanzen enthält, die einem Hundegebiss Widerstand böten, war ein heftiges Gebell die unvermeidliche Folge.
Oben: Spiel mit dem Wasser. Astra bedient selbst den Schalter, der die Fontäne nach oben schießen lässt, und betrachtet fasziniert ihr Werk.Der Liebe zum Wasser tat dies keinen Abbruch, weshalb sich Astra eigenmächtig zum Ehrenmitglied der Klosterfeuerwehr ernannte: beim Gruppenfoto schmuggelte sie sich unaufgefordert ins Bild. Und auch beim Hochwassereinsatz war sie bereits zweimal dabei. Während die Feuerwehr hart gegen die Überschwemmung kämpfte, nutzte sie die Gelegenheit zu einer tierisch-vergnügten Kneipp-Kur.
Astra war das einzige weibliche Mitglied im Konvent der Benediktiner der Erzabtei und nutzte diesem Umstand weidlich aus. Wobei ihre Mitgliedschaft weniger „de iure", als „de facto" war. Sie gehörte zum Kloster einfach dazu, ohne feierliche Gelübde und Ordensgewand, war aber auf ihre Art ein lebendiges Beispiel benediktinisch-klösterlicher Kultur. Dies offenbarte sich dem aufmerksamen Beobachter zum einen in der bedingungslosen Treue zu ihrem Herrn. Ein beständiges Suchen und Mitlaufen auf den Wegen, die ihr Herrchen ging, mit zunehmendem Alter auch ein bedächtiges Hinterherlaufen, denn Astra war mit ihren 13 Jahren bereits eine ältere Hundedame.
Links: Lieblingsplatz - der Beifahrersitz im Feuerwehrauto. Rechts: Künstlerisch verewigt mit Herrchen und Katzenfreundin
im Gemälde „Die Hochzeit von Kanaan" (Schulkirche St. Ottilien) von Carl Lazzari.
Dabei zeigte sie eine unerschütterliche Gelassenheit, die vielleicht so etwas wie eine tierische Altersweisheit ist. Mitten im Trubel der Ottilien-Besucher bewahrte sie ebensoviel Ruhe wie Haltung, und selbst die Rastlosigkeit eines vorbeieilenden Wanderers konnte sie nicht verführen, ihren Schritt zu beschleunigen. Auch die benediktinische Gastfreundschaft setzte Astra auf ihre Weise um. Vierbeinige Gäste wurden mit aufmerksamem Gebell begrüßt, nicht unfreundlich, doch stets so, also wollte sie den tierischen Besuchern die Besonderheit des heiligen Ortes in Erinnerung rufen.
Gemäß der Regel des heiligen Benedikt war unserem Klosterhund auch das Laster des Eigenbesitzes fremd. Ihr genügte, was sie vorfand: ein wenig Fressen, einen Platz zum Ausruhen und - als kleiner Luxus - ein kühlendes Bad im Springbrunnen am Eingang der Kirche, dessen Schalter Astra völlig selbständig bediente. Und wer unseren Klosterhund dann einmal im Brunnen erlebte, von den Wellen umspült, der wusste, dass das „Bleiben im Bewährten" durchaus sehr wörtlich verstanden werden kann. Und dass auch ein einfacher Hund manchmal intuitiv etwas von dem spürt, was Paulus mit der Erlösung der ganzen Schöpfung gemeint hat.
Damit wären wir bei einem Kennzeichen benediktinischer Spiritualität angelangt: der Stabilitas (Beständigkeit). Astra brauchte keine Leine - sie blieb einfach da, wo sie war und hingehörte, zu ihrem Herrchen und zur Erzabtei St. Ottilien. Wie sehr sie diese Stabilitas mit liebenswerter Beharrlichkeit lebte, kann ich anhand einer kleinen Begegnung schildern. Astras Herrchen, Bruder Franz, kam zur Klosterpforte herein und verschwand hinter der inneren Klostertür. Einige Augenblicke später trottete Astra würdevollen Schrittes über den Kirchenvorplatz. Doch dann wurde ihr Weg jäh unterbrochen: die innere Tür war längst geschlossen. So legte sie sich auf die große Fußmatte vor der Pfortentür, völlig ungeachtet der Tatsache, dass sie mitten im Weg lag. Dass so mancher Besucher beim Betreten der Pforte verwundert schaute und über sie steigen musste, kümmerte sie nicht im Geringsten. Jedes Mal, wenn von drinnen ein Geräusch kam, hob Astra erwartungsvoll den Kopf. Seit jener Begegnung wusste ich, dass Astra ihren Platz in St. Ottilien zu Recht hatte. Nach 13 erfüllten Hundejahren in der Erzabtei ging dann die einzige Frau im Kloster ihren letzten Gang und musste aufgrund starker Altersleiden Anfang Juni 2009 eingeschläfert werden.
Zum Schluss sei angemerkt: Astra ist ein Hund und soll es auch bleiben. Nichts liegt mir ferner, als Hunde zu „vermenschlichen". Doch ein humorvoller Blick auf unsere tierischen Gefährten mag die Herzen ein wenig weiten. In Gottes guter Schöpfung kann vieles zum Bild und Gleichnis für die Größe und Weisheit des Schöpfers werden.
(aus dem Jahrbuch St. Ottilien 2010, S. 52-54)
Dienstag, 8. September 2009
Die Verwechselung

Als ich vor einiger Zeit im Habit (Ordensgewand) nach München fuhr, wurde ich in der S-Bahn, kurz vor dem Marienplatz, von einem ziemlich erstaunten Kind gefragt:
"Sind Sie das Münchner Kindl?" -
Die Verwechselung eines Benediktiners im Ordensgewand mit dem "Münchner Kindl" liegt ja auch gar nicht so fern, denn da gibt es äußerlich einige Gemeinsamkeiten: Die offizielle Wappenfigur von München ist nämlich ein segnender Mönch mit (allerdings goldgeränderter) schwarzer Kutte,
der in linken Hand ein Buch hält (vgl. Foto rechts: das "Münchner Kindl" hoch oben auf der Münchner Rathausspitze). Der Mönch weist auf ein auf dem Stadtgebiet bestehendes Kloster von Mönchen hin, auf die laut einer Theorie der Name der Stadt München zurückgeht.
Eine wirklich sehr "nette" Verwechselung; ich musste selbst herzlich darüber lachen und habe die Verwechselung natürlich noch schnell in der S-Bahn aufgeklärt.

