Regisseur Yuval Sharon lässt sich einiges einfallen für seine Inszenierung von "Tristan und Isolde" an der Metropolitan Opera – allerdings macht nicht alles davon unbedingt Sinn (wer, wie, was, warum wird Isolde noch Mutter vor ihrem Ableben?), und das geschäftige Bühnentreiben wirkt manches Mal ablenkend. Gesungen, immerhin, wird sehr schön, zumal von Michael Spyres als Top-Tristan und Lise Davidsen, die (nach Barcelona) auch in New York mit souveräner Stimme und strahlenden Höhen (nicht ganz so starken Tiefen) eine herausragende Isolde gibt. Eher fragwürdig die Besetzung von König Marke, der mit einem Bass, statt des Bassbaritons Ryan Speedo Green, besser bedient gewesen wäre. Unten im Orchestergraben hält Nézet-Séguin mit dem Met Orchestra ein gesundes Tempo. Es gibt zwar einige Passagen mit fragwürdiger Dynamik, aber das waren höchstens ein paar Minuten in vier Stunden ansonsten exzellenter Musik. Als Simon Rattle 2016 Tristan und Isolde an der Met dirigierte, führte er jedoch eine erhebliche Kürzung im Liebesduett des zweiten Akts ein, die Nézet-Séguin jetzt wieder übernahm: Ein purer, unverzeihlicher Vandalismus für jeden echten Wagnerianer!
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