Mittwoch, 22. Mai 2013

Im wunderschönen Monat Mai kroch Richard Wagner aus dem Ei

(mit diesen humorvollen Worten an seine erste Frau Minna
gratulierte sich Wagner selbst zu seinem Geburtstag am 22. Mai 1813)

Wenn der Meister nicht gestorben wäre, dann wäre er heute 200 Jahre alt geworden! - Na ja, damals gab es noch keinen "Medizin-Fortschritt", so dass er "nur" 70 wurde. Trotzdem: HAPPY BIRTHDAY, MAESTRO! - Wir haben Dich nicht vergessen!

Nur aus diesem aktuellen Grund habe ich den Meister für heute wieder einmal "freigelassen"!



Und natürlich möchte ich auch einen "vernünftigen" Beitrag zu diesem "Heiligen Jahr" beitragen. Deshalb habe ich mir überlegt, zum 22. Mai 2013, meine theologische Diplomarbeit aus dem Jahre 1994 im Internet zu veröffentlichen, für alle, die tiefsinnigere Gedanken über den Meister und seinen "Parsifal" brauchen:

Wewers, Siegfried (Stefan): Richard Wagners Bühnenweihfestspiel Parsifal und die Idee der Kunstreligion / Siegfried (Stefan) Wewers. Diplomarbeit im Fach Mittlere und Neuere Kirchengeschichte der Kath.-Theol. Fakultät der Universität Münster. Prof. Dr. Arnold Angenendt [Gutachter]. - Münster, 1994. - 192 S.
zugl.: Münster, Univ./Kath.-Theol. Fakultät., Dipl.-Arb., 1994

DOWNLOAD hier:
https://drive.google.com/file/d/0B7_d23E9EK0MZFRuQ2tVdlo5T0U/view?usp=sharing&resourcekey=0-TbqYBjEw692g_onDa5QTzw

Damit Sie auch wissen, was da auf 192 Seiten auf Sie zukommt, das

VORWORT:

Wagners Bühnenweihfestspiel Parsifal stellt den Versuch dar, auf dem Höhepunkt, der durch fortschreitende Säkularisierung gekennzeichneten europäischen Neuzeit eine religiöse Wiedergeburt mit Mitteln der Kunst herbeizuführen. “Man könnte sagen“, schrieb Wagner 1880 in der Abhandlung Religion und Kunst, seinem philosophischen Kommentar zu Parsifal, “dass da, wo die Religion künstlich wird, der Kunst es vorbehalten sei, den Kern der Religion zu retten, indem sie die mythischen Symbole, welche die erstere im eigentlichen Sinne als wahr geglaubt wissen will, ihrem sinnbildlichen Werte nach erfasst, um durch ideale Darstellung derselben die in ihnen verborgene tiefe Wahrheit erkennen zu lassen". Somit ist Parsifal also unleugbar ein Dokument der »Kunstreligion« des 19. Jahrhunderts und seiner Absicht entsprechend, dass Religion - oder deren Wahrheit - aus der Form des Mythos in die Kunst übergegangen sei, übernahm Wagner aus den mittelalterlichen Vorbildern seines Dramas, dem Perceval ou Le conte du Graal von Chrestien de Troyes, dem Parzival Wolfram von Eschenbachs und dem Roman de l'estoire del Graal von Robert de Boron, den religiösen Gehalt nahezu vollständig.


Parsifal gehört zwar zweifellos zur Gattung des Wagnerschen Musikdramas, hat aber zugleich Züge der kultisch-rituellen Handlung, des Mysterienspiels und des Oratoriums angenommen. In Wagners Parsifal sind verschiedene religiösen Strömungen, die in der Geschichte anzutreffen sind zur Synthese gelangt. Dem in den Werken Chretiens und Wolframs gespiegelten, dem sich außerhalb der kirchlichen Herrschaftsorganisationen entfaltenden (esoterischen) Christentum hat Wagner, der »Mittler des Mittelalter«, Schopenhauerisches Gedankengut, das Erlösungsdenken und die Mitleidsethik Buddhas und seine eigene "Regenerationslehre" hinzugefügt.


Somit stellt sich letztlich die Frage: Ist Wagners Parsifal dennoch ein christliches Werk? Diese Frage, hervorgerufen durch die christlich-sakrale Symbolik, auf die man in jenem Bühnenweihfestspiel  immer wieder stößt, die die Interpretationsgeschichte des Werkes zu verschiedensten Ergebnissen ("Roms Glaube" [F. Nietzsche]; "hochreligiöses Weihespiel" [Th. Mann]; "das Ergebnis einer Privat-Theologie Richard Wagners...als ein Geflecht aus altpersischen, altindischen, christlichen Mysterien" [H. Mayer; ähnlich E. Bloch]) geführt hat, soll abschließend und gleichzeitig die Thematik zusammenfassend behandelt werden.

Freitag, 3. Mai 2013

Carpe diem!

Inmitten einer zerstreuten Welt ist es heute sehr schwer, klare und präzise Antworten auf die wichtigsten Fragen des Lebens und des Glaubens zu bekommen. Dieses Büchlein, das Kompendium des Katechismus der Katholischen Kirche (KKKK), bietet endlich Hilfe. Jedem, der "auf der Suche nach der Wahrheit" ist und diese Wahrheit auch im Laufe seines Lebens zu finden gedenkt, dem kann ich dieses Kompendium nur bestens empfehlen: Carpe diem! - Benedikt XVI. schreibt in der Einleitung folgendes:

Das Kompendium, das ich nun der ganzen Kirche vorlege, ist eine getreue und sichere Zusammenfassung des Katechismus der Katholischen Kirche. Es enthält in knapper Form alle wesentlichen und grundlegenden Elemente des Glaubens der Kirche und bildet so, wie es von meinem Vorgänger gewünscht worden war, eine Art Vademecum, das den Menschen - ob sie gläubig sind oder nicht - ermöglicht, in einer Gesamtschau das ganze Panorama des katholischen Glaubens zu überblicken.

Das Kompendium spiegelt im Aufbau, in den Inhalten und in der Sprache den Katechismus der Katholischen Kirche wider und bietet als Zusammenfassung eine Hilfe und Anregung, um ihn noch mehr bekannt zu machen und zu vertiefen.

Ich vertraue dieses Kompendium deshalb mit Zuversicht der ganzen Kirche und jedem einzelnen Christen an, damit sie sich in diesem dritten Jahrtausend mit neuem Schwung für die Evangelisierung und Glaubenserziehung einsetzen. Dieser erneuerte Einsatz muss jede kirchliche Gemeinschaft und jeden Christgläubigen jedweden Alters und jedweden Volkes auszeichnen.

Wegen seiner Kürze, Klarheit und Vollständigkeit richtet sich dieses Kompendium auch an alle Menschen, die inmitten einer zerstreuten Welt mit vielfältigen Botschaften den Weg des Lebens kennen lernen möchten: die Wahrheit, die Gott der Kirche seines Sohnes anvertraut hat.

Möge jeder beim Lesen des Kompendiums, das ein Werkzeug mit maßgebender Bedeutung ist, dank der besonderen Fürbitte Marias, der heiligsten Mutter Christi und der Kirche, immer mehr die unerschöpfliche Schönheit, Einzigkeit und Aktualität des vorzüglichen Geschenkes erkennen und aufnehmen, das Gott der Menschheit gemacht hat: seinen einzigen Sohn, Jesus Christus, der „der Weg und die Wahrheit und das Leben“ ist (Joh 14, 6).


Gegeben am 28. Juni 2005,
dem Vorabend des Hochfestes der heiligen Petrus und Paulus,
im ersten Jahr meines Pontifikates.

Benedictus PP XVI.

Freitag, 26. April 2013

Vernünftige Gedanken (I)



Dass die Beziehung des Menschen zu den numinosen „übergewaltigen Mächten“ (wie Goethe sie nennt) der familiären Verbindung von Personen analog ist, scheint eine allgemeine Erfahrung der Menschen zu sein, da sie die kultische Gemeinschaft mit der Gottheit oft sogar als Konkurrenz zur Gemeinschaft mit einem menschlichen Gatten und Kindern ansehen: Der römische Priester musste sich vor und während der Zeit seines kultischen Dienstes seiner Frau enthalten; Vestalinnen und katholische Priester müssen gänzlich ehelos und ohne eigene Familie leben. Die eigentliche Begründung dafür ist keine pragmatische (etwa pastorale), sondern eine mystische: die Vestalin, der Flamen Dialis, jeder Dorfpfarrer und der Papst gehören zu denjenigen Menschen die dazu bestimmt oder berufen sind, ihre höchste Kommunikationsintensität ausschließlich im Umgang mit dem Numinosen zu verwirklichen. Auch im außerkultischen Bereich kennen wir dieses Phänomen: Im Falle Kafkas etwa scheint mir die Frage nicht abwegig, ob nicht die Mächte, die sich durch seine Feder Ausdruck verschaffen wollten, es waren, die all seine Versuche in Richtung auf Ehe und Familie eifersüchtig vereitelt haben.

(Herbert Huber Antrittsvorlesung am 17. Juni 2005 Ludwig-Maximilians-Universität zu München: „Traulich und treu ist’s nur in der Tiefe“)

>> Die ganze Antrittsvorlesung als PDF

Donnerstag, 18. April 2013

Dackel: Die besten Freunde der Welt!



Sie sind Jäger, Herzensbrecher und Draufgänger. Ihr Blick ist legendär - kaum eine andere Hunderasse wird so idealisiert, ob von Freigeistern, Förstern oder Familien, ja sogar im Fremdenverkehr. Der Dackel ist ein Allrounder, er vermittelt Humor und Eigensinn und ist dabei an Charme kaum zu übertreffen. Dank seines Komik-Talents bezirzt dieser Hund auch Menschen, die keine Hundeliebhaber sind ... denn der Dackel ist eine Lebenseinstellung. Ob München oder New York, Adelshaushalt oder Künstlerklasse, ob Großfamilie oder Singlewohnung - der Dackel bereichert das Leben.

Fazit: So einen Freund will ich auch!



Dienstag, 9. April 2013

Papst Franziskus ganz privat

Lieblingsmusik: „Zu den Werken, die ich am meisten bewundere, zählt Ludwig van Beethovens ‚Leonore‘, Overtüre Nr. 3, dirigiert von Wilhelm Furtwängler“. Er halte Furtwängler für den „beste Dirigenten einiger Symphonien [Beethovens] und einiger Werke von Wagner“. - (Quelle: kath.net)

BRAVO!
Papst Franziskus weiß wirklich, was gut und genial ist: Wagner ist ja bekanntlich (?) zufällig auch mein absoluter Lieblingskomponist und Furtwängler auch noch - neben Carlos Kleiber natürlich - mein absoluter Lieblingsdirigent. Lieber Papst Franziskus:
BRAVO! - für den guten Geschmack.

Wilhelm Furtwängler "Leonore III" Beethoven (1948)

Montag, 1. April 2013

Mein neues Smartphone



Gerade habe ich von einem “reichen Gönner” (der seit einiger Zeit für Google “Street View” in Los Angeles arbeitet) ein neues Smartphone geschenkt bekommen. Es ist eine Sonderanfertigung von Nexus (Design extra für mich!) und wirklich superklein - im zugeklappten Zustand ist es nicht viel größer als meine Armbanduhr! (siehe Foto oben) - und ist mit modernster Hardware und den besten Apps von Google ausgestattet. So ein “Spielzeug” wollte ich schon immer haben, konnte es mir aber als Mönch leider nicht leisten. Es hat natürlich auch Bluetooth: Die Namensgebung „Bluetooth“ ist übrigens eine Hommage an den dänischen Wikingerkönig Harald Blauzahn, der für seine Kommunikationsfähigkeit bekannt war. Ihm gelang es im 10. Jahrhundert, Dänemark weitgehend zu vereinen und zu christianisieren. Der Name „Bluetooth“ war ursprünglich ein Codename für die entwickelte Technologie, der später mangels guter Alternativen auch als Markenname verwendet wurde (siehe Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Bluetooth). - Zusätzlich verfügt es (neben WLAN) auch noch über HSPA+. Dieses Smartphone verfügt also wirklich über “allen Draht nach oben, den man sich nur denken und wünschen kann”, wie mein Gönner lachend meinte. - Danke lieber G. für dieses tolle Geschenk! - Wenn ich dieses “Superteil” benutze, werde ich immer an Dich denken!

VIDEO: Mein neues Smartphone in Betrieb!  ;-)

Freitag, 22. März 2013

Wenn aus Engeln Köche werden



Die Inszenierung von Richard Jones kam ursprünglich an der Welsh National Opera im walisischen Cardiff auf die Bühne. Nach Chicago, San Francisco und New York ist sie jetzt an der Bayerischen Staatsoper in München zu sehen.

Hänsel und Gretel: Eine Geschichte, die irgendwie nie aus der Mode kommt. Zum diesjährigen Grimm-Jahr wird das Märchen in der Opernbearbeitung von Engelbert Humperdinck an der Bayerischen Staatsoper neu inszeniert.

Grausamer gehts nicht. Vater und Mutter können ihre zwei Kinder nicht mehr ernähren und beschließen, die beiden im tiefen Wald auszusetzen. "Sie finden den Weg nicht wieder nach Haus, und wir sind sie los", sagt die Frau. Der Mann will eine solche Tat nicht übers Herz bringen. "O du Narr", entgegnet die Frau, "dann müssen wir alle viere Hungers sterben, du kannst nur die Bretter für die Särge hobeln." So erzählen die Brüder Grimm die Geschichte von "Hänsel und Gretel" in der fünften Auflage ihrer Kinder- und Hausmärchen von 1843. Kinderängste ohne Ende. Der reine Horror.

Humperdinck (1854-1921) war ein glühender Verehrer Richard Wagners, diente dem Meister als Assistent in Bayreuth, half ihm beim "Parsifal" - kein Wunder, dass er die Liedspielfassung von "Hänsel und Gretel" humorvoll als "ein Kinderstubenweihfestspiel" bezeichnete.

Es tut dann richtig gut, wenn ein heutiger Regisseur wie Richard Jones zwar alte Märchenbilder entstaubt, aber auch keine Freudsche Psychoanalyse betreibt: Er zeigt in seiner jetzt in München zu sehenden Inszenierung von "Hänsel und Gretel" voller Spaß, wie Kinder lustvoll die Regeln verletzen und sich den Bauch mit Süßigkeiten vollstopfen. Herrlich politisch unkorrekt auch, wie die menschenfressende Hexe nach einer grandiosen Küchenschlacht im Ofen landet - und zum Happy End gut gebraten, auf dem Tablett, den Kindern und Eltern vorgesetzt wird, die schon das Besteck wetzen. Auch irgendwie grausam. Aber zum Lachen.



Nein, märchenhaft-lieblich ist diese Produktion nicht. Denn wenn’s ums Essen geht, gibt’s kein Tabu. Da leert das liebe Hänselchen die Taschen der Baum-Männer im Wald, wenn Beeren gesammelt werden sollen. Ebenso wird das Hexenhäuschen – ein riesiger Mund, auf dessen Zunge ein Muffin ruht – von den Kindern nicht nur angeknuspert: hier werden gierig riesige Stücke herausgerissen. Bezwingende Bilder findet Jones aber auch für die Ängste der Kinder von heute. So ist etwa das Sandmännchen kein liebes Geschöpf aus dem Bilderbuch, sondern eine kleine knochige Gestalt wie aus dem Horrorfilm.

Überhaupt sieht Jones vieles aus Kinderaugen: etwa die Backszene bei der Hexe, einer tuntigen Über-Oma mit Riesenbusen. Wie beim besten Kindergeburtstag dürfen sich die Kleinen hier hemmungslos mit Süßkram vollstopfen – und gebacken wird, dass Mehl, Mandeln und Zuckerwerk nur so durch die Luft fliegen, wobei angenehmerweise nicht aufgeräumt werden muss. Wie sehr das allen Kindern Spaß macht, bestätigen allein schon die vielen kleinen Besucher im Nationaltheater, die am Schluss der gesamten Produktion wie auch dem Regieteam jubelnden Beifall spenden.

Nun ist die Märchenoper dennoch auch ein Stück musikalische Romantik, hörbar komponiert in Wagner-Nachfolge. Dirigent Tomás Hanus beginnt verhalten und lässt dann in stets durchsichtigem Klangbild, das viel Rücksicht nimmt auf die jungen Stimmen, Humperdincks Musik mit dem Bayerischen Staatsorchester aufblühen, ohne das Ganze mit zu viel Sahne zu dekorieren.

Schlicht wunderbar ist die Besetzung der beiden Hauptpartien durch die blutjungen Sängerinnen Hanna-Elisabeth Müller und Tara Erraught, beide im Opernstudio der Bayerischen Staatsoper groß geworden, die für die Partien von Hänsel und Gretel wohltuend vibratolos, frisch und klar singen. Alejandro Marco-Buhrmester gibt einen launigen, stimmkräftigen Besenbinder Peter, Janina Baechle mit dramatischem Mezzo eine leider sehr textunverständliche Mutter Gertrud und Mozart-Tenor Rainer Trost liefert als Knusperhexe ein schauspielerisches Kabinettstückchen, hinter dem die stimmliche Leistung leider zurücksteht. Sonderlob für Golda Schultz als Taumännchen: Eine sexy Putz-Elfe, die nach dem nächtlichen 14-Köche-Gelage am Morgen danach abzuwaschen hat, gut gelaunt im Spülschaum planscht und mit glockenreiner Stimme ihr Wecklied singt. Insgesamt eine rundum gelungene Produktion, die Klein wie Groß einen Heidenspaß (nicht ganz ohne Abgründe) bereitet.

Besuchte Vorstellung: Generalprobe am 22. März 2013

Mittwoch, 20. März 2013

Neues aus der Klostermetzgerei

Seitdem ich in unserer Klostermetzgerei mitarbeite,
wünsche ich mir, dass der Fisch, den wir fast an jedem Freitag
hier aufgetischt bekommen, so aussehen sollte:

Mittwoch, 6. März 2013

Ich bastele mir den idealen Papst



"Als ich noch Jugendseelsorger war, gab es bei den Grundschulungen für junge Jugendleiter eine Übung: Sie sollten sich „den idealen Leiter“ basteln. Augen vorne und hinten, die auch durch Zeltwände schauen können; Leiter, die keinen Schlaf brauchen, die stundenlang zuhören könne, die gleichzeitig Fußball spielen, singen und durch Ringe springen können. Immer ein Wort der Ermutigung, des Trostes, aber auch immer klare Grenzen setzend, partnerschaftlich, etc. etc.

Sie wissen, worauf ich hinaus will: Diese „idealen Leiter“ repräsentieren nie die notwendigen Fähigkeiten, sondern immer die Erwartungen anderer. Und für Jugendleiter was das auch immer sehr wichtig, sich dieser Erwartungen bewusst zu werden, um die eigenen Schwächen kennen zu lernen.

Und genau das beobachten wir gerade mit den Wünschen an den neuen Papst. Die Nachrichtenagenturen spucken einen nach dem andern mit seinen Erwartungen aus, kaum jemand, der nicht gefragt wird. Kaum eine Gruppe, die nicht eine Meinung hat. Ob es nun Kontinent, Alter, Erfahrung, irgendeine theologische Schublade oder sonst etwas ist: Alles wird auf den „der nächste Papst muss …“ projiziert. Dabei hat uns Benedikt XVI. doch gerade erst gezeigt, wie menschlich auch der Inhaber dieses Amtes ist. Und schon wieder wird das Amt aufgeladen, vorzugsweise mit eigenen Steckenpferden, aber auch mit durchaus legitimen Ansprüchen.

Aber all das ist zu viel. Diese Erwartungen, wenn sie zu Forderungen werden, haben automatisch die Enttäuschung zur Folge, worauf wiederum eine Aussage des Erwartungshabers folgt, es sei ja von Rom eh nichts zu erwarten gewesen. Eine psychologisch erklärbare aber nicht sehr schöne eigene Realität entsteht, die mit dem Papst – dem alten wie dem neuen – nichts zu tun hat.

Die Kirche steckt in einer schwierigen Situation, vor Ort wie auch im Vatikan. Da braucht es keine Idealisierungen, da braucht es einen klaren Blick, Angstlosigkeit und – ceterum censeo – das Sich-selbst-nicht-so-wichtig nehmen. Mehr denn je."

(Veröffentlicht am 4. März 2013 von P. Bernd Hagenkord SJ - Radio Vatican)

Freitag, 1. März 2013

AKTION: Glocken läuten für Papst (em.) Benedikt



Liebe Freunde von Papst (em.) Benedikt,

Natürlich haben wir gestern hier im Kloster St. Ottilien, zur Verabschiedung von Papst Benedikt XVI. um 20.00 Uhr, alle Glocken läuten lassen. Wer sich selber auch noch persönlich von Papst Benedikt mit Glockengeläut verabschieden möchte, der kann es jetzt noch hier nachholen. Aber bitte schalten Sie alle Glocken ein. Geben Sie "volles Geläut"! - Papst (em.) Benedikt hat es wirklich verdient! Mein Tipp: Die Glocken (von unten an, die kleine 350 kg leichte "Benediktus" zuerst!) langsam nacheinander einschalten. Drei Minuten läuten lassen. Und dann (von oben an, also jetzt die fünf  Tonnen "Hosanna" zuerst!) langsam wieder abschalten. Aber Sie können die acht Glocken läuten, wie es Ihnen gefällt. Sie haben ja 63 verschiedene Möglichkeiten die über 15 Tonnen in Bewegung zu setzen. Probieren Sie es einfach aus und machen Sie mit bei dieser Aktion. Danken Sie persönlich Papst (em.) Benedikt für sein großartiges Pontifikat!

HIER KLICKEN UM ZU LÄUTEN UND ZU DANKEN

(Anm.: Küng, Boff und Co. werden wahrscheinlich nur die kleine Glocke läuten.)


Donnerstag, 21. Februar 2013

Benedikt bleibt seinem Charisma treu



Ein charismatischer Rücktritt

Schockbotschaft

Die Ankündigung des Papstrücktritts war für viele Menschen weltweit ein Schock. Die Botschaft des Pontifex vom vergangenen Montag, sein Amt am 28. Februar niederzulegen und ein zurückgezogenes Leben in Meditation und Gebet zu führen, überraschte nicht nur zahlreiche Deutsche, die gerade den Rosenmontag feierten und die Nachricht aus Rom für einen Karnevalswitz hielten. Die ganze katholische Welt und viele Menschen darüber hinaus zeigten sich verwundert über die Entscheidung Benedikts XVI. Es schien ja fast festzustehen schien, dass ein Papst nicht zurücktritt, sondern sein von der Kirche übertragenes Amt bis zum Ende, auch wenn es bitter sei, ausübt. Selbst die Kardinäle, in deren Anwesenheit der Papst seinen Rücktritt ankündigte, waren nicht auf diese Neuigkeit vorbereitet. Wie aus heiterem Himmel sei Benedikts Schritt für sie gewesen.

Papsttum als Schicksal?

Dieser heitere Himmel zeigte dann auch in der Nacht des Montags, was er vom angekündigten Rücktritt hielt: Ein Blitz schlug in die Kuppel des Petersdoms ein. Als Zeichen von oben deuteten einige Kommentatoren die Himmelserscheinung. Als würde es Gott im Himmel nicht gefallen, dass der Stellvertreter Christi auf Erden sein Amt aufgibt. Diese infantile Deutung des Naturspektakels gründet in der Kritik am Rücktritt Benedikts. Der Verzicht auf das Petrusamt erscheint in manchen Kreisen als tabu. Diese Aufgabe müsse durchgehalten werden bis zum Tod des jeweiligen Amtsinhabers, als sei sie geschuldeter Gehorsam gegenüber dem ius divinum, dem göttlichen Recht, dass der Papst sein Leben lang Papst sei. So habe es schließlich auch der selige Papst Johannes Paul II. vorgelebt. Trotz kräftezehrender Krankheit habe er treu seinen Dienst erfüllt und sei Papst geblieben. Und genau durch dieses Beispiel und sein nicht verstecktes Leiden sei er zu einem Vorbild für alle Gläubigen und zum Trost für Kranke geworden.

Starke Führung notwendig

Doch bei dieser richtigen Darstellung darf nicht vergessen werden, dass Benedikts Vorgänger durch seine Krankheit der Kirche eine Zeit bereitet hat, in der das Oberhaupt nur noch sehr eingeschränkt einsatzfähig war. Dieses Beispiel des seligen Papstes aus Polen hatte Benedikt in seiner Zeit als Kardinal Joseph Ratzinger zugleich bewundert und befremdet. Seine Entscheidung, das Papstamt zu Lebzeiten zu verlassen, ist wohl auch in der Furcht begründet, ein zweiter Papst zu werden, der die letzten Monate oder gar Jahre seines Dienstes mit einer schwerer Krankheit zu vollbringen hat. Dabei ginge der Kirche jene starke Führung ab, die sich gerade im Pontifikat Benedikts aufgrund der zahlreichen Skandale als notwendig erwiesen hat. Wegen dieser klugen Vorsicht des Papstes wurde seine Entscheidung zum Rücktritt von vielen Stimmen in den Medien und innerhalb der Kirche positiv aufgefasst. So meint der Vatikankenner Marco Politi, dass “Benedikt einen Wegweiser für die Zukunft gesetzt” habe und sich die “Moderne keine kranke Ikone als Papst erlauben” könne.

Papst muß mobil sein

In der Tat haben sich die Anforderungen an einen Heiligen Vater in den letzten Jahrzehnten stark verändert. Die wachsende und globale Kirche benötigt einen Papst, der mobil ist und alle Kontinente besuchen kann. Ein Oberhaupt, dass die Sprache sowohl der Jugend als auch der Menschen im dritten und vierten Lebensalter spricht. Einen Pontifex der mit den modernen Kommunikationsmitteln Brücken zu allen Menschen bauen kann. Daher benötigt die katholische Weltkirche einen intellektuell wendigen und auch physisch mobilen Papst.

Benedikt bleibt seinem Charisma treu

Wie man auch zu dieser Erklärung stehen mag, sie ist ein Hinweis darauf, dass der Rücktritt Benedikts ein ganz persönlicher Schritt war. Es ist ein historischer Akt, der zu seiner Person passt, zu seinem Charisma, mit dem er den Petrusdienst ausgefüllt hat. Benedikt stellt seine Person in den Hintergrund und lässt die Bedeutung des Papstamtes hervortreten. Genau deshalb tritt er zurück, um diesem Amt seine Größe und Signifikanz zu lassen. Er ist sich seiner Schwäche durch Alter und persönlicher Veranlagung bewusst. Benedikt will zeigen, dass er auf eine demütige Weise Papst sein wollte und deshalb das Amt niederlegt. Keineswegs soll dies bedeuten, dass sich die Kirche “keine kranke Ikone als Papst erlauben” könne. Johannes Paul II. wird auch wegen seines öffentlichen Leidens im Papstamt oft “der Große” genannt. Er hat als Nachfolger des Petrus diesen Dienst seinem persönlichen Charisma gemäß gelebt. Für den kommenden Papst bedeutet die Entscheidung Benedikts, eine große Bestärkung und Freiheit darin, das Papstamt nach seinem persönlichen Charisma zu leben. Als individueller Nachfolger des heiligen Petrus.

Dienstag, 5. Februar 2013

Dürfen wir Tiere essen?

Richard David Precht stellt in der vierten Ausgabe seiner Philosophiesendung die Frage: "Dürfen wir Tiere essen?" Sein Gast, der große katholische Philosoph Robert Spaemann, hat sich intensiv mit Fragen der Tierethik beschäftigt. Er hält den Verzehr von Fleisch für gerechtfertigt - entsprechend der christlichen Auffassung, dass Gott auch die Tiere geschaffen habe, damit der Mensch sie sich zu Nutze mache.
  

Montag, 4. Februar 2013

Wir sind tatsächlich im Dschungel

Offenbar müssen wir alles neu aushandeln, in jedem Moment, weil es, nach dem Tod Gottes, keine Instanzen mehr gibt, die für uns verbindlich sind. Wir sind tatsächlich im Dschungel. Es gibt keine prinzipiellen Unterschiede mehr zwischen Gut und Böse, auch Sinn und Unsinn, Takt und Taktlosigkeit, Wahrheit und Lüge. Alles Verhandlungssache. Es gibt nur noch die Ad-hoc-Entscheidung für den eigenen Vorteil. (Matthias Matussek) http://www.kath.net/detail.php?id=39939

Samstag, 19. Januar 2013

Die Kirche als Sündenbock - Der Kriminologe Pfeiffer und der "Missbrauch mit dem Missbrauch"



Das Zerwürfnis zwischen der Deutschen Bischofskonferenz und dem Kriminologen Christian Pfeiffer hat sie wieder hochgewühlt, die anti-katholischen Emotionen: Vertuschung, Aktenvernichtung, Desinteresse – so lauten die Vorwürfe.

Bernhard Meuser, Geschäftsführer des Sankt Ulrich Verlags sowie Autor und Verleger renommierter katholischer Bücher (darunter der Jugendkatechismus Youcat), erläutert die Geschichte der vorerst gescheiterten Missbrauchsstudie.


Man kann nicht oft genug betonen, dass Missbrauch ein ungeheuerliches Verbrechen ist, für das man schlicht und einfach in die Hölle kommt, sofern man Gott nicht in der Beichte um Vergebung bittet, harte Buße tut, sein Leben fundamental ändert und einen Schaden, der oft irreparabel ist, zu beheben sucht. Im Youcat wird dies unter „Du sollst nicht morden“ abgehandelt; in Frage 386 wird dann noch von einer besonderen Schwere des Delikts gesprochen, wenn „eine Abhängigkeit von Erwachsenen und Kindern vorliegt“. Als Personengruppen erwähnt der Jugendkatechismus ausdrücklich „Eltern, Priester, Lehrer oder Erzieher“. Die Reihenfolge stimmt. Ziemlich weit vorn muss man vom Priester sprechen, nicht etwa, weil der Priester aus der Statistik der Missbrauchstäter hervorragen würde, sondern weil es schlicht unglaublich ist, dass ein „Mann Gottes“ – und sei es nur ein einziger! – einem jungen Menschen an die Wäsche geht und dann die Heilige Messe liest. Es ist ein Skandal, dass alle Schutz- und Disziplinarmaßnahmen, angefangen bei der Beichte bis hin zur Entfernung aus dem Priesteramt und der Exkommunikation, offenkundig nicht hinreichten, damit die Kirche aus sich heraus mit dem Skandal klar Schiff machte. Viele wussten was. Und jene, die mehr wussten, griffen nicht durch, nahmen sich eher der Täter als der Opfer an.

Derjenige, der 2005 den Mund aufmachte, war ein Mann, der Tage später Papst wurde: „Wieviel Schmutz gibt es in der Kirche“, sagte Kardinal Joseph Ratzinger in seiner Karfreitagsmeditation, „und gerade auch unter denen, die im Priestertum ihm ganz zugehören sollten?“

So traurig und wahr dies alles ist, so wahr ist andererseits, was Alice Schwarzer im Februar 2010 konstatierte: „Der sexuelle Missbrauch von Kindern ist keine Erfindung katholischer Patres. Und er hat auch nichts mit dem Zölibat zu tun.“ Zum Erstaunen vieler rückte Schwarzer die Fakten zurecht: Jahr für Jahr würden allein in Deutschland etwa eine Million Kinder (!) missbraucht, und drei der vier Täter seien „keine bösen Fremden oder Lehrer, sondern es ist der eigene Vater, Onkel, Nachbar.“ Der Tatort schlechthin ist weder das Pfarrhaus noch die Sakristei, sondern die Kuschelecke im Kinderzimmer.

Die Sünde des Volkes

Der kollektive Aufschrei über die wahren Täter, die massenhaft Kinder und Jugendliche sexuell missbrauchen, ist ausgeblieben. Stattdessen macht die katholische Kirche, was sie am besten kann: die ganze Sünde des Volkes auf sich zu nehmen. Sie spielt diese Rolle mit selbstquälerischer, masochistischer Lust, wie jetzt wieder am Fall Pfeiffer deutlich wird. Die Deutsche Bischofskonferenz hatte früh Maßnahmen ergriffen, um ein tief beschämendes, aber zahlenmäßig geringeres Problem in den Griff zu bekommen. 2002 verabschiedete man mit Spezialisten „Leitlinien“; Expertengremien, gerade auch mit nichtkirchlichen Fachleuten, wurden eingesetzt; Opfer wurden aufgefordert, sich zu melden. Das führte dazu, dass ab 2004 die vorliegenden Fälle und Verdachtsfälle von führenden Forensikern untersucht wurden und nur noch selten neue Fälle auftraten. 2010 verschärfte man die „Leitlinien“. Sie galten und gelten als maßstäblich im Vergleich mit anderen Institutionen, von denen viele – etwa der Deutsche Olympische Sportbund – bis heute nichts Vergleichbares vorgelegt haben.

Obwohl die Annahme gilt, dass es neben dem Tatort Familie im Therapie-, Freizeit-, Schul- und Sportbereich um Missbrauch in ganz anderen Dimensionen als bei der katholischen Kirche ging und geht. Mehr und mehr Experten sprachen die katholische Kirche vom Verdacht frei, Missbrauch sei ihr Sonderproblem. Mit ziemlicher Sicherheit kann man heute sagen, dass 99 Prozent der Missbrauchsfälle nicht im Raum der Kirche stattfinden. Die nicht gerade kirchenfreundliche Ursula Enders von der Opferorganisation „Zartbitter“ ließ im Juni 2012 wissen, das Missbrauchsproblem beträfe beide großen Kirchen in Deutschland in gleichstarker Weise: Die evangelische Kirche habe sich „lange Zeit in Sicherheit gewiegt und geglaubt,"bei uns doch nicht, das liegt ja am Zölibat". Das aber sei ein Mythos. „Missbrauch mit dem Missbrauch“, hatte der Kölner Psychotherapeut Manfred Lütz schon vor Jahren das genannt, was Medien aus dem unerträglichen, aber „statistisch kleinen“ Skandal der katholischen Kirche machten.

Die Kirche als Sündenbock

Dann kam Professor Christian Pfeiffer. Wieso Pfeiffer, wird man fragen. Wo es doch erstens Untersuchungen durch die führenden, unabhängigen Institute gab. Zweitens muss man nur den „Stern“ (www.stern.de: „Das Wohl der Opfer ist das Maß“) oder die Frankfurter Rundschau (www.fr-online.de: „Christian Pfeiffer liefert – fast immer“) lesen, um zu wissen, was von der Expertise des Mannes zu halten ist. Pfeiffer an Bord zu nehmen, resultierte wohl aus der treusorgenden Kinder- und Kirchenliebe von Justizministerin Sabine Leutheuser-Schnarrenberger (FDP), die eine Tateinheit mit der vorauseilenden Geknicktheit deutscher Bischöfe einging. Rund heraus gesagt war es Populismus pur. Eine auf den Hund gekommene Politik punktet mit: „Seht her, wir tun endlich was, wo es diese verkommene Kirchenbande aus sich nicht schafft!“ – und die Bischöfe gehen dem schäbigen Spiel auf den Leim.

Wider bessere Erkenntnis

Dass sie wider bessere Erkenntnis und entgegen substanzieller Warnungen die Pfeiffer-Aktion (mit)betrieben, ist ebenso schwer verständlich wie die Tatsache, dass Pfeiffer in Dienst trat, ohne dass der Vertrag zureichend ausverhandelt war. Denn natürlich ist klar, dass Diözesen die Personalakten ihrer Priester vor der medienaffinen „Seriosität“ des späten Aufklärers Pfeiffer schützen müssen, auch wenn unter den 1000 möglicherweise der eine ist, zu dessen Auffindung man das Screening aller glaubt betreiben zu müssen.

Auch unter Uni-Professoren, Therapeuten, Lehrern, Erziehern, Bürochefs usw. sind Missbrauchstäter. Ihren Aufschrei würde ich gerne hören, wenn ihre Chefs einen Generalverdacht von außen akzeptieren und alle ihre Personalakten zu Herrn Pfeiffer speditieren würden!

(Quelle: http://www.suvdata.de/sz/epaper/Ausgaben_2013/epaper_03.pdf)

Samstag, 14. April 2012

Etwas Nachhilfeunterricht : Pro multis!

Papst Benedikt XVI. hat mit Datum vom 14. April 2012 einen Brief an die Mitglieder der Deutschen Bischofskonferenz verfasst und in dem Brief von den deutschen Bischöfen die Formel "für viele" bei der Hl. Eucharistie eingefordert. Der Brief erging auch an den Vorsitzenden der Österreichischen Bischofskonferenz, Kardinal Christoph Schönborn. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch, bezeichnete in einer Stellungnahme den Brief als "Klärung und Abschluss einer Diskussion".

Exzellenz!

Sehr geehrter, lieber Herr Erzbischof!

Bei Ihrem Besuch am 15. März 2012 haben Sie mich wissen lassen, dass bezüglich der Übersetzung der Worte „pro multis“ in den Kanongebeten der heiligen Messe nach wie vor keine Einigkeit unter den Bischöfen des deutschen Sprachraums besteht. Es droht anscheinend die Gefahr, dass bei der bald zu erwartenden Veröffentlichung der neuen Ausgabe des „Gotteslobs“ einige Teile des deutschen Sprachraums bei der Übersetzung „für alle“ bleiben wollen, auch wenn die Deutsche Bischofskonferenz sich einig wäre, „für viele“ zu schreiben, wie es vom Heiligen Stuhl gewünscht wird. Ich habe Ihnen versprochen, mich schriftlich zu dieser schwerwiegenden Frage zu äußern, um einer solchen Spaltung im innersten Raum unseres Betens zuvorzukommen. Den Brief, den ich hiermit durch Sie den Mitgliedern der Deutschen Bischofskonferenz schreibe, werde ich auch den übrigen Bischöfen des deutschen Sprachraums zusenden lassen.

Lassen Sie mich zunächst kurz ein Wort über die Entstehung des Problems sagen. In den 60er Jahren, als das Römische Missale unter der Verantwortung der Bischöfe in die deutsche Sprache zu übertragen war, bestand ein exegetischer Konsens darüber, dass das Wort „die vielen“, „viele“ in Jes 53,1l f. eine hebräische Ausdrucksform sei, um die Gesamtheit, „alle“ zu benennen.

Das Wort „viele“ in den Einsetzungsberichten von Matthäus und Markus sei demgemäß ein Semitismus und müsse mit „alle“ übersetzt werden. Dies bezog man auch auf den unmittelbar zu übersetzenden lateinischen Text, dessen „pro multis“ über die Evangelienberichte auf Jes 53 zurückverweise und daher mit „für alle“ zu übersetzen sei. Dieser exegetische Konsens ist inzwischen zerbröckelt; er besteht nicht mehr. In der deutschen Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift steht im Abendmahlsbericht: „Das ist mein Blut, das Blut des Bundes, das für viele vergossen wird“ (Mk 14, 24; vgl. Mt 26, 28). Damit wird etwas sehr Wichtiges sichtbar: Die Wiedergabe von „pro multis“ mit „für alle“ war keine reine Übersetzung, sondern eine Interpretation, die sehr wohl begründet war und bleibt, aber doch schon Auslegung und mehr als Übersetzung ist.

Diese Verschmelzung von Übersetzung und Auslegung gehört in gewisser Hinsicht zu den Prinzipien, die unmittelbar nach dem Konzil die Übersetzung der liturgischen Bücher in die modernen Sprachen leitete. Man war sich bewusst, wie weit die Bibel und die liturgischen Texte von der Sprach- und Denkwelt der heutigen Menschen entfernt sind, so dass sie auch übersetzt weithin den Teilnehmern des Gottesdienstes unverständlich bleiben mussten. Es war ein neues Unternehmen, dass die heiligen Texte in Übersetzungen offen vor den Teilnehmern am Gottesdienst dastanden und dabei doch in einer großen Entfernung von ihrer Welt bleiben würden, ja, jetzt erst recht in ihrer Entfernung sichtbar würden.

So fühlte man sich nicht nur berechtigt, sondern geradezu verpflichtet, in die Übersetzung schon Interpretation einzuschmelzen und damit den Weg zu den Menschen abzukürzen, deren Herz und Verstand ja von diesen Worten erreicht werden sollten.

Bis zu einem gewissen Grad bleibt das Prinzip einer inhaltlichen und nicht notwendig auch wörtlichen Übersetzung der Grundtexte weiterhin berechtigt. Da ich die liturgischen Gebete immer wieder in verschiedenen Sprachen beten muss, fällt mir auf, dass zwischen den verschiedenen Übersetzungen manchmal kaum eine Gemeinsamkeit zu finden ist und dass der zugrundeliegende gemeinsame Text oft nur noch von Weitem erkennbar bleibt.

Dabei sind dann Banalisierungen unterlaufen, die wirkliche Verluste bedeuten. So ist mir im Lauf der Jahre immer mehr auch persönlich deutlich geworden, dass das Prinzip der nicht wörtlichen, sondern strukturellen Entsprechung als Übersetzungsleitlinie seine Grenzen hat. Solchen Einsichten folgend hat die von der Gottesdienst-Kongregation am 28.03.2001 erlassene Übersetzer-Instruktion Liturgiam authenticam wieder das Prinzip der wörtlichen Entsprechung in den Vordergrund gerückt, ohne natürlich einen einseitigen Verbalismus vorzuschreiben.

Die wichtige Einsicht, die dieser Instruktion zugrunde liegt, besteht in der eingangs schon ausgesprochenen Unterscheidung von Übersetzung und Auslegung. Sie ist sowohl dem Wort der Schrift wie den liturgischen Texten gegenüber notwendig. Einerseits muss das heilige Wort möglichst als es selbst erscheinen, auch mit seiner Fremdheit und den Fragen, die es in sich trägt; andererseits ist der Kirche der Auftrag der Auslegung gegeben, damit – in den Grenzen unseres jeweiligen Verstehens – die Botschaft zu uns kommt, die der Herr uns zugedacht hat. Auch die einfühlsamste Übersetzung kann die Auslegung nicht ersetzen: Es gehört zur Struktur der Offenbarung, dass das Gotteswort in der Auslegungsgemeinschaft der Kirche gelesen wird, dass Treue und Vergegenwärtigung sich miteinander verbinden. Das Wort muss als es selbst, in seiner eigenen vielleicht uns fremden Gestalt da sein; die Auslegung muss an der Treue zum Wort selbst gemessen werden, aber zugleich es dem heutigen Hörer zugänglich machen.

In diesem Zusammenhang ist vom Heiligen Stuhl entschieden worden, dass bei der neuen Übersetzung des Missale das Wort „pro multis“ als solches übersetzt und nicht zugleich schon ausgelegt werden müsse. An die Stelle der interpretativen Auslegung „für alle“ muss die einfache Übertragung „für viele“ treten. Ich darf dabei darauf hinweisen, dass sowohl bei Matthäus wie bei Markus kein Artikel steht, also nicht „für die vielen“, sondern „für viele“. Wenn diese Entscheidung von der grundsätzlichen Zuordnung von Übersetzung und Auslegung her, wie ich hoffe, durchaus verständlich ist, so bin ich mir doch bewusst, dass sie eine ungeheure Herausforderung an alle bedeutet, denen die Auslegung des Gotteswortes in der Kirche aufgetragen ist.

Denn für den normalen Besucher des Gottesdienstes erscheint dies fast unvermeidlich als Bruch mitten im Zentrum des Heiligen. Sie werden fragen: Ist nun Christus nicht für alle gestorben? Hat die Kirche ihre Lehre verändert? Kann und darf sie das? Ist hier eine Reaktion am Werk, die das Erbe des Konzils zerstören will? Wir wissen alle durch die Erfahrung der letzten 50 Jahre, wie tief die Veränderung liturgischer Formen und Texte die Menschen in die Seele trifft; wie sehr muss da eine Veränderung des Textes an einem so zentralen Punkt die Menschen beunruhigen.

Weil es so ist, wurde damals, als gemäß der Differenz zwischen Übersetzung und Auslegung für die Übersetzung „viele“ entschieden wurde, zugleich festgelegt, dass dieser Übersetzung in den einzelnen Sprachräumen eine gründliche Katechese vorangehen müsse, in der die Bischöfe ihren Priestern wie durch sie ihren Gläubigen konkret verständlich machen müssten, worum es geht. Das Vorausgehen der Katechese ist die Grundbedingung für das Inkrafttreten der Neuübersetzung.

Soviel ich weiß, ist eine solche Katechese bisher im deutschen Sprachraum nicht erfolgt. Die Absicht meines Briefes ist es, Euch alle, liebe Mitbrüder, dringendst darum zu bitten, eine solche Katechese jetzt zu erarbeiten, um sie dann mit den Priestern zu besprechen und zugleich den Gläubigen zugänglich zu machen.

In einer solchen KATECHESE muss wohl zuerst ganz kurz geklärt werden, warum man bei der Übersetzung des Missale nach dem Konzil das Wort „viele“ mit „alle“ wiedergegeben hat: um in dem von Jesus gewollten Sinn die Universalität des von ihm kommenden Heils unmissverständlich auszudrücken. Dann ergibt sich freilich sofort die Frage: Wenn Jesus für alle gestorben ist, warum hat er dann in den Abendmahlsworten „für viele“ gesagt? Und warum bleiben wir dann bei diesen Einsetzungsworten Jesu?

Hier muss zunächst noch eingefügt werden, dass Jesus nach Matthäus und Markus „für viele“, nach Lukas und Paulus aber „für euch“ gesagt hat. Damit ist scheinbar der Kreis noch enger gezogen. Aber gerade von da aus kann man auch auf die Lösung zugehen. Die Jünger wissen, dass die Sendung Jesu über sie und ihren Kreis hinausreicht; dass er gekommen war, die verstreuten Kinder Gottes aus aller Welt zu sammeln (Joh 11, 52). Das „für euch“ macht die Sendung Jesu aber ganz konkret für die Anwesenden.

Sie sind nicht irgendwelche anonyme Elemente einer riesigen Ganzheit, sondern jeder einzelne weiß, dass der Herr gerade für mich, für uns gestorben ist. „Für euch“ reicht in die Vergangenheit und in die Zukunft hinein, ich bin ganz persönlich gemeint; wir, die hier Versammelten, sind als solche von Jesus gekannt und geliebt. So ist dieses „für euch“ nicht eine Verengung, sondern eine Konkretisierung, die für jede Eucharistie feiernde Gemeinde gilt, sie konkret mit der Liebe Jesu verbindet. Der Römische Kanon hat in den Wandlungsworten die beiden biblischen Lesarten miteinander verbunden und sagt demgemäß: „Für euch und für viele“. Diese Formel ist dann bei der Liturgie-Reform für alle Hochgebete übernommen worden.

Aber nun noch einmal: Warum „für viele“? Ist der Herr denn nicht für alle gestorben? Dass Jesus Christus als menschgewordener Sohn Gottes der Mensch für alle Menschen, der neue Adam ist, gehört zu den grundlegenden Gewissheiten unseres Glaubens. Ich möchte dafür nur an drei Schrifttexte erinnern: Gott hat seinen Sohn „für alle hingegeben“, formuliert Paulus im Römer-Brief (Röm 8, 32). „Einer ist für alle gestorben“, sagt er im zweiten Korinther-Brief über den Tod Jesu (2 Kor 5, 14). Jesus hat sich „als Lösegeld hingegeben für alle“, heißt es im ersten Timotheus-Brief (1 Tim 2, 6).

Aber dann ist erst recht noch einmal zu fragen: Wenn dies so klar ist, warum steht dann im Eucharistischen Hochgebet „für viele“? Nun, die Kirche hat diese Formulierung aus den Einsetzungsberichten des Neuen Testaments übernommen. Sie sagt so aus Respekt vor dem Wort Jesu, um ihm auch bis ins Wort hinein treu zu bleiben. Die Ehrfurcht vor dem Wort Jesu selbst ist der Grund für die Formulierung des Hochgebets.

Aber dann fragen wir: Warum hat wohl Jesus selbst es so gesagt? Der eigentliche Grund besteht darin, dass Jesus sich damit als den Gottesknecht von Jes 53 zu erkennen gab, sich als die Gestalt auswies, auf die das Prophetenwort wartete. Ehrfurcht der Kirche vor dem Wort Jesu, Treue Jesu zum Wort der „Schrift“, diese doppelte Treue ist der konkrete Grund für die Formulierung „für viele“. In diese Kette ehrfürchtiger Treue reihen wir uns mit der wörtlichen Übersetzung der Schriftworte ein.

So wie wir vorhin gesehen haben, dass das „für euch“ der lukanisch-paulinischen Tradition nicht verengt, sondern konkretisiert, so können wir jetzt erkennen, dass die Dialektik „viele“- „alle“ ihre eigene Bedeutung hat. „Alle“ bewegt sich auf der ontologischen Ebene – das Sein und Wirken Jesu umfasst die ganze Menschheit, Vergangenheit und Gegenwart und Zukunft. Aber faktisch, geschichtlich in der konkreten Gemeinschaft derer, die Eucharistie feiern, kommt er nur zu „vielen“. So kann man eine dreifache Bedeutung der Zuordnung von „viele“ und „alle“ sehen.

Zunächst sollte es für uns, die wir an seinem Tische sitzen dürfen, Überraschung, Freude und Dankbarkeit bedeuten, dass er mich gerufen hat, dass ich bei ihm sein und ihn kennen darf. „Dank sei dem Herrn, der mich aus Gnad' in seine Kirch' berufen hat ...“. Dann ist dies aber zweitens auch Verantwortung. Wie der Herr die anderen – „alle“ – auf seine Weise erreicht, bleibt letztlich sein Geheimnis. Aber ohne Zweifel ist es eine Verantwortung, von ihm direkt an seinen Tisch gerufen zu sein, so dass ich hören darf: Für euch, für mich hat er gelitten.

Die vielen tragen Verantwortung für alle. Die Gemeinschaft der vielen muss Licht auf dem Leuchter, Stadt auf dem Berg, Sauerteig für alle sein. Dies ist eine Berufung, die jeden einzelnen ganz persönlich trifft. Die vielen, die wir sind, müssen in der Verantwortung für das Ganze im Bewusstsein ihrer Sendung stehen. Schließlich mag ein dritter Aspekt dazukommen. In der heutigen Gesellschaft haben wir das Gefühl, keineswegs „viele“ zu sein, sondern ganz wenige – ein kleiner Haufen, der immer weiter abnimmt. Aber nein – wir sind „viele“: „Danach sah ich: eine große Schar aus allen Nationen und Stämmen, Völkern und Sprachen; niemand konnte sie zählen“, heißt es in der Offenbarung des Johannes (Offb 7, 9). Wir sind viele und stehen für alle. So gehören die beiden Worte „viele“ und „alle“ zusammen und beziehen sich in Verantwortung und Verheißung aufeinander.

Exzellenz, liebe Mitbrüder im Bischofsamt! Mit alledem wollte ich die inhaltlichen Grundlinien der Katechese andeuten, mit der nun so bald wie möglich Priester und Laien auf die neue Übersetzung vorbereitet werden sollen. Ich hoffe, dass dies alles zugleich einer tieferen Mitfeier der heiligen Eucharistie dienen kann und sich so in die große Aufgabe einreiht, die mit dem „Jahr des Glaubens“ vor uns liegt.

Ich darf hoffen, dass die Katechese bald vorgelegt und so Teil der gottesdienstlichen Erneuerung wird, um die sich das Konzil von seiner ersten Sitzungsperiode an gemüht hat.

Mit österlichen Segensgrüßen verbleibe ich im Herrn Ihr

Benedictus PP XVI.

Mittwoch, 30. November 2011

Heiliger Siegfried von Schweden


Nicht selten werde ich gefragt, wer denn eigentlich der hl. Siegfried gewesen sei, - und warum ich diesen Ordensnamen gewählt hätte.

Es ist natürlich nur ein "klösterliches Gerücht", dass die anderen beiden Namen, die ich dem damaligen Erzabt Notker Wolf für meinen Ordensnamen vorgeschlagen habe, "Wotan" und "Tristan" gewesen sind. 

 Nein, der hl. Siegfried war ein Benediktiner, sogar ein echter "Missionsbenediktiner", weshalb der Name in unserer Kongregation sich sogar einer gewissen Beliebtheit erfreut(e). Man findet (auch im Internet.) eigentlich recht wenig Informationen über den hl. Siegfried, weshalb ich mich entschlossen habe, seine Legende (und einiges andere Quellenmaterial) zu veröffentlichen, um diese empfindliche "Wissenslücke" - mit Hilfe aus unserer umfangreichen Klosterbibliothek - etwas zu füllen.


I. INFORMATIONEN ÜBER DEN HL. SIEGFRIED AUS DER KLOSTERBIBLIOTHEK:
a) Als erstes möchte ich einmal das Buch vorstellen, dass mich 1998 bei meiner Aufnahme in das Noviziat dazu bewegte, den Namen "Siegfried" ganz oben auf die "3er-Wunsch-Ordensnamenliste" zu stellen, aus die der Abt dann einen der drei Namen auswählt: 

 KALENDARIUM BENEDICTUM: DIE HEILIGEN UND SELIGEN DES BENEDIKTINERORDENS UND SEINER ZWEIGE. VERFASST VON P. ALFONS M. ZIMMERMANN O.S.B. -  METTEN 1933




15. FEBRUAR

S. Sigfrid (Siegfried), Bischof.

Das Fest des heil. SIGFRID, Bischofs und Apostels der skandinavischen Länder. — Sigfrid, von den isländischen Sagas Sigurd genannt,1 war Mönch von Glastonbury 2 und wurde zum Missionsbischof für Norwegen geweiht. Er wurde der bedeutendste Mitarbeiter des hl. Olaf Haraldson bei der Bekehrung Norwegens. Der apostolische Eifer des Königs wie seines Bischofs beschränkte sich aber nicht auf dieses Land allein. Von Olaf gesandt, ging Sigfrid auch nach Schweden zu König Olaf Erikson (Skötkonung), der in Sigtuna seine Hauptstadt hatte. Es gelang ihm eine Anzahl Männer für das Christentum zu gewinnen und vor allem den König selbst zu taufen — die Überlieferung nennt als Taufort die Quelle Husaby 3 —, aber die überwiegende Mehrzahl der Bauern am Mälarsee wollte von Thor und seinem Hochsitz zu Uppsala nicht lassen. Vor ihrer Gegnerschaft zog sich der König samt dem hl. Sigfrid in das südlicher gelegene Gotland zurück. Hier waren die Erfolge größer; zu Skara konnte der erste schwedische Bischofsitz errichtet werden, für welchen Erzbischof Unwan von Hamburg einen gewissen Thurgot weihte. Einzelnes über die Wirksamkeit des hl. Sigfrid in Gotland ist nicht bekannt. Allein Anschein nach hat er auch in Norwegen wieder gearbeitet und überhaupt eine Art Oberleitung der skandinavischen Mission innegehabt.4  Die letzten Jahre seines Lebens, vielleicht seit dem Heldentod des hl. Olaf Haraldson (1030), wirkte er in der südschwedischen Provinz Värend, wo man später zu Växjö sein Grab verehrte. Das Jahr seines Hinscheidens ist nicht bekannt;5 als Tag gibt das Totenbuch von Malmesbury den 5. April, die nordische Überlieferung dagegen den 15. Februar, an dem auch sein Fest gefeiert wurde.
 

ANMERKUNGEN:
1 Die Hauptfrage ist, ob der von Bremen als erster norwegischer Bischof genannte Johannes   identisch ist mit dem als dritter Bischof bezeichneten Sigfrid. E. Bishop bejaht es mit guten Gründen, ebenso schon G. Dehio, Gesch. des Erzbist. Hamburg (1877), I 154f, dann Willson und Beckman (s. u.). Sicher wissen der Mönch Theodorich und die Sagas nur von  einem Bischof Jön Sigurd; andererseits unterscheidet Adam von Bremen ausdrücklich zwischen Johannes, dem Bischof Olaf Tryggvassons, und den BB Sigfrid und Sigward, und sein Zeugnis ist das gewichtigste. 

2 Daß der Hl. Mönch in Glastonbury gewesen, ergibt sich  aus dem Eintrag im Obituariuin: "Nonas Aprilis obiit Sigefridus Norwegensis Episcopus monaclius Glastoniae ; hic misit iv cappas, ii cum leonibus, et ii croceas" (Willi. Malmesb. Antiquitates Glaston. MGScript XV 325). 
Das Sterbedatum der Sagas (15. II.) kann dem gegenüber keine ausschlaggebende Schwierigkeit bilden. Schmid (lc, 19f), der übrigens die Identität mit dem hl. S. nicht bestreiten will, hat Wilh. Malm. dahin  m i ß verstanden, daß S. in Glastonbury begruben sei.

3 Später s. Sigfridsquelle genannt, in der Reformation verschüttet. In der Kyrkohist. Arsskrift uitgefven af H. Lundström XVII (1916), 84/7 wird der vom hl. Bruno 1008 für die Suigi geweihte Bischof (episcopus noster) mit dein Bekehrer des Königs kombiniert (cf H. S. Voigt, Brun von Querfurt, 121f; 278f). Nils Höger, der bereits in Histor. Tidsskrift XXXIII (1913), 224/9 die gleiche Möglichkeit untersucht hatte, kommt zum Schluß, daß man nichts sagen kann. Wie über den taufenden Bischof hat man auch über den Taufort gestritten. Nat. Beckman weist in Kyrkohist. Arsskrift XI (1910), 214/9 nach, daß die zwei Traditionen, daß K. Olaf zu Husaby, und die andere, daß er in Birgitta källa getauft worden sei, ein und dasselbe besagen. Die besondere Verehrung der
irischen Heiligen Brigida an der Husaby- bezw. Sigfridsquelle betrachtet Beckman übrigens mit Recht als Beweismoment für die englische Herkunft des taufenden Bischofs. Schmid, 54/67 meint, daß durch die Tradition die Zugehörigkeit Husabys zum Dom-Stift Skara erklärt und gestärkt werden soll.

4 Nach Anathon Aall, St. Sunniva og Biskop Sigurd (Hist.Tidsskrift de Kristiania 1897, 315ff) ist B. Sigfrid der Urheber der Legende der hl. Sunniva (BHL 7930, Potthast 1587), deren Kult er begründete und in den Dienst seiner Mission stellte (?). — 
Der Mönch Theodorich wie die Sagas schreiben dem hl. Sigurd den Bau des Benediktinerklosters auf Nidarholm zu; nach Matthaeus Paris, wäre das Kloster 1028 von König Knut gestiftet (vgl. C. A. Lange, De norske Klostres Historie i Micldelalderen, Christiania 21856, 199/201).

5 Zum letztenmal ist S. bezeugt 1029, als er am Begräbnis des Skara-Bischofs Thurgot in Hamburg teilnahm.


QUELLEN:
a) Die einzige, zeitgenössische Quelle für die nordische Mission wäre Adam von Bremen, aber er hat nur Blick für die Bremer Jurisdiktionsansprüche. Auch schwächt er seine Berichte nicht selten durch „dicitur" etc ab. Von Sigfrid spricht er Gesta Pont. Hammaburg. II cc 55, 62; III c 14; IV c 33 (MGScript VII 326ff; ed Schmeidler, 117ff; 124f; 155; 264).

b) Theodorich, Mönch von Nidarholm, verwertet in seiner Historia de antiquitate regum Norwagiensium (vollendet 1177/80) neben Adam von Bremen auch die isländischen Sagas, die bereits die von Adam unterschiedenen Bischöfe Sigfrid und Sigward (von Trondhjem) in einen verschmelzen und mit Olaf Tryggvasson verbinden. Die Edd von Theodorich s. Potthast II 1055.

c) Über die Olaf Tryggvassons Sagas der isländischen Benediktiner Oddr (um 1190) und Gunnlaugr (+ 1218/9) und die spätere Ausgestaltung der Sigfridlegende auf Island überhaupt vgl. Schmid, 23/53.

d) Gesta s. Sigfridi (BHL 7716), nach Angabe der Värend-Bischofslegende 1205/6 vf., offenbar in Växjö; ed Fant, Script. rer. Suec. II 344/64 (mit alter schwedischer Bearbeitung) ; eine bessere Ausgabe bereitet T. Schmid vor. Nach diesem Autor (lc, 53ff ; 89/98) liegt dieser Schrift u. a. auch eine nicht mehr erhaltene Aufzeichnung über die Bekehrungsgeschichte Schwedens zugrunde, die um Mitte des 12. Jhs in Uppland vf. sein muß.

e) Zur späteren Entwicklung der Legende in den einzelnen schwed. Hochstiften und dänischen Chroniken vgl. Schmid, 99ff. — Die Vita s. Sigfridi (BHL 7707), ed Fant lc, 365/70 ist eine kürzere Bearbeitung der Gesta (Historia) s. Sigfridi. — Lektionen aus dem Brevier von Skara (BHL 7708) ed Fant, 371f.
 

LITERATUR:
ActaSSBoll Febr II 847/51 — A. D. Joergensen, Den nordiske kirkes grundlaeggelse og foerste udvilking (Koebnhavn 1878), bes. Anhang, 52/5; 97f. — Edrn. Bishop, Dublin Review XCVI (1885), 142/8 — Abs. Taranger, Den angelsaksiske kirkes indflydelse paa dennorske (Kristiania 1890), 143/80 — H. Hildebrand, St. Sigfrid och hans mission (Historisk Tidsskrift XI [Stockholm 1891], 73/88); zeigt in manchen Punkten eine merkwürdige Unkenntnis — Thom. B. Willson, History of the church and state in Norway (Westminster 1903), 42ff — Toni Schmid, Den helige Sigfrid (Lund 1931); grundlegende Untersuchung, wenn auch m. E. gegen die ältere Überlieferung etwas zu kritisch; pp 129/40 Besprechung der übrigen nord. und deutschen Literatur.
 

KULT:
Beste Darstellung der Entwicklung des Kults bei Schmid lc, 68/ 121. In den nordischen Quellen wurde S. von Anfang an als heilig oder selig bezeichnet. Sein Fest ist zum erstenmal 1292 in Strengnäs urkundl. bezeugt; im 14. bzw. 15. Jh in allen schwedischen (cf G. Lindberg, Die schwedischen Missalien des MA I, Berlin 1924, Sllf) und norwegischen DD. In Schweden war S. neben dem hl. Olaf der große Landespatron. In Dänemark war Roskilde ein Mittelpunkt seines Kults, außerhalb Skandinaviens wurde er nur in Birgittinnenklöstern verehrt. Jetzt Fest noch in Schweden 15. II. (Proprium Patronorum Poloniae et Sueciae, Mecheln 1850, hat ein Off. pr. am 24. II.). Über sein Andenken in den Mrll s ActaSSBoll lc. — Über dem Grab in Växjö (Schmid läßt es dahingestellt, ob es wirklich sein Grab war) errichtete man einen Altar, die Rel. daselbst wurden von den Neuerern des 16. Jhs als „Monument des Aberglaubens" zerstört (cf Bishop lc, 148). Rel. außerhalb Växjö werden erst zu Ausgang des MA mehrfach erwähnt (Schmid, 121).

Montag, 5. April 2010

Regina caeli laetare



Regina, caeli, laetare, alleluia:
Quia quem meruisti portare, alleluia,
Resurrexit sicut dixit, alleluia.
Ora pro nobis Deum, alleluia
.

Donnerstag, 25. März 2010

"Wolfgang, du bist mal wieder dein bester Gast!"


VON CHRISTOPH SCHLINGENSIEF

Wie man in Bayreuth an den Schnittchen ablesen konnte, ob man sich gerade im Gnadenstand befand

Das letzte Mal sah ich Wolfgang Wagner bei der Trauerfeier von Gudrun Wagner. Das war sehr traurig und sehr anrührend wie er da saß...
Das letzte Mal gesehen und auch gesprochen habe ich ihn im letzten Jahr von Parsifal kurz vor Eröffnung der Festspiele 2007. Es gab da damals diesen kleinen Konferenzsaal, in dem die Königsfamilie Wagner in den Pausen gerne einige Auserwählte zu einem kleinen Plausch einlud. Und in diesem Raum fanden auch die Sitzungen für neue, aber auch laufende Produktionen statt. Da müssen also alle mal gesessen haben. Jedenfalls in den letzten 20 Jahren.

Zu Beginn der Besprechungen zum Parsifal bekamen wir großartige Schnittchen mit Lachs, Leberwurst vom feinsten, hervorragende Fleischwaren, Getränke rund um den Globus und sogar zum Kaffee noch hervorragende Pralinen oder Kuchenstücke, die ihres gleichen suchten. Im Verlaufe der Produktion stürzten wir aber ab und saßen bereits im zweiten Jahr nur noch mit einer von jenen Keksdosen am Konferenztisch, die man normalerweise von schlecht sehenden Großtanten kennt. Irgendwelche zerbrochenen, ausgetrockneten Plätzchen mit leicht grauer Schokoladenfüllung oder merkwürdigem Käsegeschmack. Diese Reduzierung aufs Mindeste hatte nicht nur mit der finanziellen Situation zu tun, die auch bewirkte, dass mir jedes Jahr schriftlich mitgeteilt wurde, dass nur1000 Euro für Kostüm- oder Bühnenänderungen zur Verfügung stünden, sondern vor allem mit der dadurch sinnfällig werdenden Tatsache, dass man in der Gunst von Gudrun extrem abgestürzt war.

Aber auch das war egal, weil es ja um die Arbeit ging und nicht um irgendwelche Schnittchen. Und genau diese Arbeit war, egal wie groß der Stress und die Gehässigkeiten, die Verachtung und der Widerwille an diesem Ort geschürt wurden, für mich die größte Freude, die man mir jemals bereitet hat. Das möchte ich an dieser Stelle ausdrücklich noch einmal wiederholen, weil es noch immer irgendwelche Hofschranzen gibt, die behaupten, ich wäre undankbar und wolle Bayreuth nur noch schlecht reden, weil sie damit ihre Chance wittern, irgendwann zum inneren Zirkel des großen Wagnerkuchens zu gehören, überhaupt nicht verstanden haben, bzw. eben immer nur Informationen aus zweiter Hand haben. Die Momente, über die so viele Gerüchte kursieren, einmal live erlebt zu haben, ist eine Belohnung, die ich nicht missen möchte.

Was war das für eine helle Freude, wenn Wolfgang Wagner selbst gegen den Willen seiner Frau mit mir Kontakt aufnahm, um dann ganz großartige Geschichten über die Wollunterhose von Winnie zu berichten oder über Furtwängler, der fast vom Mähdrescher auf der Judenwiese bei dem Versuch, ein weiteres Blumenmädchen zu verführen, überrollt worden wäre. Da lachte Wolfgang, da blitzten seine Augen. Oder wenn er erzählte, wie er es schaffte Gelder vom Marshallplan so umzuleiten, dass sie in der Bayreuther Scheune landeten. Der Mann war ein Schlitzohr und das genoss er jede Stunde! Immer wieder tauchte er auf - nicht nur bei mir - und sagte: "Machen Sie doch was Sie wollen. Sie haben künstlerische Freiheit! Das interessiert mich nicht mehr!!" Ich weiß noch, wie er vor der ersten Probe im zweiten Jahr auf die Probebühne kam und schrie: "Was soll das? Ist jetzt schon schlechter als im letzten Jahr!" Da hörte man ihn in seinem tiefsten Inneren regelrecht grölen. Denn er liebte seine Kommentare, seine Geschichten, seine Auf- und Abtritte. Wenn er dann die große Bühne "endgültig" verließ und schrie, dass es auch der Letzte in der letzten Reihe hören konnte: "Machen Sie doch was Sie wollen. Das interessiert mich nicht mehr!", so saß er schon 2 Minuten später wieder auf seinem eigenen Inspizientenstuhl auf der linken Seite (vom Zuschauerraum aus gesehen) oder er marschierte gleich zu Gudrun, die in ihrem Zimmer sämtliche Überwachungskameras oder Abhörmikrophone bedienen konnte.

Es war wirklich viel los in diesem kleinen Königshaus, was nicht mit Geld zu bezahlen ist. Und wenn ich dann lese, ich würde die Hand meines Arbeitgebers schlagen oder so was... dann lache ich noch lauter als Wolfgang, denn zum einen lebe und arbeite ich mittlerweile woanders und zum anderen war die Zeit mit Wolfgang so ziemlich das Tollste, was ich überhaupt je auf einer Bühne erlebt habe. Alleine in den ersten zwei Jahren Pierre Boulez erleben und von ihm lernen zu dürfen, dann zu sehen was passiert, wenn der neue Parsifalsänger plötzlich anfängt zu leben, ein wirklicher Mensch zu sein, oder im dritten Jahr zu lernen, wie einige Sänger nicht mehr über eine Verlängerung informiert wurden, weil sie sich kritisch über das Haus geäußert hatten und deshalb plötzlich umbesetzt wurden... das waren Sternstunden der Musikausbildung! Und das Tollste war Wolfgang, der zwar im dritten Jahr stark vernachlässigt mit Löchern in der Hose durchs Haus stolperte bis sich dann Katharina für ihren Vater einsetzte und dafür sorgte, dass er nicht jeden zweiten Tag die Treppe runterfiel, wenn er immer wieder durch "sein Haus" und somit "sein Werk" schritt! Ja, so muss ich es sagen. Bei allen Alterserscheinungen fand er immer wieder Kraft in seiner Scheune, in seinen Probenräumen, den Konferenzen, den kleinen und großen Kriegen. Wolfgang war wirklich Bayreuth! Und über Gudrun muss ich ja nichts schreiben.

Aber Wolfgang hat mich sehr beeindruckt, und nach vier Jahren, als dann auch der eine Sänger nicht mehr mit am Tisch essen durfte und unser Parsifal mittlerweile mehr als positiv denn als negativ für die Entwicklung Bayreuths eingestuft wurde, (worüber nicht nur ich mich gefreut habe, sondern auch Wolfgang und Katharina), da war der Laden schon wieder ein bisschen weicher geworden. Da war es teilweise sogar richtig angenehm. Und da endet dann auch meine kleine Geschichte über die Parsifalzeit in Bayreuth.

Wir saßen wieder in diesem verwanzten Konferenzzimmer... und diesmal wurden wir mit Tramezzinis der allerbesten Art überschüttet. Wolfgang und ich saßen uns gegenüber. Gudrun links, mein Team rechts und links an meiner Seite. Und Wolfgang und ich haben vor lauter Glück, dass kein männlicher Intrigant mehr am Tisch saß, sondern plötzlich so ein kleiner Frieden eintrat, unzählige dieser Toastdinger in uns reingestopft. Es brach sozusagen ein großer gemeinsamer Hunger aus. Ein Hochgenuss sozusagen, bis Gudrun dann irgendwann sagte: "Wolfgang, du bist mal wieder dein bester Gast!", und da hörte Wolfgang Wagner auf zu essen, wischte sich den Mund ab, stand auf, deutete mir an, dass er mich vorne an der Türe sehen wollte,... ich folgte ihm und dort, bei geöffneter Türe wohlgemerkt, sagte er zu mir: "Gell, das war schon toll! Das war eine tolle Sache mit uns. Wir waren doch immer Freunde, nicht wahr?! ... und da habe ich "Ja, Herr Wagner" gemurmelt! und musste fast heulen. Wir haben uns sogar kurz in den Arm genommen. Kurz, aber herzlich, und ich bin dann wie benommen davongegangen.

Ob die anderen noch weiter gegessen haben, weiß ich nicht mehr... und ich rufe dem alten Herren zu: AUF WIEDERSEHEN! Das ist für alle Menschen die schönste Drohung, die man so aussprechen kann. Und in diesem Falle wäre es sogar eine sehr schöne Drohung, auch wenn die Hofschranzen daraus wieder etwas Böses lesen wollen... Ich mag Bayreuth und ich bin sehr gespannt, was daraus werden wird. Auch wenn die Zeichen momentan eher auf Keksdose stehen!

in: DIE WELT (23.3.2010)

Freitag, 12. März 2010

(M)ein Morgengebet


Höchster, lichtvoller Gott,
erleuchte die dunkle Nacht in meinem Herzen.

Gib mir
einen Glauben, der aufrichtet.
Eine Hoffnung, die Halt gibt.
Eine Liebe, die Maß nimmt an der Liebe Jesu Christi.

Gib mir Herr,
eine Erkenntnis, die weiterführt
und einen Sinn, der alles durchdringt.

Lass mich die Würde erfahren, die Du mir schenkst
Und den Auftrag tun, den Du mir zugedacht hast.

Ich brauche dich, Herr,
als meinen Lehrer,
tagtäglich brauche ich dich.
Führe du mich, du mildes Licht,
führe du mich den Weg.

Die Nacht ist dunkel, und ich bin fern der Heimat.
Führe du mich den Weg!
Leite du meinen Schritt.

Du hast bis jetzt mich geführt.
Du wirst mich sicher auch weiterhin führen:

durch Moor und Sumpf,
über Fluten und felsige Klippen
bis vorüber die Nacht
und die Engel mich am Morgen grüßen.

Ich habe sie immer geliebt.
Nur bisweilen vergessen ihr Licht.

Amen.