Montag, 13. Mai 2024

Notker Wolf - Mönch, Erzabt, Abtprimas, Mensch

Er zählte zu den bekanntesten Ordensleuten Deutschlands: Notker Wolf, Benediktinermönch und 16 Jahre lang Abtprimas des weltweiten Zusammenschlusses der Benediktinerklöster, ist am 2. April, im Alter von 83 Jahren überraschend in Frankfurt gestorben. 

Wenn er sich selbst mit 30 Jahren begegnen würde, was würde er sich raten, wurde Abt Notker anlässlich seines 80. Geburtstages gefragt. Seine Antwort: „Nimm dein Leben ernst, aber nicht zu ernst. Freu dich auch des Lebens. Das ist die beste Medizin, um alt zu werden.“ Irgendwann sei auch sein Leben zu Ende, „aber so tragisch ist das nicht“. Humor war Abt Notker  immer wichtig. Auch, weil man manches eben nur mit Humor, der "kleinen Schwester des Glaubens", ertragen könne.


In den letzten Wochen sind viele Artikel und Nachrufe in der Presse erschienen. Den m.E. lesenswertesten möchte ich an dieser Stelle verlinken. Er stammt von P. Markus Muff von der "Foundation Benedict" und ist hier zu finden: LINK ZUM ARTIKEL


Sonntag, 12. Mai 2024

Robert Spaemann über den Tauf- und Firmzeitpunkt

Wie beurteilen Sie die seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil auch unter getauften Eltern zunehmend verbreitete Auffassung, Kinder sollten sich selbst für oder gegen die Taufe entscheiden, sobald sie zur Vernunft gelangt sind?

Robert Spaemann: Hier liegen ein paar tiefsitzende Irrtümer zugrunde. Jesus sagt zu seinen Jüngern: „Nicht ihr habt mich erwählt, sondern Ich habe euch erwählt.“ Das heißt: Gott hat mich gefunden, nicht ich habe Gott gefunden. Die Kindertaufe drückt das sehr gut aus: Zunächst empfangen wir. Dass das Kind in Freiheit den Glauben annehmen muss ist klar; aber um den Glauben überhaupt annehmen zu können, muss man ihn von innen kennengelernt haben. Wer glaubt, dass Jesus Christus sein Erlöser ist, der wird doch seinen Kindern das nicht vorenthalten. Alfred Grosser, der selbst ungläubig war, schickte seine Kinder in ein katholisches Internat damit sie, wie er es ausdrückte, sich einmal frei entscheiden können. 

Um sich frei entscheiden zu können, sollten sie erst einmal die gelebte Praxis des Glaubens kennenlernen. „Verlieren“, sagte er mir einmal „kann man den Glauben sehr schnell. Viel schwerer ist es, ihn zu erwerben.“. Im Übrigen ist die Firmung das Sakrament, im Zusammenhang mit dem die eigenständige Übernahme des Glaubens erfolgt. Die Orthodoxen firmen die Kinder zusammen mit der Taufe. Das kann man auch machen - im Vertrauen auf die Kraft des Sakramentes. Wenn man es aber nicht mit der Taufe zusammenlegt, dann sollte man nicht zu früh firmen.

Ich persönlich würde dafür plädieren, dass die Kinder überhaupt nicht gruppenweise oder klassenweise zur Firmung geführt werden, sondern dass sie sich erst firmen lassen, wenn sie in das Alter der Selbstbestimmung eintreten, also vielleicht mit 17 oder 18. Dann werden vielleicht sehr viel weniger Jugendliche gefirmt werden, aber das Firmsakrament wird heute vielfach missbraucht: Es werden Kinder gefirmt, die weder vorher noch nachher in die Kirche gehen. Das ist ein unmöglicher Zustand. Das gilt übrigens auch für die Taufe. Nur solche Eltern sollten ihre Kinder taufen lassen, die selber willens sind, die Kinder in einem Leben aus dem Glauben zu erziehen. Wenn sie das gar nicht wollen oder nicht können, dann spricht das auch gegen die Kindertaufe. Das ist ein Sakramentalismus, der meiner Ansicht nach nicht gerechtfertigt ist.

Donnerstag, 2. Mai 2024

Bücher, die man gelesen haben muss! Was sind „Klassiker der spirituellen Literatur“?

Es gibt Bücher, die zum Grundbestand des geistlichen Lebens gehören. Sie sind Spiegel der Erfahrungen, die Menschen mit Gott gemacht haben, und wurden daher zu Inspirationsquellen und Wegbegleitern für die religiöse Bildung. Seit den Zeiten der Urkirche hat man immer wieder solche Werke verfasst: Autobiographien und Tagebucheinträge, Gedichte und Lieder, Gebete und Meditationen, Regeln und Anleitungen, Visionsberichte, Briefe und Spruchsammlungen – ihre literarischen Gattungen und Formen sind sehr verschieden, doch betreffen sie über die Zeiten hinweg offenbar einen Kern des „Menschlichen“: das Leben mit Gott. So sind diese Werke zu Büchern geworden, die man gelesen haben muss! P. Prof. Dr. Michael Plattig OCarm von der PTH Münster möchte uns mit ausgewählten Klassikern der spirituellen Literatur bekannt machen und sie vorstellen – und lädt dazu ein, diese Werke zu lesen.

   

Freitag, 19. April 2024

Wagner für Fortgeschrittene: Tristan und Isolde (Eugen Jochum, Bayreuth 1953)

Diese Aufnahme von Tristan und Isolde ist besonders wertvoll, da es sich um die einzige verfügbare Bayreuther Aufnahme mit der Isolde der großen Astrid Varnay handelt. Die Aufführung wird von einem der kompetentesten, wenn nicht sogar leidenschaftlichsten Dirigenten des deutschen Repertoires geleitet: Eugen Jochum. Jochum ist in seinem Dirigierstil keineswegs trocken, und dieser Tristan strahlt mehr Wärme und Engagement aus als viele andere, aber wir sprechen hier nicht von einer Aufführung auf dem gleichen Niveau wie die berühmte Aufnahme von Windgassen/Nilsson/Böhm, die viele als die beste verfügbare Version dieser Oper betrachten. Die Schlüsselwörter dieser Bayreuther Aufnahme von 1953 sind von Anfang an Konzentration, Genauigkeit und Engagement, wodurch das Drama sehr überzeugend in Bewegung bleibt. 

Astrid Varnays Isolde ist intelligent und stolz, und wo es darauf ankommt, leidenschaftlich. Sie spielt die Rolle mit ebenso viel Entschlossenheit und Klarheit wie ihre Brünnhilde und verleiht dem Text Schattierungen, die man selten findet. Ihr „Wie lachend sie mir Lieder singen“ zum Beispiel ist nicht so übertrieben wie die Darstellungen vieler anderer Sängerinnen, aber am Ende hat man das Gefühl, dass es sich hier um eine Frau von selbstbewusster Majestät handelt. Varnays Stimme hatte ein enormes Volumen und ein schweres, dunkles Timbre; sie zeigt auch große stimmliche Fähigkeiten mit unglaublicher Musikalität. Ihre Beteiligung an der gesamten Nachtszene, die mit dem großen Liebesduett im zweiten Akt endet, ist sowohl musikalisch als auch dramaturgisch außerordentlich. Ihr „Liebestod“ muss als eines der schönsten jemals aufgenommenen Werke angesehen werden. Es steht auf Augenhöhe mit jeder ihrer großartigen Aufnahmen, und obwohl sie in der Rolle der Brünnhilde absolut ideal war – eine Leistung, die in keiner anderen großartigen Rolle zu erreichen wäre –, verfügt Varnays Isolde über viel mehr Können und echtes Gefühl als fast jeder andere Sängerin in dieser Rolle. Der Liebestod ist dafür ein ebenso gutes Beispiel wie jeder andere Teil der vorliegenden Aufnahme. Wenn es zunächst zum Unsubtilen tendiert, hebt es den Zuhörer schließlich langsam und überraschend auf eine Höhe, die man nur von den größten Wagner-Interpreten erwarten kann. 

Der beliebte und wenig bekannte Ramón Vinay singt den Tristan, und er ist eine gute Wahl für die Rolle. Vinays Tenor zeichnet sich durch ein baritonales, robustes und durchdringendes Timbre aus. Seine Herangehensweise an die Rolle ist vollblütig und kriegerisch, ohne dabei aufdringlich zu wirken. Ob er mit der glühenden Entschlossenheit und Interpretationstiefe von Astrid Varnay mithalten kann, ist schwer zu sagen. Er macht in vielerlei Hinsicht viel aus dem Text und überzeugt uns in den meisten Fällen von seinem Charakter. Seine letzten Worte sind ein rührender, aber gut kontrollierter Ausdruck gestörter Liebe. 

Gustav Neidlinger singt den Kurwenal. Sein Ansatz ist geradlinig und an den richtigen Stellen berührend. Er bringt einen hervorragenden prägnanten Ton mit, der in aufgezeichneten Darstellungen dieser wichtigen Figur so oft fehlt. Die Rolle der Brangäne wird gekonnt vom großen Bayreuther Mezzosopran Ira Malaniuk gesungen, König Marke von Ludwig Weber. Obwohl diese Aufnahme in Mono ist, ist die Klangqualität extrem gut und ausgewogen, vor allem für eine Live-Aufnahme. Dies ist eine Gelegenheit, um fantastische Künstler in der Blütezeit ihrer Karriere zu hören.

Montag, 15. April 2024

Von der Faszination historischer Aufnahmen (4) - Tosca 1938 mit Maria Caniglia und Benjamino Gigli

Giacomo Puccini

Tosca 

Maria Caniglia, Beniamino Gigli u.a., Chor und Orchester der Königlichen Oper Rom, Oliviero de Fabritiis 

Naxos historical 8.110096-97 
(1938) 2 CDs 

Dies ist mit Abstand die beste "Tosca", die ich kenne. Der Dirigent Oliviero de Fabritiis führt uns in ein Kolorit von unsagbarer Schönheit: Man riecht noch einmal ins 19. Jahrhundert, in die Belle Époque mit ihrer Grandeur und Endzeit-Fragilität. Den einzelnen Tönen verleiht er klare und kühne Farben. Die schnell wechselnden Stimmungsbilder sind wundervolle Miniaturen, unendlich interessante Teile eines Ganzen. 

Zudem sind Fabritiis Tempi denkbar richtig - eine Sache, die sich vielleicht am schwersten lernen lässt und die diese "Tosca" am meisten von allen anderen unterscheidet. Man hat den Eindruck von Gedrängtheit und Fülle - auch aufgrund der nicht abbrechenden Spannung, der großen Bögen, so dass sich die ganze entrückte Poesie Puccinis entfaltet und der Realismus der Handlung nur noch als artistische Folie erscheint. 

Die Fähigkeit zu großer dynamischer wie klanglicher Differenzierung zeichnet die beiden Hauptdarsteller aus. Benjamino Gigli und Maria Caniglia haben in den dreißiger und vierziger Jahren eine ganze Reihe von Opern zusammen aufgenommen: Caniglias Tosca ist herrlich hysterisch mit einer eher dunkel-schweren Stimme. Giglis Mario fasziniert durch die anmutige Leidenschaftlichkeit seines hellen und extrem beweglichen Tenors. Diese Gegensätzlichkeit produziert einen fast surrealistischen Effekt. Die Verbindung von so hochentwickelten Individualstilen ist heute kaum noch denkbar: Man zieht sich aus Ängstlichkeit auf einen korrekten Minimalismus zurück oder macht die Geschmacklosigkeit von vornherein zur Maxime. 

Hörenswert ist weiterhin das komödiantische Vermögen Giglis, Guilio Tomeis (Mesner) und Armando Borgiolis (Scarpia). Selbst die Hysterie Caniglias verdankt sich diesem alten Schauspielerbewusstsein der absoluten Künstlichkeit der Darstellung. Im Anhang befinden sich Auszüge einer weiteren Tosca-Aufnahme von 1931 in französischer Sprache. Der Klang dieser Neu-Restaurationen ist transparent, ausgewogen und rauscharm.

Montag, 29. Januar 2024

Von der Faszination historischer Aufnahmen (3) - Lohengrin 1943 an der MET


Richard Wagner
Lohengrin
Astrid VarnayKerstin ThorborgLauritz MelchiorAlexander SvedNorman CordonMetropolitan Opera OrchestraErich Leinsdorf

Naxos 8.110235-37
(200 Min., 1/1943) 3 CDs

Es rauscht. Ein bisschen nur. Gerade soviel, um uns in die alte Met zu versetzen, in diesen gewaltigen, dunkelgoldenen Prunkraum aus besseren Opernzeiten, der 1966 den Abrissbirnen zum Opfer fiel. Wir schreiben das Jahr 1943, auf der anderen Seite des Atlantiks tobt der Krieg, und in New York spielt man "Lohengrin". Astrid Varnay ist gerade 24 Jahre alt und singt die Elsa mit einer so dramatischen, reichen, vollen Stimme, dass die Figur wie eine Schwester Brünnhildes klingt. Die Titelpartie in der "Walküre" hatte sie bereits mit 22 an der Met verkörpert. Kerstin Thorborg fürchtet die Varnay'sche Klangwucht nicht und setzt ihr als Ortrud abgründige Dämonie entgegen. Nach "Entweihte Götter!" gibt es kein Halten mehr, und das Publikum bricht in wilde Ovationen, mitten in die Musik hinein, so geht das an der Met, auch heute noch. Lauritz Melchior ist der Schwanenritter vom Dienst, in diesen Jahren gehörte er an der Met gleichsam zur Grundausstattung von Wagner-Aufführungen. Einen besseren Heldentenor gibt es zu dieser Zeit wirklich nicht. Alexander Sved singt den Telramund, anstatt ihn wie viele andere Baritone verzweifelt zu brüllen. Erich Leinsdorf dirigiert in bester Kapellmeistertradition. Und hier und da mit einem Silberschimmer. Met-Alltag 1943. Schöne Zeiten für die Oper.

Sonntag, 10. Dezember 2023

WEGE DURCH DIE WÜSTE

Eine Predigt zum zweiten Adventssonntag

Wir machen den Weg frei!" sagt eine bekannte Bank und zeigt uns in der Werbung ganz ungewöhnliche Wege, die sich in scheinbar unendliche Weiten öffnen, diese verheißen: mit Geld und guten Zinsen können sie einen guten Weg zu einem glücklichen Leben ermöglichen. Wir wissen: „Geld allein macht nicht glücklich", das sagt nicht nur ein Sprichwort. Und trotzdem beschäftigen wir uns mit den vielen Möglichkeiten des Geldes: Geld gewinnen, Geld anlegen, Geld vermehren und Geld ausgeben. Das Weihnachtsgeld ist längst in der Tasche – und vielleicht auch schon wieder heraus - , und viele sind wieder unterwegs, um für jung und alt Geschenke einzukaufen. Alle Jahre wieder! - Warum überhaupt?


Die heutige Botschaft, mitten im Advents, gibt uns den entscheidenden Hinweis, worauf es eigentlich ankommt: Der Evangelist Markus zeigt in der bilderreichen Sprache des Propheten Jesaja, wie wir uns auf das Kommen des Herrn vorbereiten, worauf es ankommt; sie haben es gerade noch gehört: „Bahnt für den Herrn einen Weg durch die Wüste! Baut in der Steppe eine ebene Straße für unseren Gott! Jedes Tal soll sich heben, jeder Berg und Hügel sich senken. Was krumm ist, soll gerade werden, und was hügelig ist, werde eben" (Jes 40, 3. 4). Es geht also um eine „Flur- und Wegbegradigung“. Es geht darum, all das aus dem Weg zu räumen, was Gott hindert, zu uns zu kommen. Schutt und Stolpersteine müssen weggeräumt, Krummes begradigt und Unebenes geglättet werden. Mit „Arbeit an sich selbst“ hat das zu tun, oder wie es der „Hardliner“ Johannes d. T. nennt: mit „Umkehr und Sünden bekennen".

Wie das heute gehen kann, zeigt uns die rasante und markante Persönlichkeit des Johannes selbst. Dazu möchte ich das Wort WEGE einfach nur durchbuchstabieren um auch vier konkrete WEGE nennen, die wir im Lebensweg des „Wegweisers“ Johannes wiederentdecken können:

W - Der erste Buchstabe des Wortes WEGE und ein erster Weg:
Wahr leben, - d. h. ich achte darauf, was jetzt ist - und nicht was sein sollte. Dabei lasse ich mich nicht so sehr von dem bestimmen, was andere erwarten, was man oder frau so tut, sondern ich bemühe mich darum, ich selber zu sein. Auf meine innere Stimme, mein Gewissen zu hören und danach zu leben, auch wenn das weh tut, wenn es schwierig wird, ich sozusagen gegen den Strom schwimmen muß. Wahr lebe ich, wenn ich meine Maske ablege, nicht irgendeine Rolle spiele, sondern ehrlich bin und keine Angst habe, meine Schwächen zu zeigen. In jedem von uns gibt es da viele Abgründe, die überwunden werden müssen, damit wir dem Herrn den Weg bereiten.

E - Der nächste Buchstabe des Wortes und ein weiterer Weg:
Einfach leben, d.h. mein Leben zu vereinfachen und es mit anderen zu teilen. Geben und Nehmen gehört dazu - und der Grundsatz: „weniger ist mehr". Ich habe es – wenn auch nicht unbedingt mit Heuschrecken - immer wieder auch probiert und erfahren: Verzichten können, sich einschränken, - das bringt ein mehr an Freiheit, das tut gut. Bei der Fülle der Angebote heute und der Vielfalt der Möglichkeiten mein Leben auf das Wesentliche zu konzentrieren ist heute schwer und ist eine bleibende Aufgabe in jeder Lebensphase. Fernsehen, Radio und Internet ermöglichen mir hunderte von Programmen. Da kann ich ständig hin und her klicken, rund um die Uhr. Ich selbst kann aber nur ein Programm leben. Vor dem riesigen Berg der Möglichkeiten nicht zu resignieren, sondern einfach mein Lebensprogramm zu entdecken und zu gehen.Mein Gebet ist dabei eine wichtige Möglichkeit. Nicht auf die Vielzahl der Worte kommt es an, sondern auf die Zeit, die ich mir nehme: - Für die Stille, einfach da zu sein, um Gott in den leisen Stimmen zu entdecken.

G - Gelassen leben, ist eine weitere Form der Wegbereitung. Aber oft steht, mein eigenes Lebenstempo im Gegensatz zu dieser Lebensweise: alles mitnehmen, ja nichts verpassen. – „Man lebt ja nur einmal!“ – Gelassen leben, das sagt sich so leicht. Aber das kann mir gelingen aus dem tiefen Vertrauen heraus, daß Gott mit mir auf dem Weg ist; es hängt nicht alles von mir ab. Ich brauche auch nicht perfekt zu sein und darf Fehler machen. „Da kommt einer, der stärker und größer ist als ich .“ Das kann dieser selbstbewusste Johannes sagen. Wenn ein Mensch so etwas sagen kann, ist er weit gekommen in seiner menschlichen Reife.

Wir alle werden wahrscheinlich Erinnerungen und bestimmte Erfahrungen haben, wo es uns mehr oder weniger gelungen ist, andere größer sein zu lassen. Für etliche Männer steigert sich dieses Problem noch einmal, wenn es sich dabei um eine Frau handelt, die sie überrundet. Da kommt jemand, der bzw. die, größer ist als ich: ein kleiner Schmerz für das Selbstwertgefühl, aber eine große Befreiung, wenn man sich loslassen und den anderen Menschen größer sein lassen kann. Wenn ich bereit bin mich – wie Johannes der Täufer - selbst loszulassen, d. h. mich von und für andere in Anspruch nehmen zu lassen, dann werden manche Schlucht und viele Hügel zum ebenen Weg. Wer gelassen leben, sich selbst nicht so wichtig nimmt und sich selbst auch einmal an den Rand stellen kann, ist großherzig. Ein weiterer Weg.

E - Entschieden leben heißt der vierte und letzte Begriff, der das Wort WEGE ausfüllt. Mann oder Frau will im Leben so vieles erreichen, miterleben, auskosten u. v. m. Hier heißt für mich Wegbereitung mich zu entscheiden und mir nicht alles offen zu halten. Ich kann nicht alle Wege gleichzeitig gehen. Woran orientiere ich mich? Wieviel Mut habe ich Neues zu wagen? Wie groß ist meine Sehnsucht nach Vertrautem, Bekanntem? Wo suche ich Sicherheit?

Bei der Beantwortung solcher Fragen muß ich mir bewußt sein, daß der Preis hoch sein kann, weil Entscheidungen auch Abschied und Trennung bedeuten können.– Welchen Preis bin ich bereit zu zahlen? – Johannes hat seine Entschiedenheit, sein klares „das ist falsch“ - in der Palastaffäre des Herodes „den Kopf“ gekostet. Er nahm keinerlei Rücksicht auf seine private Sicherheit. Aber gerade diese Entschiedenheit ist es wohl am Ende, die den Herrn selbst so beeindruckt haben mag, als er zu seinen Jüngern sprach: „Unter allen Menschen hat es keinen größeren gegeben als Johannes den Täufer“ (Mt 11, 11).

Liebe Brüder und Schwestern!
Wahr – einfach – gelassen – entschieden:
4 WEGE, die uns der Wegbereiter Johannes durch sein Leben und seine Botschaft beispielhaft vor Augen stellt. Es sind Wege, die heute oftmals im Widerspruch zum modernen Zeitgeist stehen.

„Wir machen den Weg frei" verspricht die Bank. Aber wenn wir ehrlich sind, wissen wir: Die Bank schenkt uns keinen Cent! – Arbeiten müssen wir selbst an uns, wenn wir wirklich im Leben weiter kommen wollen. Mit Gottes Hilfe: Schritt für Schritt - und manchmal in kleinen Schritten. Adventliche Menschen legen selbst Hand an, wenn es darum geht Wege zu bereiten. Und das bedeutet Hand anlegen an die Steine , an den Schutt, der unser Leben niederdrückt und unfrei macht. - Hand anlegen, damit die Wege unseres Lebens begehbar werden, - für uns und für den HERRN, den wir erwarten. Amen

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Predigt für den 2. Adventsonntag (B) am 8. XII. 2002 (Konventamt, St. Ottilien)
L 1: Jes 40,1-5.9-11; L 2: 2 Petr 3,8-14; Ev: Mk 1,1-8

Montag, 4. Dezember 2023

Banausenhaft

Ein lesenswerter Kommentar von Christian Geyer in der FAZ vom 20. Dez. 2021 zu "Responsa ad dubia".

Das Begründungsniveau ist dürftig, die Reglungsdichte total. So viel lässt sich über die jüngste Verlautbarung aus der vatikanischen Schreibwerkstatt sagen. Es geht um die am Samstag publizierten Ausführungsbestimmungen zu dem päpstlichen Schreiben “Traditionis custodes” (Wächter der Tradition), das im Sommer die überkommene, jahrhundertelang maßgebliche Liturgie zwar restriktiv reguliert hatte, aber doch den Bischöfen der Weltkirche einen gewissen Ermessensspielraum bot, je nach den Umständen von Ort und Zeit. Damit ist nun Schluss. Unter dem Titel “Responsa ad dubia” (Antworten auf Zweifel) sollen vorderhand Verständnisfragen geklärt werden. Tatsächlich aber lebt sich hier der römische Zentralismus aus, die Stigmatisierung der alten lateinischen Messe wird verschärft und jedes Mauseloch geschlossen, das “Traditionis custodes” offen gelassen hatte. Das neue Schreiben degradiert die Bischöfe zu Antragstellern bei den päpstlichen Funktionären der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung. 

Im Stil einer fixen Idee wird Tabula rasa gemacht. Und dies im Auftrag eines Papstes, der bei anderen Reformthemen alles in der Schwebe lässt und mit Andeutungen kokettiert. Hier geht der Pontifex aber aufs Ganze, als hinge sein eigenes Seelenheil davon ab. Die alte lateinische Messe soll auf mittlere und lange Sicht nicht etwa als eine außerordentliche Form neben der in den Siebzigern modernisierten Gestalt bestehen und damit ein Dasein im Zeichen der Vielfalt beanspruchen dürfen, wie es noch Joseph Ratzinger als Vorgängerpapst ermöglicht hatte. Nein, seit Samstag ist klar: Die alte Liturgie gehört ausgemustert aus der laufenden Kirchengeschichte, ohne Pardon, jede lebendige Tradierung ihrer Formulare und Feierlichkeiten in die Zukunft hinein soll unterbunden werden. Und zwar, darin liegt das Banausenhafte des Vorgangs, ganz unabhängig davon, welcher kulturelle Reichtum in diesen liturgischen Formen steckt, ob man ihnen persönlich nun gewogen ist oder nicht. Die Restgemeinde der alten Messe soll vor aller Augen ghettoisiert werden, auch wenn es gönnerhaft heißt, es sei nicht beabsichtigt, “die Gläubigen, die in der vorherigen Zelebrationsform verwurzelt sind, auszugrenzen”. Mit solchen Ironien hatte Rom schon die Albigenser auf die “vom heiligen Vater vorgegebene Linie” (Responsa ad dubia) bringen wollen. Damals wie heute wird an diese Linientreue appelliert zur Sicherung des “Geschenks der kirchlichen Gemeinschaft”, wie die Ausführungsbestimmungen gebetsmühlenartig wiederholen. Dass für solche Exklusionspropaganda auch noch “die Überzeugung des Verstandes und des Herzens” beansprucht wird, ist kurios.

Donnerstag, 15. Juni 2023

Von der Faszination historischer Aufnahmen (2) - Fritz Busch at Glyndebourne - Mozart-Opernaufnahmen (1934 - 1936)

Man braucht nur den Namen »Glyndebourne« zu nennen, schon schlägt das Herz eines jeden Opernfans höher: Der idyllische Ort im englischen East Sussex steht für großartige Inszenierungen mit Pausen-Picknick auf den weitläufigen Wiesen. Opernerlebnis verbindet sich mit Kulinarik und dem Reiz einer ganz besonderen Landschaft, seit John Christie zusammen mit seiner Frau, der Opernsängerin Audrey Mildmay das Festival 1934 auf dem einstigen Herrensitz in privater Regie gründete. Jetzt erscheinen die legendären Mozart-Aufnahmen aus Glyndebourne in modernstem Remastering. Ein einzigartiger Schatz der Opernkultur tritt wieder ans Licht. John Christie hatte als ersten musikalischen Chef seines Opernhauses Fritz Busch gewonnen. Der einstige Dresdner Generalmusikdirektor war vor den Nazis nach England geflohen und fand nun in Sussex eine neue Heimat. Von Anfang an war er an dem Mozart-Schwerpunkt beteiligt, den das Festival bis heute prägt. Die Wiederentdeckung der damals noch wenig beachteten Cosi fan tutte ist ihm zu verdanken. Zusammen mit den beiden anderen Da Ponte-Opern ging Busch in die Operngeschichte ein: Sein Figaro von 1934 / 35 ist die erste Mozart-Operngesamtaufnahme überhaupt, seine Cosi von 1935 eine Welt-Ersteinspielung. Zusammen mit Don Giovanni sowie weiteren Cosi- und Idomeneo-Höhepunkten mit einem legendären Mozart-Ensemble rundet sich die Veröffentlichung auf 9 CDs zu einem einzigartigen Dokument.

Freitag, 31. März 2023

Von der Faszination historischer Aufnahmen (1) - Die Zauberflöte (Beecham, 1937/38)

Wolfgang Amadeus Mozart 

Die Zauberflöte 
Helge Roswaenge, Tiana Lemnitz, Gerhard Hüsch, Erna Berger, Wilhelm Strienz, 
Favres Solistenvereinigung / Berliner Philharmoniker, 
Sir Thomas Beecham 

Naxos historical 8.110127-28 
(11/1937, 2/1938, 3/1938) 2 CDs 

Wenn Klassik-Kenner von „Beechams Zauberflöte“ sprechen, dann meinen sie diese Aufnahme: Die erste Gesamteinspielung der Oper (allerdings ohne Dialoge), die 1937 und 1938 in Berlin entstand. Eigentlich sollte dieses Projekt in England eingespielt werden, wo man im Rahmen des gerade frisch gegründeten Glyndebourne-Festivals sowieso gerade Mozart aufnahm. Doch Beecham nahm das Angebot aus Deutschland an, verkrachte sich dabei mit dem Glyndebourne-Gründer John Christie und legte schließlich eine Aufnahme vor, die nicht nur als seine beste Mozart-Arbeit gilt, sondern auch den Vorteil besitzt, von deutschsprachigen Sängern interpretiert zu werden. Die Einspielung machte so viel Arbeit, dass man mit der vorgesehenen Zeit nicht zurecht kam. Am Ende musste die Arie „Oh zittre nicht...“ noch im März 1938 gesondert aufgenommen werden. Beecham blieb in England; für die eine Nummer ging Bruno Seidler-Winkler in Berlin ans Dirigentenpult. Beechams Mozart-Auffassung ist für denjenigen, der moderne Einspielungen (womöglich in authentischer Praxis) kennt, ungewöhnlich: Pathos und Zurückhaltung in punkto Tempo prägen die Ouvertüre (noch nie habe ich eine so lange Generalpause vor dem „dreimaligen Akkord“ gehört). Doch Beecham kann auch dramatisch: Er greift den roten Handlungs-Faden des furiosen Beginns gleich auf, zeigt sich dann jedoch als flexibler Diener der Gesangssolisten, die im Gegensatz zu den meisten heutigen Kräften das große Talent besitzen, über das Dreißiger-Jahre-Mikrofon echte Theateratmosphäre auf die Platte zu zaubern. Da vergisst man alle unsauberen Nötchen in den Koloraturen der Königin der Nacht, alle angeschliffenen Töne in Sarastros „heiligen Hallen“ und alle Mono-Unzulänglichkeiten – Erna Berger, Helge Roswange, Gerhard Hüsch und die anderen wissen ihre Rollen nicht nur zu singen, sondern musikalisch zu verkörpern. So hat diese Zauberflöte Referenzcharakter und ist hervorragend geeignet, die Faszination historischer Aufnahmen kennen zu lernen.

Oliver Buslau (Rondo-Magazin)


Montag, 16. Januar 2023

Podcast: Warum sich noch heute Menschen am heiligen Benedikt orientieren

Die Benediktiner sind die älteste heute noch bestehende klösterliche Bewegung der katholischen Kirche im Westen. Was macht den Reiz der Klosterregel aus, die Benedikt von Nursia vor mehr als 1.500 Jahren schrieb? 

Benedikt von Nursia lebte im 5. Jahrhundert im ländlichen Italien, das von ihm gegründete Kloster auf dem Berg Montecassino gilt heute als Urkloster der Benediktinerinnen und Benediktiner. Viel weiß man nicht über Benedikt, es gibt nur eine kurze Lebensbeschreibung und seine Ordensregel. Die orientiert sich an der Gemeinschaft – und will dafür sorgen, dass diese Gemeinschaft zusammen wächst. 

Freitag, 13. Januar 2023

IMPULS : DER SCHWARZE PUNKT

Der Professor und der schwarze Punkt 

Eines Tages kam ein Professor in die Klasse und schlug einen Überraschungstest vor. Er verteilte sogleich das Aufgabenblatt, das wie üblich mit dem Text nach unten zeigte. Dann forderte er seine Studenten auf die Seite umzudrehen und zu beginnen. Zur Überraschung aller gab es keine Fragen – nur einen schwarzen Punkt in der Mitte der Seite. Nun erklärte der Professor folgendes: 

„Ich möchte Sie bitten, das auf zuschreiben, was Sie dort sehen.“ 

Die Schüler waren verwirrt, aber begannen mit ihrer Arbeit.

Am Ende der Stunde sammelte der Professor alle Antworten ein und begann sie laut vorzulesen. Alle Schüler ohne Ausnahme hatten den schwarzen Punkt beschrieben – seine Position in der Mitte des Blattes, seine Lage im Raum, sein Größenverhältnis zum Papier etc. 

Nun lächelte der Professor und sagte: 

„Ich wollte Ihnen eine Aufgabe zum Nachdenken geben. Niemand hat etwas über den weißen Teil des Papiers geschrieben. Jeder konzentrierte sich auf den schwarzen Punkt – und das gleiche geschieht in unserem Leben. Wir haben ein weißes Papier erhalten, um es zu nutzen und zu genießen, aber wir konzentrieren uns immer auf die dunklen Flecken. 

Unser Leben ist ein Geschenk, das wir mit Liebe und Sorgfalt hüten sollten und es gibt eigentlich immer einen Grund zum Feiern – die Natur erneuert sich jeden Tag, unsere Freunde, unsere Familie, die Arbeit, die uns eine Existenz bietet, die Wunder, die wir jeden Tag sehen ……. 

Doch wir sind oft nur auf die dunklen Flecken konzentriert – die gesundheitlichen Probleme, der Mangel an Geld, die komplizierte Beziehung mit einem Familienmitglied, die Enttäuschung mit einem Freund, Erwartungshaltung usw. 

Die dunklen Flecken sind sehr klein im Vergleich zu allem, was wir in unserem Leben haben, aber sie sind diejenigen, die unseren Geist beschäftigen und trüben. Nehmen Sie die schwarzen Punkte wahr, doch richten Sie ihre Aufmerksamkeit mehr auf das gesamte weiße Papier und damit auf die Möglichkeiten und glücklichen Momente in ihrem Leben und teilen sie es mit anderen Menschen!"

Montag, 19. Dezember 2022

„Sprechen wir über Mord!?“ mit Angela Merkel über Wagners "Ring des Nibelungen"

Erstmals ist die ehemalige Bundeskanzlerin Angela Merkel Gesprächsgast in einem Podcast-Format.

Gemeinsam mit dem ehemaligen Bundesrichter Thomas Fischer und Moderator Holger Schmidt diskutiert sie im SWR2 True-Crime-Podcast „Sprechen wir über Mord!?“ über strafrechtliche Zusammenhänge und Motive in Richard Wagners „Ring des Nibelungen“. 

Zentrale Begriffe sind dabei Habgier, Rache und Eitelkeit. Ganz wie im echten Leben ... und in der Politik! 

Montag, 15. August 2022

Die Festspielwurst

Um sich selbst ein Bild zu machen besuchte der Komponist Igor Strawinsky 1912 die Bayreuther Festspiele. Über die Pausen berichtet er folgendes: „Dann sind wieder die Würstchen an der Reihe, wieder ein Bier, wieder die Fanfare, wieder die Andacht, wieder ein Akt – der letzte. Fertig!“ An diesem Ritual hat sich bis heute nichts geändert!

Samstag, 30. Juli 2022

DER GEFÄHRLICHERE FEIND DES GUTEN

Dummheit ist ein gefährlicherer Feind des Guten als Bosheit. Gegen das Böse läßt sich protestieren, es läßt sich bloßstellen, es läßt sich notfalls mit Gewalt verhindern, das Böse trägt immer den Keim der Selbstzersetzung in sich, indem es mindestens ein Unbehagen im Menschen zurückläßt. Gegen die Dummheit sind wir wehrlos. Weder mit Protesten noch mit Gewalt läßt sich hier etwas ausrichten; Gründe verfangen nicht; Tatsachen, die dem eigenen Vorurteil widersprechen, brauchen einfach nicht geglaubt zu werden – in solchen Fällen wird der Dumme sogar kritisch, und wenn sie unausweichlich sind, können sie einfach als nichtssagende Einzelfälle beiseite geschoben werden. Dabei ist der Dumme im Unterschied zum Bösen restlos mit sich selbst zufrieden, ja, er wird sogar gefährlich, indem er leicht gereizt zum Angriff übergeht. Daher ist dem Dummen gegenüber mehr Vorsicht geboten als gegenüber dem Bösen. … Bei genauerem Zusehen zeigt sich, daß jede starke äußere Machtentfaltung, sei sie politischer oder religiöser Art einen großen Teil der Menschen mit Dummheit schlägt. … Das Wort der Bibel, das die Furcht Gottes der Anfang der Weisheit sei (Sprüche 1, 7), sagt, daß die innere Befreiung des Menschen zum verantwortlichen Leben vor Gott die einzige wirkliche Überwindung der Dummheit ist.

Dietrich Bonhoeffer

Donnerstag, 26. Mai 2022

Protestantischer Pastor aus Wittenberg ermutigt: Es braucht das Katholische!

Mit Sorge beobachte ich die Protestantisierungsbestrebungen in unserer Katholischen Schwesterkirche, wie sie sich in Maria 2.0 und im Synodalen Weg ausdrücken. 

Den Synodalen Weg halte ich für einen Irrweg, weil er die Protestantisierung der Katholischen Kirche forciert. Die Demokratisierung einer Volkskirche bedeutet immer, dass ein volkskirchliches Minimalchristentum zum kirchlichen Standard wird und die ganze Kirche banalisiert und das Evangelium verwässert. Die Demokratisierung der Evangelischen Kirche in Deutschland mit ihren Synoden hatte im III. Reich zur Folge, dass die braune Mehrheit in den Synoden die ganze Kirche total mit diesem braunen Ungeist kontaminierte, pervertierte und schließlich geistlich paralysierte, so dass die Evangelische Kirche im III. Reich eine einzige Geschichte von Glaubensverrat war. Leuchtende Ausnahme: Dietrich Bonhoeffer.

Sagen Sie deshalb bitte den „Reformern“:

1) Schauen Sie auf die Evangelische Kirche in Deutschland. Dort ist all das, wofür Sie kämpfen, Realität: Frauen als Priester, Synodalverfassung, verheiratete Pfarrer, Feminismus. Der geistliche und physische Zustand der evangelischen Kirche ist indes noch schlimmer und die Auswirkungen der Säkularisierung noch verheerender als in der katholischen Kirche. 

2) Wenn Sie unbedingt diese andere Kirche wollen, werden Sie doch evangelisch. Dort ist das alles umgesetzt, was Sie anstreben. 

3) Ich als Protestant mit katholischem Herzen und Pfarrer auf der Kanzel Martin Luthers würde die Protestantisierung der Katholischen Kirche für ein großes Unglück halten, denn diese Welt braucht das katholische Profil der katholischen Spiritualität mit Papsttreue, Marienverehrung und dem Beispiel der Heiligen der Kirche. Und die christliche Welt braucht die katholische Identität, weil es ein großer Verlust für die Christenheit wäre, wenn die katholische Farbe des Glaubens an Intensität verlöre. 
 
Brüderliche Grüße, 
Ihr Alexander Garth

Montag, 9. Mai 2022

Im Schlachthaus der Klassik-CDs


Können Klassik-CD-Kritiken Aufreger sein? David Hurwitz, Chefredakteur des Internet-CD-Magazins "Classics Today", schafft das mühelos mit seinem YouTube-Blog, den er zu Beginn der Corona-Krise startete. Das meiste, was er mit reger Mimik vorträgt, sind zu 95% Empfehlungen. Gerät er aber in Rage, wird die Kritik ein Schlachtfest. Hurwitz vernichtet Wilhelm Furtwänglers "Nazi-Neunte" Beethovens, kanzelt Teodor Currentzis ab und überlegt, ob Roger Norrington der schlechteste Dirigent aller Zeiten ist. 

Jüngst hat Hurwitz eine CD-Box mit Österreich-Bezug zerstört: die der Brahms-Sinfonien mit den Wiener Symphonikern unter Philippe Jordan. Zum Zeitpunkt der Aufnahme war Jordan Symphoniker-Chefdirigent, jetzt ist er Musikchef der Wiener Staatsoper. Hurwitz ist gnadenlos: "Zeitverschwendung, Geldverschwendung, Verschwendung von Plastik und Ressourcen", Jordans Beethoven "war ein Nichts, und sein Brahms ist ein schlechtes Nichts", "die Essenz der Ziellosigkeit", "die Ausscheidung am Arsch der Zivilisation klassischer Musik", "vermeiden Sie diese Aufnahme wie den Tod".

Klassikbegeisterte treibt Hurwitz mit solchen Wutreden zur Weißglut in den Sozialen Medien. Aber: Wie kein anderer schürt Hurwitz gerade mit seinen polarisierenden Kritiken das Interesse an Aufnahmen klassischer Musik. Seine Schlachtungen stehen am Beginn von Festessen. Er zeigt, dass Kritik dann am vergnüglichsten und damit breitenwirksamsten ist, wenn sie klar Stellung bezieht. "Keep on listening", fordert Hurwitz seine Zuschauer auf. Und ob!

Freitag, 31. Dezember 2021

Ich folge dir gleichfalls mit freudigen Schritten

 

Mein Wunsch für 2022:

"Ich folge dir gleichfalls mit freudigen Schritten 
und lasse dich nicht, mein Leben mein Licht. 

Befördre den Lauf und höre nicht auf, 
selbst an mir zu ziehen, zu schieben, zu bitten."

(aus der Johannespassion von J.S. Bach)

Dienstag, 21. Dezember 2021

www.benedictusxvi.org

Die in Würzburg ansässige "Tagespost-Stiftung" hat ein eigenes Internetportal rund um den emeritierten Papst Benedikt XVI./Joseph Ratzinger eingerichtet. Unter www.benedictusxvi.org finden sich unter anderem ausgewählte theologische Beiträge des Theologen zu den Festen des Kirchenjahres wie aktuell zum Advent. Außerdem haben Interessierte die Möglichkeit, einen Newsletter zu bestellen, der täglich einen "Benedikt-Impuls für den Tag" verspricht.