Rossini darf man nicht ernst nehmen. Zumindest nicht in Bezug auf seine Charaktere, die er im Il Barbiere Di Siviglia auf die Bühne bringt. Schließlich geht es hier nicht um Realistik und Erkenntnis, sondern um bestmögliche Unterhaltung für ein Publikum, das bereits einiges an opernhafter Darstellung gewöhnt war. Das hatte Jean-Pierre Ponnelle verstanden und an der Mailänder Scala eine wunderbar skurrile Inszenierung geschaffen.
Gioacchino Rossini (1792-1868) hatte nicht viel Zeit benötigt. Nachdem sein Auftraggeber, das Teatro Argentina Rom, bereits mehrere Libretto-Vorschläge abgelehnt hatte, entschied er sich für einen Stoff von Pierre de Beaumarchais, der bereits wenige Jahrzehnte zuvor von Giovanni Paisiello vertont worden war. Es handelte sich um ein Liebes- und Verwirrspiel, das mit viel Witz und Verkleidung umgesetzt werden konnte: Der alternde und ein wenig realitätsferne Doktor Bartolo bildet sich ein, sein Mündel Rosina heiraten zu können und nebenbei deren umfangreiche Mitgift einzusacken. Er hat jedoch nicht mit dem Grafen Almaviva gerechnet, der sich in die junge Frau verliebt, und sich ihr nun in verschiedenen Verkleidungen nähert. Da Rosina die Werbung erwidert, scheint alles auf einen tragischen Konflikt zuzulaufen, der jedoch in Rossinischer Weise geschickt verhindert wird. Denn Figaro, der stadtbekannte Barbier von Sevilla, steht auf der Seite des Grafen und verhilft ihm mit verschiedenen Listen Zutritt zu Bartolos Haus. Erfolgreich wird der hohe Herr schließlich als verkleideter Musiklehrer. Obwohl der misstrauische Bartolo einen Notar bestellt hatte, um seine eigene Liaison mit Rosina zu besiegeln, gelingt es ihm nicht, sein Mündel und den Grafen gegeneinander auszuspielen. Die Komödie endet mit der hektischen Hochzeit Almavivas und Rosinas, die alle Ränke und Zänke in Wohlgefallen auflöst. Das Ganze wurde vom jungen Rossini derart frisch und unmittelbar in nur 26 Tagen Entstehungszeit in eine Oper verwandelt, dass auch die Anhänger Paisiellos, die erschienen waren, um die Uraufführung am 16. Februar 1816 auszupfeifen, den Erfolg nicht verhindern konnten. Der Barbier von Sevilla wurde zu einem der beliebtesten Werke seiner Gattung, dessen Popularität bis heute unvermindert anhält.
Und er erfordert ein besondere Umsicht in der Inszenierung, um die Stimmung zwischen Geschichtlichkeit und Gegenwart changieren zu lassen. Der Regisseur und Bühnenbildner Jean-Pierre Ponnelle entwickelte in den späten Sechzigern für die Mailänder Scala eine Aufführung, die gar nicht erst versuchte, progressiv zu sein, es auf diese Weise aber gerade wurde. Sein Barbier findet in typischen Theaterräumen statt, dezent überzeichnet nach Inspiration durch die Commedia Dell' Arte, und legt Wert auf die gleichberechtigte Ausgestaltung der Charaktere. Hier gibt es keine eigentliche Hauptperson, wie auch mit dem Staraufgebot der Solisten sich kein spezieller Fokus auf eine Rolle anbot. Enzo Dara durfte einen grotesk misstrauischen Bartolo spielen, Hermann Prey überzeugte durch die lebensvolle Darstellung des Figaro. Teresa Berganza wiederum mimte eine schnippisch charmante Rosina und Luigi Alva schließlich machte sich prächtig als liebestoller Graf. Dirigiert wurden die Aufführungen vom juvenil schmissigen Claudio Abbado, den man als Pilzkopf im Stil der Zeit während der Ouvertüre bei der Arbeit zusehen kann. So entstand schließlich eine pittoreske Aufführung, die unter filmischer Maßgabe mit theaterhafter Charakteristik im Jahr 1972 im Studio nachgestellt und für die Nachwelt festgehalten wurde.
Seit 1997 Benediktinermönch in der Erzabtei St. Ottilien (Bayern). Wurde dort 2004 zum Priester geweiht. Bisherige Tätigkeitsfelder: Seelsorger, Klosterbibliothekar, Webmaster, Mitarbeiter im Antiquariat und der Klostermetzgerei, Tischdiener, Mitglied des Geheimen Rates. Mich interessieren besonders: Gott, die Musik Richard Wagners, gute Zigarren und Pfeife rauchen, sowie lesenswerte Bücher (genau in dieser Reihenfolge).
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