Mittwoch, 18. Februar 2009

Der ganz normale Alltag


"Papstkritik hin oder her - den ganz normalen pastoralen Alltag gibt es auch noch. - Heute morgen hatte ich eine Beerdigung. Anschließend war dann das Requiem in der Kirche.

Als ich einzog, saßen alle. Niemand erhob sich. Wenige machten das Kreuzzeichen, noch weniger antworteten: "Und mit deinem Geiste" usw... : Eine ganz normale Gemeinde aus "Fernstehenden" (wunderbares Wort aus dem pastoraltheologischen Neusprech, gell!) - Ich hatte es beim Trauergespräch schon geahnt.

Bei der Kommunion hat mich der Organist um den Hinweis gebracht, dass bitte nur Katholiken im Stand der Gnade (obwohl: das hätten sie auch nicht verstanden) zur Kommunion gehen möchten. Aber es war wohl, wenn überhaupt, nur eine Erstkommunion. Und da kam die Hand zwar zögerlich aber doch so schnell, dass ich mich nicht zu fragen traute. Vielleicht war es ja auch nur eine besonders fernstehende Katholikin, die es selbst an den letzten Weihnachtsfesten nicht geschafft hatte, den Weg zur Kirche zu finden....

Im Anschluß fragte eine ältere Dame, ob ich denn nicht Hinweise hätte geben können: Bitte jetzt aufstehen, hinsetzen, knien usw. Ich hab sie gefragt, ob sie das denn nicht hätte vormachen können, Gutes Beispiel und so? Aber nein: Das wäre zu peinlich!

Und ich: bin ich Animateur auf einem Kreuzfahrtschiff? "Jetzt das rechte Bein, und das linke...".

Bin ich euer Gottschalk?

Lieber Heiliger Vater, ich bete für Dich und trete überall für dich ein. Bitte vergiß aber über diesen ganzen K(r)ampf, der zur Zeit läuft, nicht deinen Einsatz für eine würdige Liturgie und für eine gute, substantielle Katechese! Das ist so wichtig!"


Dieser Beitrag stammt nicht von mir, sondern von einem jungen Priester aus Nordwestdeutschland. Aber leider kann ich diesen Erfahrungsbericht meines Mitbruders nur bestätigen: Das Glaubenswissen der Katholiken ist auf einem nie gekannten Tiefpunkt angelangt. Viele "Gläubige" wissen nicht einmal mehr, was die Kirche an Ostern oder Pfingsten feiert. Und das trotz regelmäßigem, vom Konkordat gesichertem Religionsunterricht an den Schulen. Wenn man ehrlich ist, ist diese Entwicklung in den letzten dreißig Jahren mehr als bedenklich, - eigentlich ist sie eine Katastrophe, ein "Super-GAU"! Sehr langsam und ziemlich spät fängt man an darüber nachzudenken, was schief gelaufen ist. - Ja, Fehler einzugestehen ist immer schwer...

Eine erfreuliche Ausnahme ist Benedikt XVI., der schon sehr früh angefangen hat über "die fehlenden Früchte" und "falsche Entwicklungen" nachzudenken und der jetzt einen sehr mutigen und vernünftigen "Reformkurs" eingeschlagen hat. Benedikt ist kein Pessimist, wie ihm manche nachsagen, sondern er ist - im Gegensatz zu vielen  >> "Träumern" - ein REALIST mit offenen Augen und offenen Ohren.

Nein, der Glaube (an unseren Heiland und Erlöser, an unseren Herrn und Gott Jesus Christus, - das muß man dazusagen, damit man weiß, worum es eigentlich geht) "blüht" nicht (zumindest nicht hier in Europa). Wer allen Ernstes behauptet, dass in den vergangenen dreißig Jahren der Glaube an Christus in unserer Gesellschaft gewachsen ist, der ist - in der Regel - auch gegenüber Fakten absolut "resistent".  - Aber sei´s drum: Eine "provokante" Prognose (wenn alles so weiter "läuft"):  

Die rote Linie in der nachfolgenden Grafik zeigt an, wie sich der Anteil der deutschen Katholiken, der die heilige Messe am Sonntag aufsucht, in den letzten Jahrzehnten entwickelt hat. Die schwarze Linie zeigt an, wann, bei einer Fortsetzung des Trends, der letzte Katholik in Deutschland die Sonntagsmesse besuchen wird: Das wäre dann im Jahr 2022. Die Darstellung beruht auf Zahlen, die von der Deutschen Bischofskonferenz herausgegeben wurden.

Kommentare:

  1. Und ich dachte, dieses vergessen gäbe es nur "bei uns im protestantischen Osten". Ich erinnere mich an einen Freund, der quasi den alten Bundesländern einen "Vorsprung" von 20 Jahren gegeben hat. Das scheint sich zu bestätigen. Mittlerweile sind die typisch christlichen Festtage komplett von ihrem Inhalt entkoppelt. Das Weihnachten und Ostern etwas mit "Kirche und Gott" zu tun haben, ist hier bei uns oft schon ein erstaunlicher 'Wissensvorsprung'. Aber, nicht die Hoffnung verlieren!

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  2. Ein sehr gutes Beispiel, das Sie da als Beispiel für einen religiösen "Träumer" verlinkt haben! - Man sollte Herrn Vesper vom ZdK einfach einmal an die "pastorale Front" schicken: Einfach einmal 4 Wochen Pfarrer oder Kaplan (am besten mit 4 oder 5 Gemeinden) "machen", damit er auf den Boden der Tatsachen zurückkommt, dann würde er nicht solch einen Unsinn schreiben:

    "... müssen wir uns jetzt, nach dieser Krise, an einen Tisch setzen und darüber nachdenken, was es heißt, missionarisch Kirche zu sein, einladend und inspirierend, wertebewusst und weltoffen, fromm und fröhlich zugleich. Und wie wir zu einer Seelsorge der Weite finden, indem wir auf die Menschen zugehen und mitten unter den Menschen leben, um ihre Freude und Hoffnung, Trauer und Angst zu unserer zu machen..." etc. etc. ...

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  3. Ich sehe Ihren Eintrag erst jetzt, da hätte ich meinen nicht mehr schreiben müssen.

    Es ist nicht ganz einfach, aktuell nicht verbittert und enttäuscht zu sein. Beten wir füreinander.

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  4. und da träumen unsere österr. Hirten noch immer von der heil(ig)en Volkskirche, statt ihre genuine Sendung wieder mehr in den Blick zu nehmen:"Geht und verkündet!"....

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  5. Die Extrapolation durch die schwarze Linie ist purer Blödsinn.

    Die Zahlen sinken, aber sie bewegen sich (wie schon ein Blick auf die rote Linie zeigt) keineswegs auf Null zu, sondern der Abstieg hat sich zuletzt verlangsamt.

    Jedes drittklassige Handbuch der Statistik, ja sogar ein intelligenter populärwissenschaftler Artikel über solche Themen hätte Ihnen zeigen können, welchen Unfug Sie da verzapfen.

    Aber was soll's - wenn zur eigenen Polemik passt, dann ist bekanntlich jedes Mittel recht.

    2022 werden Sie dann wohl tot sein, oder? Denn statistisch "kann" es dann ja keinen Kirchgänger mehr in Deutschland geben, also auch Sie nicht.

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  6. Lieber Anonymus,
    natürlich wird immer auch eine kleine "Neige" übrigbleiben: Einige "Restgläubige", Priester, Ordensleute, neue geistliche Gemeinschaften etc. werden immer "übrigbleiben", das ist doch klar: Aber kann (soll) das wirklich unser Ziel sein?

    Die Statistik der Deutschen Bischofskonferenz soll ja nur die Tendenz anzeigen. Und die sieht leider nicht gut aus (Zahlen sind eben ziemlich hartnäckig). Hier übrigens noch die ganz aktuellen Zahlen aus meiner Heimatdiözese Münster: http://kirchensite.de/bistumshandbuch/z/gottesdienstteilnehmer/

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