Sonntag, 31. Mai 2009

Einfach himmlisch! - Haydns sechs späte Messen

Joseph Haydn war ein frommer Mann. Unter seine Partituren schrieb er "S.D.G." ("Soli Deo Gloria" – Allein Gott sei Ehre). Und als er gegen Ende seiner Laufbahn die unvergleichliche "Schöpfung" komponierte, sah er sich als bescheidenes Werkzeug Gottes: "Nie war ich so fromm als bei der Komposition der 'Schöpfung'. Täglich fiel ich auf die Knie und bat Gott, daß er mich stärke für mein Werk." - Heute, am 31. Mai, jährt sich sein Todestag zum 200. Mal.

In seinen letzten Lebensjahren widmete Haydn seine ganze Kraft der geistlichen Musik. Seine späten sechs Messvertonungen – die Pauken-, Heilig-, Nelson-, Theresien-, Schöpfungs- und Harmoniemesse (1796-1802) – sind Inbegriff klassischer Messkompositionen und neben Schuberts und Bruckners Messen ein Höhepunkt katholischer Kirchenmusik.

Haydn führt darin die klassische Polyphonie zu ungeahnter Höhe. "Auf meine Messen bin ich etwas stolz." Dieser - wie immer bescheidener - Ausspruch Haydns über seine "sechs späten Messen" sagt einiges aus über die hohe Qualität und die kompositorische Finesse seiner kirchenmusikalischen Meisterstücke.



Meines Erachtens gehören diese 6 „späten“ Haydn-Messen zum absolut Besten, was je an katholischer Kirchenmusik geschrieben worden ist. Sie sind tiefsinnig, fromm, fröhlich, - einfach wunderschön:

Ein perfektes Zusammenspiel schier unbändiger Kraft und Frische. Wer ebenfalls an dieser unerschöpflichen „Kraftquelle“ teilhaben möchte und seiner (katholischen) Seele wirklich etwas Gutes gönnen möchte, dem kann ich nur dringend die beigeisternde 4-CD-Box mit dem Tölzer Knabenchor unter dem packenden Dirigat von Bruno Weil empfehlen, die gerade im Jubiläumsjahr erschienen ist: Einfach himmlisch!


Joseph Haydn, Harmoniemesse

In der "Harmoniemesse" kommt Haydns ehrfürchtiger, doch stets lebensbejahender katholischer Glauben m. E. besonders deutlich zum Ausdruck: "Nicht von düsterer, gequälter Art, sondern vielmehr heiter und versöhnt", wie sein Freund und Biograph Georg A. Griesinger festhielt.

Joseph Haydn, Te Deum n.2 in C-Dur 

Haydns herrliches, schwungvoll-mitreißendes "Te Deum" für Kaiserin Marie Therese ist quasie als "Zugabe" auch in der oben empfohlenen CD-Box enthalten!

Dienstag, 26. Mai 2009

Regenmäntel, Pferdedecken und andere Messgewänder

Bereits vor einiger Zeit hat "Don Johannes" einen Beitrag über die "Kultur der Hässlichkeit" geschrieben, die (leider) immer noch aktuell ist: Warum Priester in die Sakristei reingehen und aus dem Reitstall rauskommen, sie Geld zu Stroh machen und es Gläubige zum Wiehern finden. - Ein Plädoyer gegen Polyester, ein Plädoyer gegen die Hässlichkeit:

Während die Welt all die spinatgrünen Badezimmerfliesen und orange-farbigen Vorlegerteppiche weitgehend im Ausguss des Vergessens entsorgt hat; während fast alle ihre Plastikmöbel aus den 70ern zum beinahe ewigen Andenken den Müllbergen hinterlassen haben; während also all die Menschen langsam zur Vernunft kommen, dauert eine der bizarrsten kunstgeschichtlichen Epochen in den Sakristeischränken fast ungebrochen an.

Da tanzen nach wie vor schräge, verzerrte Quadrate mit Kreisen und Strichen auf den Kaseln um die Wette. „Dynamik“ nennt man das mit schönen Worten. Und mit diesen scheint der Fachhandel für Kirchenbedarf wahrhaft gesegnet: Die leere, linke Seite stellt die Ellipse auf der rechten Seite in ein „existenzielles und spannungsreiches“ Verhältnis, so die leider nicht ganz imaginäre „Erklärung“ für ein Stück im frommen Kleidungshandel. In diesem Sinn vermittelt auch Form, Farbe und Stoff des nächsten Objektes in der Verkaufsvitrine überzeugend die „inkarnatorische Wirklichkeitsebene und sich entäussernde Erdverbundenheit“ eines Kartoffelsacks. Das wäre auch ganz nett, wenn das Ding so viel kosten würde, wie ein solcher.

Als eindrucksvolle Litanei liest sich die Waschanleitung: Polyester, Polyacryl, Polyamid. Wem fällt da schon „Polytheismus“ auf, der unsichtbar und quer über dem Fetzen Stoff geschrieben steht. Genuin Christliches ist nämlich wenig zu finden – ein Vorteil, möchte man meinen, wenn man sich das Gotteshaus vielleicht mit Hindus teilen will – ach nein, das geht ja nicht, weil andere Religionen ihren Götzen, nicht das Billigste und Hässlichste vorsetzen.

Ja, aber kann man das so sagen? Es wird doch nicht alles hässlich sein? Vielleicht ist es das nicht. Was es braucht ist eine Expertenkommission. Liturgen sind damit nicht gemeint – um Gottes Willen! Experten mit Hausverstand braucht es – keine Liturgen. Man findet sie in Kindergärten und Grundschulklassen. Ihre eindeutige Wertungsskala geht von „Mund-zu“ bis „Mund-vor-Staunen-offen.“ Wer Kindern eine goldbestickte Kostbarkeit serviert und eine Pferdedecke mit Kopfloch, wird ein klares Urteil erhalten – es sei denn die Pferdedecke ist so rosa wie das Lieblingskleid der Barbie Puppe, denn das bringt selbst die unvoreingenommenste Jury ins Wanken.

Wer meint, Katechese sei ein langer Vortrag, irrt. Und wer meint, Katechese müsse nicht glaubwürdig sein, irrt auch. Wenn wir vom Heiligen reden, aber nichts um uns seine Heiligkeit, Schönheit, Größe, Herrlichkeit vermittelt, wie es selbst die Blume am Felde tut, dann haben wir nur zu Ohren geredet, nicht zu den Herzen. Menschen aller Kulturen und Zeiten haben dies begriffen. Menschen in armen Ländern leben, nach diesem Grundsatz. Was ist mit uns? Wir sitzen in kirchlichen Betonwaschküchen und warten auf Erleuchtung. Ob uns durch die Preisträger des deutschen liturgischen Instituts ein Licht aufgehen wird, ist zu bezweifeln. Die Gewissheit steigt: „Kultur des Todes“ hat Synonyme. Kultur der Hässlichkeit ist eines davon. – Kultur der Dummheit vielleicht ein anderes?

Kaplan Johannes Maria Schwarz (in:
Amici News,  April 2005)



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Anmerkung: Aktueller Anlass zur Wiederveröffentlichung dieses Artikels war wieder einmal ein morgendlicher "Schweißausbruch" in meinem hässlichen "Kartoffelsack" (aus Polyester-Plastik) - auch "Mantelalbe" genannt  (Foto oben links) - den wir Konzelebranten in St. Ottilien bei der Konzelebration in der Hl. Messe werktags über unserem Ordensgewand (natürlich auch aus einer Kunstfaser) tragen. 
Ich beneide jeden Dorfpfarrer, der bei jeder Hl. Messe eine richtige Albe (aus Leinen) und eine schöne, leichte, "luftige" Kasel (am besten eine ärmellose, barocke "Baßgeige") tragen darf. - 
Was hatte man früher doch für einen Verstand und guten Geschmack, wenn es um schöne und um gleichzeitig praktische Dinge ging! - Und wo sind wir heute oft gelandet? - "Kultur der Hässlichkeit" - "Kultur der Dummheit", - wirklich schön gesagt Herr Kaplan!

Sonntag, 24. Mai 2009

IN MEMORIAM ARNOLD

Als ich heute mit der Bahn nach einer Aushilfe von St. Alban (am Ammersee) nach St. Ottilien zurückfuhr, fand ich beim Lesen in einer liegengelassenen Sonntags-Zeitung diesen netten Comicstrip. - Und sofort musste ich an ARNOLD denken, den (3.) Rauhaardackel meiner Eltern: Der hatte auch oft, wie WURZEL, irgendwelchen "Unfug im Kopf". - Aber wer weiß, was sich so ein Dackel manchmal so denkt?
Wahrscheinlich denkt so ein Dackel viel weiter als man meint, und dann kann es eben im Zusammenleben schon einmal - so wie in diesem Comicstrip - zu "kleinen Missverständnissen" kommen. - Auf jeden Fall hatten meine Eltern (und ich) sehr viel Freude mit unserem ARNOLD.
Leider musste er nach 15 glücklichen und erfüllten Dackeljahren vor ein paar Tagen eingeschläfert werden, wie mir meine Mutter ganz traurig am Telefon mitgeteilt hat: Es ging einfach nicht mehr. -
Aber vielleicht können sich meine Eltern doch noch einmal dazu entschliessen einem vierten Dackel eine Chance zu geben und ihr Leben erneut mit diesen vielen "kleinen Missverständnissen", aus denen man so viel lernen kann, zu bereichern? - Ich hoffe es sehr!

Freitag, 22. Mai 2009

Im wunderschönen Monat Mai kroch Richard Wagner ...

(mit diesen humorvollen Worten an seine erste Frau Minna
gratulierte sich Wagner selbst zu seinem Geburtstag am 22. Mai 1813)

Wenn der Meister nicht gestorben wäre, dann wäre er heute 196 Jahre alt geworden! - Na ja, damals gab es noch keinen "Medizin-Fortschritt", so dass er "nur" 70 wurde. Trotzdem: HAPPY BIRTHDAY, MAESTRO! - Wir haben Dich nicht vergessen!

Mittwoch, 20. Mai 2009

Eine Schlappe für den Mann

Aus aktuellem Anlass - ich komme gerade aus München - muss dieser Beitrag noch einmal "wiederholt" werden. Er wurde vor etwa einem Jahr schon einmal an dieser Stelle veröffentlicht. Leider scheint er (zu) wenig Beachtung gefunden zu haben! - Deshalb leider dieser absolut "notwendige" Re-Post:

"Früher kam das Unheil auf leisen Sohlen. Jetzt kommt es auf Sohlen, die flipflop machen. Ein Schuh, der seinen Namen aussprechen kann. Getragen von Männern, die Stil nicht buchstabieren können. Ein Mann, der Flip-Flops trägt, hat sein Recht auf gesellschaftliche Partizipation verwirkt: Soll er sich doch mit seinen Latschen unterhalten!

In Badeschlappen und Shorts zur Arbeit: "Sind Sie im Freibad angestellt?", möchte ich solche Leute fragen. "Und wird Ihr zwölfjähriger Sohn seine Hosen nicht vermissen?" Diesen Kleidungsstil infantil zu nennen, ist noch viel zu wohlwollend. Kinder haben ein feines Gespür für das Angemessene ihrer Garderobe. 

Das mit Text bedruckte T-Shirt ist überhaupt der Gipfel. Was glauben diese Leute? Dass sie so langweilig sind, dass sie ihr Gegenüber vorsichtshalber mit Lektüre beschäftigen müssen? Oder fühlen sie sich hässlich und wollen von ihrem Gesicht ablenken? Neulich sah ich einen 50-Jährigen, auf dessen T-Shirt "Held der Arbeit" stand. - Wieso darf jemand sowas tragen, wenn er sich noch nicht einmal die Arbeit macht, ein richtiges Hemd zu bügeln?

Mit dem Kurzarm-Hemd wird die Sache auch nicht besser. Oft stehen die Ärmel wie kleine Flügel ab. Schwimmflügel denke ich dann immer, und der Impuls, den Betreffenden in ein öffentliches Gewässer zu stoßen, wird überwältigend. 

Das Pendant sind die bereits erwähnten Shorts, zur Zeit vorzugsweise im Army-Look, aus denen behaarte Beine wachsen. - Der Terror der Intimität kennt keine Grenzen: Noch bevor ich den Namen einer Person erfahre, habe ich dank Hüfthose, Hawaiihemd und Shorts bereits Hinterteil, Bauch und Oberschenkel kennengelernt.

Wer soweit geht, scheut sich auch nicht davor, ohne Socken im festen Schuh aufzutreten. Barfuß im Budapester: Bin ich degeneriert, wenn ich mir vorstelle, wie so ein Männerfuß sich schwitzend ans Lederinlay schmiegt und mit ihm eine quasi chemische Verbindung eingeht, die hier zurückhaltend als "olfaktorische Herausforderung" bezeichnet werden soll?" - Soweit Daniel Haas (manchmal - leider eher selten - steht ja auch im SPIEGEL etwas Vernünftiges) in seinem Kultur-Feuilleton.

Wirklich gruselig, das Ganze! 

Freitag, 8. Mai 2009

Leben und Leben lassen - auch die Raucher!

Gerade fällt mir beim Aufräumen meines Schreibtischs ein interessanter Artikel von Abtprimas Notker Wolf zum Thema "Rauchen" in die Hände. -
Danke Abtprimas Notker, für diese wahrhaft weisen Worte!


Die Italiener sind alles andere als vollkommen, das wissen sie auch. Aber sie überraschen uns Deutsche immer wieder durch ihre praktische Menschlichkeit. So hielten sie sich zum Beispiel vom ersten Tag an, an das Rauchverbot in Bars und Restaurants. Niemand hätte damit gerechnet - wo die Italiener doch dafür bekannt sind, Lücken im Gesetz zu entdecken, noch bevor es in Kraft getreten ist. Als Erklärung bekam ich oft zu hören: Rauch könnte andere stören, und wir wollen niemanden belästigen. Nicht die Sorge um die Gesundheit gab also den Ausschlag, sondern die Rücksichtnahme auf andere.

Seither findet man abends vor jeder Trattoria, vor jeder Bar eine Gruppe von Rauchern. Und siehe da - keiner beschimpft sie. Keiner wirft ihnen böse Blicke zu. Nicht nur die Raucher sind in Italien tolerant, auch die Nichtraucher sind es! Jeder macht einfach für sich das Beste aus der neuen Situation. Für die Raucher heißt das: Man nutzt die Zeit vor der Tür zu einem Schwätzchen. Man kommt ins Gespräch, aber nicht, um sich über Familie und Politik, über Schule und Arbeit zu unterhalten. So lernen sich wildfremde Leute kennen. Ich finde das schön. Leben und leben lassen - diese Formel für gelassene Menschlichkeit ist den Italienern in Fleisch und Blut übergegangen.

Bei uns sieht es leider anders aus. Da lernen Raucher neuerdings den moralischen Eifer ihrer nicht rauchenden Mitmenschen kennen. Da wird geschimpft, wenn einer auch nur die Zigarettenschachtel zückt. Da kennen die Kämpf er für eine bessere, rauchfreie Welt keine Gnade, kein Pardon. Bei uns gilt: Wer für die Gesundheit eintritt, der hat auf jeden Fall recht. Und wer recht hat, braucht keine Rücksicht mehr zu nehmen. Deshalb regiert hierzulande der erhobene Zeigefinger, die gerunzelte Stirn, der strafende Blick. Ich befürchte: Es fehlt nicht mehr viel, und Raucher werden zu Schädlingen erklärt. Das ist intolerant, und es ist unchristlich. Jesus warnt davor, andere moralisch zu verurteilen, wenn er sagt: „Richtet nicht, aufdass ihr nicht gerichtet werdet" (Matthäus 7, 1). - Für mich ist das die Sprache der Menschlichkeit.

Gott segne Sie!
+ Notker Wolf+++++++++++++++++++++++

Sonntag, 3. Mai 2009

Im Auftrag Seiner Göttlichen Majestät

Auch Kaplan Johannes Maria Schwarz aus Triesenberg (Liechtenstein) arbeitet "Im Auftrag Seiner Göttlichen Majestät". Mit seinen erfrischend anderen Werbevideos hat "Don Johannes" mittlerweile für Furore gesorgt. Viele zehntausendmal wurden seine Videos bereits angeklickt. Das liegt nicht nur an den äußerst originellen Plots, sondern auch an der professionellen Umsetzung derselben. 
Hier 10 Kurz-Clips, passend zum heutigen "Guten-Hirten-Sonntag", dem Weltgebetstag für Geistliche Berufe:



(von Papst Benedikt XVI.)

Dienstag, 28. April 2009

The Eagle Has Landed!

"The Eagle Has Landed" - dachte ich gestern, als ich gegen 16.00 Uhr aus dem Fenster meines Bibliotheksbüros schaute, denn ich hatte mich schon etwas erschrocken über das, was da gerade direkt auf mich zuflog und anschließend - quasie über meinem Kopf - auf dem Dach gelandet war. -

Aber natürlich war es kein Adler, sondern einer von zwei - von unserem Ornithologen Pater Theophil so heiß ersehnten (und erbeteten?) - Weißstörchen, die in dem neuen "Super-Luxushorst" auf dem Kamin des Daches Quartier bezogen haben. Neulich schrieb Pater Theophil in seinem Bericht: "Experten präparieren das Angebot neu, sodass es für den Eingeladenen attraktiver wird: mit einer aus unserer Korbflechterei stammenden Weidenunterlage und einem Aufbau aus Eichenreisig (nur langsam verrottend). Vielleicht klappt ja in diesem Frühling die Ansiedelung eines Paares...?"

Man muß anscheinend den Störchen schon etwas "bieten", denn der spartanisch einfach eingerichtete "Kloster-Horst" wurde in den vergangenen Jahren einfach links (f)liegen gelassen. Aber jetzt, mit der "attraktiven (von einem Mönch handgeflochtenen!) Weidenunterlage und dem Aufbau aus Eichenreisig, der dazu auch noch nur langsam verrottet", - ja, wer kann da schon widerstehen? -
Bleibt zu hoffen, dass es für die Störche jetzt vor allem auch genug zu mampfen gibt. Bei der momentanen Trockenperiode habe ich da leider so meine Bedenken... Aber vielleicht kann man ja auch da (z.B. mit leckeren Froschschenkeln aus Frankreich o.ä.) etwas nachhelfen?

Montag, 27. April 2009

Judenmission: Gott ist kein Bigamist

Dürfen Christen unter den Juden Mission treiben? Oder dafür beten, dass sie sich zu Christus bekehren? In einer Broschüre (die den Titel trägt: „Nein zur Judenmission - Ja zum Dialog zwischen Juden und Christen“) wendet sich das Zentralkomitee der deutschen Katholiken gegen die Judenmission. In einem wirklich lesenswerten Artikel der FAZ widerspricht der Philosoph Robert Spaemann dieser Ansicht.

20. April 2009 „Komm, wir gehen für unser Volk“ sind die letzten überlieferten Worte der Philosophin und Karmeliternonne Edith Stein zu ihrer Schwester Rosa, als die beiden in Holland zum Transport nach Auschwitz abgeholt wurden. Das Wort wurde seither oft zitiert, aber in der Regel ohne Kenntnis, was das „für“ eigentlich meinte. Was es meinte, erfährt man aus dem Testament Edith Steins von 1939. Ihren gewaltsamen Tod vorausahnend, schreibt sie, sie gebe ihr Leben „zur Sühne für den Unglauben des jüdischen Volkes“.

Dazu muss man wissen, dass für Edith Stein die Konversion zum Christentum zugleich die Wiederentdeckung ihrer Zugehörigkeit zum jüdischen Volk und eine tiefe Solidarisierung mit diesem bedeutete. Das Bekenntnis zu Jesus Christus war für sie (ebenso wie später für den nachmaligen Erzbischof von Paris, Kardinal Lustiger) die Erfüllung der jüdischen Bestimmung.

Alles falsch - erklärt uns nun, einige Jahre nach Kardinal Lehmann, das Zentralkomitee der deutschen Katholiken in einer Broschüre, die den Titel trägt: „Nein zur Judenmission - Ja zum Dialog zwischen Juden und Christen“. Kardinal Lehmann wollte die beiden genannten großen Gestalten christlicher Juden noch als Ausnahmen gelten lassen, während der normale Heilsweg der Juden (im Unterschied zu dem aller übrigen Menschen) nicht über Jesus gehe. Das ZdK geht den Weg konsequent zu Ende. Es gibt also danach nicht mehr, wie es die Apostel und mit ihnen die ganze christliche Tradition sahen, das eine Bundesvolk Israel, das sich in Christus nun für alle Völker öffnet und zur „Kirche aus Juden und Heiden“ wird.

Christliches Gebet für die Juden?

Die Kirche braucht angeblich die Juden nicht mehr. Sie ist zur Heidenkirche geworden und soll nun nichts anderes mehr sein wollen. Verschwinden muss nicht nur „Judenmission“, was immer das heißen mag, die Christen müssen auch aufhören, den Juden im Gebet das Beste zu erbitten, was jeder Christ seinem Nächsten erbitten kann: die Erkenntnis Jesu als seines Erlösers. Juden brauchen keinen Erlöser, lesen wir in der Broschüre. Das muss also wohl heißen, dass sie den „Gottesknecht“ des Propheten Jesaja an die Christen abgetreten haben, die ihre Deutung des Todes Jesu als eines erlösenden Sühnetodes vor allem dem Gottesknechtlied des Jesaja verdanken, das sie an jedem Karfreitag lesen und in dem es heißt: „Fürwahr, er trug unsere Krankheit und lud auf sich unsere Schmerzen. Er ist um unserer Missetat willen verwundet und um unserer Sünden willen zerschlagen, . . . auf dass wir Frieden hätten. Und durch seine Wunden sind wir geheilt.“

Man muss den Anlass zu der Broschüre verstehen. Im Jahre 1989, als Reaktion auf die illegalen Priesterweihen des Erzbischofs Lefebvre und das damals entstandene Schisma, ersuchte Papst Johannes Paul II. die Bischöfe der Welt um großherziges Entgegenkommen gegenüber den Gläubigen, die um die Feier der Messe in der Form des Missale von Papst Johannes XXIII. aus dem Jahr 1962 baten. Diese „alte Messe“ enthielt am Karfreitag im Rahmen der großen Fürbitten auch ein Gebet für die Juden, an dem Johannes XXIII. nur eine kleine Korrektur vorgenommen hatte: Aus der Aufforderung, für die „untreuen Juden“ zu beten, wurde das Wort „untreu“ gestrichen. Das Gebet selbst blieb unverändert. Es enthält die (paulinische) Bitte um Wegnahme des „Schleiers von ihrem Herzen“, der sie hindert, in Jesus ihren Messias und Erlöser zu erkennen.

In Korrektur: die „alte Messe“

Man kann aus dem Text des Gebetes einen gewissen diskriminierenden Ton heraushören. Johannes Paul II. sah dennoch bei der Wiederzulassung der alten Messe keinen Grund, den Text zu ändern. Erst Benedikt XVI. ging in der Liberalisierung einen Schritt weiter und gab den Gläubigen einen Rechtsanspruch auf die Feier in der „außerordentlichen Form“. In diesem Zusammenhang formulierte er die Fürbitte für die Juden neu. Sie ist nun in einem brüderlichen Ton gehalten: „Lasst uns auch beten für die Juden, dass unser Gott und Herr ihre Herzen erleuchte, damit sie Jesus Christus als Retter aller Menschen erkennen.“ Die Formulierung macht die eschatologische Dimension der Bitte deutlich: Nach Paulus wird Gott sie spätestens erhören, wenn „die Fülle der zur Bekehrung berufenen Heiden (der Völker)“ eingetreten ist.

Dass ausgerechnet diese ganz und gar israelfreundliche Korrektur eine breite publizistische Kritik auslöste, der sich sogar der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz und - natürlich - das Zentralkomitee der deutschen Katholiken anschloss, ist schwer begreiflich. Gegen Johannes XXIII. und gegen Johannes Paul II. wurde eine solche Kritik wegen ihres Festhaltens am früheren Text nie erhoben. Was die Kritiker nun fordern, ist die Ersetzung des Gebetes in der „alten Messe“ durch das Fürbittgebet der neuen Liturgie Pauls VI. - und zwar deshalb, weil in diesem Gebet der Name Jesus gar nicht mehr vorkommt. Das soll den Text auch für Juden akzeptabel machen, an die doch diese Bitte gar nicht gerichtet ist und die für sie auch nicht verantwortlich sind.

Dass es absurd ist, Papst Benedikt XVI. dieses Gebet vorzuwerfen, schrieb bereits vor einem Jahr der hochangesehene New Yorker Rabbiner Jacob Neusner, der darauf hinwies, dass doch die Juden selbst in ihrer Liturgie täglich für die Bekehrung aller Nichtjuden beten. „So wenig wie das Christentum und der Islam Anstoß am israelitischen Gebet nehmen, sollte auch das heilige Israel keinen Einwand gegen das katholische Gebet erheben. Beide Gebete . . . erfassen die Logik des Monotheismus und seine eschatologische Hoffnung.“

Dialog oder Mission?

Die Thesen der von Juden und Christen gemeinsam verfassten Broschüre sind, kurz gefasst, folgende. Erstens: Die Karfreitagsbitte legt es nahe, dass die Kirche „Judenmission“ für möglich hält, wie sie heute zum Beispiel von den „messianischen Juden“ in Israel praktiziert wird. Zweitens: Versuche, Juden von der Messianität Jesu zu überzeugen, sind zu missbilligen. Es gibt keinen Auftrag Jesu, Juden zum Glauben an ihn und zur Taufe zu bewegen. Drittens: Es gibt eine mit anderen interreligiösen Beziehungen unvergleichbare Beziehung zwischen Christentum und Judentum. Beide beruhen auf göttlicher Offenbarung. Bezüglich des Alten Testaments glauben das beide; bezüglich des Neuen nur die Christen selbst.

Viertens: Neben dem „Bundesvolk“ Israel gibt es nach christlichem Glauben ein zweites, das Volk Gottes aus den Völkern, das heißt den Nichtjuden. Der neue Bund ersetzt nicht den alten, sondern tritt als ein zweiter Bund neben diesen. Fünftens: Beide sind vollgültige, von Gott gewollte Heilswege. Für Juden gibt es keinen Grund, an Jesus zu glauben und sich taufen zu lassen. Sechstens: Die Vereinigung beider Wege mag, wie Paulus denkt, am Ende der Zeiten geschehen. Bis dahin sollen sie getrennt bleiben. Die Erwartung von Christen, dass Juden schon heute Jesus als den Christus, das heißt den Messias anerkennen, würde „die Basis für den katholisch-jüdischen Dialog zerstören“. Siebtens: Dialog zwischen Juden und Christen soll stattfinden. Christen sollen in diesem Dialog ihren Glauben bezeugen, aber ohne den Partner von der Wahrheit dieses Glaubens überzeugen zu wollen, denn das wäre „Mission“ und deshalb verwerflich.

Nur ein Volk Gottes

Man muss sich klarmachen, dass die Annahme der meisten dieser Thesen einen Bruch mit dem Selbstverständnis der Kirche seit den Tagen der Apostel bedeuten würde. Ich für meinen Teil könnte dieser Kirche nicht mehr angehören. Denn seit dem sogenannten Apostelkonzil versteht sich die Kirche als Kirche aus Juden und Heiden seit Jesus, wie Paulus schreibt, durch sein Kreuz den Zaun zwischen Juden und Heiden niedergerissen hat. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass mit dem Verschwinden des Judenchristentums als eigener Gruppe in der Kirche unter dem Druck von Byzanz und dem Islam die christliche Kirche phänotypisch zur Heidenkirche geworden ist.

Das ist aber für Christen nicht, wie die Broschüre suggeriert, ein Idealzustand. Die israelischen Judenchristen dringen auf eine Wiederherstellung der „ecclesia ex circumcisione“. Das Zweite Vatikanische Konzil, so heißt es in der Broschüre, „bekennt . . ., dass die Kirche mit dem Stamm Abrahams geistlich verbunden“ ist. Die katholische Liturgie (sowohl in der alten wie in der neuen Form) geht aber weit darüber hinaus. Sie spricht nicht von Verbundenheit, sondern von Identität. In der Osternacht, der Taufnacht, spricht sie davon, dass in dieser Nacht Gott „unsere Väter, die Kinder Israels“, trockenen Fußes durch das Rote Meer geführt hat. Sie dankt Gott, dass er durch die Taufe „den Abraham zum Stammvater vieler Völker macht“, und wenn sie bittet, dass die Fülle der ganzen Welt Teil gewinne „an der Kindschaft Abrahams und an der Würde Israels“, dann wirkt das, was das Konzil hierzu zu sagen hat, eher blass. Jedenfalls ist der Gedanke von zwei Bundesvölkern dem Neuen Testament vollkommen fremd. Es gibt nur das eine Volk Gottes, dessen „geborene Mitglieder“ die Juden und dessen adoptierte Mitglieder die Heiden sind.

Plätze für Juden freihalten

Dieses Volk Gottes wird von Paulus mit dem Ölbaum verglichen, dem die Heiden als wilde Schösslinge eingepfropft werden, während die Juden die „natürlichen Zweige“ sind, über die die Heidenchristen sich nicht erheben dürfen. Die Erklärung zitiert diese Stelle auch, aber ohne den Kontext. Paulus sieht nämlich in dem „Unglauben“ der Juden die historische Voraussetzung für die Berufung der Heiden und bezeichnet die nicht an Jesus glaubenden Juden als Zweige, die von dem einen Ölbaum ausgebrochen sind und so Platz für die neuen Zweige gemacht haben, die von derselben Wurzel getragen werden.

Auch die Sünden, die Gott zulässt, haben einen providentiellen Sinn. Nirgends aber ist davon die Rede, dass Gott einen zweiten Baum gepflanzt hat. Und wenn Paulus auch in der Verblendung der Juden ein providentielles Ereignis sieht, das bis ans Ende der Geschichte fortwirkt, so tut er doch alles, was er kann, „um wenigstens einige von ihnen zu retten“. Die große Rückkehr Israels erwartet die Kirche, wiederum Paulus folgend, erst für die Zeit der Wiederkunft Christi. Und indem sie für diese Rückkehr betet, betet sie, wie seit jeher, für die baldige Wiederkunft, deren Zeitpunkt wir ja nicht kennen. Unterdessen aber sollten eigentlich in jeder Kirche die vordersten Plätze am Sonntag für die Juden freigehalten werden.

Begründen und überzeugen

Sie sind, wie Papst Johannes XXIII. sagte, unser „älterer Bruder“, der, wie es im Gleichnis Jesu heißt, „immer beim Vater geblieben“ ist und nun ein Problem hat, weil der Vater zur Rückkehr des verlorenen Sohnes ein Festmahl veranstaltet. Trotz dringlicher Bitten des Vaters will er nicht daran teilnehmen. Das Festmahl ist aber erst wirklich gelungen, wenn er daran teilnimmt. Wenn der wiedergekehrte verlorene Sohn ihm sagen würde: „Du kannst ruhig bleiben, wo du bist, das Fest ist auch ohne dich ganz schön“, dann hätte ihn der Vater wohl nicht wieder aufgenommen. Der Gedanke, das Problem durch die Gründung einer zweiten Familie zu lösen, hat mit dem Neuen Testament nichts zu tun. Das Bundesvolk wird im Alten Testament auch als Braut dargestellt und Gott als eifersüchtiger Bräutigam. Die Braut soll nicht fremdgehen. Aber auch Gott ist kein Bigamist, dem es genügt, wenn die beiden Familien „im Gespräch sind“.

Die Broschüre will „Dialog ohne Mission“. Jeder soll seinen Glauben vor dem anderen bezeugen, ohne den anderen überzeugen zu wollen. Petrus dagegen fordert die Christen auf, nicht einen blinden Glauben zu bezeugen, sondern „jedermann Rechenschaft zu geben über den Grund unserer Hoffnung“. Ein Grund (eine „raison“) ist etwas nur, wenn es wirklich begründet. Und wenn jemand den Grund einsieht, dann heißt das, er hat ihn überzeugt. Der christliche Glaube hat seit jeher etwas mit Erkenntnis und mit Wahrheit zu tun. In dem letzten großen Gebet Jesu heißt es: „Das ist das ewige Leben, dass sie dich erkennen, den allein wahren Gott, und den du gesandt hast, Christus.“

Zu wenig Auskunft

Zum allein wahren Gott müssen Juden nicht „bekehrt“ werden. Juden und Christen beten denselben Gott an, wenngleich Christus im Johannesevangelium sagt: „Ihr kennt ihn nicht, ich aber kenne ihn.“ Aber Christen glauben auch, dass Jesus der ist, „den du gesandt hast“, und dass, wenn Paulus schreibt, vor dem Namen Jesu müsse sich „jedes Knie beugen, im Himmel, auf Erden und unter der Erde“, er damit nicht jedes Knie, ausgenommen das der Juden, meinte. Universalistische Religionen sind in ihrem Wesen „missionarisch“. Sie würden sich aufgeben, wenn sie ihre Botschaft partikularisieren und damit relativieren würden. Auch das frühe Judentum war missionarisch und machte „Proselyten“, bis seine Mission zum Erliegen kam, in erster Linie aufgrund der christlichen „Schleuderkonkurrenz“ - durch die Aussicht, in den Gottesbund ohne Beschneidung und ohne das Gesetz (mit Ausnahme der Zehn Gebote) eintreten zu können.

Zum Kern des Christentums gehört der Glaube an die Auferstehung Jesu. Wenn Jesus nur „für uns“ auferstanden ist, dann heißt das: Er ist in Wirklichkeit eben nicht auferstanden. Es heißt, der Glaube glaubt nicht deshalb, weil es wahr ist; es ist nur wahr „für den Glauben“. Das ist gleichbedeutend mit der Meinung, es sei tatsächlich eben nicht wahr, sondern nur eine gläubige Fiktion.

Der Austausch zwischen Christen und Juden hat immer schon zu vertieften Einsichten beider Partner und zu gegenseitigem Lernen geführt (zu Zeiten Rosenzweigs und Bubers mehr übrigens als heute, weil der Relativismus noch nicht alles durchdrang). „Nicht glauben, was man glaubt“, so definierte Charles Péguy den „Modernismus“. Aber das ist ein Thema für sich, ebenso wie die Begriffe „Bund“, „Bundesvolk“, „Heil“ und „Heilsweg“, die in der Broschüre ständig vorausgesetzt werden, ohne dass der Versuch gemacht wird, über ihre Bedeutung näher Auskunft zu geben. Vielleicht ist es überhaupt nur das, woran die Broschüre krankt.

Dienstag, 21. April 2009

Wie wird man Mönch?

Vom 21. bis 24. April 2009 macht der on3-Sendebus vom Bayerischen Fernsehen Station in St. Ottilien. Eine Woche gibt's Live-Fernsehen vom Klostergelände. Thema heute: Leben im Kloster - Wie wird man Mönch?

Bruder Julius (28), Novize im Benediktinerkloster St. Ottilien, berichtet live am on3-Sendebus über sein Leben im Kloster.




MÖNCH WERDEN IN ST. OTTILIEN?

Donnerstag, 16. April 2009

Ad multos annos, Santissimo Padre!


(M)ein ganz persönlicher Geburtstags-
Glückwunsch an Benedikt XVI.

Gerade lese ich in >> Elsas Nacht(b)revier Ihre sehr persönliche (Bekehrungs-) Geschichte, in der der Hl. Vater eine entscheidende Rolle gespielt hat. - Beeindruckend!

Meine eigene "Berufungsgeschichte" hat ja auch etwas mit dem Hl. Vater zu tun, bereits vor einigen Jahren hatte ich dies in einer Predigt schon einmal angesprochen:

"... Noch eine kleine Geschichte am Ende: Mit 19 Jahren, kurz vor meinem Abitur (1987), wusste ich noch gar nicht was ich studieren wollte. Ich wusste nur, dass ich irgendetwas sinnvolles machen wollte. - Aber das möchte natürlich eigentlich jeder. - Ja, vielleicht Mathematik, Physik, Deutsch oder Geschichte, das waren meine Abiturfächer. Oder vielleicht doch lieber Elektrotechnik oder Informatik, wie viele meiner Mitschüler, die heute Handys, Kühlschränke, Kaffeemaschinen und andere nützliche Dinge entwickeln. –
Ich konnte mich einfach nicht durchringen. – Damals, als ich noch nicht Bibliothekar war, hatte ich noch viel Zeit zum Lesen. Da fiel mir plötzlich ein Buch in die Hand mit dem Titel: „Unsere Bischöfe“. - Insider kennen das Buch. – Und in diesem Buch fand ich auch eine Biographie von Papst Benedikt XVI. , damals noch Kardinal Ratzinger. Und dieser hatte schon damals den tollen Bischofswahlspruch
"COOPERATORES VERITATIS" („Mitarbeiter der Wahrheit“). – Das hat mich damals genau ins Herz getroffen. - Da habe ich sofort gewusst, was ich auch werden und woran ich "mitarbeiten" wollte. – Wenige Wochen später habe ich mich im Priesterseminar in Münster angemeldet...".

Und später (1998) als ich ins Kloster (Noviziat) eingetreten bin, warst Du dann ganz zufällig (?) da - gibt es überhaupt Zufälle im Leben? - und hast mir Deinen Segen für "meinen Weg mit dem Herrn" gegeben und mir Mut gemacht, diesen Weg zu gehen. (>> Foto).

Deshalb habe ich auch an Deinem 82. Geburtstag wirklich allen Grund, Dir aus ganzem Herzen zu danken: Danke Hl. Vater!

Wenn ich Dich immer wieder - mit soviel Liebe und Verstand - so vorbildlich "im Weinberg des Herrn" arbeiten sehe, gibt dies auch mir - mit 41, also genau der "Hälfte" an Jahren - immer wieder neue Kraft, Hoffnung und Zuversicht für den Auftrag und die Zukunft der Kirche Christi.

Und bleibe so, wie Du bist (etwas, was ich eigentlich nur ganz wenigen Menschen wünsche, die "Ihren Weg mit dem Herrn" gefunden haben):
Christus, den Menschen, der Liebe, der Kirche und Dir selbst, - oder mit einem einzigen Wort: der Wahrheit treu!

Danke für alles,
Gottes Kraft und Segen!

Ad multos annos!

Dein P. Siegfried.

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P. S.: So, - und jetzt schicke ich diesen Beitrag direkt per Email an den Hl. Vater ab. - Da der Hl. Vater ja laut "Spiegel, Küng & Co" im Vatikan ziemlich "einsam und allein" ist, wird er bestimmt sicherlich heute noch Zeit finden, meine Email zu lesen.

Sonntag, 12. April 2009

Ostern fällt (nicht) aus!

Bereits am Karfreitag bekam ich per Email dieses Foto mit der schrecklichen Nachricht: Ostern fällt aus!
(Bitte dieses Foto nicht den Kindern zeigen.)

DENKSTE! -

Denn dem katholischen (Kl)Osterhasen können auch "kleinere Jagdunfälle" nichts anhaben! - Schon nach drei Tagen ...  - Halleluja!

Ausgestattet mit einer Siegesfahne wurde er am Morgen des Ostersonntags im Klosterrefektorium (mit einem quasie "verklärtem" Leib)  wieder gesichtet, wie dieses Foto beweist, das auch Zweifler und Ungläubige überzeugen dürfte. (Dieses Foto den Kindern zeigen.)

Papst Benedikt XVI. verkündete heute Mittag in seiner traditionellen Osterbotschaft vor dem Segen „Urbi et Orbi“ unter anderem die folgenden Sätze:

"Die Auferstehung ist deshalb nicht eine Theorie, sondern eine von dem Menschen Jesus Christus durch sein „Pascha“, durch seinen „Übergang“ offenbarte geschichtliche Realität – ein Übergang, der einen „neuen Weg“ zwischen der Erde und dem Himmel eröffnet hat (vgl. Hebr 10,20). Es ist weder ein Mythos noch ein Traum, es ist weder eine Vision noch eine Utopie, es ist kein Märchen, sondern ein einmaliges und unwiederholbares Ereignis: Jesus von Nazareth, der Sohn Marias, der am Freitag bei Sonnenuntergang vom Kreuz abgenommen und begraben worden ist, hat siegreich das Grab verlassen."

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen:

FROHE UND GESEGNETE OSTERN!


Ihr
P. Siegfried


_________________
Anmerkung: Der "Osterhase" ist übrigens ein Sinnbild für Auferstehung und Wachsamkeit, da man früher meinte, der Hase schlafe nicht. Die naturwissenschaftliche Erklärung: Der Hase hat keine Augenlider, sondern schiebt zum Schlaf die Pupillen nach oben. Die alte Kirche erwartete wachend in der Nacht von Karsamstag zum Sonntag die Auferstehung, die sie "in heiligen Zeichen" feierte. Doch der Hase ist Zeichen für noch mehr: Fruchtbarkeit, Zeugungskraft und Lebensgier verbinden sich mit ihm. Die Alten verbanden daher mit dem Hasen auch den Wunsch, die Osterbotschaft möge sich - wie Meister Lampe - verbreiten und vermehren. 
Den (Kl)Osterhasen - ähnlich dem Osterlamm - ebenfalls mit einer Siegesfahne 
(die den besiegten Tod symbolisiert) auszustatten, ist natürlich (vom theologisch-dogmatischen Standpunkt aus gesehen) eher etwas "gewagt".

Mittwoch, 1. April 2009

Oh Maria, keep my data safe!


Wer hat ihn sich nicht schon oft gewünscht, den heiligen Beistand für die kostbarsten Daten? Endlich gibt es ihn, in Form der Maria USB!

In modernem Gewand ist sie erschienen um zu schützen und sicher aufzubewahren, was uns wichtig und wertvoll ist. Neben dem Computer leistet sie uns himmlischen Beistand, vor allem in Situationen in denen sonst nur noch beten hilft.

In einem kleinen Schrein aus Plexiglas kommt sie daher, würdevollen erhöht auf einem Sockel stehend, von einer transparenten Glocke schützend umhüllt. Wenn sie zur Arbeit schreitet, kann sie sich von beidem befreien. Mit dem Computer verbunden erwacht sie zum Leben, ihr rotes LED Herz fängt an zu schlagen - im Ruhezustand langsam, beim Verbinden oder Speichern von Daten schneller. In ihrem Heiligenschein trägt sie ihn eingraviert, ihren Auftrag : "Oh Maria, keep my data safe!"

Der Designer: Luis Eslava

Designer wollen die Welt formen und verbessern, Luis Eslava aber erforscht mit Vorliebe die Ironie dieser Aufgabe. 1976 in Valencia (Spanien) geboren, studierte er dort Produkt- und Grafikdesign und arbeitete für große spanische Firmen wie Camper, bevor er 2003 nach London zog um einen
Master am Royal College of Art zu machen. Dort wurde die Idee zur Maria USB geboren, die mittlerweile von ABR aus Barcelona produziert wird, einer jungen spanischen Firma, die mit ihrer außergewöhnlichen Autoren-Designkollektion international Erfolge feiert.

Technische Spezifikationen

USB 2.0, Unterstützte Betriebssysteme: Windows 98, 2000, XP, Vista, Mac OSX

P.S. Nein, das ist wirklich kein "Aprilscherz", die  >> Maria-USB  gibt es wirklich! - Wahrscheinlich weniger etwas für Protestanten (die Maria-USB ist mit protestantischen Rechnern leider absolut "inkompatibel": Vorsicht, Absturzgefahr!), Katholiken (und deren Rechner) dürften mit der Maria-USB eigentlich keine "Probleme" haben.

Dienstag, 31. März 2009

Das Brevier der Zukunft: Gemeinsam (online) beten

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Gerade bekam ich folgende Email:

Sehr geehrte Herrn!
Ich finde die Idee der Möglichkeit, das Brevier online abzudrucken genial und möchte Ihnen einen weiteren Anstoss geben. Bringen Sie doch das ganze Brevier auch für Priester online heraus. So haben wir die Möglichkeit - besonders unterwegs - das Brevier auch z.B. auf einem elektronischen Gerät wie i Phone locker und leicht zu beten.
Herzliche Grüße!
 X. Y.

Solche Anfragen und "Anstösse" bekomme ich ziemlich regelmäßig und ich kann darauf nur antworten: Beten Sie doch das lateinische Brevier von 1962, das von Benedikt XVI. wieder erfolgreich "reanimiert" wurde, das gibt es nämlich mittlerweile schon online, und das sogar mehrsprachig: Eine ganz großartige "Sache", die man sich auch kostenlos herunterladen kann! >> http://divinumofficium.com

Obwohl das "alte" Brevier erst seit einigen Monaten online ist, kommt schon jetzt mustergültig daher: Übersichtlich, unheimlich praktisch und zeitgemäß. - Eben "locker und leicht". - Einfach klasse!

Das Online-Brevier gibt es bisher nur in der lat. Ausgabe von 1962.
Eine deutsche Ausgabe ist leider bisher an den Verlagsrechten gescheitert.

Und jetzt kann man sich natürlich die Frage stellen: Warum geht das nicht auch mit dem "neuen" Stundenbuch? Warum geht das hier nicht "locker und leicht"? - Dafür gibt es eine ganz einfache Erklärung:
Weil man in Deutschland mit dem Gebet "Geld verdienen" will. - Und ich muss ganz ehrlich sagen: Dafür habe ich eigentlich kein Verständnis! - Hier müsste die Deutsche Bischofskonferenz endlich einmal sagen: Alle offiziellen liturgischen Texte und Gebete stehen frei zur Verfügung im WWW, da sollte es keine "Urherberrechte" geben, die bei dann bei einigen Verlagen liegen, die doppelt "abkassieren" wollen. Die Verlage haben oft eigennützige Interessen, die zwar ihnen helfen, aber nicht unbedingt der Verbreitung des "Wortes Gottes". - Da sollte man vielleicht in der Bischofskonferenz einmal ganz neu darüber nachdenken, wie diese unnötige und kontraproduktive "Blockade" möglichst schnell beseitigt werden kann, bevor der "Zug abfährt"? -
Und im WWW scheint der Zug ja bereits abgefahren zu sein, denn die liturgischen Bücher von 1962 (deren Verbreitung durch keine Urheberrechte eingeschränkt wird) sind im Internet schon längst auf dem "Überholgleis".


"D-1962" in voller Fahrt (und er hat - nicht ohne Grund - viele Freunde)

Der gute, alte "D-1962" hat die liturgische (Text-) Präsenz des "Novo Ordo" im Internet schon längst "überrollt". Ich sag das jetzt einfach einmal als Bibliothekar, der sich auch sehr gut mit Textquellen im Internet auskennt. - Als (deutscher) Bischof würde ich es hier schon mit der Angst zu tun bekommen und langsam (oder besser schnell) damit anfangen, alle liturgischen Bücher und Texte im WWW (kostenlos) freizugeben. - Denn der "D-1962" fährt (auch im Internet) schnell, sehr schnell... Und es freut mich, das zu sehen. Das "alte" Online-Brevier ist ja nur ein Beispiel von vielen. (Kennen Sie beispielsweise schon das "alte" Missale? 
>> Hier können Sie es kennenlernen.)

Aber dem "D-1970" scheint (natürlich nur in der Internetpräsenz) irgendwie die Luft ausgegangen zu sein? Hat er denn keine "Liebhaber", Freunde und Sponsoren mehr? Was ist da (nicht) los? (Kennen beispielsweise Sie schon die Seiten des >> Deutschen Liturgischen Instituts ? - Falls nicht, dann haben Sie wahrscheinlich auch nicht sehr viel versäumt. - Schade: "Chance vertan"! Denn das wirkt leider schon ziemlich "lieblos".)

Schon mit "geringen" Fördergeldern der Deutschen Bischofskonferenz und der Freigabe der liturgischen Texte des "Deutschen Stundenbuches" wäre ein solches Online-Brevier ja sicherlich auch möglich. Ich könnte ja gerne einmal mit dem "Medienbischof" Gebhard Fürst über ein solches Projekt sprechen. Ich war noch nie in in der Diözese Rottenburg-Stuttgart...

In St. Ottilien sind wir da - Gott, den Mitbrüdern, Erzabt Jeremias, KiP-Radio und vor allem zwei guten Freunden aus Ulm und Stuttgart sei Dank! - schon seit einigen Jahren einen ganzen Schritt, eine ganze (interaktive) "Dimension" weiter.

Und das sieht dann so aus: 
>> HIER KLICKEN

Mönche beim Chorgebet - 5 Mal täglich live! -
Und wer will, der kann im Internet mitbeten.

DAS ist m.E. das "Brevier der Zukunft"! - Denn das "Brevier der Zukunft" betet man nicht mehr allein, sondern in Gemeinschaft. - Das Internet bietet einmalige Möglichkeiten, und auch die Katholische Kirche sollte diese unbedingt nutzen, um "am Ball", d.h. bei den Menschen, zu bleiben: Gemeinsam das Stundengebet (auch im Internet) beten, - auch das verbindet den Himmel mit der Erde!

Freitag, 27. März 2009

Warum ich Christ bin

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Ein Vortrag von August Everding

Vielen ist der ehemalige Staatsintendant und Präsident der Bayerischen Theaterakademie, Prof. Dr. August Everding (1928 -1999), als bedeutender und verdienstvoller "Kulturmacher" der Nachkriegszeit in bester Erinnerung. Weggenossen, Mitstreiter und "Gegner" bewunderten gleichermaßen seine Kompetenz und Sprachgewalt, seinen Humor und sein diplomatisches Geschick. Seine natürliche Frömmigkeit und sein unverkrampfter Glaube wirkten attraktiv und ansteckend. Am 29. Mai 1988 hat August Everding in einem bewegenden Vortrag im Kloster Andechs versucht zu erklären, warum er Christ ist:

"Ich verdanke und danke die Tatsache, Christ, katholischer Christ zu sein, meinen Eltern. Das ist dramaturgisch kein guter Beginn für einen Vortrag. Die Wörter »verdanken« und »danken« sind schon so positiv, daß dem Ganzen das Brio fehlen könnte. Ich verachte also meine Eltern nicht, daß sie bekennende Christen waren, ich verdamme sie nicht, weil sie mich haben taufen lassen - ohne mich zu fragen. Ich bin ihnen nicht gram, daß sie mich christlich erzogen haben. Nahm ich doch auch die anderen Annehmlichkeiten (ist Christsein eine Annehmlichkeit?) ohne zu fragen in Kauf: ihr Haus, ihre Kultur, ihr Geld, ihre Geschichte, ihre Gene..."...

>> weiter lesen

Samstag, 21. März 2009

Eine Reise ins Ungewisse?

 

Heute, am Fest des hl. Benedikt, hielt in St. Ottilien Altabt Christian Schütz (Schweiklberg) eine äußerst hörenswerte Predigt.

Der Anlass war die Gelübdeablegung (für 3 Jahre) von zwei Mitbrüdern. Leider konnte nicht jeder bei dieser schönen Feier dabei sein. - Aber hier haben Sie die Gelegenheit, nochmals nachzuhören, warum sich zwei - mehr oder weniger - junge Männer auf eine lange Reise gemacht haben: Auf
ihre "Lebensreise"...

Eine hochinteressante Reise!

Sonntag, 15. März 2009

"Wie eine Flamme, die keine Nahrung mehr findet..."

Ein Papst nach altem Muster: „Immun, zurückgezogen, selbstsicher, unzugänglich, ungelenk“. - All das wird Benedikt XVI. von seinen Kritikern gerne vorgehalten. Sein Brief vom 10. März 2009 an die Bischöfe beweist aber genau das Gegenteil: Er ist keiner, der sich nicht stellt. - Eben kein Papst nach "altem Muster"!

Es lohnt sich, diesen Brief - in der Presse wurde er durch erhebliche Kürzungen leider teilweise sehr gezielt „manipuliert“ - einmal in aller Ruhe zu lesen. Denn hier wird deutlich, realistisch und nüchtern ausgesprochen, worum es wirklich geht, wo wir heute (50 Jahre nach Beginn des II. Vatikanums) stehen:

"In unserer Zeit, in der der Glaube in weiten Teilen der Welt zu verlöschen droht wie eine Flamme, die keine Nahrung mehr findet, ist die allererste Priorität, Gott gegenwärtig zu machen in dieser Welt und den Menschen den Zugang zu Gott zu öffnen. Nicht zu irgendeinem Gott, sondern zu dem Gott, der am Sinai gesprochen hat; zu dem Gott, dessen Gesicht wir in der Liebe bis zum Ende (Joh 13, 1) - im gekreuzigten und auferstandenen Jesus Christus erkennen.

Das eigentliche Problem unserer Geschichtsstunde ist es, daß Gott aus dem Horizont der Menschen verschwindet und daß mit dem Erlöschen des von Gott kommenden Lichts Orientierungslosigkeit in die Menschheit hereinbricht, deren zerstörerische Wirkungen wir immer mehr zu sehen bekommen.

Die Menschen zu Gott, dem in der Bibel sprechenden Gott zu führen, ist die oberste und grundlegende Priorität der Kirche und des Petrusnachfolgers in dieser Zeit."


... 10 Minuten, die wirklich hervorragend angelegt sind!