Montag, 8. Juni 2026

Was ein Mönch so hört (20) - Das Beste vom Besten: Furtwänglers Wagner

 

Diese mitreißende Sammlung bestätigt Furtwängler einmal mehr als den tiefgründigsten und überzeugendsten aller Wagner-Dirigenten. Wie traurig, ja fast tragisch, dass er nicht einige Jahre länger lebte, um die Vorteile der Stereotechnik zu nutzen und seine EMI-Studioaufnahme des Rings mit den Wiener Philharmonikern oder dem Philharmonia Orchestra zu vollenden. Orchester, die, wie diese Aufnahme beweist, beide in der Lage waren, die großen Visionen des Dirigenten vollends umzusetzen.

Jede dieser Interpretationen ist etwas Besonderes, die meisten davon waren viel zu lange nicht erhältlich. Besonders interessant sind die Ouvertüren und das Vorspiel zu den frühen Werken des Komponisten, da es sich um Opern handelt, mit denen der Dirigent nicht so eng verbunden war wie mit den späteren. Das Wort „Schwung“ beschreibt treffend die Interpretationen der Holländer- und Tannhäuser-Ouvertüren. Hinzu kommt Furtwänglers unvergleichliches Talent, disparate Motive zu einer einzigen, überzeugenden Einheit zu verbinden. Beide Werke sind hervorragend gespielt und von mehr als zufriedenstellender Aufnahmequalität. Das Lohengrin-Vorspiel, aus einer der letzten Aufnahmesitzungen des Dirigenten, klingt sogar noch besser und profitiert vom transparenten Klang der Wiener Philharmoniker. 

Die Ausschnitte aus Tristan und Parsifal stammen aus der Vorkriegszeit und gehen auf die berühmten Aufnahmesitzungen von 1938 mit den Berliner Philharmonikern zurück. Furtwänglers absolut fesselnde Interpretationen der beiden Vorspiele steht in ihren visionären, erhabenen Passagen denen von Knappertsbusch in nichts nach. Während Furtwänglers Parsifal von grandioser Eloquenz zeugt, ist seine Ouvertüre zu den Meistersingern erhebend und lebensbejahend, mit schwebenden Streichern und majestätischem Blech – ein weiterer Beweis dafür, wie er auf den spezifischen Klang jedes einzelnen Werkes einging. Niemand hat die Andeutungen von Sachs' Charakter im Vorspiel zum 3. Akt je tiefer ergründet. 

Schließlich, besitzen wir aus der Götterdämmerung die ergreifenden, letztlich tragischen Aufnahmen des Vorspiels, der Rheinfahrt und des Trauermarsches aus den Aufnahmen von 1954, sowie Flagstads grandiose Interpretation der Schlussszene. Wer hat seither den Gesangspart mit Flagstads Weite und Majestät besser gestaltet? Das Nachspiel zeigt Furtwängler in Höchstform und die Streicher und Blechbläser des Philharmonia Orchestra, spektakulär aufgenommen, in Bestform. 

Mit etwas Fantasie lässt sich die einzigartige Pracht dieser Interpretationen voll erfassen: Das Beste vom Besten!

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