Sonntag, 19. Oktober 2025

DIE ZWEITE (GROSSE!) PANNE - DIE VERGESSENE TISCHLESUNG IM MAI: Der Gründer - P. Andreas Amrhein (1844–1927) – Pionier, Träumer und Prophet von Pater Cyrill Schäfer

VON MEINEM VATER EMPFOHLEN: 

Das Leben von Pater Andreas Amrhein (1844–1927), Gründer der Missionsbenediktiner von Sankt Ottilien und der Missions-Benediktinerinnen von Tutzing, verlief in vieler Hinsicht ungewöhnlich und widersprüchlich. Während seine Gründungen heute weltweit tätig sind und ihr Wirken in Teilen gut erforscht ist, wird der Gründer selbst meist nur kursorisch präsentiert. Dabei wird übersehen, dass nur über ein vertieftes Verständnis der Gründerpersönlichkeit manche Entwicklungen der Kongregationen richtig gedeutet werden können. Die hier vorgelegte Biographie möchte einen möglichst umfassenden Einblick in das Denken und Handeln Amrheins im Kontext der Zeitgeschichte und damit einen Beitrag zur Erforschung des Gründungscharismas der missionsbenediktinischen Kongregationen bieten.

Entschuldigung! Lieber P. Cyrill, das wäre eigentlich ein Fall für die "Culpa-Ecke"

GIB MIR EIN HERZ, DAS DIR AUFRICHTIG DIENT


Für alle die heute morgen nicht dabei seien konnten:

FESTPREDIGT ZU MEINER KLOSTERPRIMIZ IN ST. OTTILIEN 
AM 19. OKTOBER 2025 

LESEJAHR: C I, STB: I. WOCHE

„Gib uns ein Herz, das dir aufrichtig dient.“ – Dieser Satz aus dem Tagesgebet von heute, liebe Mitbrüder, liebe Schwestern und Brüder in Christus, leitet, begleitet und inspiriert uns und bringt in wenigen Worten das ganze Geheimnis des priesterlichen und des gottgeweihten Lebens als Mönch zum Ausdruck. Es geht um das Herz, das dienen will, und um den Willen, der bereit ist, sich führen zu lassen – nicht von sich selbst, sondern von Gott, nicht für sich selbst, sondern für Gott und für die Menschen.

 In der ersten Lesung haben wir von Mose gehört, der während des Kampfes gegen Amalek auf dem Berg steht, die Hände zum Himmel erhoben. Solange er betet, solange seine Arme erhoben bleiben, siegen die Israeliten. Wenn seine Hände sinken, wendet sich das Blatt und die Amalekiter gewinnen die Oberhand. Dieses Bild ist archetypisch und archaisch – und zugleich ewig neu und zukunftsweisend. Es ist das Bild des Beters, des Fürsprechers, des Priesters, der sich hingibt für die ihm von Gott anvertraute Herde und sich nicht schont, um bei Gott für die Menschen einzutreten. Mose kämpft nicht mit dem Schwert, sondern mit dem Vertrauen auf den, der größer ist als unser Vertrauen und weitreichender als unsere Erwartungen. Er steht nicht im Tal des Geschehens, sondern auf dem Berg des Gebets. Und doch hängt vom Aufgerichtetsein seiner Hände das Geschick des Volkes ab. Was hier so kurz skizziert ist, spricht eine tiefe Wahrheit aus: wir sollen ohne Unterlass beten und dem Gottesdienst, wie unser Heiliger Vater Benedikt sagt, nichts vorziehen. Das Gebet ist das tägliche Brot, das wir brauchen, um zu leben. Es ist das überwesentliche Brot, der Engel, die ohne Unterlass rufen: Heilig, heilig, heilig! 

Liebe Schwestern und Brüder, wie wichtig ist diese Aussage für den priesterlichen Dienst! Der Priester steht zwischen Himmel und Erde, nicht als Herrscher, sondern als Mittler und Diener des Gottesvolkes, dem er die für dessen Heiligung so unabdingbaren Sakramente der heiligen Kirche spendet. Er trägt das Volk in seinem Gebet vor Gott und reicht zugleich Gottes Segen dem Volk weiter. Der Heilige Gregor der Große schreibt in seiner Regula pastoralis, der „Hirte der Seelen“ müsse mehr durch sein Gebet als durch seine Stimme wirken. Er ist ein Mann, der das Kreuz in seinem Leben nicht nur verkündet, sondern selbst trägt – mit erhobenen Händen, oft auch mit müden Armen und unter Tränen. Wie wichtig sind da die Mitbrüder und alle, die ihn wiederum im Gebet stützen. 

Liebe Schwestern und Brüder, beten wir füreinander und lassen nicht nach, füreinander zu beten. Das ist das, was wir aus dieser uralten Episode lernen dürfen am heutigen Sonntag! Und dieser Gedanke wird in der zweiten Lesung aus dem zweiten Timotheusbrief fortgesetzt. Paulus ruft uns hier zu: „Bleibe in dem, was du gelernt hast und was dir zur Gewissheit geworden ist.“ Der Glaube ist kein Besitz, sondern ein Weg, ein Wachsen, ein Reifen. Um zu reifen aber, muss man auf dem Weg bleiben. Der Weg der Reifung ist ein Weg des Gebetes und des Ausharrens im Gebet. Unser heiliger Vater Benedikt schreibt über das auf dem Weg bleiben im klösterlichen Leben und im Glauben, dass dem, der fortschreitet, das Herz weit wird, und er in unsagbarem Glück der Liebe den Weg der Gebote Gottes läuft. 

Liebe Schwestern und Brüder, Paulus ermahnt Timotheus, das Wort zu verkünden, ob gelegen oder ungelegen. Der, der Verantwortung trägt in der Gemeinde, muss zuerst selbst betender Hörer sein, bevor er Lehrer des Gebetes wird. Der Heilige Augustinus hat das in seiner eigenen Erfahrung tief erkannt, indem er sagt: „Mit euch bin ich Christ, für euch bin ich Bischof.“ Das heißt für uns: Der Priester bleibt immer betender Schüler des Wortes, auch wenn er es verkündet. Er nährt sich selbst von demselben Brot, das er austeilt. Er lebt von der Barmherzigkeit, die er anderen zuspricht und er schöpft Trost aus dem Trost, mit dem er andere tröstet. So wird er nicht nur Verkünder, sondern Zeuge – ein Mensch, der durch das Wort verwandelt wird. Im Evangelium hören wir das Gleichnis von der Witwe, die unablässig beim Richter um ihr Recht bittet. Es ist ein Bild für den Glauben, der nicht aufgibt, der sich festhält an Gott – gerade dann, wenn alles unsicher scheint. Die Gewissheit, dass die Wahrheit hartnäckig ist und sich auf kurz oder lang durchsetzt, darf uns nie verlassen. Was für ein schönes Bild für das Gebet, das der Heilige Benedikt mit den Worten beschreibt: „wenn du etwas Gutes beginnst, bestürme Gott beharrlich im Gebet, er möge es vollenden.“ 

Der Priester darf nie müde werden, zu beten, auch wenn die Hände schwer werden, auch wenn die Antwort ausbleibt, denn sein Beten ist nicht nur für sich, sondern für die ganze Welt – für alle, die nicht mehr glauben, nicht mehr hoffen, nicht mehr lieben, ja, nicht einmal mehr beten können. Gregor der Große nennt das die compassio pastoris – das Mitleiden des Hirten. Der wahre Hirte steht nicht über der Herde, sondern mitten in ihr, mit einem Herzen, das empfindet und mitfühlt, mit einem Herzen, das aufrichtig dient und für seine Herde unablässig betet. „Gib uns ein Herz, das dir aufrichtig dient.“ Ein Herz, das dient, ist ein betendes Herz. Es sucht nicht den eigenen Vorteil, sondern die Freude des Herrn. Wer in der Liebe Christi lebt, dessen Wille ist im Willen Gottes geborgen und verströmt sich im Dienst. Seine Kraftquelle ist das Gebet. 

So möge mein priesterlicher Dienst, den ich heute mit der Feier dieser ersten Heiligen Messe beginne – mein Beten, mein Verkünden, mein Dasein in unserer klösterlichen Gemeinschaft und in der Welt – immer aus dieser Liebe erwachsen. Dann kann ich mit Mose, mit erhobenen Händen für andere eintreten; dann kann ich mit Timotheus, das Wort Gottes weitergeben; dann kann ich mit der Witwe aus dem Evangelium, im Glauben beharren, bis der Herr wiederkommt in seiner Herrlichkeit und in seiner Gerechtigkeit. Liebe Schwestern und Brüder, das ist die Aufgabe und die Gnade des priesterlichen Lebens: Im Gebet verbunden mit Gott, im Dienst verbunden mit den Menschen, im Herzen verbunden mit der Liebe Christi, der der Weg, die Wahrheit und das Leben ist. Bitten wir heute gemeinsam darum, dass der Herr uns allen ein Herz schenke, das ihm aufrichtig dient – in Geduld, im Vertrauen und in treuer Liebe. Amen

Pater Immanuel Lupardi

P.S. 1042 Wörter - Ideale Länge!

Sonntagsimpuls: Die Gabe der Beharrlichkeit im Gebet

Das Gebet ist absolut notwendig, um glücklich in der Gnade Gottes zu verharren, nachdem man sie im Bußsakrament empfangen hat. Mit dem Gebet könnt ihr alles vollbringen, seid ihr gleichsam Herren über den Willen Gottes – wenn ich so sagen darf –, und ohne das Gebet seid ihr zu nichts fähig: Das allein genügt schon, um euch die Notwendigkeit des Gebetes zu zeigen. Alle Heiligen haben ihre Bekehrung mit dem Gebet begonnen und sind durch das Gebet beharrlich geblieben; und alle Verdammten sind verloren gegangen, weil sie das Gebet vernachlässigt haben. Ich sage also, dass das Gebet für uns absolut notwendig ist, um bis ans Ende treu zu bleiben. […] 

Dieses Gebet aber, von dem ich spreche, das bei Gott solche Macht hat, das uns so viele Gnaden erwirkt, ja, das sogar den Willen Gottes zu binden scheint, das ihn sozusagen zwingt, uns zu gewähren, worum wir bitten, ist ein Gebet, das in einer Art Verzweiflung und Hoffnung zugleich gesprochen wird: Ich sage Verzweiflung, wenn wir unsere Unwürdigkeit bedenken und die Missachtung, die wir Gott und seinen Gnaden entgegengebracht haben; wenn wir erkennen, wie unwürdig wir sind, vor ihm zu erscheinen und es wagen, ihn um Gnade zu bitten: Wir haben sie ja schon so oft von ihm empfangen und ihm immer durch Undank gelohnt; das muss uns jeden Augenblick unseres Lebens das Gefühl geben, die Erde müsse sich vor unseren Füßen auftut. […] Ich sage Hoffnung, wenn wir uns die Größe der Barmherzigkeit Gottes vor Augen halten, seinen Wunsch, uns glücklich zu machen, und was er alles getan hat, um uns den Himmel zu erwerben. Von einem so tröstlichen Gedanken beseelt, werden wir uns mit großem Vertrauen an ihn wenden. […] 

Das, meine Brüder, ist das Gebet, von dem ich sprechen möchte, und das für uns absolut notwendig ist, wenn wir Vergebung und die kostbare Gabe der Beharrlichkeit erlangen wollen.

Hl. Jean-Baptiste Marie Vianney (1786-1859) Priester, Pfarrer von Ars Predigt für den 2. Sonntag nach Ostern (Sermons de Saint Jean Baptiste Marie Vianney, Curé d'Ars, t. 2 ; Éd. Ste Jeanne d'Arc, 1982 ; p. 32-34; ins Dt. übers. © evangelizo)

Sonntagsimpuls der Prämonstratenser - 29. Sonntag im Jahreskreis (Lk 18, 1–8)

Thema: Gott hört dich - auch wenn es still bleibt
Liebe Freunde,
manchmal scheint es, als bliebe unser Gebet unbeantwortet.
Wir bitten - und hören nichts.
Wir hoffen - und spüren Schweigen.
Dann fragen wir uns: „Lohnt sich das Beten überhaupt?“
Im heutigen Evangelium erzählt Jesus von einer Frau,
die einfach nicht aufgibt.
Sie kommt immer wieder, bittet, hofft, vertraut -
und am Ende wird sie gehört.
Diese Frau ist ein Bild des Glaubens,
der nicht glänzt, sondern durchhält.
Sie zeigt uns:
Beten ist kein Wunschautomat,
sondern ein Weg des Vertrauens.
Gott ist kein Richter, der sich bitten lässt,
sondern ein Vater, der dein Herz kennt -
und dich trägt, auch wenn du seine Stimme gerade nicht hörst.
Bleib dran,
auch wenn dein Gebet leise geworden ist.
Denn jedes ehrliche Wort,
jede stille Hoffnung,
jedes „Herr, hilf mir“
wird von Gott gehört.
Vielleicht verändert sich nicht das, was du siehst -
aber Gott verändert dich.
Und das ist das größte Geschenk.
In diesem Sinn wünschen wir euch einen gesegneten Sonntag,
viel Vertrauen, Ausdauer und die stille Freude,
zu wissen: Gott hört dich - auch im Schweigen.

Eure Prämonstratenser aus der Abtei Hamborn

(Quelle: Facebook)

Mittwoch, 15. Oktober 2025

Was ein Mönch so liest (8): Aus der Tiefe des Herzens: Priestertum, Zölibat und die Krise der katholischen Kirche von Kardinal Robert Sarah und Papst em. Benedikt XVI.

Dieses Buch von Kardinal Robert Sarah ist kirchenpolitisch hoch brisant und bedeutsam. Die Reform-Debatten, die in der katholische Kirche in den letzten Jahren immer vehementer geführt werden, haben den ehemaligen Präfekten der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, Kardinal Robert Sarah, mehrfach bewegt, sich zu Wort zu melden. Mit diesem neuen Buch wirft Sarah seinen wohl wichtigsten Beitrag zur aktuellen Debatte in den Ring. Er verteidigt das Priestertum und den Zölibat mit großer Kraft und Weisheit, ohne Angst vor der öffentlichen Debatte. Papst em. Benedikt XVI., der sich seit seinem Amtsverzicht im Februar 2013 kaum mehr zu Wort gemeldet hatte, beschloss ausnahmsweise auf Wunsch von Kardinal Sarah, einen theologischen Beitrag über das vielleicht wichtigste Thema der Kirche zu schreiben: das Priestertum. Obwohl damals bereits 92 Jahre alt ist der Beitrag Benedikts - wie von ihm gewohnt - von hoher intellektueller, kultureller und theologischer Dichte.

Freitag, 10. Oktober 2025

Bewahre uns vor dem Feuer der Hölle

Fatima: Gebete auf Empfehlung Marias 

Fatima ‐ "Betet viel!", lautete der Auftrag des Engels, den die Hirtenkinder in Fatima sahen. Die Muttergottes offenbarte ihnen nicht nur die bekannten drei Geheimnisse. Die Seher lernten außerdem fünf Gebete. 

Noch bevor die Marienerscheinungen in Fatima am 13. Mai 1917 begannen, soll den drei Sehern im Jahr 1916 ein Engel erschienen sein. Dieser habe sich selbst als "Engel des Friedens" und als Schutzengel Portugals bezeichnet, so berichteten die Hirtenkinder Lucia dos Santos, Jacinta und Francisco Marto später. "Betet viel!", lautete der Auftrag des Engels. Dreimal erschien er ihnen – gewissermaßen als Vorbereitung auf das Kommen der Muttergottes ein Jahr später – und lehrte sie dabei auch zwei neue Gebete. Als Maria sich den Seherkindern selbst offenbarte, empfahl sie ihnen nicht nur, eifrig den Rosenkranz zu beten, sondern vertraute ihnen drei weitere Gebete an. Katholisch.de stellt diese Gebete vor. 

Die Gebete Marias 

Am bekanntesten dürfte das sogenannte "Fatima-Gebet" sein. Während ihrer dritten Erscheinung am 13. Juli 1917 trug die Gottesmutter den Kindern auf, es nach jedem Gesätz des Rosenkranzes zu beten. Vielerorts ist das in die Praxis übergegangen; das Buß- und Bittgebet ist allerdings kein verbindlicher Bestandteil des Rosenkranzes: 

"O mein Jesus, verzeih' uns unsere Sünden. Bewahre uns vor dem Feuer der Hölle. Führe alle Seelen in den Himmel, besonders jene, die Deiner Barmherzigkeit am meisten bedürfen. Amen." 

Ebenfalls bei der dritten Erscheinung lehrte Maria die Hirtenkinder das "Opfergebet". "Opfert euch auf für die Sünder", forderte die Gottesmutter und gab ihnen dafür folgende Worte an die Hand: 

"O Jesus, ich bete aus Liebe zu Dir, für die Bekehrung der Sünder und zur Sühne der Sünden gegen das Unbefleckte Herz Mariens." 

Bereits bei ihrer ersten Erscheinung hatte Maria den Seherkindern prophezeit: "Ihr werdet viel zu leiden haben, aber die Gnade Gottes wird euer Trost sein." Plötzlich strahlte überall um sie herum ein helles Licht auf, wie Lucia dos Santos später berichtete. Die drei Kinder hätten sich auf die Knie geworfen und wie von selbst gemeinsam das sogenannte "Eucharistische Gebet" gesprochen: 

"Allerheiligste Dreifaltigkeit, ich bete Dich an! Mein Gott, mein Gott, ich liebe Dich im Allerheiligsten Sakrament."


Mittwoch, 8. Oktober 2025

Die Panne!

Jetzt habe ich mittlerweile schon über 300 Beiträge in diesem Blog veröffentlicht, darunter sehr viele über Musik, insbesondere über R. Wagner. - Aber heute bin ich erschrocken! Ich habe mein absolutes Lieblingswerk vergessen, von dem ich zwölf verschiedene Aufnahmen in meinem CD-Schrank stehen habe: Joseph Haydns “Die Schöpfung”. 

Die Fröhlichkeit und der Farbenreichtum des Werks sind faszinierend: Sie schildern eine Natur, die musikalisch als farbenreich, faszinierend und bewahrenswert erlebbar gemacht wird. 

Ein berühmtes Zitat von Haydn selbst lautet: "Ich war auch nie so fromm, als während der Zeit, da ich an der Schöpfung arbeitete; täglich fiel ich auf meine Knie nieder und bat Gott, dass er mir Kraft zur glücklichen Ausführung dieses Werkes verleihen möchte." 

Als Haydn “Die Schöpfung” vollendete, war er der bekannteste Komponist seiner Zeit. Durch seine Aufenthalte in England lernte er die Oratorien Händels kennen und diese musikalische Begegnung beeinflusste sein Schaffen im Spätwerk wesentlich. Haydns “Schöpfung” erlangte sofort nach der Uraufführung 1798 großen Erfolg und dieser ist bis in heutige Zeit ungebrochen. Dies hat meines Erachtens mehrere Gründe: 

Der Inhalt des Werks wird in relativ geraffter Form dem Publikum nähergebracht und die Handlung dadurch stringent erzählt. Haydn verweilt selten in Reflexionen, die gedrängte Vermittlung der Erzählung verleiht dem Werk dadurch eine große Lebendigkeit. 

Haydn hat eine neue Formensprache entwickelt, in der der Text des Librettos besonders in den Arien keinen Prinzipien folgt, sondern – manchmal in liedhafter Form – immer entlang des Textes musikalisch weiterentwickelt wird. Besonders reizvoll in der "Schöpfung" sind die Kontraste, mit denen Haydn in den Abschnitten des Chores arbeitet. Dabei stehen kunstvoll ausgeschmückte Fugen im virtuosen Stil schlichten und innigen Passagen gegenüber. Zudem verwendet Haydn oft ein dialogisches Verhältnis von Solostimmen und Chor. 

Alle Vokalstimmen dienen förmlich der Erzählung der Schöpfungsgeschichte und die Hierarchie zwischen Solostimmen und Chorstimmen wird zu einem gemeinsamen Lob vereint. “Die Schöpfung” zeigt auch durchaus volksmusikhafte Züge, die im Wechselspiel zur kunstvollen und meisterhaften Instrumentation der Gesamtarchitektur des Werks diesem eine große – im Zusammenspiel aller Kräfte – empfundene Menschlichkeit verleihen. 

“Die Schöpfung” ist auch ein Werk, in dem sich eine Zeitenwende manifestiert. Sie bildet förmlich eine Zusammenfassung aller kompositorischen Erfahrungen und Möglichkeiten des Komponisten. Haydns große Erfahrung im Bereich der italienischen Oper, seine virtuose und detailreiche Behandlung des Instrumentalsatzes und die Neuerungen der Klangsprache der Wiener Klassik lassen “Die Schöpfung” zu einer Art Gesamtschau der Musik des 18. Jahrhunderts werden.


 

Meine absolute Lieblingsaufnahme der "Schöpfung", die ich auch oben mit Youtube verlinkt habe, ist  folgende: 

Ann Monoyios, Jörg Hering, Harry van der Kamp, 
Tölzer Knabenchor, Tafelmusik, Bruno Weil 
Label: Sony, DDD, 1993

Das Klangbild, das Bruno Weil mit dem Tafelmusik Orchestra produziert ist wunderbar: transparent, klar artikuliert, forsch, nicht lärmend im Forte, feingliedrig im Piano, adäquat zurückhaltend, wo es dem Chor Raum geben soll. Die Tempi sind zügig, aber keineswegs gehetzt. 

Der Tölzer Knabenchor präsentiert sich in Bestform, klar artikulierend, wunderbar intonierend und in bester Abstimmung mit dem Orchester. 
Aber es bleibt natürlich eine Geschmacksfrage: wer Knabenchöre generell nicht gerne hört, so gut sie auch sein mögen, wird hier natürlich keine Freude haben. Ich stehe Knabenchören häufig eher ablehnend gegenüber, aber was ich hier höre ist einfach Weltklasse und bis auf seltene Passagen, in denen ich mir besser hörbare tiefe Töne wünsche würde, vermisse ich hier nichts. 

Das Highlight dieser Aufnahme sind aber für meinen Geschmack die Solisten: ich kannte sie allesamt nicht und musste mir dabei zumindest für Ann Monoyios und Jörg Hering Brücken bauen, die sich für mein Ohr aufdrängen: Ann Monoyios erinnert mich sehr an Emma Kirkby, wenn ihr Sopran auch noch ein kleine Spur heller ist und sie fast noch ätherischer klingt als die Kirkby. Jörg Hering erinnert mich sehr an Peter Schreier, hat ein ähnliches silbriges Timbre, intoniert aber zarter als dieser. Harry van der Kamp hat einen sonoren Bass, die Nähe zu Kurt Moll oder ähnlichen mir bekannten Bässen wäre hier allerdings für mein Ohr eher an den Haaren herbeigezogen. Alle drei Stimmen haben mich enorm für sich eingenommen, die Interpretationen sind zartfühlend, innig und mit großer Verve gesungen.

Montag, 6. Oktober 2025

Was ein Mönch so liest (7) : Pater Brown - Tod und Amen: Alle Fälle in einem Band von G. K. Chesterton

Wie ein Held wirkt er nun wirklich nicht: Pater Brown ist unscheinbar, unbeholfen, dicklich, kurzsichtig, hat einen riesigen Kopf und macht einen etwas einfältigen Eindruck. Noch dazu ist er Priester. Doch unterschätzen sollte man den Geistlichen aus Essex keinesfalls. Gesegnet mit reichlich Menschenverstand (und göttlichem Beistand), hat Pater Brown noch jeden Verbrecher überführt, wenngleich er die Strafe oftmals der göttlichen Gerichtsbarkeit überlässt. Und als katholischer Geistlicher weiß er mehr über die Sünden, die Abgründe der Menschen, über das Böse als seine säkularen Kollegen Holmes, Poirot oder Marple. Dieses Wissen erweist sich ein ums andere Mal als unverzichtbar bei seinen Ermittlungen, die sich mal in einem Landhaus, mal im Beichtstuhl, mal in einem idyllischen Gärtchen und mal auf Londons Straßen zutragen. Was ihn das Böse auf Erden ertragen lässt? Sein Humor - und der hat es in sich. Sämtliche Fälle des wohl ungewöhnlichsten Ermittlers der Kriminalliteratur jetzt in einem Prachtband versammelt. 

Diese Sammlung aller Father-Brown-Geschichten des Kampa-Verlages ist die beste Ausgabe dieser Art. Enthalten sind sämtliche fünf Zyklen, wie sie vom Autor angelegt worden sind. Übersetzt wurden alle Geschichten von Hanswilhelm Haefs, der großen Wert auf korrekte, wortgetreue Übersetzungen legt und dabei den sprachlichen Stil des Autors weitmöglichst übernimmt, was sehr lobenswert, weil, gerade bei Chesterton, nicht selbstverständlich ist.

"G. K. Chesterton ist einer der herrlichsten Schriftsteller aller Zeiten." 
(Jürgen Kaube / FAZ)

Dienstag, 30. September 2025

Darf ich sein, der ich bin? – Über unerwünschte Priester

Es wird viel über Priester gesprochen: Skandale, Zölibat, Kirchenreform. Immer wieder geht es um sie, und oft ist das von ihnen gezeichnete Bild nicht sehr positiv. In einem Gastbeitrag für katholisch.de bringt Pfarrer Dominik Loy die persönliche Sicht eines jungen Priesters heute ein. - Ein Artikel, der nachdenklich macht!



Sonntag, 21. September 2025

Sonntagsimpuls

Herbstlicher Ausblick aus meinem Zimmer

Liebe Brüder und Schwestern, 
der Herbst zieht leise ein. Morgendunst liegt über den Feldern, Blätter beginnen zu leuchten. Die Natur zeigt uns, wie Loslassen zum Leben gehört. Auch wir dürfen abgeben, was uns beschwert, und darauf vertrauen, dass Gott Neues wachsen lässt. Jesus spricht: „Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“ (Mt 11,28) 

Diese Worte sind ein sanftes Versprechen. Wir müssen nicht alles selbst tragen. Gott lädt uns ein, unsere Sorgen in seine Hände zu legen – im stillen Gebet, in der Eucharistie, in einem aufrichtigen Gespräch. Vielleicht kann dieser Sonntag ein Übungstag des Vertrauens sein: einen Streit beenden, einen Anruf wagen, der lange aufgeschoben wurde, oder einfach dankbar den goldenen Glanz der Natur wahrnehmen.

Wer so den Blick hebt, spürt, dass Gottes Nähe Frieden schenkt. Bitten wir heute besonders für Menschen, die an Grenzen stoßen: Kranke, Überlastete, Trauernde. Möge der Herr ihnen neue Kraft geben und Herzen öffnen, die trösten.

Samstag, 6. September 2025

Jesus - mehr als ein Prophet?

Wir meinen oft, Jesus zu „kennen“. Aber kennen wir ihn wirklich – oder nur oberflächlich? Johannes Hartl führt uns zurück an den Anfang, wo die ersten Christen von ihrer Begegnung mit Jesus so überwältigt waren, dass ihre Herzen „brannten“. Ein Vortrag, der dich herausfordert, neu hinzuschauen: Wer war dieser Mann aus Nazareth, und warum war er so anders als alle Propheten und Lehrer vor und nach ihm? 
  

Samstag, 23. August 2025

Was ein Mönch so liest (6): Höre, so wird deine Seele leben: die spirituelle Kraft der Musik von Anselm Grün

Musik ist etwas Himmlisches und für uns immer wieder eine Einladung, Gott zu erfahren. Sie berührt alle Menschen und klingt im Herzen weiter. Sie ist Ausdruck des Lebens und Glaubens mit all seinen Höhen und Tiefen. Anselm Grün vermittelt uns mit diesem Buch aber noch sehr viel mehr. So hatte die Musik auch große Bedeutung in der Kirchengeschichte. Sie war immer schon eine tiefe Ausdrucksmöglichkeit des Glaubens - eine von Gott geschenkte Gabe.

Seit jeher haben Menschen Musik als Tor zum Himmel erlebt. Für viele ist Musik der Weg, sich Gott und seinem unsagbaren Geheimnis zu öffnen und mit der mit der spirituellen Sehnsucht in Berührung zu kommen. Die Liebe Jesu wird in der Musik erfahrbar: in der Fastenzeit und an Ostern, im Advent und an Weihnachten und in jedem gesungenen gregorianischen Choral. Musik weckt Freude und Hoffnung.

Anselm Grün, selbst ein großer Musikliebhaber, vertieft zunächst die Zusammenhänge zwischen Musik und Gottesdienst, Musik und Stille, Musik bei den Kirchenvätern, um sich dann gründlich den spirituellen und therapeutischen Qualitäten bei Bach, Haydn und Mozart sowie beim gregorianischen Choral zu widmen. Eine beiliegende CD , die die besprochenen Musikstücke aufgreift, rundet die Ausführungen bestens ab.

Das  herrliche "Et incarnatus est" aus der großen c-Moll Messe KV 427 ist für Anselm Grün der Höhepunkt von Mozarts Kirchenmusik.. Es wird im Buch ausführlich besprochen und befindet sich auch auf der beigefügten CD: In der Menschwerdung Gottes, begegnen sich - auch musikalisch - Himmel und Erde.

Samstag, 9. August 2025

Was ein Mönch so hört (6): BLINDVERKOSTUNG

BLINDVERKOSTUNG - DAS HEITERE INTERPRETENRATEN 

Ein Werk – neun Aufnahmen. Christian Detig präsentiert seinem Klassik-Rateteam verschiedene Interpretationen eines Werkes, ohne zu verraten, wer spielt. Frage ist also: Was hörst Du wirklich? Christine Lemke-Matwey, Kai Luehrs-Kaiser und Andreas Göbel diskutieren und rätseln, loben und verwerfen. Die Antworten sind eindringlich, provozierend, immer ehrlich. Am Ende ist man dem Werk manchmal näher gekommen, als einem lieb ist. Blindverkostung eben. Alle vier Wochen, immer am Samstag. Und immer in der ARD-Audiothek.


Dienstag, 5. August 2025

SCHLECHTE LAUNE? - DA HILFT NUR: EIN AUSFLUG AUF`S LAND!

(Foto: Wanderer auf der Klosterwiese direkt vor meinem Fenster)


Was kann einen immer wieder aufbauen, wenn es einmal nicht so läuft, wie man es sich eigentlich gewünscht hätte? - Was kann man tun, wenn man schlechte Laune hat?

Bei mir ist es ein "Ausflug aufs Land", d.h. genauer gesagt: 
Ein musikalischer "Ausflug auf Land" mit Beethovens "Pastorale" (Sinfonie Nr. 6 F-dur). In dieser Sinfonie steckt eine positive Energie, die jeden wieder auf die Beine bringt.

Die Satzbezeichnungen:
 
1. Allegro ma non troppo
Erwachen heiterer Empfindungen bei der Ankunft auf dem Lande 

2. Andante molto moto
Szene am Bach 

3. Allegro 
Lustiges Zusammensein der Landleute -  Allegro Gewitter, Sturm 

4. Allegretto 
Hirtengesang - Frohe und dankbare Gefühle nach dem Sturm


Wem diese ca. 30minütige Kurz-Therapie nicht helfen sollte, dem ist wahrscheinlich nicht mehr zu helfen! - Hier meine beiden Rezepte:


REZEPT NR. 1:

Unter anderem im Autoradio von Carlos Kleibers Tochter überlebte dieses erstaunliche Tondokument zwanzig Jahre lang, bis überraschte Tontechniker entdeckten, dass sich daraus durchaus eine klanglich überzeugende CD machen ließe - ein Glück, denn der offizielle Mitschnitt, der bei diesem Konzert am 7. November 1983 in der Bayerischen Staatsoper gemacht wurde, hatte die zwei Jahrzehnte nur sehr schlecht überstanden und erwies sich als untauglich für eine Veröffentlichung.

So blieb der Nachwelt ein wahrlich einzigartiges Stück Aufführungsgeschichte erhalten: Carlos Kleiber, einer der großen Skrupulösen und Publikumsscheuen im Klassik-Geschäft, hat Beethovens "Pastorale" nur dieses eine Mal dirigiert und dann nie wieder. Den Hörer erwartet eine Aufnahme mit vielen sensationell gelungenen Passagen von großer musikimmanenter Schlüssigkeit; die leidige Frage nach dem Grad der programmatischen Gebundenheit dieser Außenseiter-Komposition in Beethovens sinfonischem Œuvre stellt sich angesichts einer so stringent und logisch sich entfaltenden Wiedergabe nicht mehr.

Das von Kleiber erreichte Klangbild ist außerdem klar, vergleichsweise hell und sehr durchlässig nicht nur für die melodische, sondern auch für die motorische Struktur der Partitur. Alles in allem ein Glücksfall der Tondokumentation, den sich kein Freund sinfonischer Musik entgehen lassen sollte. Eine Interpretation jenseits des Alltäglichen. In großer Nähe zu Beethovens Metronomangaben blüht hier jede Phrase, vibriert jeder Ton, ohne sich als Detail in den Vordergrund zu drängen. Lustvoller und seelenvoller kann man nicht musizieren (lassen).

Geradezu versunken in diesen "Ausflug aufs Land" scheint bei dieser Live-Aufnahme das Publikum, welches nach Ende des fünften Satzes erst einige Augenblicke benötigt, um quasi wieder aufzutauchen und zu applaudieren.



oder

REZEPT NR. 2:

Von Carlos Kleibers Vater, Erich Kleiber, sind uns leider nur wenige Tonaufzeichnungen überliefert, was wir aber besitzen, ist von unvergleichlichem Wert. So auch diese "Pastorale", die der große Dirigent mit dem Concertgebouw-Orchester Amsterdam aufgezeichnet hat: Klassisch klar und ganz schnörkellos wird das wunderbare Werk vor uns ausgebreitet. Der Klang ist schlank und trotz Monotechnik ausgezeichnet durchhörbar. Man beachte nur die wunderbare Linienführung in der "Szene am Bach". Der Kopfsatz schwelgt geradezu in Naturseligkeit, ohne aber im geringsten sentimental zu wirken. Die Gewitterszene des 4. Satzes wird glasklar und mit niederschmetternder Wucht geboten, um dann in ruhiger Klarheit in den Hirtengesang einzumünden. Die "frohen und dankbaren Gefühle nach dem Sturm" werden so schön und ebenmäßig ausgedrückt, daß der dankbare Hörer nur bedauern kann, daß Erich Kleiber die Vorzüge des Stereozeitalters nicht mehr nutzen konnte (einzige Ausnahme ist seine unvergleichliche Einspielung von Mozarts "Hochzeit des Figaro", die er kurz vor seinem plötzlichen Tod am 27. Januar 1956, Mozarts 200. Geburtstag, noch in der neuen Technik vollenden konnte). Die Aufnahme der Pastorale entstand 1952. Eine Aufnahme, die - wie die seines Sohnes Carlos - alle Zeiten mühelos überdauern wird!

 

Sonntag, 3. August 2025

Was ein Mönch so liest (5): "Personen" von Robert Spaemann

Moderne Gesellschaften verfügen über den Wert des Lebens. Schon längst ist die Würde des menschlichen Lebens antastbar geworden. Ein Buch, das über wesentliche Werte nachdenken lässt, was es heißt, eine Person zu sein. 

Der Unterschied zwischen »etwas« und »jemand« besteht in einen »persönlichen Akt der Anerkennung«, den man einem Anderen zukommen lässt. Robert Spaemann entfaltet diese Überlegung und vermittelt beeindruckend, dass Personen erst dann zu Personen werden, weil wir es ihnen zuschreiben. 

»Spaemanns Philosophie ist ein eindringlicher und imposanter Versuch, jeder Form der Verdinglichung von lebendigen Menschen, die für ihn sämtlich als Personen zu gelten haben, entgegenzuwirken... Gerade weil Spaemann jedoch in den Auftreten von Peter Singer von Anfang an nicht allein eine ärgerliche Provokation, sondern ein zeittypisches Phänomen erblickte, hat er sich … dem argumentativen Disput nicht entzogen. In welchem Ausmaß Spaemann diese Kontroverse als geradezu epochale Herausforderung empfand, kann man jetzt bei der Lektüre seiner großen Abhandlung über Personen nachvollziehen.« 
Andreas Kuhlmann im Merkur

Samstag, 2. August 2025

Von der Faszination historischer Aufnahmen (9): Wagners erster Akt der "Walküre" unter Karl Elmendorff in atemberaubender Klangqualität (1944)

Es ist seltsam, dass eine so glanzvolle Aufführung in einer Zeit schrecklicher Zerstörung stattfinden konnte: Wenige Tage nach der Aufnahme in den Studios des Dresdner Rundfunks wurde die Stadt durch Bombenangriffe zerstört. Die meisten deutschen Opernhäuser hatten bereits geschlossen, sodass namhafte Sänger die Möglichkeit hatten, bei Rundfunkaufführungen im Studio aufzutreten. Diese Aufnahme ist seit einigen Jahren bei Preiser erhältlich und hat mich stets durch ihre hohe Qualität begeistert. Ihr verblüffendstes Merkmal ist die Unmittelbarkeit und die atemberaubende Klangqualität der Aufnahme selbst, die den meisten kommerziellen, speziell angefertigten Sets ihrer Zeit weit überlegen ist. Die Stimmen sind so klar und eindringlich, dass man fast glaubt, sie seien mit im Raum, und der Orchesterklang steht dem in Präsenz und Detailreichtum in nichts nach. Unter den sicherlich einschränkenden Umständen des Krieges ist diese Leistung umso bemerkenswerter. 

Elmendorff, der damalige Musikdirektor der Dresdner Staatsoper, befand sich mit 53 Jahren möglicherweise auf dem Höhepunkt seines Schaffens. Sein Dirigat zeugt von einer Autorität, die sich aus der gründlichen Kenntnis einer Partitur ergibt, die er bei den Bayreuther Festspielen und anderswo mehrfach dirigiert hat. Das Tempo des ersten Aktes, der manchmal zäh oder langweilig wirken kann, ist hier ideal, mit klarem Blick auf die Gesamtstruktur, nie übereilt, stets lebendig. Die Blechbläser sind nicht immer absolut stimmig; ansonsten entspricht das Spiel der Sächsischen Staatskapelle allen hohen Erwartungen. 

Der bemerkenswerteste Aspekt des Gesangs ist die Klarheit und der idiomatische Charakter der Diktion: Jedes Wort der drei Sänger ist verständlich, ohne dass ein Libretto benötigt wird. Max Lorenz war der amtierende Siegmund seiner Zeit. Er zeigt seine gewohnte Vitalität und Begeisterung. Seine Interpretation ist nicht so innerlich oder tief empfunden wie die von Melchior oder Suthaus, hat aber eine jugendliche Helligkeit im Timbre, die dem Charakter des jungen Mannes angemessen erscheint. Wie gewohnt geht er gelegentlich freizügig mit Notenwerten um. Teschemacher übertrifft hier ihre gewohnte Form mit einem frischen, offenen Ton, den man heute in der Rolle der Sieglinde so selten hört; alles wird natürlich und charaktervoll vorgetragen. Böhmes düsterer, unerbittlicher Hunding ist einer der besten auf CD, vergleichbar mit Frick, Moll und Salminen. 

Ein absolutes Muss für jeden Wagnerianer!

Freitag, 1. August 2025

Was ein Klassik begeisterter Mönch so hört (5): Der Podcast über Claudio Abbado auf rbb 3

Musikserie in 26 Folgen von Kai Luehrs-Kaiser 

CLAUDIO ABBADO 

Claudio Abbado war der erste Antiautoritäre und das wohl größte Erotikon unter den Chefdirigenten der Berliner Philharmoniker. Hier wirkte er von 1989 bis 2002 in einer Zeit voller Umbrüche und Neuanfänge. Obwohl er zum Zeitpunkt seiner Amtsübernahme schon 56 Jahre zählte, brachte er ein unbestreitbares Moment von Jugend nach Berlin. 

Claudio Abbados Nahbarkeit lag begründet in Zurückhaltung und Dezenz. Darin entwickelte er eine enorme Sog- und Schubkraft sowie unerhörte Produktivität nicht nur in Berlin. Vor allem Wien, Mailand und London haben ihm viel zu verdanken. Sein Stil war unverwechselbar. Seine Fangemeinde weltweit. Er war der erste Lässige in einer aufgesteiften, durch ihn sinnlicher gewordenen Klassik-Welt.


Dienstag, 29. Juli 2025

Was ein Mönch so hört (5): NDR Kultur - BELCANTO

Diesmal kein CD-Tipp, sondern ein Surf-Tipp. Eine Sendung, die ich jede Woche mit Begeisterung höre: 

Belcanto 

Die Stunde mit den schönsten Arien, Duetten und Chören der Operngeschichte auf NDR Kultur. Immer sonnabends von 13 Uhr bis 14 Uhr entführt Sie Hans-Jürgen Mende in die Welt der schönen Stimmen: mit Arien, Duetten und Chören von Komponisten wie Rossini, Bellini oder Donizetti, gesungen von ausdrucksstarken Sängerinnen und Sängern, die auf den Bühnen von Berlin, Paris oder New York und im "Bel Canto" zuhause sind.

Hier der Link zum Belcanto-Archiv: Belcanto hören