
Ich wünsche Ihnen einen schönen Sonntag! - Danke, gleichfalls! Kaum etwas anderes ist so wie dieser Dialog am Ende der Messfeier geeignet, mit Banalität die gottesdienstliche Atmosphäre zu zerschlagen. Da sind die Gläubigen wieder draußen in ihrem Alltag, noch bevor ihnen Gottes Segen zugesprochen und sein Friede mit auf den Weg gegeben wurde. Was gut gemeint sein mag, ist buchstäblich zum Davonlaufen. Dieses persönliche Wort unterläuft den dann folgenden Segen und Friedenswunsch und nimmt ihnen ihre besondere Eigenart und Würde. Einen schönen Sonntag kann mirjeder wünschen; Gottes Segen und seinen Frieden zuzusprechen ist die vornehme Aufgabe des Priesters. Genausoverkehrt wie der banale Sonntags-Wunsch ist die Praxis, im Messgewand auf dem Kirchplatz den Leuten die Hände zu schütteln. In diesem Fall wird etwas, dessen Funktion es ist, Sakralität zu signalisieren, nach draußen getragen und
verliert damit seine Eigenart. Ähnliches wäre von so mancher Danksagung am Ende des Gottesdienstes - einschließlich Applaus - zu sagen. Freude über echte Hilfe zu einer vertieften Mitfeier der Liturgie darf an dieser Stelle sein - Höflichkeitsfloskeln an Vereine sind fehl am Platz. Es muss nicht immer eine in ihren Konsequenzen zu wenig bedachte Menschenfreundlichkeit sein, die zu unpassenden Vermischungen führt.
Wenn etwa bei der Einführung eines Bischofs in seine neue Diözese an der für Vermeldungen
vorgesehenen Stelle der Eucharistiefeier die üblichen Grußworte eingefügt werden, so dass die ganze Feier der Eucharistie erst eine Stunde später mit dem feierlichen bischöflichen Segen schließt, dann zeigt sich der Sinn einer klaren Unterscheidung deutlich. Ein anderes Mal würde der gleiche Bischof vermutlich zunächst die Eucharistiefeier mit seinem Segen zu ihrem Ende bringen, sich in der Sakristei der liturgischen Gewänder entledigen und dann wieder im Kirchenraum Platz nehmen, und nun könnten die verschiedenen Repräsentanten - nicht am Ambol - ihrer Rede freien Lauf lassen. Das entscheidende Kriterium ist in allen diesen Fällen: ist das, was gesagt oder getan wird, dazu hilfreich, dass hier und jetzt Gottes Dienst geschieht?, meint
Ihr Eduard Nagel
(Quelle: Gottesdienst, 22/2006)
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