Im Zentrum steht Rossinis Musik: elegant und unendlich vielfältig, erhebt sie selbst die absurdesten Situationen und vereint Lachen und ergreifende Gefühle zu einer einzigartigen künstlerischen Vision. Ponnelle fängt die kontrastierenden Stimmungen der Oper – Lachen und Melancholie – meisterhaft ein und rahmt sie mit Bühnenbildern ein, die an Pappfiguren erinnern und in Schwarz-Weiß wie Tuschezeichnungen gemalt sind. Sein komödiantischer Ansatz respektiert Tradition und Raffinesse und vermeidet Übertreibung und Vulgarität. Das Ergebnis ist eine Inszenierung von erlesener Schönheit und bezauberndem Charme.
Die Aufführung unter der hervorragenden musikalischen Leitung von Gianluca Capuano konnte auf ein harmonisches Sängerensemble zählen, dessen Stimmen perfekt mit der Partitur harmonierten. Die erst 24 jährige Mezzosopranistin Ekaterine Buachidze verkörperte eine zauberhafte, entschlossene Angelina/Cenerentola und meisterte die anspruchsvolle Tessitur mit scheinbarer Leichtigkeit. Ihre agile Stimme blieb auch in den höchsten Lagen rein und wurde von ihrem Atem perfekt unterstützt. Die Protagonistin zeigte eine herausragende Koloraturbeherrschung. Ihr Mezzosopran war in der hohen Lage fokussiert, mit einem kräftigen oberen Register und strahlenden Spitzentönen. Ekaterine Buachidze war der absolute Star des Abends und ich wage zu behaupten, dass diese junge und dazu auch noch bildhübsche Sängerin eine Weltkarriere machen wird: Dies war der Startschuss!
Ihre Interpretation des abschließenden Rondos „Non più mesta“ war elektrisierend, voller Koloraturvielfalt und echter Begeisterung. Aber hören Sie Ekaterine Buachidze mit diesem finalen Rondo selbst, dann werden Sie meine Prophezeiung verstehen:
Auch der Tenor Maxim Liam Bonthrone gilt als aufstrebender Stern unter den Rossini-Interpreten: Er gab einen sehr stilvollen Don Ramiro, der, obwohl verkleidet, stets die nötige Distanz zu seinem Diener Dandini wahrte. Letzterer wurde vom Bariton Konstantin Krimmel verkörpert, der stimmlich makellos und in der Buffo-Rolle sehr überzeugend war, ebenso wie der Bassbariton Misha Kiria als ein entzückender Don Magnifico. Die beiden Sängerinnen Narea Son und und Meg Brilleslyper überzeugten ebenfalls in den Rollen der zänkischen Clorinda und Tisbe, Angelinas Stiefschwestern. Bassbariton Luca Pisaroni verkörperte mit seiner markanten Stimme und seiner imposanten Bühnenpräsenz einen autoritären Alidoro.
Letztendlich muss ich sagen, dass diese Aufführung einer der schönsten und unterhaltsamsten Opernabende war, die ich bisher erleben durfte. Und da Ponelles berühmte Inszenierung nicht nur an der Bayerischen Staatsoper, sondern auch weltweit in vielen bedeutenden Opernhäuser (wie hier 2014 in San Francisco) aufgeführt wurde, möchte ich Ihnen diese herzlich empfehlen. „La Cenerentola“ vereint Humor, mitreißenden Gesang und ein bewegendes Plädoyer für Vergebung.
Viel Vergnügen beim Zuschauen!



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