Montag, 24. November 2025
"Jeder Mensch muss auf sich achten" - Papst Leo XIV. erholt sich mit Sport und Lektüre
Sonntag, 23. November 2025
Samstag, 22. November 2025
Was ein Mönch so hört (6): Elektra (R. Strauss) unter Christian Thielemann und Karl Böhm
Thérèse war verschwunden - Die Erneuerung des Glaubens in der Mystik
Wer mit den geistigen Traditionen des christlichen Glaubens vertraut ist oder auch einige spirituelle Texte anderer Religionen oder Weisheitslehren wie etwa denen des Zen-Buddhismus oder des Advaita Vedanta kennt, begegnet hin und wieder sogenannten Erfahrungsberichten. In ihnen wird erzählt, wie jemand plötzlich in eine andere Dimension der Wirklichkeit versetzt wird. Oft, nicht immer, handelt es sich um Personen, die seit langer Zeit eine geistige Übung praktizieren. Derartige Erfahrungen können während der Kontemplation auftreten, ebenso aber auch außerhalb der Übung, mitten im Alltag.
Über alle kulturellen und individuellen Unterschiede hinweg weisen diese Erfahrungen eine ähnliche Struktur auf: Eine bisher vertraute Form des In-der-Welt-Seins zerbricht, eine neue, so noch nie geschaute Dimension der Wirklichkeit bricht in das Bewusstsein eines Menschen ein. Die Berichte sprechen von einem Erwachen, einer Erleuchtung, einem Sterben und Neugeborenwerden, einer Befreiung. Oft geht ihnen eine Inkubationszeit voraus, in denen sich etwas Neues ankündigt, das ans Licht drängt, doch die allerletzte Phase ist gewöhnlich ein Sprung, ein plötzliches Erwachen.
Die heilige Thérèse von Lisieux berichtet: "An jenem Tag war es nicht mehr ein Blick, sondern eine Verschmelzung (une fusion), da waren nicht mehr zwei, Thérèse war verschwunden (Thérèse avait disparu) wie der Tropfen Wasser sich in der Tiefe des Meeres verliert. Jesus allein blieb, Er war der Herr, der König." Am Tag darauf, so schreibt sie, "flossen wieder meine Tränen mit unbeschreiblicher Sanftheit und ich wiederholte ohne Unterbrechung die Worte des heiligen Paulus: ‚Nicht mehr ich lebe, Jesus lebt in mir‘ [Gal 2,20] (Œuvres complètes, 35vo–36vo).
Derartige Erfahrungen spielen im Alltag christlicher Gemeinden kaum eine Rolle. Auch die akademische Theologie weiß nicht viel mit ihnen anzufangen. Einem aufgeklärten Christentum gelten sie als suspekt und bisweilen sogar als gefährlich.
Liest man, sensibilisiert von derartigen Berichten, mit nüchternem Blick das Neue Testament, so gewinnt man den Eindruck, dass ohne einen solchen Sprung in eine andere Dimension der Wirklichkeit die Jesus-Geschichte nicht wirklich verstanden werden kann. Der Evangelist Johannes macht das gleich zu Beginn seines Evangeliums unmissverständlich klar. Und zugleich gibt er eine Antwort auf die Frage, warum viele Jesus und seine Lehre nicht verstehen und keinen Zugang zum Reich Gottes finden können. Was ihnen fehlt ist eine zweite Geburt, eine "Geburt von oben" (Joh 3,3), eine Geburt "aus dem Geist" (Joh 3,5), eine "Geburt aus Gott" (Joh 1,13).
QUELLE: COMMUNIO ONLINE (https://www.herder.de/communio/spiritualitaet/die-erneuerung-des-glaubens-in-der-mystik-therese-war-verschwunden/)
Freitag, 21. November 2025
Martinszug ohne Kerzen : Deutschlands falscher Sicherheitswahn
Kämpfen wir für die überlieferte Messe und den überlieferten Glauben! - Ein Aufruf an alle Priester und Gläubigen.

Von P. Joachim Heimerl von Heimthal*
Es gibt nur wenige Dinge, die es wert sind, für sie zu kämpfen.
Ob zu diesen Dingen bestimmte Staatsordnungen oder moderne Ideologien gehören, darf man bezweifeln, auch wenn dies die meisten Bischöfe behaupten und auch der Papst.
Zu den Dingen, die den Kampf lohnen, gehören dagegen der katholische Glaube und sein authentischer Ausdruck in der Heiligen Messe.
Dass dies allerdings nur die Messe sein kann, die die Kirche seit der Frühzeit gefeiert hat, ist dabei klar.
Klar ist aber auch, dass mit der sogenannten „neuen Messe“ Pauls VI. ein neuer Glaube gekommen ist, und genau hier ist das Problem: Letztlich ist die Kirche über der „neuen Messe“ und den neuen Glauben auseinandergebrochen, und der erbitterte Kampf, der gegen die überlieferte Messe geführt wird, bezeugt eben dies.
Dabei kann niemand ein Katholik sein, der mit dem überlieferten Glauben und der überlieferten Messe nicht übereinstimmt, der sie ablehnt oder – wie Papst Franziskus – gar bekämpft, und an diesem Selbstwiderspruch geht die „neue Kirche“ langsam zugrunde.
Aber wie sieht es aus, wenn man sich nach der anderen Seite wendet, und wie ist es um die bestellt, die dem katholischen Glauben und damit der überlieferten Messe treu geblieben sind?
Gibt es hier wirklich einen gemeinsamen Kampf für die katholische Sache?
Ich wünschte, dem wäre so, aber die Widersprüche innerhalb der Kirche haben längst auch die verschiedenen Gruppen der Tradition erfasst.
Die Bruderschaften „St. Pius“ und „St. Petrus“ stehen symbolisch dafür: Die einen gehen den geraden katholischen Weg, die anderen meinen, sich um jeden Preis dem Papst unterwerfen zu müssen, weil der Papst eben der Papst sei und weil man ohne Papst – einer Art „deus in terris“ – nicht „katholisch“ sein könne. – Dem war einst so; das ist wohl richtig, aber diese Zeiten sind spätestens seit dem unseligen Pontifikat von Franziskus vorbei.
Seitdem haben Häresie, Apostasie und Idolatrie die Kirche erobert, und anstatt für den überlieferten Glauben und die überlieferte Messe zu kämpfen, schielen jene, die noch im wahren Sinne katholisch sind, fortwährend nach Rom, um von dort Erlaubnisse für das zu erbetteln, was immer erlaubt war und nie verboten werden kann, und das ist wiederum die überlieferte Messe.
Papst Pius V. hat ihr „ewige“ Fortgeltung verschafft, ihr einen quasi dogmatischen Charakter verliehen und die Priester ein für allemal an diese Form des römischen Ritus gebunden. – Wer aber hätte je gedacht, dass gerade in der katholischen Kirche „ewig“ nicht „für immer“ heißt?
Und wer hätte je erwartet, dass es so gut wie niemanden gibt, der es wagt, einem Papst zu trotzen, der meint, er könne über die Heilige Messe verfügen, sie mit Verboten versehen und Ausnahmeregelungen schaffen, als sei er allein der Herr des göttlichen Kultes?
Kann denn das Heiligste in der Verfügung eines Menschen und seines hohen Amtes stehen?
Wohl kaum, und wenn dem so wäre: Was wäre das Heilige dann bitte noch wert?
Ich darf gestehen: Ich habe eine heimliche Schwäche für Martin Luther, aber ich hätte nie gedacht, dass ich sie gerade im Zusammenhang mit der überlieferten Messe preisgeben würde.
Meine Schwäche bezieht sich allerdings nur auf Luthers berühmtesten Satz, auf jenen, den er auf dem Reichstag zu Worms vor dem Kaiser gesagt hat: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders. Gott helfe mir.“
Liebe Freunde der überlieferten Heiligen Messe, liebe Katholiken im wahren Sinn!
Wann und wo sprechen Sie diesen oder einen ähnlichen Satz aus und treten damit entschieden für den wahren katholischen Glauben ein?
Es genügt nicht, den römischen Hass auf die „alte“ Messe zu ertragen oder ihn der Einfachheit halber als „notwendiges Übel“ zu spiritualisieren, denn all dies kommt nicht von Gott, sondern höchstens vom Teufel, und genau dem müssen wir um jeden Preis widerstehen.
Liebe Mitbrüder, feiert die überlieferte Messe! Ihr habt keine Erlaubnis dafür notwendig, denn diese Erlaubnis wurde euch durch die Weihe verliehen. Pius V. hat dies bestätigt, und die Geschichte der Kirche hat dies bezeugt!
Wenn euch das nicht genügt, dann genügt nichts mehr, und wenn wir nicht für die Heilige Messe kämpfen, werden wir jeden anderen geistlichen Kampf verlieren.
Vermutlich spüren wir es alle: Wir stehen innerhalb der Kirche in einem letzten Kampf für die Wahrheiten des katholischen Glaubens. Dass dies ein Kampf um die überlieferte Messe ist, ist offensichtlich, und hier gilt es für jeden von uns, seinen Mann zu stehen – und sei es wie Luther auf dem Reichstag zu Worms!
*Joachim Heimerl von Heimthal, Priester der Erzdiözese Wien, studierte Germanistik, Geschichte, Philosophie und Theologie. Er ist promovierter Germanist und war Lehrbeauftragter an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Neben literaturwissenschaftlichen Arbeiten ist er Autor zahlreicher Aufsätze und Kommentare zu kirchlichen Themen in in- und ausländischen Medien.
Bild: Wikicommons, "Anbetung des Lammes" von Jan van Eyck, Genter Altar, 15. Jahrhundert
IMPULS: „Damit sie ihm sogleich öffnen, wenn er kommt und anklopft“
Donnerstag, 20. November 2025
Ist Künstliche Intelligenz Teil des „göttlichen Schöpfungsakts“? von Christian Schnaubelt
Die Frage des ethischen Umgangs mit Technologie und insbesondere Künstlicher Intelligenz war eines der zentralen Themen von Papst Leo XIV. in den ersten sechs Monaten seiner Amtszeit. In einer kürzlich veröffentlichten Botschaft hat der Pontifex eine positive theologische Vision von Technologie formuliert, der er eine Teilhabe am göttlichen Schöpfungsakt zuweist. Und was bedeutet dies jetzt für den Einsatz von KI in der pastoralen Arbeit vor Ort in den Pfarreien?
KI als „Werkzeug“ mit „außergewöhnlichem Potenzial“
Bereits in seiner Botschaft an die „Zweite Jahreskonferenz über Künstliche Intelligenz, Ethik und Unternehmensführung“ am 19. Juni 2025 in Rom hatte Papst Leo XIV. seine Position zur Künstlichen Intelligenz formuliert. Der Pontifex attestierte KI ein „außergewöhnliches Potenzial“ zum Wohl der Menschheit, betont aber zugleich die fundamentale Einordnung: „Künstliche Intelligenz ist ein außergewöhnliches Produkt menschlichen Genies, bleibt aber vor allem ein Werkzeug.“ Die Werkzeug-Metapher ist für Papst Leo zentral: Sie markiert die klare Grenze zwischen menschlicher Kreativität und maschineller Simulation und unterstreicht, dass die ethische Tragweite von KI von den Absichten ihrer Schöpfer:innen und Nutzer:innen abhängt.
Jetzt schrieb Papst Leo XIV. in seiner Botschaft zum „Builders AI Forum“ am 6. November 2025 in Rom: „Technologische Innovation kann eine Form der Teilhabe am göttlichen Schöpfungsakt sein. Sie trägt eine ethische und spirituelle Bedeutung, denn jede Design-Entscheidung drückt eine Vision von Menschlichkeit aus. Die Kirche ruft daher alle Entwickler von KI auf, moralisches Urteilsvermögen als grundlegenden Teil ihrer Arbeit zu kultivieren – um Systeme zu entwickeln, die Gerechtigkeit, Solidarität und echte Ehrfurcht vor dem Leben widerspiegeln.“
„Entwicklung von KI als ekklesiale Aufgabe“
In seiner Botschaft an die Forum-Teilnehmer formulierte der Papst weiterhin: „Die Frage ist nicht nur, was KI tun kann, sondern wer wir durch die Technologien werden, die wir entwickeln.“ Er forderte, „dass die Entwicklung von KI eine zutiefst ekklesiale Aufgabe“ sein müsse: „Ob man nun Algorithmen für katholische Bildung entwirft, Werkzeuge für mitfühlende Gesundheitsversorgung oder kreative Plattformen, die die christliche Geschichte mit Wahrheit und Schönheit erzählen – jeder Teilnehmer trägt zu einer gemeinsamen Mission bei: Technologie in den Dienst der Evangelisierung und der ganzheitlichen Entwicklung jeder Person zu stellen.“
KI im Pfarreialltag
Was bedeutet dies jetzt für den Einsatz von KI in der pastoralen Arbeit vor Ort in den Pfarreien? Carsten Leinhäuser, Priester aus Winnweiler im Bistum Speyer, schreibt in unserem Partnerportal explizit.net einige Use-Cases für den Einsatz von „KI im Pfarreialltag“ wie Pfarreiorganisation, Predigtschreiben und Analyse des Pfarrbriefes. Der Autor des Buches „Die Dinos dachten auch, sie hätten noch Zeit – Kirche muss sich endlich ändern“ möchte damit einen Dialog über Chancen und Herausforderungen von KI in der pastoralen Arbeit anregen:
„Wichtig bleibt: KI übernimmt keine Verantwortung. Sie kennt keine Gewissenserforschung, keine Unterscheidung der Geister. Sie ist ein Werkzeug. Theologisches Urteil, pastorale Klugheit und letztlich auch die Entscheidung vor Gott bleiben bei uns Menschen.“
KI ist weder Teufelswerk noch Heilsbringer, sondern Chancenbringer
Die jüngsten Aussagen von Papst Leo XIV. zum technologischen Fortschritt und zu Künstlicher Intelligenz markieren einen neuen Akzent gegenüber seinem Vorgänger Papst Franziskus:
Leo XIV. sieht in verantwortungsvoll entwickelter Technologie nicht nur eine Gefahr – wie Papst Franziskus –, sondern auch eine Chance zur Mitgestaltung der Schöpfung. Diese neue theologische Deutung öffnet einen Raum für verantwortungsvoll gestaltete KI-Entwicklung im Dienst der Evangelisierung. Der Pontifex betont, dass „künstliche Intelligenz entsteht, wie jede menschliche Erfindung, aus der kreativen Fähigkeit, die Gott uns anvertraut hat.“
Fazit: Künstliche Intelligenz ist weder Teufelswerk noch Heilsbringer, sondern ein Chancenbringer. Ob technologische Innovation dabei „göttliche Schöpfungskraft“ (Papst Leo XIV.) erreichen kann, ist eine spannende theologische Frage. Viel entscheidender aber dürfte wohl sein, wie wir Menschen neue Technologien – wie KI – als Werkzeug einsetzen.
Sei es zum Guten oder zum Bösen? Diese Frage stellt sich bei allen technologischen Entwicklungen, von Oppenheimers Atombombe bis zur Entwicklung der Künstlichen Intelligenz, die von Alan Turing und John McCarthy inspiriert wurde.
Papst Leo XIV. signalisiert, dass die katholische Kirche die digitale Transformation als zentrale Herausforderung des 21. Jahrhunderts ernst nimmt – und bereit ist, die katholische Soziallehre und die „Algor-Ethik“ als (kritisches, aber konstruktives) Korrektiv in die Debatten einzubringen.
Papst Leo schrieb: „Die Kirche kann und muss bei der ethischen Gestaltung der KI-Revolution eine führende Rolle spielen.“ Und aus diesem „Muss“ kann eine Chance erwachsen!
Lesetipp aus unserem Partnerportal explizit.net: https://explizit.net/medien/artikel/ki-im-pfarreialltag/
Christian Schnaubelt (Chefredakteur und Herausgeber von kath.de)
Christian Schnaubelt
Christian Schnaubelt (Jahrgang 1975) ist Dipl. Sozialwissenschaftler und Kommunikationswirt aus Bochum. Er hat sich als Journalist, Fotograf und Social Media Manager selbstständig gemacht. Seine Schwerpunktthemen sind Kirche, Medien, Internet, Social Media und digitalisierte Lebenswelten.
Schatten im Kloster (2)
SCHATTEN IM KLOSTERoder: Der Schatten vor meiner Tür
Wenn ich am späten Abend von meinem Bibliotheks-Büro zu meiner Cella gehe, komme ich - wenn das Licht stimmt - immer an diesem fantastischen Schatten direkt vor meiner Tür vorbei:
Einfach Beindruckend! - Das gibt es wohl nur im Kloster?
----
Nach christlicher Auffassung stürzte Michael den Drachen (Satan) aus dem Himmel (Offenbarung des Johannes 12,7-9) und wurde nach dieser Tat zum Erzengel erhoben. In der katholischen Kirche wird er mit einem flammenden Schwert dargestellt. Er ist der einzige Engel, den die Bibel als Erzengel bezeichnet. Nach christlicher Auffassung ist seine Farbe rot in allen Schattierungen. Er erschafft Feuer und Wärme und gibt dem Blut seine Qualität. Nach katholischer Auffassung befindet er sich im Osten vor Gottes Thron.
(http://www.fotolog.com/spiritus_sanctus/14597395)

Vatikanstadt - Montag, 29. September 2025, 15:00 Uhr.
Das Leben des Christen ist ein Leben des geistlichen Kampfes. Der katholische Glaube lehrt, dass Menschen nicht die einzigen intelligenten Wesen sind, die Gott geschaffen hat. Gott schuf die Engel, und einige dieser Engel wurden rebellisch und fielen von Gott ab. Beide Seiten sind im Kampf um die menschliche Seele verwickelt.
Ein beliebtes Gebet, das sich diesem Kampf sehr deutlich widmet, ist das Gebet zum Erzengel Michael — der unter anderem auch Schutzpatron der Deutschen ist. Verfasst von Papst Leo XIII. im 19. Jahrhundert, ist es bis heute in seiner kurzen Fassung vielen Katholiken in aller Welt geläufig. Die längere Version findet in Exorzismen Verwendung.
Papst Franziskus rief am 27. Sept. 2020 erneut dazu auf, das Gebet zu verbreiten und die Verehrung des Erzengels zu fördern. In einer Botschaft, die am 27. Sept. veröffentlicht wurde, gratulierte der Papst den Mitgliedern der Kongregation des Erzengels Michael zum bevorstehenden hundertsten Jahrestag ihrer Billigung durch die kirchlichen Autoritäten.
Seit den 1930er Jahren haben Artikel in verschiedenen katholischen Publikationen solche Geschichten erzählt. Sie entstanden jedoch frühestens 45 Jahre nach der Verfassung des Gebets. Ein Artikel aus den 1950er Jahren gibt zwar den persönlichen Sekretär des Papstes als Quelle an, aber es ist unklar, ob dies zutrifft — es gibt keine zeitgenössischen Quellen aus den 1880er Jahren, die dies bestätigen würden.
Was das Gebet besonders interessant macht, ist seine Entstehungsgeschichte — deren historische Genauigkeit allerdings wissenschaftlich nicht belegt ist. Verschiedene Erzählungen und Legenden sind über die Jahre entstanden, die jedoch erst Jahrzehnte nach der Entstehung des Gebets aufkamen.
Einer Erzählung zufolge fand man Papst Leo XIII. eines Tages nach dem Feiern der Heiligen Messe regungslos vor sich hinstarrend vor. Einen Augenblick später war er plötzlich wieder präsent und sperrte sich schnell in seinem privaten Büro ein. Eine halbe Stunde später, als seine Mitarbeiter schon an die Tür klopften um zu fragen, ob alles in Ordnung sei, kam er heraus mit dem fertigen Gebet.
Was hatte der Papst gesehen, das ihn dazu bewegte, dieses Gebet zu verfassen? Einer Version zufolge hatte er eine Vision von dämonischen Kräften, die Rom umzingelten. Einer anderen zufolge hörte Leo XIII. ein Gespräch zwischen Gott und Satan, in dem Gott dem Teufel erlaubte, ein Jahrhundert zu wählen, in dem er sein Schlimmstes tun durfte. Welches Jahrhundert der Widersacher wählte? Das 20.
Viele moderne Historiker beschreiben diese Berichte gerne als Legenden, die sich im Lauf der Zeit entwickelten, nicht als historische Fakten. So oder so: Das Gebet selbst wurde zwischen 1884 und 1886 als Teil der sogenannten "Leoninischen Gebete" eingeführt, die nach jeder Messe gebetet wurden.
All das ändert nichts an der brisanten Relevanz und brennend aktuellen Lektion des Gebets: Der geistliche Kampf ist andauernd, und Katholiken sind aufgerufen, wachsam zu bleiben und weiter zu beten. Unabhängig von den umstrittenen Ursprungsgeschichten bleibt das Gebet ein kraftvoller Ausdruck des katholischen Glaubens an den Schutz der Engel.
Hier ist das Gebet an den heiligen Erzengel Michael:
Heiliger Erzengel Michael,
verteidige uns im Kampfe;
gegen die Bosheit und die Nachstellungen
des Teufels, sei unser Schutz.
'Gott gebiete ihm', so bitten wir flehentlich;
du aber, Fürst der himmlischen Heerscharen,
stoße den Satan und die anderen bösen Geister,
die in der Welt umherschleichen,
um die Seelen zu verderben,
durch die Kraft Gottes in die Hölle.
Amen.
Freitag, 14. November 2025
Buchtipp: Neue Irre! - Wir behandeln die Falschen, unser Problem sind die Normalen: Eine heitere Seelenkunde. Erweitert und auf dem neuesten Stand der Forschung von Manfred Lütz
Mehr als ein Medienhype : Erleben wir doch eine Rückkehr der Religion?
Donnerstag, 13. November 2025
Impuls: „Das Reich Gottes ist mitten unter euch“
Dienstag, 11. November 2025
Montag, 10. November 2025
Samstag, 1. November 2025
NIEMAND KANN IM ALLEINGANG DEN HIMMEL ERSTÜRMEN

Liebe Mitbrüder, liebe Mitfeiernde!
Allerheiligen: Ein willkommener Feiertag. - Und ein so richtig „katholisches" Fest: In der Kirche wird heute mit Weihrauch nicht gespart, - so war das auf jeden Fall in meiner Heimatgemeinde. Die Liturgie war noch feierlicher und der Kirchenchor hat natürlich auch gesungen. - Am späten Nachmittag, nach dem Kaffeetrinken mit der Verwandtschaft, stand dann mit meinen Eltern der Friedhofsgang an. Als Kind habe ich mich immer schon darauf gefreut: Mein Bruder und ich durften dann immer die Lichter anzünden und auf die Gräber stellen. Die Eltern hatten derweil das letzte Laub entfernt. - Irgendwie kennen wir das alle, da kommen alte Erinnerungen auf: Da wird man irgendwie „nostalgisch".
Aber: Ist das alles, was wir zu Allerheiligen zu sagen haben? - Ich bin überzeugt, dass dieses Fest nicht nur Schnee von gestern ist, sondern auch heute noch eine große Bedeutung hat. Zwei Gedankengänge möchte ich dazu ausführen; der erste will zeigen, wie aktuell dieses Fest ist. - Der andere, warum Allerheiligen mir sympathisch ist.
Zum ersten Gedankengang: Gerade heute ist Allerheiligen für mich von großer zeichenhafter Bedeutung! Wir leben in einer Zeit in der Egoismus immer mehr alle Lebensbereiche erfasst. Da versucht so jeder, möglichst der Schmied seines eigenen Glückes zu sein. - „Unabhängig" möchte man heute sein. Familie, Ehe, Kranke und Alte bleiben da oft auf der Strecke.
Viele Menschen haben sich abgenabelt von der Kirche und vom Glauben. Und da gibt es dann natürlich auch keine großartige Perspektive für die Zukunft mehr. Da wird dieses Leben dann zur „letzte Gelegenheit". Da versuchen viele das Leben wie eine Zitrone auszupressen, um möglichst viel an Genuss und Gewinn herauszubekommen. Der Pastoraltheologe Paul M. Zulehner hat hierfür ganz passende Worte gefunden: „Früher lebten die Menschen 30 Jahre - und dann eine Ewigkeit. - Heute leben die Menschen 90 Jahre und dann, dann ist alles vorbei". Und um alles für sich herauszuholen, ist fast jedes Hilfsmittel recht: sei es nun irgendeine Schamanenweisheit oder eine Meditationsmethode aus dem Fernen Osten. - Elia kannte 450 falsche Propheten, - heute sind es wahrscheinlich mehr! -
In der Erlebnisgesellschaft gibt es immer exotischeren Angebote: Extremsport oder Erlebnisurlaub sind angesagt. Die einen suchen den „persönlichen Kick" in der Erleuchtung. - Andere gehen bis an ihr Limit, um Risiko und Spaß (risk and fun) miteinander zu verbinden. Auf jeden Fall läuft so ein Egotrip fast immer auf eines hinaus: - Es ist der Versuch, für sich allein den „Himmel auf Erden" zu erstürmen.
Liebe Schwestern und Brüder!
Allerheiligen drückt dagegen etwas ganz anderes aus: Niemand kommt allein in den Himmel! Glück und Seligkeit sind ohne den Nächsten nicht zu haben. Und auch der Aufruf „Rette deine Seele" darf also nicht egoistisch-falsch verstanden werden. Der Weg zum Himmel führt nur über meine Mitmenschen. Und Allerheiligen ist für mich ein Zeichen dafür: Wir sind gemeinsam - als Volk Gottes - unterwegs. - Nur gemeinsam können wir unser Ziel, das ewige Leben, zu erreichen. - Wie gesagt: Den Himmel kann man nicht im Alleingang erstürmen!
Ein zweiter Gedankengang: Warum ist mir Allerheiligen sympathisch?
Es gibt sicherlich viele große Heilige in der Kirche. Und deren Leben und Werk hat sich über die Jahrhunderte hinweg als ein vorbildlicher Weg bewährt. So wie es im weltlichen Leben hilfreich sein kann, einen heißen Draht zu einem Minister zu haben, so möchte man seine eigenen Anliegen durch einen ganz bestimmten himmlischen Fürsprecher absichern.
Da lobe ich mir an Allerheiligen alle „unbekannten" Heiligen, die keine Einzelinteressen vertreten. Es sind die in der Lesung erwähnten 144.000, also eine unzählbare Schar. Es sind die Heiligen, die wir in keinen Heiligenkalender finden. Es sind die Heiligen, denen das Himmelreich gehört, weil sie „arm vor Gott waren" - oder weil sie „ein reines Herz" hatten. Es sind die „Trauernden" und „die Barmherzigen". - Wir haben es gerade im Evangelium gehört. - Sie alle sind in Gottes Ewigkeit eingegangen. - Und nun begleiten sie vom Himmel her unseren alltäglichen Weg.
Liebe Brüder und Schwestern!
Aber vor allem ist mir Allerheiligen sympathisch, weil zu diesen Heiligen auch jene gehören, die wir noch persönlich kennen lernen durften, die uns jedoch schon in die Ewigkeit voraus gegangen sind. All jene, die einen besonderen Platz in unseren Herzen haben. Dazu gehören unsere lieben Verwandten, viele Freunde und gute Bekannte, mit denen wir gemeinsame ein Stück unseres Lebensweges gehen durften. So haben wir alle auch unsere eigenen Heiligen, auch wenn sie wahrscheinlich wohl nie zur „Ehre der Altäre" erhoben werden, an die wir heute besonders denken dürfen. Ihre Seligkeit kann auch unserem Leben Richtung und Halt geben. -
Und an Allerheiligen feiern wir genau diese "Solidarität zwischen Himmel und Erde": Die Heiligen, darunter auch unsere lieben Verstorbenen, treten fürbittend für uns ein. - Dankbar feiern wir das heute. - Und wir beten zugleich für unsere lieben Verstorbenen, - das feiern wir morgen an Allerseelen. Die Grenzen zwischen Himmel und Erde sind fließend geworden, seit der Menschwerdung Gottes in Jesus Christus!
Mit einer- mehr oder weniger- bekannten Kurzgeschichte aus dem Roman „Die Brüder Karamasoff" von Dostojewski möchte ich meine Gedanken zum heutigen Fest abschließen. - Sie finden den 1300-Seiten Roman in jeder guten Bibliothek, - (die Mitbrüder auf dem ehemaligen Kornspeicher unter „Neue Sprachen".) Ganz bildhaft und klar bringt diese tiefsinnige Geschichte zum Ausdruck, was Allerheiligen uns sagen möchte: Niemand kann alleine den Himmel erstürmen! - Und es gibt eine Solidarität zwischen dem Himmel und der Erde!
Also: "Es lebte einmal ein altes Weib, das war sehr, sehr böse und starb. Die Alte hatte in ihrem Leben keine einzige gute Tat vollbracht. Da kamen dann die Teufel, ergriffen sie und warfen sie in den Feuersee. Ihr Schutzengel aber stand da und dachte: Kann ich mich denn keiner einzigen guten Tat von ihr erinnern, um sie Gott mitzuteilen? Da fiel ihm etwas ein: Sie hat einmal aus ihrem Gemüsegarten ein Zwiebelchen herausgerissen und es einer Bettlerin gegeben. Und Gott antwortete ihm: Nimm dieses Zwiebelchen und halte es ihr hin in den See, so dass sie es ergreifen und sich herausziehen kann. Und wenn du sie aus dem See herausziehen kannst, so möge sie ins Paradies eingehen. Wenn aber das Zwiebelchen reißt, so soll sie bleiben, wo sie ist. Der Engel lief zum Weibe und hielt ihr das Zwiebelchen hin. „Nun", sagte er zu ihr, „faß an; wir wollen sehen, ob ich dich herausziehen kann." Und er begann vorsichtig zu ziehen - und zog sie beinahe schon ganz heraus. Als aber die anderen Sünder bemerkten, dass sie herausgezogen wurde, klammerten sie sich alle an sie, damit man auch sie - mit ihr zusammen - herauszöge. Aber das Weib war böse, sehr böse und stieß mit ihren Füßen zurück und schrie: „Nur mich allein soll man herausziehen und nicht euch; es ist mein Zwiebelchen und nicht eures." - Wie sie aber das ausgesprochen hatte, riss das kleine Pflänzchen entzwei. Und das Weib fiel in den Feuersee zurück und brennt dort noch bis auf den heutigen Tag. Der Engel aber weinte und ging davon." [Dostojewski, Die Brüder Karamasoff, III 7 3].
Amen.
---
Predigt zum Hochfest Allerheiligen am 1. XI. 2003 (Konventamt, St. Ottilien)
L 1: Offb 7,2-4.9-14; L 2: 1 Joh 1-3; Ev: Mt 5,1-12a








