Montag, 7. September 2026

Von der Faszination historischer Aufnahmen (10): Die Walküre (MET 1941, Leinsdorf)

Diese mitreißende „Walküre“, eine der besten historischen Rundfunkaufnahmen der Oper von der Met-Bühne, hat alles, was man sich wünschen kann. Fangen wir mit den Frauen an. Astrid Varnay sprang kurzfristig für die erkrankte Lotte Lehmann ein. Mit ihrer kraftvollen Stimme, die jedes Wort prägt, verbindet sie Sieglindes unterdrückte Leidenschaft und Wagners dringliche Lyrik mit fesselnder Autorität. Man würde nie vermuten, dass diese unerfahrene 23-jährige Sängerin noch nie zuvor auf der Bühne gestanden hat. Die großartige Mezzosopranistin Kirsten Thorborg entdeckt als Fricka eine verletzliche Seite unter der scheinbar sittlichen Fassade ihrer Figur. Und Helen Traubels Brünnhilde – eine so nahtlos modulierte und mühelose Stimme findet man heutzutage nur schwer. Was kann man dem Lob für Lauritz Melchiors honigsüßen, baritonalen Siegmund in Höchstform noch hinzufügen? Ja, er reizt die beiden „Wälse-Rufe" im ersten Akt bis zum Äußersten aus – geradezu "wagnerianisch"! Und warum auch nicht? Schließlich schämte sich Rockefeller ja auch nicht für seine Millionen. Alexander Kipnis’ statuenhafter, strahlender Hunding gehört zu den besten Aufnahmen überhaupt. Leider fehlt Friedrich Schorr 1941 der brillante Ton und die Unterstützung, die seine Wotan-Aufnahmen aus der Vorkriegszeit auszeichneten. 

Unter Erich Leinsdorfs diszipliniertem Dirigat wird das Orchester der Met zu einem gleichberechtigten Akteur im Drama. Die Streicher spielen mit zarter Nuance, und selbst die komplexeste Partitur wird überzeugend gestaltet, selbst bei Leinsdorfs mitunter rasanten Tempi. Die nervenaufpeitschende Rasanz dieser schnellsten „Walküre“ auf CD mag stellenweise überzogen sein, aber ihre schneidende Präzision, das Keuchen an der Grenze des Spielbaren waren diesem Ausnahmeereignis sicherlich angemessen. Der Klang ist für eine Radio-Aufnahme recht gut – vergleichbar mit dem, was die Toningenieure von HMV Ende der 1920er-Jahre erreichten. Bis auf eine größere Kürzung in Wotans Monolog im zweiten Akt wird die Oper vollständig aufgeführt. Kenner des historischen Wagner werden für dieses verlockende Schnäppchen sicher einen Platz in ihrer Sammlung finden.

 

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