Hans Knappertsbusch war ein Dirigent, der im Theaterkontext seine ganze Pracht entfaltete. Seine Studioaufnahmen geben zwar nur einen kleinen Einblick in seine Herangehensweise, können aber das intensive Erlebnis, das er im Opernhaus schuf, nicht wiedergeben. In dieser Aufführung wird er von einem der größten Orchester der Operngeschichte begleitet – jede Nuance der Streicher wird mit solcher Klarheit wiedergegeben, dass man beinahe die Melodie von ihnen diktieren könnte. Knappertsbusch war kein strenger Dirigent und bekannt dafür, es mit der Präzision des Ensembles oder gar der Proben nicht so genau zu nehmen. Dennoch scheint er sein Orchester stets dazu anzuspornen, den Geist der Musik zu erfassen und eine mitreißende, schwungvolle und fließende Aufführung zu schaffen, ohne dabei gehetzt oder kraftlos zu wirken.
Astrid Varnay übernimmt alle drei Brünnhilden und meistert die jeweils unterschiedlichen stimmlichen Anforderungen mit Präzision und beeindruckender Präsenz. Die Rolle des Siegfried teilen sich Bernd Aldenhoff und Wolfgang Windgassen . Obwohl die Aufteilung der Rolle mitunter den Fluss stören kann, tragen beide Tenöre mit ihrer gemeinsamen lyrischen Sensibilität zum Geschlossenheitsgefühl bei. Ludwig Suthaus , selbst ein gefeierter Siegfried, verleiht der Rolle des Loge mit viel Feingefühl und stimmlicher Kraft Ausdruck.
Hans Hotter hat zwar gelegentlich stimmliche Ungenauigkeiten, doch diese werden von seinem tiefen Verständnis für Wotans Komplexität und moralische Ambivalenz überstrahlt. Seine Interpretation von Schlüsseltexten wie „Der freier als ich, der Gott“, „So küsst er die Gottheit von dir!“ und „Der Augen, leuchtendes Paar“ ist von Noblesse und dem zarten Pathos seiner väterlichen Qual durchdrungen und geht direkt ins Herz.
Diese Unmittelbarkeit wird nicht unerheblich durch die souveräne Kontrolle Knappertsbuschs über die sich steigernde Spannung verstärkt; dies ist die Apotheose des Wagner’schen Dramas. Die junge Birgit Nilsson glänzt als Sieglinde – ihre Darbietung ist so fesselnd, dass es schade ist, dass sie nach ihrer engen Verbindung mit Brünnhilde nur noch selten in diese Rolle zurückkehrte. Ramón Vinay verstärkt das Ensemble als Siegmund zusätzlich; sein Heldentenor ist ideal für die Rolle. Elisabeth Grümmer stiehlt in ihren Auftritten als Freia und Gutrune beinahe allen die Show.
Die Mono-Klangqualität ist für 1957 erstaunlich gut, mit minimalen Verzerrungen und klaren Stimmen, wobei auch das Orchester – und das gelegentliche Husten aus dem Publikum – deutlich und detailreich zu hören ist: Mein absoluter Lieblings-Ring!


Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen