Montag, 20. Juli 2009

Post the Host


Gerade las ich in der WELT folgenden, etwas "erschreckenden" Artikel:

"Die Meldung ist kein verspäteter Aprilscherz. Sie kommt auch nicht aus Absurdistan, sondern aus Großbritannien: Im Land Ihrer Majestät der Queen bietet ein neuer Internetdienst geweihte Hostien per Post an. Wer will, kann zu Hause ganz für sich allein oder im Kreise seiner Lieben das christliche Abendmahl feiern. "Post the Host" (Verschick die Hostie) heißt dieser Service einer kleinen religiösen Gemeinschaft. Sie nennt sich "Offene Episkopale Kirche", versteht sich als katholisch-apostolisch ("aber ohne Papst"), hat sechs Diözesen auf der Insel und fühlt sich, wie sie beteuert, dem ökumenischen Gedanken verbunden. Jonathan Blake, ihr "Bischof für ganz London", ist der Vater der unkonventionellen Idee, dogmatische Barrieren per Mausklick zu überspringen (www.postthehost.net).

Der postalische Hostiendienst sei zum einen für Menschen gedacht, die aus Alters- oder Krankheitsgründen nicht das Abendmahl in einer Kirche empfangen können, zum anderen für Menschen, die sich ihrem Glauben entfremdet hätten oder sich scheuten, ein Gotteshaus zu betreten, wird Blake von der evangelischen Nachrichtenagentur Idea zitiert. Die große Offenheit für die kirchlichen Randsiedler begründet er so: Jesus habe auch Umgang mit Zöllnern und Sündern gepflegt, selbst Fremde hätten ihn in der Menschenmenge berühren können. Heute lade Jesus jeden ein, seinen Leib zu empfangen, doch die Kirchen stellten zu viele Hürden auf. Angst vor Hostienmissbrauch durch Kirchenfeinde oder Satanisten hat Blake nicht.

Den Leib Christi könne niemand beschädigen, gibt er sich überzeugt. Viele Menschen konsumierten Drogen, um ihr Bewusstsein zu erweitern. Mit der Hostie erhielten sie die Möglichkeit, etwas zu sich zu nehmen, das ihnen einen viel stärkeren, nämlichen geistlichen "Kick" geben könne. Der Service ist kostenlos, aber es werden "Zustellgebühren" berechnet. Für eine Hostie sind umgerechnet 2,35 Euro, für 500 Hostien 11,75 Euro fällig."

(Quelle: DIE WELT)

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Ach ja. - Jetzt fehlt nur noch die "passende Messe" (z. Zt. bietet Bischof Blake 18 verschiedene "Video-Messen" zur "Auswahl" an).

Kommentare:

  1. Von diesem "Service" habe ich jüngst schonmal gehört. Ohne "Bischof" Blake zu nahe treten zu wollen, aber irgendwie erinnert mich das an das Messe-spielen im Kinderzimmer. Als nächstes musste ich an die "Schrulligkeit" denken, die man echten oder eben auch vermeintlichen britischen Bischöfen gelegentlich unterstellt. Und da muß ich zugeben ... trotz meiner großen Nähe zur katholischen Tradition ist mir "Bischof" Blake mit seinen Backoblaten (oder was auch immer er in protestantisch-episkopaler Hinsicht da verschickt) irgendwie sympathischer als Bischof Williamson.

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  2. Irgendwie kann ich jetzt nicht nachvollziehen, wieso man den Back-Wahnsinnigen jetzt mit dem Pius-Irren Williamson in Verbindung bringen muss?

    Abgesehen davon ist Sympathie irgendwie nicht wirklich ein theologisches Argument.

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  3. Grüß Gott, anonymer Zeitgenosse ...

    Der Kommentar spiegelt einfach nur die beiden ersten Gedanken wieder, die mir zur Sache durch die Kopf gegangen sind. Blake wirkt auf mich so, wie ein anderer Pius-Bischof seinen Kollegen Williamson teilcharakterisierte: schrullig eben. Zugegebenermaßen hat das mit Theologie wenig zu tun. Ich erlaubte mir eine säkulare und subjektive Einschätzung - schlimm? Nicht genehm? Verboten gar? ;-)

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  4. Ich fänds auch gut, wenn alle mal einfach zu einem FSSPX-Gottesdienst gingen und sich die Leute dort mal genauer anschauten, anstatt ständig nur auf diesem Williamson herumzureiten.
    Es sind 500 Priester und 600.000 Gläubige oder so, nach meinen letzten Zahlen, da muss man echt nicht immer mit Williamson kommen, auch wenn es sich natürlich anbietet.Dieter Bohlen ist ja auch nicht repräsentativ für die deutsche Musikszene (sorry für diesen Vergleich und geht mir nicht auf den Keks bitte mit: Elsa vergleicht Holocaustleugner mit deutschen Musikschaffenden. Danke).
    *Subjektive Einschätzungen sind im übrigen immer erlaubt und erwünscht - klar. Dazu hat man ja Blogs und Blogkommentare, dachte ich immer:-)

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  5. Nichts ist einfacher zu verkaufen als Kirche. Menschen die wirklich glauben und den Glauben leben, üben eine Faszination aus, die man gerne zum Verkauf anbietet oder zur Ideologie herunterwirtschaftet. Kein Mensch der eine angeblich geweihte Hostie bestellt und für sich konsumiert kann damit Glauben produzieren. Der Glaube lebt von der gelebten Gemeinschaft und der fühlbaren Liebe. Daher kann ich so einen Hostienbestelldienst nicht ernst nehmen, ich halte es für Blödsinn aus der gottlosen Welt geboren, um die Kirche zu demontieren. Anna Clementia

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